BringWasMit.de:
Der “VPN-Dienst”
für physische Produkte

BringWasMit.de aus Wismar will Menschen mit Interesse an ausländischen Produkten mit Reisenden vernetzen, die diese mitbringen können.

Die meisten von euch haben dies sicher schon einmal erlebt: Ein bestimmtes, begehrtes Produkt ist nur in einem fernen Land erhältlich oder dort wesentlich günstiger, aber niemand aus dem Freundes- und Bekanntenkreis plant eine Reise dorthin und könnte es mitbringen. Jennifer Schietzel, Sirko Sittig, Stefan Kalkbrenner und Raik Osiablo glauben, dass ein Onlinedienst sich hier als idealer Problemlöser anbietet, und haben deshalb BringWasMit.de auf die Beine gestellt.

Der beschreibende Name sagt eigentlich alles über das Konzept der Site: BringWasMit.de ist ein Marktplatz für im Ausland erhältliche Güter. Der Dienst will Menschen mit Interesse an ausländischen Artikeln und Reisende, die diese mitbringen können, auf einer Plattform miteinander vernetzen. Was VPN-Dienste für nur in spezifischen Ländern angebotene Onlineinhalte erledigen (Stichwort “Geoblocking“), versucht BringWasMit.de mit physischen Produkten.

Nutzer, die an einem spezifischen, in ihrem Heimatmarkt nicht erhältlichen Produkt Interesse haben, können dieses auf ihrer Wunschliste mit einigen beschreibenden Details, dem im jeweiligen Land anfallenden Preis sowie der zusätzlich angebotenen Aufwandsentschädigung eintragen. Anwender, die in naher Zukunft eine Auslandsreise planen, können nach ihrem Land suchen und gelisteten Käufern ein Angebot machen, ihre gewünschte Ware mitzubringen. Alternativ existiert die Option, dass sie ihre Reise selbst eintragen und darauf warten, bis sich andere Nutzer mit Mitbring-Anfragen bei ihnen melden.

Anfragen sind unverbindlich. Nimmt ein Käufer das Angebot eines Reisenden an, der ebenfalls zusagt, entsteht ein rechtsverbindlicher Kaufvertrag (ähnlich wie bei eBay). Der Käufer bezahlt anschließend die vereinbarte Summe per PayPal oder Überweisung. Die Art der Übergabe bzw. Lieferung regeln der Käufer und Reisende selbst – im Idealfall treffen sie sich zu einer persönlichen Übergabe.

BringWasMit.de beruft sich mit seinem Angebot auf die so genannte Reisefreigrenze der EU. Diese erlaubt die private, zoll- und abgabenfreie Einfuhr von Waren im Wert von bis zu 430 Euro aus einem Drittland. Nutzer, deren mitgebrachte Produkte diesen Wert nicht übersteigen, müssen sich also keine Sorgen machen, für ihren “Lieferdienst” Ärger mit dem Zoll zu bekommen.

Problematisch wird es allerdings, wenn sie eine Aufwandsentschädigung mit dem Käufer vereinbaren. Dann sind sie gesetzlich nämlich dazu verpflichtet, in jedem Fall durch den roten Ausgang am Flughafen zu gehen und ihre in einem Land außerhalb der EU erworbenen Güter zu verzollen.

BringWasMit.de weist in der FAQ auf diesen Sachverhalt hin, lässt aber offen, wie Reisende dies handhaben. Es ist davon auszugehen, dass Zollbeamte in der Regel nicht in der Lage sein dürften, in Frage zu stellen, dass eingeführte Waren (von maximal 430 Euro) entweder für den Eigenbedarf bzw. als Geschenk gedacht sind. BringWasMit.de baut augenscheinlich auf diesen Sachverhalt – denn die wenigsten Reisenden werden Fremden Waren allein aus Nettigkeit mitbringen.

Abgesehen von der Zollproblematik sowie den üblichen Betrugsrisiken von jungen Onlinemarktplätzen ohne etablierte Systeme zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit der Akteure halte ich eine grundsätzlich vorhandene Nachfrage nach einem derartigen Angebot für wahrscheinlich.

Das Startup aus Wismar in Mecklenburg-Vorpommern konnte für seine Geschäftsidee bereits das EXIST-Gründerstipendium vom BMWi einstreichen und präsentiert sich am Mittwoch mit seiner internationalen Version BoxInTheBag.com als einziges Startup aus Deutschland auf der von O’Reilly Media mitveranstalteten Web 2.0 Expo in New York. Trotz (oder geraden wegen) des simplen Konzepts und der auch nicht unbedingt technisch/funktionell revolutionären Plattform scheint der Dienst das deutschen Gründer-Quartetts einen Nerv zu treffen.

Würdet ihr BringWasMit.de nutzen?

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8 Kommentare

  1. Leser
    schrieb am 10. Oktober 2011 um 12:21 Uhr (#)

    Nutze es bereits :)

  2. Robin
    schrieb am 10. Oktober 2011 um 13:10 Uhr (#)

    Auf der Website werden 9 Gründe genannt, warum man sich dort registrieren soll.

    8 Gründe sprechen für den “Bezieher” der Ware, nur ein Grund für den “Mitbringer” : “Geld verdienen und Menschen glücklich machen”.
    Also dürften wohl vor allem Gewerbetreibende hier als “Privatverkäufer” auftreten und im Garantiefall die Haftung verweigern – ist ja einer der grossen Aufreger bei ebay. Ebenso, ob die Ware so beschaffen ist wie gewünscht.

    Wünsche den Machern alles Gute.
    An das Gute im Menschen müssen auch die Teilnehmer glauben.

  3. Tanja Handl
    schrieb am 10. Oktober 2011 um 14:06 Uhr (#)

    @ Leser: Und wie zufrieden bist du?

    Ich finde die Idee ganz nett, aber spontan fällt mir kein Produkt ein, dass ich bei jemand Fremdem “bestellen” würde.

  4. Annabelle
    schrieb am 10. Oktober 2011 um 14:19 Uhr (#)

    Als Maskenbildnerin weiss ich, wie anstrengend es manchmal ist, wenn man gewisse Produkte aus dem Ausland nicht bekommt (oder horrende Preise dafür bezahlt). Ich werde mich da auf jeden Fall anmelden!

  5. Katharina
    schrieb am 10. Oktober 2011 um 20:08 Uhr (#)

    …eine tolle Idee. Leider kann man ja nur kleinere Dinge bestellen bzw. mitnehmen. Ich könnte da Stevia aus Paraguay mitnehmen nach Deutschland. Aber auch Aufputschmittel für den Mann ;-) wird hier extrem billig verkauft.

  6. Stephan
    schrieb am 10. Oktober 2011 um 20:21 Uhr (#)

    Scheint ja etwas seriöses zu sein. Aber was sollte man bei Fremden Menschen im Ausland bestellen, was man nicht auch auf normalen Bestellseiten im Internet bekommen kann?

  7. Sebastian Kurt
    schrieb am 14. Oktober 2011 um 11:46 Uhr (#)

    Welche Produkte es in DE nicht oder nur schwer gibt?! Frag mal meinen Bruder. Manch cooler Online-Shop aus USA versendet halt einfach nicht nach EU.
    Geniale Idee!

  8. Thomas
    schrieb am 24. Oktober 2011 um 22:10 Uhr (#)

    Ich habe viel im Ausland studiert und gelebt und war für viele Leute der Mitbringer. Daher hatte ich sogar selbst mal die Idee. Super, dass sie jetzt praktisch in meiner Nachbarschaft umgesetzt wurde.

    Was kann man mitbringen?
    * polnisches Konfekt
    * slowakischen Kräuterlikör
    * ungarische Salami
    Das und noch mehr war schon für Freunde und Familie in meinem Gepäck.

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