Alleinstellungsmerkmal verschwindet:
Wuala schafft den Speichertausch ab

Wuala beerdigt sein einstiges Alleinstellungsmerkmal: Nutzer können zukünftig nicht mehr Platz auf der Festplatte gegen Onlinespeicher eintauschen.

Der aus Zürich stammende Onlinespeicher- und Backupdienst Wuala konnte sich bisher auf ein Alleinstellungsmerkmal berufen, das ihn ohne jeden Zweifel von allen anderen Konkurrenten im dicht besiedelten Markt der Cloud Storage und Synchronisationsservices abhob: die Möglichkeit, mit eigenem Festplattenspeicher zur Wuala-Cloud beizutragen und im Gegenzug ohne zusätzliche Kosten mehr Platz in selbiger zu erhalten.

Nutzer, die gewisse Voraussetzungen wie eine bestimmte Verfügbarkeit erfüllten, konnten so deutlich mehr als die im kostenfreien Basisangebot enthaltenen zwei Gigabyte Onlinespeicher in Anspruch nehmen. Alternativ blieb sonst eines der kostenpflichtigen Pakete. Zum Wuala-Launch Ende 2007 war der Speichertausch das wichtigste Marketingargument des damaligen Startups (siehe “Datei-Hosting auf den Festplatten anderer User“).

Schrittweise Abschaltung 

Doch diese Funktion ist in Kürze Geschichte: In einer E-Mail hat der im März 2009 vom französischen Speicherhersteller LaCie übernommene Dienst bekannt gegeben, den Speichertausch schrittweise abzuschaffen. Begründet wird dies mit einer vollständigen Überarbeitung des dem Service zugrunde liegenden Speichersystems sowie der Fokussierung von Entwicklerressourcen auf Features, die als wichtiger angesehen werden.

Was Wuala weder in der Mail noch in einem Foreneintrag zu der Änderung klar zum Ausdruckt bringt, ist, dass durch das neue System der Speichertausch technisch nicht mehr möglich sei. Die gewählten Formulierungen klingen allerdings so, was Zufall oder beabsichtigt sein kann.

12 Monate Gratisspeicher und Rabatte als Entschädigung

Als Entschädigung für den Wegfall des eingetauschten Speichers will Wuala jedem Nutzer die durch die Bereitstellung eigener Ressourcen verdiente Menge an Cloudspeicher für 12 Monate kostenfrei zur Verfügung stellen. Für die Zeit danach wird im Forum ein rabattierter Preis in Aussicht gestellt.

Es ist unklar, wie viele Wuala-Nutzer von dem Schritt betroffen sind. Der Dienst veröffentlicht ohnehin nur sehr ungern Zahlen zur Nutzung (mit entsprechenden Anfragen sind wir schon mehrmals abgeblitzt), bisher blieben unsere Mails mit Fragen zu den Hintergründen der Veränderung unbeantwortet.

Ein Feature primär für Power User

Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich bei der Option des Speichertauschs um ein Power-User-Feature, das nur von einem kleinen Anteil der Wuala-Mitglieder eingesetzt wurde (einige davon beschweren sich in besagtem Foreneintrag). Gleichzeitig sind aber diese Power-User aus Wuala-Sicht die Kernzielgruppe für die kostenpflichtigen Speicherpakete. Der Fähigkeit zum Tausch von Storage sorgte damit für eine gewisse “Kannibalisierung”, weil Wuala im Angesicht sinkender Speicherkosten in dem hinzugewonnenen, verteilten Cloudstorage auf Anwenderrechnern womöglich nur wenig Nutzen sah.

Das jetzt sukzessive deaktivierte Feature hatte aus Anwendersicht neben dem Kostenaspekt noch den emotionalen Vorzug, dass Daten in vielen Einzelteilen auf verschiedenen Rechnern lagerten. Neben der für Wuala typischen clientseitigen Verschlüsselung schuf dies ein zusätzliches Sicherheitsgefühl, dass ein unberechtigter Datenzugriff durch Dritte (z.B. Behörden) wirklich unmöglich war.

Was auch immer der Grund für die Entscheidung gewesen sein mag – mit dem Wegfall des Speichertauschs verliert Wuala ein Differenzierungsmerkmal gegenüber dem jüngst mit viel Aufsehen vorgestellten US-Konkurrenten Bitcasa – und den ein oder anderen bisherigen Fürsprecher.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. ich gab auf meinem server 100gb frei. nach rund einem jahr wurde davon lediglich ca. 2gb beansprucht durch die andere user.
    meine verfügbarkeit 100.0 %
    wenn ich den verdienten speicher nicht mehr habe, wechsle ich lieber auf ein anderes produkt.

    ebenfalls kaufe ich nun sicherlich keine (überteuerte) lacie-produkte!

  2. Wuala berechnet keine extra Kosten für die Benutzung von Bandbreite und hätte sicher Interesse daran beim Download möglichst viele Daten von Usern anstatt vom zentralen Datenhoster zu holen. Aber die Ersparnisse dabei sind wohl nicht den Aufwand wert. Ich bin selbst Kunde bei Wuala; der Speichertausch erschien mir schon immer als sinnlos: wieso sollte ich meinen Desktop permanent laufen lassen wo doch Daten viel (energie)effizienter in einem Rechenzentrum gespeichert werden können?
    Als Wuala vor drei Jahren an den Start ging gabs einen Peer-To-Peer Hype und da war der Speichertausch ein guter Marketing Gag. Nicht zu vergessen ist auch dass Wuala aus einem Projekt der ETHZ hervorging und da war peer-to-peer Teil des wissenschaftlichen Aspekts.

    • Wieso sollte ich meinen Desktop permanent laufen lassen wo doch Daten viel (energie)effizienter in einem Rechenzentrum gespeichert werden können?

      Guter Punkt. Aus ökologischer Sicht ist das Ende des Features womöglich begrüßenswert. Allerdings glaube ich nicht, dass es Wuala darum ging ;)

    • Da fällt mir noch ein: zusammen mit dem peer-to-peer Aspekt wurde Wuala anfangs auch als “social on-line” Storage beworben. Man kann (konnte – bin mir nicht sicher ob das Feature noch existiert) Files mit Kommentaren versehen. Die Idee war wohl eine Art Social Network über kommentierte Files und Gruppen zu erzeugen. Auch das scheint nur wenig benutzt zu werden.

  3. Wuala bleibt aus meiner Sicht ein gutes Angebot, der Großteil der “normalen” Nutzer hat denke ich von dem Speichertausch keinen Gebrauch gemacht. Wenn man Wuala jetzt nicht mehr mag gibts genug Alternativen im Markt, zwar bietet niemand den Speichertausch an, aber beispielsweise bei Livedrive gibt es 2.000 GB Speicher für um die 10,- € im Monat. Einen Test und einen Preisvergleich mit anderen Online Speichern gibts auf cloudsider.com.

    • Sorry dass ich das schreibe, aber du hast Wuala nicht verstanden. Wuala basiert auf Verteilung von Dateifragmenten. Dieser dezentrale Ansatz ist jedem zentralen Speichersystem überlegen.

      Der Speichertausch setzte nur darauf auf, aber das Wuala-Team schafft beides ab und wird zu einer zweiten Dropbox.

      Und auch das Öko-Argument zieht nicht. Wenn ein User am PC arbeitet, surft oder nen Film anschaut dann läuft Wuala im Hintergrund. Was soll daran Energieverschwendung sein ? Die Verfügbarkeit kann man mit Redundanz erreichen. Und wenn ein User spät in der Nacht die Dateien braucht, dann gibts noch einen zentralen Backup-Server.

  4. Wuala hat für Firmenkunden den Vorteil, daß der Dienst in der Schweiz beheimatet ist, deren Datenschutzniveau dem der EU entspricht.
    Meine Bemühungen, Wuala für ein Private Cloud Projekt mit 5000 Anwendern eines deutschen Unternehmens zu gewinnen, wurden jedoch dadurch erschwert, dass man Wuala nicht telefonisch erreichen kann. Bei LaCie wusste man keinen Ansprechpartner und konnte nicht einmal eine Telefonnummer von Wuala nennen. An einer Weiterentwicklung des Dienstes bzw. vertrieblichen Aktivitäten schien man bei LaCie offenbar nicht interessiert.

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