Enge Partnerschaft:
Spotify macht sich ganz
von Facebook abhängig

Facebook wählte den schwedischen Musikdienst Spotify als Vorzeige-Partner für die neue Open-Graph-Anwendungsklasse. Die Kooperation der zwei Unternehmen scheint äußerst eng zu sein: Neuregistrierungen bei Spotify sind nur noch über ein Facebook-Konto möglich.

Als Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Donnerstag vergangener Woche die neuen Möglichkeiten von Open-Graph-Applikationen vorstellte, kam dem schwedischen On-Demand-Musikdienst Spotify die Ehre zuteil, mit seiner App als Beispiel für die Funktionweise der neuen Anwendungsklasse zu dienen. Spotify-Gründer Daniel Ek dürfte sogar ein paar Minuten neben Zuckerberg auf der Bühne über seine Vision des zukünftigen Musikkonsums sprechen.

Dass Spotify einer der Musikdienste sein würde, die sich zum Start der erweiterten Facebook-Plattform enger mit dem Social Network verknüpfen, war schon länger bekannt. Da Zuckerberg sich schon vor zwei Jahren als großer Spotify-Fan geoutet hatte und der Musikdienst kürzlich auch in den USA lanciert wurde, verwundert die prominente Hervorhebung von Spotify zur Illustration der neuen Facebook-Features nicht.

Spotify-Registrierung setzt nun Facebook-Konto voraus

Überraschender ist dagegen, wie eng sich das im deutschsprachigen Raum aus rechtlichen Gründen bisher nicht angebotene Spotify an das soziale Netzwerk aus Kalifornien schmiegt: Ab sofort ist eine Registrierung bei Spotify nur noch mit einem Facebook-Konto möglich. Wer nicht Mitglied bei Facebook ist und dies auch nicht werden will, muss für On-Demand-Musikgenuss auf einen anderen Musikservice (wie das weltweit angebotene Grooveshark) ausweichen. Nicht betroffen sind bereits existierende Spotify-Konten.

Nun ist es nicht das erste Mal, dass junge, unabhängige Webservices bei Facebook andocken, um dessen Popularität, Viralität und Identitätsverifzierung für eigene Zwecke zu nutzen. Der (mittlerweile von außerhalb der USA nicht mehr erreichbare) DJ-Dienst Turntable.fm zum Beispiel erfordert ebenfalls ein Facebook-Konto.

Allerdings ist es ein großer Unterschied, ob ein Onlineangebot vom ersten Tag seine Nutzer zu einer Registrierung via Facebook auffordert, oder ob dies Jahre nach dem Launch geschieht. Spotify, das sich mit großen Schritten der Marke von 20 Millionen Mitgliedern annähern dürfte, ist meines Wissens nach der erste gereifte Internetdienst überhaupt, der von einer Registrierung mit einer E-Mail-Adresse komplett auf eine alternativlose Facebook-Authentifizierung umschwenkt.

Spotifys Zukunft liegt unter dem Dach von Facebook

Der diskussionswürdige Schritt sagt viel über die strategische Ausrichtung der Skandinavier aus: Sie sehen die Zukunft von Spotify unter dem Dach von Facebook.

Die entscheidende Frage lautet nun: Wie eng sind Facebook und Spotify eigentlich mittlerweile verbandelt? Dass sich der Musikservice ohne Not in eine vollständige Abhängig von dem sozialen Netzwerk begibt, lässt viel Raum für Spekulationen. Nicht zuletzt deshalb, weil mit Napster-Gründer Sean Parker und der russischen Investmentfirma DST mindestens zwei Kapitalgeber Anteile an sowohl Facebook als auch Spotify besitzen.

Persönlich finde ich die Art, wie sich Spotify vollständig Facebook hingibt, etwas bedauerlich. Gleichzeitig scheint offensichtlich, dass die Partnerschaft zwischen den zwei Aufsehen erregenden Internetfirmen mehr als ein Austauschen von Gefälligkeiten beinhaltet.

Wer ohne Facebook-Konto auf der Seite mit dem Registrierungsprozess für Spotify landet (nur für IPs aus einem der acht Spotify-Länder sichtbar), wird aufgefordert, einen Account anzulegen. Nicht bei Spotify, sondern bei Facebook, um anschließend Spotify nutzen zu können.

Mark Zuckerberg hat schon häufiger deutlich gemacht, dass Facebook lieber eng mit ausgewählten Medienservices zusammenarbeitet, statt selbst zum Medienanbieter zu werden. Eine Akquisition von Spotify wäre demnach für das soziale Netzwerk nicht interessant. Nicht unmöglich ist dagegen eine enge vertragliche Bindung von Spotify an Facebook analog zu der Art, wie der Social-Game-Hersteller Zynga sich dem sozialen Netzwerk verpflichtet hat, um im Gegenzug von Facebook bevorzugte behandelt zu werden. Ganz umsonst wird Spotify die Zuckerberg-PR nicht bekommen haben.

Weder Facebook noch Spotify wollten sich auf Anfrage zu den Details der Partnerschaft äußern. Bei Nutzern scheint der Schritt nicht so gut anzukommen.

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6 Kommentare

  1. Ruben
    schrieb am 26. September 2011 um 16:49 Uhr (#)

    Irgendwo schade. Keiner kann ersthaft ein Facebook-Web wollen.

    Für mich ist Spotify jetzt nur noch halb so cool (was kein Maßstab ist). Manchmal müsste man einfach sowas selbst in die Hand nehmen. Einen Service – cooler und funktionaler als Simfy und freier als (das jetzige) Spotify.

    Anyway, ich bin gespannt… (sowieso immer)!

  2. Martin
    schrieb am 26. September 2011 um 17:43 Uhr (#)

    Weißt du, ob Spotify die Informationen auf Facebook nutzt um zu überprüfen, ob man aus dem “richtigen” Land kommt?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 27. September 2011 um 16:23 Uhr (#)

      Mein Eindruck ist, dass weiterhin die IP-Adresse (und bei Premium das Herkunftsland der Kreditkarte bzw des PayPal-Kontos) ausschlaggebend ist.

  3. thorsten
    schrieb am 27. September 2011 um 03:49 Uhr (#)

    Das wäre für mich ein KO Argument, ich hab zwar einen Facebook Account, aber was ich damit verbinden möchte ist immer noch meine sache.

  4. thomas
    schrieb am 27. September 2011 um 07:05 Uhr (#)

    Sehe ich nicht so kritisch. Die Rechte kann man für die Verknüpfung hinterher meist noch einschränken.
    Für mich sieht die enge Integration von Facebook und Spotify so aus, als könnte man damit auch prima ein iPeng machen. Was macht dieses Netzwerk eigentlich? :-)

  5. Leander Wattig
    schrieb am 3. Oktober 2011 um 14:52 Uhr (#)

    “Nicht betroffen sind bereits existierende Spotify-Konten.”

    Deren Wert dürfte dadurch doch steigen. Könnte man meistbietend versteigern.

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