iversity:
Neue Hochschulplattform will
“PDF-Friedhöfe” der Unis ablösen

Ein Team von rund 20 Absolventen will mit iversity von Berlin aus die digitale Revolution zu Universitäten und Hochschulen bringen.

Mit ResearchGATE hat bereits das weltweit führende Social Network für Forscher und Wissenschaftler seinen Sitz in Berlin. Wenn es nach dem Willen von Jonas Liepmann und Hannes Klöpper geht, wird demnächst eine weitere akademische Onlineplattform aus (dem Umland) der Hauptstadt international für Furore sorgen:

Die zwei ehemaligen Studenten haben mit iversity einen digitalen Campus entwickelt, der als hochschulübergreifende Plattform die Kommunikation in Forschung und Lehre erleichtern soll. Pünktlich zum Beginn des Wintersemesters steht die Plattform auf Englisch und Deutsch Studierenden und Dozenten kostenfrei zur Verfügung.

Rund 11.500 Studierende und Lehrende aus über 80 Hochschulen sollen die Plattform in einer Testphase bereits verwendet haben, um Materialien auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und zu diskutieren.

Eine Million Euro Kapitalspritze

Das mit einer Million Euro aus Mitteln der EU, des Landes Brandenburg und der BMP media investors AG ausgestattete Jungunternehmen aus Neuenhagen bei Berlin strebt nichts Geringeres an, als die “statischen PDF-Friedhöfe” vieler Hochschulen durch eine elegante, übergreifende Plattform zu ersetzen, die zeit- und ortsunabhängiges Zusammenarbeiten ermöglicht.

Lehrkräfte beliebiger Hochschulen können bei iversity Lehrveranstaltungen erstellen, Lehrmaterial hochladen, Konferenzen, Gastvorträge und Call-for-Papers ankündigen sowie Links, Literaturempfehlungen und Kommentare mit Lehr- oder Forschungsgruppen teilen. Studierenden bietet die Plattform die Möglichkeit, Kursmaterialen zu bearbeiten, mit Kommilitonen kollaborativ Aufgaben zu lösen und an Texten zu arbeiten, Lehrmaterialien zu archivieren und Diskussionen zu führen. Man könnte iversity damit also als eine Art akademisches Gegenstück zu studiVZ bezeichnen – nur dass hier die Zukunftsaussichten positiver zu bewerten sind.

Bereits zahlreiche Unterstützer

Momentan wollen die iversity-Macher so viele Leute wie möglich auf die Plattform bringen. Die Unterstützung durch die Lehrkörper ist hierfür essentiell. Gelingt es den Gründern Liepmann und Klöpper, möglichst viele Dozenten vom Einsatz des Dienstes zu überzeugen und diesen in die Lehrveranstaltungen einzubringen, dürfte sich der Rest von ganz alleine ergeben.

An Rückhalt aus dem akademischen Milieu scheint es dem mittlerweile auf rund 20 Absolventen verschiedener Fachrichtungen angewachsenen Startup bisher auch nicht zu mangeln: Zumindest werden bereits zufriedene Äußerungen zahlreicher Professoren auf der Site gelistet.

Internationalisierung geplant

“In größerer Zukunft ist auf jeden Fall dieses internationale akademische Netzwerk unser großes Ziel.”, unterstreicht Liepmann im Gespräch mit der Deutschen Welle die Ambitionen des Unternehmens, sich auch außerhalb des deutschsprachigen Raums einen Namen zu machen. Immerhin: Auch beim Wall Street Journal hat man von iversity schon gehört.

Monetarisierung

Die Nutzung von iversity soll sowohl für Studierende als auch Dozenten dauerhaft kostenfrei bleiben. Die Monetarisierung soll über den Vertrieb von Lehrmaterialien erfolgen, z.B. durch Affiliate-Einnahmen aus dem Verkauf von Lehrbüchern oder Print-on-Demand-Produkten. Auch eine Art Marktplatz für Bildungsangebote oder Stellenausschreibungen hält Geschäftsführer Hannes Köppler für vorstellbar. Ziel sei es, dass derartige Angebote nicht als lästige Werbung sondern hilfreicher Service wahrgenommen werden.

iversity macht auf mich einen positiven Eindruck, zumal ich jüngst im Rahmen eines Fernstudiums wieder einmal feststellen müsste, wie unterentwickelt Hochschulplattformen sein können. Gelingt es iversity, die richtigen Hebel zu bedienen und die notwendigen Unterstützer zu finden, sollte einer erfolgreichen Entwicklung nicht viel im Weg stehen.

Link: iversity

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