Facebooks neue Musik-Apps:
Warum ich vorerst
nicht mehr Justin Bieber höre

Nutzer können nun über externe Musikdienste angehörte Titel bei Facebook veröffentlichen. Allerdings fehlt zumindest im Falle von Spotify eine bequeme und zentral platzierte Möglichkeit, diese Funktion für einzelne Songs oder temporär zu deaktivieren.

Facebooks neue Open-Graph-Apps erlauben es Nutzern, verschiedenste Aktivitätsarten in ihrem Ticker (und später auch in ihrer Timeline) zu publizieren. Facebook-Chef Mark Zuckerberg erläuterte dies in seiner gestrigen Keynote am Beispiel des schwedischen Musikdienstes Spotify (leider in D-A-CH offiziell bisher nicht verfügbar).

Weil ich in Schweden wohne, muss ich mich glücklicherweise nicht mit Proxy-Servern und Kreditkarten von Freunden aus einem der acht Spotify-Länder herumärgern, um Zugriff auf den On-Demand-Service zu erhalten.

Also konnte ich die neue Facebook-Spotify-Integration schon einmal ausprobieren – und fühle mich in meinem Kritikpunkt bestätigt, den ich am Ende dieses Beitrages erwähnte: Wer ab und an Musik hört, über die er/sie Freunde am liebsten im Dunkeln lassen möchte, für den könnten die neuen Musik-Apps (alle Launch-Partner hier) zum Problem werden.

Zumindest im Falle von Spotify funktioniert die Integration folgendermaßen: Nachdem Nutzer Spotifys Facebook-App installiert, den Schreib- und Leserechten zugestimmt und anschließend im Spotify-Client das Veröffentlichen angehörter Songs nochmals bestätigt haben, wird fortan jeder über die Spotify-Software gestreamte Titel im Ticker meiner Facebook-Kontakte angezeigt (sofern ich nicht einzelne Freundeslisten ausgesperrt habe).

Was fehlt, ist ein “Mute”-Button innerhalb von Spotify, der das Publizieren von Songs zu Facebook temporär deaktiviert. Last.fm – das Social Music Network, das diese Art des passiven Aufzeichnens angehörter Titel (“Scrobbling”) erfunden hat – bietet für seinen Desktop-Client per schnell erledigtem Rechtsklick genau dieses Feature. Im Falle von Spotify ist stattdessen eine Deaktivierung des Features im Einstellungen-Menü erforderlich – die man viel zu leicht vergisst.

Wenn ein als Hardrocker bekannter Facebook-Nutzer nun versehentlich per automatischem Ticker-Eintrag sein Faible für die Kastelruther Spatzen oder den in der Überschrift erwähnten Justin Bieber entlarvt, dann dürfte dies über eine kurzzeitige Belustigung seiner Freunde hinaus für keinen dauerhaften Schaden sorgen.

Dennoch halte ich das Fehlen einer zentral platzierten Kontrollmöglichkeit darüber, wann Spotify-Aktivitäten bei Facebook veröffentlicht werden, für ein Versäumnis. Zumal gespielte Titel zum jetzigen Zeitpunkt nur im Ticker der Freunde erscheinen, nicht jedoch im eigenen. Manch Spotify-User wird also ganz vergessen, dass er/sie Facebook-Kontakte die ganze Zeit über das eigene Hörverhalten informiert.

Anwendungen, die Facebooks neue Open-Graph-Freiheiten nutzen, um Aktivitäten der User in das soziale Netzwerk zu senden, sind gut beraten, Nutzern eine temporäre Deaktivierung des Features so leicht wie möglich zu machen – in ihrem eigenen Interessen: Fehlt diese Option, werden manche User nämlich von der Verknüpfung mit dem sozialen Netzwerk lieber ganz absehen. Und das gilt letztlich nicht nur für Musik-Apps, sondern für alle Anwendungen.

Spotifys deutscher Konkurrent simfy hat uns auf Anfrage übrigens bestätigt, dass eine überarbeitete Facebook-App auf Open Graph-Basis in Planung ist.

Update 29.09: Spotify entschärft das Problem mit einem neuen Desktop-Client, der über den Menüpunkt “File” > “Private Listening” das schnelle Deaktivieren des Publizierens von gehörten Titeln zu Facebook ermöglicht. Es ist immer noch ein zusätzlicher Klick, zudem geht die Einstellung nach jedem Neustart der Software verloren. Aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Update: So sieht die Spotify-Box mit den zuletzt gehörten Titeln auf dem neuen Timeline-Profil aus. Dort lassen sich einzelne Songs auch im Nachhinein entfernen.

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10 Kommentare

  1. Andreas
    schrieb am 23. September 2011 um 11:11 Uhr (#)

    Muss man die neue Spotify App auf Facebook neu installieren? Und wird die gehörte Musik auch ohne die Timeline schon angezeigt? Btw: Martin, wie ist dein Spotify Username?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 23. September 2011 um 11:14 Uhr (#)

      Andreas, das hab ich selbst nicht so richtig mitbekommen. Die Facebook-Site von Spotifys App scheint nämlich gerade gar nicht zu funktionieren. Musst du mal ein bissl herumexperimentieren.

      Ja, die gehörte Musik wird im Ticker deiner Freunde angezeigt, aber nicht in dem, den du siehst.

      Username imartin

    2. Andreas
      schrieb am 23. September 2011 um 12:23 Uhr (#)

      Ticker habe ich auch noch nicht. Und wenn die Musik bei mir nicht angezeigt wird, dann kann ich es im Moment schlecht testen. Und ja, die Spotify App Seite geht bei mir zur Zeit auch nicht.

  2. Noz
    schrieb am 23. September 2011 um 12:30 Uhr (#)

    auch lustig, wenn der media player in zukunft die titel der angeschauten pornos ins gesichtsbuch schreibt… wuensche den 800 millionen usern weiterhin viel spass mit diesem “dienst”.

    1. Andreas
      schrieb am 23. September 2011 um 13:19 Uhr (#)

      Das “Problem” hättest du aber auch seit Jahren schon bei Last.fm gehabt. Und, hast du davon schon mal was in den Medien gelesen? Ich nicht.

    2. Noz
      schrieb am 23. September 2011 um 14:55 Uhr (#)

      im last.fm client kann ich den porno-ordner vom scrobbeln ausschliessen ;)

  3. André Luce
    schrieb am 23. September 2011 um 12:50 Uhr (#)

    Inwiefern lassen sich in all diesen Möglichkeiten denn Rückschlüsse auf Zeitpunkte von Musikkonsum ziehen? Daraus lassen sich nämlich ggf. auch noch weitere Vorteile oder Fallstricke ziehen.

  4. Oliver Springer
    schrieb am 23. September 2011 um 13:28 Uhr (#)

    Ich denke schon, dass die Folgen über die “kurzzeitige Belustigung seiner Freunde” hinausgeht – zumindest wenn dieser Hardrocker sich regelmäßig die Musik der genannten Künstler anhört. Das wird seinem Status unter seinen Freunden schaden.

    So weit wird er es aber nicht kommen lassen, sondern er wird sich diese Musik dann nicht mehr anhören, sondern sich einordnen, sein Verhalten ändern, um den Erwartungen seiner Freunde wieder zu entsprechen.

    Musik via Facebook zu empfehlen bzw. sich offen als Fan einer Band zu bekennen, sollte bereits (wie jede andere Kundgabe persönlicher Informationen) mit Bedacht erfolgen.

    Der tatsächliche Musikgeschmack und der bewusst kommunizierte unterscheiden sich jedoch. Seinen wahren Musikgeschmack sollte man auf Plattformen wie Facebook für sich behalten. Daraus lässt sich – vor allem in Verbindung mit anderen scheinbar nebensächlichen Angaben – zu viel herauslesen. “Schlimm genug”, wenn ein Musik-Streaming-Dienst ihn kennt!

    1. Andreas
      schrieb am 23. September 2011 um 14:14 Uhr (#)

      Auf Last.fm bringt es mir und allen anderen Usern große Vorteile, das die Plattform unseren Musikgeschmack erkennt. Ich wüßte nicht, wieso dieses Modell durch die Facebook Neuerungen nun völlig in Frage gestellt werden sollte, dieser Zusammenhang erschließt sich mir nicht.

    2. Oliver Springer
      schrieb am 24. September 2011 um 19:05 Uhr (#)

      Neu ist das nicht, aber so langsam sollte das Bewusstsein für die Gefahren dabei wachsen. Derzeit mögen sich daraus mehr Vorteile als Nachteile ergeben, doch in Zukunft werden an immer mehr Stellen verstreut im Internet auffindbare Informationen verknüpft werden.

      Bei Facebook gilt Klarnamen-Pflicht. Bei einem unter Pseudonym nutzbaren Service wie last.fm ist es etwas ganz anderes.

      Ich schätze die Vorteile von Personalisierung. Ich finde es sehr gut, wenn mir durch Tracking Werbung gezeigt wird, die mich interessiert.

      Damit AdSense-Anzeigen zu dem passen, was mich interessiert, muss Google meinen Namen nicht kennen.

      Die Produktempfehlungen von Amazon sehe ich als echtes Plus für die Kunden an. Was ich mir angucke und bestelle, wird aber nicht publiziert.

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