Innovatives Onlinewörterbuch:
Linguee will weltweiter
Marktführer werden

Das innovative Onlinewörterbuch Linguee veröffentlicht am Dienstag über zwei Jahre nach dem Start eine neue Version seiner Website. Das Kölner Startup will zum weltweiten Marktführer aufsteigen.

Als das Kölner Startup Linguee im Frühjahr 2009 seinen gleichnamigen Übersetzungsdienst vorstellte, dauerte es nicht lange, bis der kostenlose Service zum Onlinewörterbuch meiner Wahl wurde.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Wörterbüchern durchsucht der von Dr. Gereon Frahling, einem ehemaligen Google-Forscher, und dem Ex-Unternehmensberater Leonard Fink entwickelte Dienst das “zweisprachige Web” – vorrangig professionell übersetzte Webseiten von Firmen, Organisationen und Universitäten sowie EU-Dokumente und Patentschriften, die in zwei Sprachen vorliegen. Auf Basis der so gesammelten Informationen kann Linguee so gesuchte Wörter im Zusammenhang darstellen, statt lediglich einzelne Begriffe in eine andere Sprache zu übersetzen (siehe mein Review von damals).

Mittlerweile beherrscht Linguee nicht nur Übersetzungen für Deutsch/Englisch, sondern auch Englisch/Spanisch, Englisch/Französisch und Englisch/Portugiesisch. Chinesisch, Japanisch, Russisch und Arabisch sollen folgen. Abgesehen von der Erweiterung der Sprachen und der ein oder anderen kleineren Neuerung (wie einer iOS-App) hat sich Linguee in mehr als zwei Jahren jedoch kaum verändert. Am kommenden Dienstag aber werden die Kölner eine komplett überarbeitete Version ihres Angebots online stellen, welche die Vorteile von Linguee gegenüber herkömmlichen Wörterbüchern noch verstärken soll.

Zu den wichtigsten Veränderungen zählt eine deutliche optische Trennung von redaktionell erstellten Wörterbüchern sowie den aus dem zweisprachigen Web extrahierten Übersetzungsbeispielen. Die Suche nach einem Wort oder einer Wortgruppe liefert dazu in der linken Spalte redaktionell gepflegte Übersetzungen. Fahren Nutzer mit ihrer Maus über eines der Resultate, erscheinen in der rechten Spalte umgehend dazu passende Übersetzungsbeispiele.

Neu ist außerdem eine Flexionsanalyse, die Stammformen für flektierte wie z.b. deklinierte und konjugierte Wörter findet (die Eingabe von „ich gebe zu“ führt auch zur Ausgabe von Begriffen wie „zugeben“), sowie eine Zerlegung zusammengesetzter Substantive in einzelne Vokabeln (wer nach “Bauarbeiter” sucht, kann sich in diesem Kontext auch gleich Übersetzungen für “Bau” und “Arbeiter” einblenden lassen).

Mit der neuen Oberfläche erhöht Linguee auch die Zahl seiner Quellen: Durch die Einbeziehungen weiterer Onlinetexte und PDFs werden nun laut Geschäftsführer Gereon Frahling mehr als die bisher schon über 200 Millionen berücksichtigten Satzbeispiele durchsucht. Eine Abfrage entspricht demnach der Recherche in etwa 75.000 Bücher gleichzeitig.

An Wochentagen bearbeitet Linguee mittlerweile mehr als 1,5 Millionen Suchanfragen täglich. Konkrete Besucherzahlen will Linguee-Chef Frahling zwar nicht verraten, merkt aber an, dass sich sowohl die Zugriffe als auch die Werbeeinnahmen etwa alle sechs Monate verdoppeln.

Im Mai dieses Jahres erreichte Linguee erstmals einen positiven Cashflow, investiert momentan aber viel in die Weiterentwicklung des Dienstes. Die notwendigen Mittel dafür kommen aus einer Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich, die Ende 2010 mit Altinvestor BrainsToVentures vereinbart wurde.

Um das finanzielle Wachstums zu beschleunigen, soll zum Jahreswechsel neben der Gratis-Variante ein kostenpflichtiger “Mehrwertdienst” eingeführt werden, der sich speziell an professionelle Übersetzer richtet. Dieser wird sich unter anderem durch die Abwesenheit von Werbung sowie eine in Windows integrierte Linguee-Kontextsuche auszeichnen.

Dass Linguee-Gründer Gereon Frahling keine kleinen Brötchen backen will, offenbart sein Ziel, in den nächsten Jahren weltweit die Nummer eins im Wörterbuch-Markt zu werden – nach Bekanntheit und Zugriffszahlen. Wachstum ist dabei für ihn zur Zeit wichtiger als die schnelle Monetarisierung, und nach seiner Aussage hat er für diese Strategie die Unterstützung der Investoren.

Das überarbeitete Linguee könnt ihr euch ab Dienstag, 6. September, anschauen.

Link: Linguee

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3 Kommentare

  1. Tanja Handl
    schrieb am 2. September 2011 um 08:48 Uhr (#)

    Genial – mit den Neuerungen könnte Linguee wirklich zu einem Ersatz meiner Kombi Leo + Oxford English Dictionary + Google Translate werden.

  2. Doreen Schoon-Hammermann
    schrieb am 2. September 2011 um 11:01 Uhr (#)

    Mehrwert durch „Abwesenheit von Werbung sowie eine in Windows integrierte Linguee-Kontextsuche“: Das geht auch jetzt schon mithilfe von Adblock-Plus und Intelliwebsearch.
    Viele Grüße
    DSH

  3. meinereiner
    schrieb am 2. September 2011 um 14:11 Uhr (#)

    wenn man die nachgeschlagenen Wörter noch in ein persönliches und gut funktionierendes “Vokabelheft” aufnehmen und sich danach abfragen lassen kann, wärs schick (leo bietet sowas ja aber mit nicht lernfreundlicher Oberfläche..)

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