Startup-Ideen:
mySugr und das Interesse
an echten Problemlösern

mySugr will mit einer mobilen App die Lebensqualität von 350 Millionen Diabetikern erhöhen. Das Wiener Jungunternehmen ließ sich auf der Startup Week feiern und unterstreicht das allgemeine Interesse an wirklichen, internetgestützten Problemlösern.

Das Wiener Startup mySugr hat den Startup-Wettbewerb der gerade in der österreichischen Hauptstadt stattfindenden Startup Week gewonnen. Ich habe mir die Siegerehrung im Livestream angeschaut und den Eindruck bekommen, sowohl Jury als auch Publikum waren sich in dieser Frage einig. Auch Markus, der vor Ort war, bezeichnete die Wahl von mySugr eben in Linkwertig als “verdient”.

mySugr befindet sich zur Zeit noch im Stealth Mode und ist entsprechend zurückhaltend mit der Bekanntgabe von Details. Ziel des Dienstes ist es, die Lebensqualität der 350 Millionen Menschen weltweit zu erhöhen, die an Diabetes leiden. Mittels spielerischer Elemente sollen Betroffene zur Eingabe ihrer Diabetes-Daten in eine mobile App animiert werden, um auf dieser Grundlage ihre Therapie zu optimieren.

Das von dem Deutschen Frank Westermann, dem Österreicher Gerald Stangl und dem Schweden Fredrik Debong gegründete Startup widmet sich einem Alltagsproblem, dessen Lösungsversuche bisher den Einsatz internetbasierter Technologie vernachlässigten.

Eine datengetriebene Krankheit

“Diabetes ist eine Daten getriebene Krankheit, die als Algorithmus dargestellt werden kann”, so Westermann in einem Gespräch mit Diabetes Austria. “Wenn genug historische Daten vorhanden sind, kann man Rückschlüsse auf wiederkehrende Ereignisse ziehen – etwa, um die perfekte Menge Insulin für ein bestimmtes Mittagessen zu finden oder die perfekte Basalrate fürs Skifahren.” Hier soll die App des Trios ansetzen.

Überzeugt hat die Jury nicht nur das Potenzial der Idee und ihr glasklarer Nutzen, sondern auch die Tatsache, dass Westermann und Debong selbst Diabetiker sind. Sie wissen somit genau, wovon sie reden und welche Aufgaben die mySugr-App erfüllen muss.

Als Gewinner des Startup-Wettbewerbs erhalten die ambitionierten Jungunternehmer eine dreiwöchige Reise ins Silicon Valley sowie ein Mediabudget über 30.000 Euro.

Das Interesse an echten Problemlösern ist groß

Der Sieg von mySugr verdeutlicht, wie groß das Interesse an innovativen Startup-Ideen ist, die sich Alltagsbereichen und der Verbesserung der Lebensqualität widmen. Tatsächlich besitzt diese Art von Unterfangen Exotenstatus. Die Mehrzahl der Jungunternehmen im Technologie-Bereich versucht entweder, neue, potenziell bessere Ansätze für bestehende Problemlösungen zu liefern (z.B. AirBnb, flinc), oder neue Bedürfnisse zu schaffen bzw. versteckte, unbewusste Bedürfnisse zu befriedigen.

Das sicher prominenteste Beispiel für die zuletzt genannte Kategorie ist Twitter. Der Microbloggingdienst illustriert auch sehr schön, dass sich der gesellschaftliche Zugewinn durch einen auf den ersten Blick völlig sinnlosen Webservice manchmal erst über einen längeren Zeitraum entfaltet. Wer hätte 2007 schon gedacht, dass Twitter eines Tages zur dezentralen Organisation von Revolutionen und landes- bzw. weltweiten Protestaktionen zum Einsatz kommen würde.

Ungenutzte Marktlücken

Doch für jedes Social-Web-Startup, das im Langzeiteinsatz ungeahnte Qualitäten entwickelt, gibt es hunderte, die den Pfad der Bedeutungslosigkeit beschreiten. Gleichzeitig ist Diabetes lediglich eine von unzähligen Herausforderungen des menschlichen Daseins, die mit Hilfe webgestützter Lösungen zumindest teilweise gemeistert werden können.

Während sich in bestimmten Feldern der Internetwirtschaft die Akteure dicht an dicht drängen, eröffnen sich in anderen Sektoren – wie dem E-Health-Bereich – enorme Marktlücken, die ungenutzt bleiben. Angehende Gründer – besonders die ohne Zugang zum gut vernetzten US-Ökosystem – sollte schauen, ob sich nicht hier attraktivere Optionen eröffnen. mySugr macht’s vor und wird sich in den nächsten Monaten garantiert nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen müssen.

Link: mySugr

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3 Kommentare

  1. Dave
    schrieb am 7. Oktober 2011 um 14:19 Uhr (#)

    Das ist ein sehr interessantes Projekt. Ich finde StartUps, die so ein Gebiet abdecken, spannend.

    Ich habe auch etwas in Planung, was die Welt vielleicht verändern wird ( ;) ). Hoffentlich steht mein Name dann auch hier :)

    Viele Grüße, Dave

  2. Simon
    schrieb am 8. Oktober 2011 um 08:32 Uhr (#)

    Ich kann nur beipflichten: In spezifischen Randgebieten gibt es noch enormes Potenzial, was clevere Ideen und passende Umsetzung per App gibt. Die mySugar-Idee gefällt mir entsprechend gut. Motivation ist bei vielen Diabetikern längerfristig ein Problem.
    Man muss allerdings auch realistisch sehen, dass man hier ein Programm entwickelt, dass sich an eine Zielgruppe von 60+ richtet. 95% der Diabetiker sind Typ 2, die meisten ältere Menschen. Obwohl es zB seit Jahrzehnten Software für die grafische Auswertung der Messwerte gibt, nutzen sie gerade mal 15%. Das kann sich alles ändern, aber nicht von heute auf morgen.

  3. Stefan
    schrieb am 10. Oktober 2011 um 09:44 Uhr (#)

    Die Tatsache, dass es scheinbar Jahre braucht, um den Quantenschaum an virtuellen Gags- und Spassanwendungen abzutragen bis das wirkliche Potential offen vorliegt zeigt, dass wir hier wohl erst am Anfang einer Entwicklung stehen.

    Ich würde deshalb auch annehmen wollen, dass derartige Apps keine Randerscheinungen, sondern ebenso wie Apps zu Spendenaufrufen bei Hilfsorganisationen oder zum Organisieren von Demonstrationen zur Meinungsfreiheit (arabischer Frühling), die Entwicklung von Webservices verdeutlichen, die einen echten und realen Mehrwert aufweisen.

    Das bloße spielen mit der Virtualität weicht hier der Realität ganz beachtlich. Natürlich ist dieser Prozess verbunden mit einem Zugewinn an Professionalität im Denken, weshalb ich an dieser Stelle gern auf einen Artikel aus einem Wiki zur Webentwicklung verlinken möchte, dass die Frage warum überhaupt Professionalität in Webentwicklung und Design resümiert.

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