Entrepreneur und Investor Jan Henric Buettner:
“Der Internetwirtschaft steht
eine harte Zeit bevor”

Startup-Gründer sollten jetzt noch ausstehende Finanzierungsrunden abschließen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um einen bevorstehenden Abschwung der Webwirtschaft zu überstehen. Das sagte der erfahrene Internetmanager und Investor Jan Henric Buettner auf dem European Pirate Summit.

Die Stimmung beim gestrigen European Pirate Summit in Köln war größtenteils ausgelassen und entspannt. Nur einmal sorgte ein Speaker dafür, dass bei den 200 anwesenden, piratentypische Risikofreude und Kreativität mitbringenden Gründern, Geldgebern und Startup-Experten das Lächeln aus dem Gesicht verschwand:

Jan Henric Buettner, einstmals verantwortlich für den Aufbau von AOL Europe, danach Chef von AOL Deutschland, heute Investor und Partner beim von ihm gegründeten kalifornischen Venture-Capital-Unternehmen BV Capital (u.a. CityDeal, kaufDa, Groupon), beantwortete Fragen aus dem Publikum und kam dabei auf die Verfassung der Internetwirtschaft im Angesicht einer um sich greifenden Euro- und Schuldenkrise zu sprechen.

Seine Botschaft dürfte den ein oder anderen Entrepreneur vor Ort aus den ambitionierten Piratenträumen gerissen haben: In spätestens sechs bis neun Monaten wird der wirtschaftliche Abschwung die Web- und Startup-Welt mit voller Wucht treffen. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase sowie dem Konjunktureinbruch im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 steht der Netzwirtschaft zum dritten Mal ein kräftiger Abschwung bevor, so der erfahrene Manager und Investor, der seit rund 20 Jahren im Onlinegeschäft tätig ist.

Buettners Ratschlag an alle Gründer: Sie sollten jetzt das Notwendige dafür tun, um die bevorstehende Trockenzeit überstehen zu können, und offene Finanzierungsrunden schnellstmöglich abschließen, um sich ein finanzielles Polster zuzulegen.

Die aktuelle Lage der Tech-Welt bezeichnete der größtenteils in den USA lebende Norddeutsche als “relative Blase”. Mit der Dotcom-Ära könne man die derzeitige Situation zwar nicht vergleichen, aber unverhältnismäßig hoch seien manche Bewertungen in jedem Fall.

Seine Warnung erinnert ein wenig an Sequoias berühmt-berüchtigte “R.I.P. Good Times”-Präsentation aus dem Oktober 2008. Hoffen wir, dass sich Buettners Aussage im Nachhinein als übertrieben pessimistisch herausstellt. Und wenn nicht, bleibt immer noch die Erkenntnis, dass bei Sequoia gut zweieinhalb Jahre nach dem Zeichnen von Weltuntergangsszenarien das Geld bereits wieder locker genug saß, um einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag in eine zum Zeitpunkt des Investments nicht gelaunchte Foto-Applikation zu pumpen (die danach floppte).

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