Kapitalspritze für Empfehlungsportal plazaa:
Vom Hobbyprojekt zum Startup

Ende 2009 richtete Alexander Kaiser ein Blog ein, auf dem er und Kollegen Restaurants bewerten konnten. Mittlerweile ist aus dem Hobbyprojekt das Startup plazaa geworden – das mit einer Kapitalspritze im sechsstelligen Bereich im Rücken die etablierten Anbieter in Verlegenheit bringen soll.

Als der Designer Alexander Kaiser Ende 2009 für sich und seine Kollegen ein privates Blog zur Bewertung von Restaurants, Cafés, Bars und anderen Locations aufsetzte, hatte er noch keine Ahnung, dass dies für ihn den Anfang einer Gründerkarriere darstellen würde. Auch plante er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, die WordPress-Plattform öffentlich zugänglich zu machen.

Doch nach viel positivem Feedback aus seinem Umfeld und einer kritischen Haltung zur Entwicklung des von ihm seit 2006 genutzten Hamburger Bewertungsportals Qype entschloss sich der gebürtige Sankt Augustiner, sein Projekt “plazaa” in geschlossener Beta-Phase zu lancieren und neben Köln auf weitere Städte auszuweiten. Im Sommer 2010 stellten wir die zu diesem Zeitpunkt von Kaiser noch immer in der Freizeit betriebene Empfehlungsplattform vor.

Es dauerte nicht lange, da erhielt Kaiser erste Anfragen von Business Angels. Gleichzeitig verfestigte sich sein Eindruck, dass die bestehenden Dienste in Deutschland auf die zunehmende Bedeutung von lokalen Bewertungsangeboten hauptsächlich mit konzeptionellen Nachahmungen sowie einer immer stärkeren Ausrichtung auf SEO und Marketing reagierten.

Anfang 2011 entschloss sich Kaiser schließlich, nach fünf Jahren als Art Director bei der Beteiligungsgesellschaft Media Ventures seinen Hut zu nehmen und alles auf plazaa zu setzen. Allzu schwer fiel ihm das nicht, denn der ehemalige Media Ventures-Geschäftsführer Peter Richarz hatte frühzeitig sein Gefallen an plazaa und auch seine Bereitschaft zu einem Investment signalisiert. Kaiser vollzog den Wechsel von der Festanstellung in das Gründerleben also mit dem angenehmen Gefühl, von einer für den Startup-Betrieb notwendigen externen Finanzierung nicht allzuweit entfernt zu sein. Überzeugungsarbeit sollte auch sein Business Plan leisten – 15 Seiten Produktpräsentation und eine Excel-Tabelle mit Zahlen.

Sechsstellige Early-Stage-Finanzierung

Im Mai dieses Jahres war das Investment von Peter Richarz’ neu aufgezogener Early-Stage-Beteiligungsgesellschaft crossventures mit Media Ventures als strategischem Investor in plazaa in trockenen Tüchern. Gleichzeitig wurde die plazaa GmbH gegründet.

Ein Betrag im niedrigen sechsstelligen Bereich steht Alexander Kaiser nun für die Expansion des Kölner Startups zur Verfügung. Noch immer ist er der einzige Angestellte, erhält jedoch bei der Programmierung seit einigen Monaten Freelancer-Unterstützung von Dirk Olbertz. Zukünftig kann er sich wieder voll auf das Produkt und dessen Weiterentwicklung konzentrieren, denn administrative Arbeiten wie Buchhaltung und Juristisches nimmt ihm fortan ein von crossventures bereitgestellter Geschäftsführer ab.

Underdog im Vergleich zu den Branchenriesen

Im Vergleich zu den Branchenriesen wie Qype und Yelp ist plazaa ein absoluter Underdog: In sieben deutschen Städten gibt es bei dem Service mittlerweile etwa 1.500 Empfehlungen und von Nutzern erstellten Bewertungen rund um gastronomische Anbieter, Geschäfte, Clubs und andere Locations. Diese können über die Website sowie eine kostenlose iPhone-App betrachtet sowie hinzugefügt werden. Langfristig soll plazaa alle rund 80 deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern abbilden.

Fokus auf Design, Usability und Empfehlungen von Freunden

Wichtig ist plazaa-Gründer Kaiser der Fokus auf Qualität statt Quantität. plazaa soll nicht nur von der Usability und Optik die Konkurrenz hinter sich lassen, sondern vor allem die Bewertungen von Freunden in der Vordergrund stellen. “Bestehende Dienste sind nichts weiter als gelbe Seiten mit Kommentaren von wildfremden Leuten. Das ist für User nicht relevant”, sagt Kaiser.

plazaa hebt Empfehlungen und Bewertungen von Kontakten grundsätzliche hervor und zeigt diese stets vor von Fremden erstellen Inhalten. “Es reicht daher, wenn man fünf Freunde auf der Plattform hat, die einem Restaurants empfehlen. Dann wissen Nutzer, wo sie hingegehen können.” Derzeit lassen sich Freunde von Facebook einladen, mittelfristig sollen Twitter und Google+ als zusätzliche “Social Layer” integriert werden.

Die Monetarisierung von plazaa soll durch ein B2B-Produkt für lokale Gastronomen und Händler erfolgen, die für einen monatlichen Festpreis von rund 39 Euro auf sich aufmerksam machen können. Zum Einsatz kommen dafür spezielle, auf Nutzerrelevanz ausgerichtete Werbeformen, die über die Website, über die iPhone-App sowie externe Kooperationspartner ausgeliefert werden. Einer der ersten Partner für eine gemeinsame Vermarktung ist der Coupondienst COUPIES.

Innerhalb der kommenden Wochen wird plazaa eine offene API erhalten, wie sie auch die Konkurrenten Qype und Yelp anbieten.

Jungunternehmer Alexander Kaiser weiß, dass er als Ein-Mann-Startup vorerst kleinere Brötchen backen muss als die großen Wettbewerber -weshalb er sich bisher auch noch nicht um eine Android-App kümmern konnte (was eine verpasste Chance darstellt). Kaiser ist aber überzeugt davon, dass der Fokus auf Empfehlungen der Freunde mehr Mehrwert bietet als das Ansammeln einer großen Zahl an Bewertungen Fremder: “Daher braucht plazaa gar nicht 200.000 bewertete Locations”.

Die soziale Branchensuche Finderia sowie die Hotelsuchmaschine Hotelsnapper bauen ähnlich wie plazaa auf Empfehlungen und Bewertungen persönlicher Kontakte.

Link: plazaa

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4 Kommentare

  1. Christoph
    schrieb am 29. August 2011 um 09:20 Uhr (#)

    Glückwunsch poolie !

    Jetzt fehlt nur noch eine Bewertungsmöglichkeit für Locations in Hamburg und eine Android App :)

  2. severint
    schrieb am 29. August 2011 um 13:31 Uhr (#)

    Ich finde das Projekt und besonders die Geschichte dahinter spannend. Viel Erfolg!

  3. wigger
    schrieb am 29. August 2011 um 19:31 Uhr (#)

    nach einem jahr hat die seite keinerlei nennenswerten traffic scheinbar, inhaltlich kann nichts werden, wissen die macher dass es erstmal nur um seo gehen kann?

  4. Sebastian [Techboom]
    schrieb am 24. April 2012 um 16:59 Uhr (#)

    Daumen hoch!

    Ich bin ja auch großer Fan von WordPress. Vorher haben wir das CMS für unsere Seiten selbst zusammengeklimpert. Aber das ist ein Job, den man echt nicht machen will. Vor allem, weil so Sachen wie das Backend immer hinten runterfallen.

    Ich bin gespannt, was die Kapitalspritze in Punkto Traffic auslöst. Um die Bewertung zu rechtfertigen, muss da ja schon noch ein “kleiner” Schub kommen.

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