Deutsche Social Networks:
Das vergebliche Hoffen
auf Datenschutz als Rettung

Die VZ-Netzwerke, lokalisten und wer-kennt-wen.de loben sich für ihren gemeinsamen Verhaltenskodex rund um Daten-, Jugend- und Verbraucherschutz. Nutzern ist’s egal.

Foto: stock.xchng
Foto: stock.xchng
Verfolgt man die ermüdende deutsche Diskussion rund um Datenschutz im digitalen Zeitalter, erhält man leicht den Eindruck, es gäbe auch für Konsumenten nichts Wichtigeres. Immerhin kämpfen ja Politiker und Datenschützer im Sinne und Auftrag des Verbrauchers, möchte man meinen.

Doch wäre der krampfhafte Schutz der eigenen Daten um jeden Preis tatsächlich etwas, das Deutsche abseits von Populismus und Panikmache rund um Street View und Gesichtserkennung für erstrebenswert halten, stellt sich die Frage, was von einer aktuellen Meldung zum gemeinsamen Verhaltenskodex der drei deutschen Social Networks VZ-Netzwerke, lokalisten und wer-kennt-wen.de zu halten ist:

Die drei Betreiber von sozialen Netzwerken haben im Jahr 2009 unter dem Dach der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) besagten Kodex unterzeichnet, in dessen Rahmen sie sich zu Maßnahmen zum Jugendschutz, Datenschutz und Verbraucherschutz verpflichteten.

Heute verkündeten die VZ-Netzwerke, dass eine Evaluation des Kodex durch die Professur der Medienpädagogik und Weiterbildung der Universität Leipzig den drei Anbietern ein sehr hohes Schutzniveau und effektive Nutzeraufklärung attestiert.

In der Mitteilung klopfen sich die drei Unternehmen mit Zitaten auf die Schulter und weisen auf die mannigfaltigen Ansätze hin, mit denen bei den VZ-Diensten, bei lokalisten und wer-kennt-wen.de der Jugend-, Verbraucher- und Datenschutz gestärkt wird.

Das Problem: Allen drei Social Networks laufen die Nutzer davon (siehe hier, hier und hier). Wie ein Magnet zieht US-Konkurrent Facebook diese an – ein Dienst, der vergleichsweise wenig Energie in die vom “Verhaltenskodex der FSM für Social Communities” berücksichtigten Themenfelder investiert.

Für Beobachter des digitalen Wandels ergibt sich ein äußerst widersprüchliches Bild: Auf der einen Seite dominiert in der öffentlichen Debatte die Empörung über die Vernachlässigung von Daten- und Verbraucherschutz bei den führenden US-Internetfirmen, auf der anderen Seite aber geht es genau für die deutschen Social Networks bergab, die sich in den kritischen Punkten seit langem als “die Guten” positionieren zu versuchen.

Der Großteil der Internetnutzer scheint sich trotz anderslautender Aussagen nicht wirklich daran zu stören, dass die US-Services es mit dem Datenschutz weniger genau nehmen als ihre einheimischen Wettbewerber. Oder zumindest ist die Bereitschaft hoch, Abstriche zu machen, wenn im Gegenzug zeitgemäße Werkzeuge für die Kommunikation und Interaktion mit anderen bereitgestellt werden.

Einen gemeinsamen Verhaltenskodex wie eine Trophäe hochzuhalten (wieso dauerte die Evaluation eigentlich länger als zwei Jahre?), während dieser Nutzern augenscheinlich ziemlich egal ist, verstärkt das Bild der verzweifelten Facebook-Konkurrenz, die kein Mittel gegen den Abwärtstrend findet.

Auch wenn “Privacy made in Germany” immer mal wieder als neues Alleinstellungsmerkmal propagiert wird – für stark von Netzwerkeffekten abhängige Dienste mit Schwerpunkt auf der Abbildung sozialer Beziehungen ist hoher Datenschutz (allein) kein funktionierendes Verkaufsargument. Dazu sind Facebook, Twitter und Google+ ganz einfach spannender – gerade weil sie mehr Einblicke in das Leben anderer gewähren und das Auffinden dieser Menschen erleichtern.

(Foto: stock.xchng)

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17 Kommentare

  1. Jochen Hoff
    schrieb am 29. August 2011 um 13:40 Uhr (#)

    Ich glaube du ziehst den falschen Schluss. Die Leute interessieren sich wenig für Datenschutz, weil sie davon ausgehen, dass sie eh betrogen werden. Bei dieser Sichtweise ist es besser sich kaum Gedanken zu machen, anstatt sich ständig zu ärgern.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 29. August 2011 um 13:44 Uhr (#)

      …das Ergebnis ist aber das Gleiche: Sie wählen die Plattform, die ihre Bedürfnisse am ehesten erfüllt.

  2. Jürgen
    schrieb am 29. August 2011 um 13:53 Uhr (#)

    Am interessantesten an der Grafik oben finde ich ja, dass es bei Facebook demnach auch seit einigen Monaten abwärts ginge.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 29. August 2011 um 14:06 Uhr (#)

      Seit einigen Monaten scheint quasi jede Site bei Google Trends for Websites leicht nach unten zu gehen. Könnte also eher mit dem Tool selbst zu tun haben.

      Außerdem waren ja Juni und Juli Sommermonate – gut möglich dass dieser da bei Facebook dargestellte Rückgang darauf zurückzuführen ist.

  3. Oliver
    schrieb am 29. August 2011 um 14:12 Uhr (#)

    Moment… StudiVZ und Lokalisten die Guten? :D Nicht im Ernst, oder? Lokalisten interessieren mich schon lange nicht mehr und StudiVZ ist irgendwie so 90er Jahre aufgemacht. Und davon ab gab es auch bei StudiVZ Datenschutzskandale und den ominösen Tod eines Hackers. Zudem gibt es bei StudiVZ eine Klarnamenpflicht, die aber nur in Ausnahmefällen kontrolliert und eingefordert wird. Ich sollte mich z.B. mit Klarnamen anmelden, wohingegen geschätzte 80-90% dort mit Pseudonymen angemeldet sind – lächerlich! Komischerweise wird die Klarnamenpflicht nur bei Google Plus kritisiert.

    Dass die breite, dumpfe Masse sich weder das Kleingedruckte des Handyvertrags durchliest noch großartig Sorgen um den Datenschutz macht ist zwar irgendwo dumm, aber völlig normal. Aus diesem Grund gibt es ja extra Verbraucherschützer und Datenschützer. Leider stellen die sich mitunter auch mal lieber nur in den Mittelpunkt, anstatt anständig zu arbeiten. Wie auch die Künast, die gegen Google Streetview wetterte – soweit ich weiß gibt es heute noch keine gesetzliche Regelung dazu.

    Immer dasselbe: Der Gesetzgeber pennt und der Verbraucher darf es am Ende ausbaden.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 29. August 2011 um 14:14 Uhr (#)

      “Die Guten” im Vergleich zu Facebook, versteht sich ;)

    2. Ingo D.
      schrieb am 29. August 2011 um 16:06 Uhr (#)

      Lokalisten, VZ und WKW sind zumindest aktuell die “Guten”, wenn auch die Lokalisten bereits bedeutungslos sind und VZ aktuell ca. 5-10 % Nutzer pro Monat!!! verliert. WKW hält sich noch ganz passabel. 2010 war Jappy.de wohl das einzige deutsche Netzwerk, was noch bei relativ großer Nutzerzahl leicht zulegte.

      2011 werden alle “relevanten” deutschen Netzwerke weniger Nutzer haben als noch 2010.
      StudiVZ existiert übrigens erst seit 2005 und war damals am hierzulande noch unbekannten Facebook angelehnt.
      Der Datenschutzskandal war kein wirklicher und mit der Profilbildung von FB nicht zu vergleichen. Über ein Skript konnte der “Hacker” (Skriptkiddie würde es besser treffen) frei zugängliche Daten auf Profilen auswerten und extern speichern. Bastel Dir ein Skript, dass von jeder frei – zugänglichen FB Seite das gleiche macht. Niemand würde da von einem Datenschutzskandal sprechen.
      Die Möglichkeit der Nutzung eines Pseudonyms bei Gebrauch einer Webseite ist übrigens im Gesetz in § 13 Abs. 6 TMG normiert. Kümmert nur keinen. Ebay hat wohl auch aus diesem Grund damals die Nutzung von Pseudonymen (bis zum Kauf) zugelasen.
      Die Verbraucherschutzverbände haben 2009 die damals größten Netzwerke in Deutschland abgemahnt. Danach wurde massiv nachgebessert. Eine Folge der Nachbesserungen war aber, dass die Viralität und die Integration externer Angebote dadurch geschwächt wurden.

      Auch FB wurde bereits letzten Sommer vom Hamburger Datenschutzbeauftragten “angegangen”.


      Die Landesdatenschutzbeauftragten kommen als deutsche Behörde an Facebook nicht heran, der Sitz in den USA schützt vor Bußgeldern deutscher Behörden.

      Zumindest ich habe nie wieder etwas darüber gehört.
      Nach meiner Kenntnis wäre dafür ein Rechtshilfeersuchen an die zuständige US-Behörde notwendig gewesen.

  4. Buzzme
    schrieb am 29. August 2011 um 14:13 Uhr (#)

    Ja, Jürgen, das war bei mir ebenfalls der selbe Gedanke, nachdem ich mir die Grafik angeschaut habe. Könnte natürlich auch am Urlaub liegen, aber es scheint schon so zu sein, dass immer mehr Menschen das persönliche vorziehen, wie ich auch. Bringt einfach mehr Spass, Communities nutze ich immer weniger und es fängt auch eher an mich massiv zu nerven, besonders wegen der ganzen Spammerei, der vielen Freundschaftsanfragen von Musikern, Medienleuten usw., die einfach nur sammeln möchten, damit sie potenzielle Interessenten finden können ( absolut falsche Vorgehensweise ), die vielen Informationen, die auf einen einprasseln kann man gar nicht mehr verarbeiten.
    Mich hat das vor geraumer Zeit so aggressiv gemacht, dass ich einen Schlussstrich gezogen habe und ich fühle mich toll.

    Ich kann Martin aber vollkommen Recht geben, ich habe es selber damals ( als die VZ Netzwerke auf ihrem Hoch waren ) mitbekommen, dass besonders wenig Wert auf Datenschutz gelegt wird, wieso auch, man gibt ja eh alles von sich preis, so ungeniert würde es im Reallife gar nicht laufen.
    Dazu kann man testweise ja mal ein hübsches Mädel einfach mal nach ihrer Telefonnummer fragen: Würde sie wahrscheinlich nicht rausgeben, im Profil steht sie aber.

    Socialnetworks werden meiner Meinung nach immer mehr an Bedeutung verlieren, interessant werden die Inhalte sein, die uns im Reallife begleiten, Wissen ergänzen und behilflich sind, Netzwerke werden so weit kastriert, dass sie nur noch der Kontaktaufnahme und -pflege dienen.

  5. Ingo D.
    schrieb am 29. August 2011 um 14:43 Uhr (#)

    Hallo Martin, ich habe mir die letzten Tage auch ein wenig Gedanken zur “Privacy made in Germany” und der Kritik des ULD gemacht und dieser Text passt (ein wenig modifiziert) ganz gut zu Deinem Artikel:

    Noch im Oktober 2009 wurde Facebook deutlich seltener genutzt als die deutschen Mitkonkurrenten. Kurz danach, auch gestützt auf eine massive PR-Kampagne, der ständigen Nennung in sämtlichen Meinungsführermedien, der Einführung des Likebuttons UND eines guten Gesamtproduktes begann der “Siegeszug” auch auf dem deutschen Markt. Einen ähnlichen Hype habe zumindest ich bei noch keinem anderen Internetprodukt – auch nicht bei google oder ebay – erlebt. Die datenschutzrechtliche Gleichgültigkeit von Facebook muss eigentlich jedem interessierten Nutzer von Anfang an bewusst gewesen sein.

    Dem “normalen” FB-Nutzer dürfte die gesamte Diskussion über Datenschutz solange egal sein, bis er selbst negativ davon betroffen ist. Dieser hat bereits darüber abgestimmt, wie wichtig ihm persönlich der Datenschutz ist. Er ist ihm jedenfalls nicht so wichtig, dass er sich für diesen bei FB abmelden würde oder eine datenschutzrechtlich “bessere” Alternative nutzt.

    Manches deutsches (Copycat-)Unternehmen (wenn auch erst aufgrund des massiven Drucks der Verbraucherschutzverbände und eben der Datenschutzbehörden – eine deutsche Seite, die so wie FB vorgehen würde, wäre tatsächlich schon lange mit Bußgeldbescheiden überzogen worden) leistet inzwischen einen vorbildlichen Datenschutz im Sinne der Datenschützer. Gebracht hat es ihnen wenig, den meisten deutschen Netzwerken laufen die User in Scharen davon.

    Sicherlich konnte man da für einen Wettbewerbsvorteil für FB sprechen, ich fand zum Beispiel gerade die Kooperationen mit web.de und gmx.de immer wieder sehr spannend. Wem immer ich eine E-Mail über diese Dienste schickte, dessen FB-Profil wurde mir angezeigt, zumindest wenn der FB-Nutzer bei der Registrierung eine Mail-Addy dieser Dienste angab. Auch die damalige Einstellung, dass die Kontaktadressen niemandem angezeigt werden dürften, half da wenig. Noch heute kann ich zu jeder E-Mail-Adresse über eine einfache Suchanfrage bei FB das dazu registrierte Profil finden. Den normalen FB-Nutzer scheint das nicht zu stören und ich denke, dass dieser auch nicht gegen seinen Willen geschützt werden muss und darf.

    Like Button
    Der Facebook “Like-Button” verstößt in der aktuellen Ausgestaltung (es werden von allen Besuchern der Webseite IP-Daten in die USA übetragen) IMMER gegen deutsches Datenschutzrecht. Dies ist auch dem Großteil der Webseitenbetreiber bekannt, die den Like-Button eingebunden haben. Es ist den Betreibern aber schlichtweg egal, zu groß ist die Angst, einen Hype zu verschlafen und zu groß die Hoffnung, durch die Nutzung der Social-Plugins weitere User zu finden und an sich zu binden.

    Es werden ohne Einwilligung des Webseitenbesuchers IP-Daten in die USA übertragen.
    Dies ist nicht so ungewöhnlich, auch auf vielen anderen Webseiten werden diese Daten durch eingebundene Werbung an den Werber übermittelt. Der große Unterschied bei Facebook (und auch bei Google+) ist aber, dass FB diesen Daten ohne großen Aufwand auch Klardaten wie Name etc. zuordnen kann und detailierte Persönlichkeitsprofile (für Versicherungen, Kreditkartenunternehmen etc. sehr interessant) erstellen könnte. Nach eigenen Angaben von FB passiert dies “selbstverständlich” nicht. Ich vermag den Unternehmensangaben dabei aber nicht blind vertrauen.

    Eine datenschutzrechtlich konforme Ausgestaltung des Like-Buttons ist eigentlich einfach möglich. Es muss “nur” verhindert werden, dass die IP-Daten von jedem Webseitenbesucher sofort an FB ausgeleitet werden. Dies werden viele Unternehmen, die bereits sehr viel Geld und Energie in Social-Media über FB investiert haben, auch sehr schnell umsetzen.

    Traurig ist, dass dieses Umdenken der Webseitenbetreiber erst aufgrund des nun aufgebauten Drucks der Behörde einsetzt. Auf die Datenschutzrechte der “normalen” Webseitenbesucher wurde von keinem der vielen Webseitenbetreiber, die den Like-Button eingebunden haben, Rücksicht genommen.

    Spannend ist, dass die AGB und Datenschutzbestimmungen von FB (relativ unstreitig) so fehlerhaft sind, dass eine wirksame Einwilligung eigentlich nicht möglich ist und selbst bei bewusster Nutzung des Buttons durch den Webseitenbesucher ein datenschutzrechtlicher Verstoß vorliegt. Darüber wird aber mit ziemlicher Sicherheit bei privaten und gewerblichen Webseitenbetreibern hinweggesehen werden.Zu groß ist bereits der faktische Druck durch die massenhafte tatsächliche Nutzung.

    Fan-Pages
    Es ist nicht realistisch, dass es zu einer Löschung sämtliche Fanpages kommerzieller Telediensteanbieter wegen den massiven Verstößen bei den AGB und den Datenschutzbestimmungen kommt. Wenn private Unternehmen gegen die Verstöße der Rechte ihrer Kunden nicht vorgehen wollen und der Kunde dies selbst scheinbar auch gar nicht wünscht (und auch keine Klagen wegen Wettbewerbsverstöße eingereicht werden) muss dies nach meiner Auffassung nicht unbedingt zwangsweise von der Datenschutzbehörde oder den Verbraucherschutzverbänden gemacht werden (auch wenn dies gegen deutsche Netzwerke so üblich war).

    Was ich aber seit langer Zeit nicht nachvollziehen kann ist die Tatsache, dass auch öffentliche Stellen fleißig Facebook nutzen. Was hat ein öffentlich rechtlicher Rundfunksender, Gemeinden, Elster-Steuerformulare, die Justizministerin oder eine Partei dort zu suchen, wenn allgemein bekannt ist, dass dort massive Rechtsverletzungen stattfinden????
    An dieser Stelle sollten die Behörden ansetzen und deutlich auf die Verstöße hinweisen und – wie dies bei google analytics der Fall war – eine Nutzung für öffentliche Stellen untersagen. Ich bin sicher, dass dies auch passieren wird. Im Ergebnis werden einige Personen FB in Zukunft noch kritischer sehen, öffentlich – rechtliche Stellen werden die Fanpages erstmal löschen und FB wird ein wenig nachbessern.
    Das war es aber auch schon.

    Das vorgehen in Frankreich
    http://winfuture.de/news,63565.html
    , Facebook nicht auch noch durch jede Nachrichtenseite zu bewerben (ich denke, dass dies vielen Anbietern nicht einmal wirklich bewusst ist, aber auch der Spiegel neigte seit Jahren dazu, Facebook immer explizit zu nennen, während andere Anbieter nur als “auf einer Community” etc. Erwähnung fanden) wäre aus meiner Sicht wünschenswert.

  6. Micha
    schrieb am 29. August 2011 um 18:38 Uhr (#)

    Das beste Netzwerk setzt sich eben durch. Facebook war besser als MySpace und das Ergebnis ist das gleiche wie bei den deutschen Netzwerken: Bedeutungslosigkeit.
    Ich denke, dass Privatsphäre für die Deutschen immer noch sehr wichtig ist, aber zum einen muss man sich bei Facebook ja nicht mit seinem richtigen Namen anmelden und zum anderen kann man ja so viel von sich preisgeben, wie man möchte. Außerdem hat Facebook ja auch an den Privacyeinstellungen gearbeitet.
    Die Internetuser in Deutschland wissen mitlerweile, dass Firmen die Profile durchsuchen und das man nicht alles und jedem im Netz vertrauen kann. Deshalb relativiert sich das Argument der Privatsphäre und es rücken andere Sachen in den Vordergrund. Und dann ist Facbook eben unschlagbar.

    1. Sigi
      schrieb am 29. August 2011 um 22:04 Uhr (#)

      Das beste setzt sich durch?
      Du meinst wohl, das am meisten gehypte.
      Und da steht Facebook ganz oben.

      Anderes Beispiel – GoogleMaps wurde gemobt, daher viele 100.000 Widersprüche gegen Abbildung des eigenen Heims. Wie sieht es bei Bing aus? Nur 40.000 Widersprüche, weil es eben nicht von den Medien thematisiert wurde.

      Wie erfolgreich wäre Facebook wohl in De gewesen, wenn die Medien nichts schreckliches (oder garnichts) geschrieben hätten? Zig Millionen weniger User….

  7. Onur
    schrieb am 29. August 2011 um 22:29 Uhr (#)

    Ich verstehe es einfach nicht, wirklich!
    Das ganze Datenschutz – Paranoia – Ding ist doch wirklich lächerlich.
    Im Ernst,- warum immer dieser deutsche “Sonderweg?” (mal wieder),
    - &warum immer diese “Angst” vor den achso heiligen Daten, die in die USA (zum bösen Facebook gehen?)
    Sollen Sie doch alles protokollieren & auswerten.
    viel Spaß dabei & mir Bitteschön abgestimmte personlisierte Werbung zu senden / einblenden
    –> so what?
    (& wenn es ein Drittanbieter ist) Ich habe damit kein Problem mit personalisierter Werbung. – Davon reden wir doch oder?

    Alles andere ist entweder sowieso illegal oder “darf” im Rahmen von Terrorabwehr und Landesschutz sowieso ausgewertet werden – (ebenso wie Mobilfunkdaten & Banküberweisungen).

    Entweder kaufe ich die mir aufgrund meiner personalisierten Daten zugeschnittenen Werbung angebotenen Produkte &/oder Dienstleistungen, oder nicht? – also wo ist das Problem?

    Warum muss ich mir von einem, mit Steuergelden bezahlten Datenschutz”menschen” mich in meiner Internetexperience einschränken lassen? Warum sollen Fanpages & FB – Social Plug in der ganze Rest der Welt nutzen aber Firmen & Nutzer in Deutschland nicht?

    Ich finde das schon fast einen faschistischen/kommunistischen/totalitären Ansatz.

    & Zu guter letzt solle man nicht vergessen, dass nach m.E. kein anderes Netzwerk mehr zur Demokratisierung und Vernetzung beigetragen hat wie Facebook.
    Ob es einen gefällt oder nicht (wäre ein schöner Platz für den FB – Like Button) – Allein schon die Tatsache, dass nun (fast) alle mit Klarnamen unterwegs sind – ist ein immenser Mehrwert für das Internet insgesamt was viele “pseudo”- Datenschutzeinschränkungen aber sowas von in Schatten stellt.

  8. Alex
    schrieb am 30. August 2011 um 11:51 Uhr (#)

    Ich denke, dass der Trend der Nutzerwanderung zu Facebook hin sich selbst verstärkt, da die aus den kleineren Netzwerken zu Facebook abgewanderten wiederum ein Grund für die anderen sind, sich bei FB anzumelden.

    Außerdem ist das Datenschutzbewusstsein nicht bei allen ausgeprägt und es gibt auch nach wie vor den Nutzer, der denkt, die Konzerne könnten mit seinen Daten nichts besonderes anstellen.

  9. rob d
    schrieb am 30. August 2011 um 12:21 Uhr (#)

    @Sigi (#11):
    genau so ist es!
    Je öfter in den Medien (auch hier bei netzwertig!) über Facebook gequatscht wird, umso erfolgreicher wird es. Durch die ganzen Datenschutzberichte erreicht man meiner Meinung nach das Gegenteil – fb wird noch bekannter und auch die letzten Omas & Opas melden sich dort an.

    Das was die Medien hier machen (ja, auch netzwertig!) ist die gleiche kostenlose Werbung wie die letzten Jahre bei Apple. Einfach erbärmlich sowas..

    Mich würde wirklich interessieren wie die Lage aussehen würde wenn die Medien dauernd über meinVZ oder MySpace berichten würden..?!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 30. August 2011 um 12:26 Uhr (#)

      Ich denke, diesen Effekt gibt es tatsächlich, er ist aber weit weniger nachhaltig als ihr glaubt.

      Facebook war lange das modernste Social Network mit den vielseitigsten Funktionen. Deshalb ist es zum weltweiten Marktführer geworden.

      Zumal die in ihrem Ausmaß über die Stränge schlagende Berichterstattung der Masenmedien erst began, als Facebook bereits einige hundert Millionen Nutzer weltweit hatte.

      P.S. Als Tech-Blog beleuchten wir die Entwicklung der wichtigsten Anbieter, insofern wäre es eine ziemliche Nachlässigkeit, aus “politischen” Gründe NICHT über Facebook zu berichten.

      PPS Es gibt genug Artikel, die sich auch kritisch mit Facebook auseinandersetzen.

  10. datadonor
    schrieb am 31. August 2011 um 05:32 Uhr (#)

    Schöner Artikel, stimmige Analyse. Allerdings vermisse ich Relevanz darin. Zu meinem Bedauern erscheint der Text viel zu spät. Ein wenig überraschend, angesichts der sonst üblichen Aktualität und Professionalität an dieser Stelle. Andererseits ist dies von einem deutschsprachigen Technologieblog nicht anders zu erwarten, bezieht sich doch die Analyse auf Unternehmen die neben geringer Innovationskraft, offenbar über noch weniger Ressourcen verfügen und folglich im globalen Wettbewerb schlechte Karten haben. Verzögerung und Unzulänglicheit liegen in der Natur des (deutschen) Internetgeschäfts (bis auf die vielen Ausnahmen – natürlich). Die mediale Beschwerde darüber ebenfalls. Somit sind die hier gewonnenen Erkenntnisse mindestens so rückwärtsgerichtet, offensichtlich, langweilig und veraltet wie das kritisierte Produkt selbst.

    In dieser Situation ist es meiner Ansicht nach vollkommen legitim, dass “lokale” Wettbewerber die Besonderheiten des Marktes identifiziert und zu dem Schluss gelangen, dass die datenschutzrechtlichen und unternehmerischen Rahmenbedingungen eine echte Chance bieten. Facebook holt sich mit jedem Nutzer, der aus einem Land mit hohen Datenschutzstandards stammt, einen weiteren Fürsprecher eben dieser hohen Standards unbewusst ins Haus. Ob man dem in Form eines darauf abgestimmten Featuresets nachkommen möchte, wage ich zu bezweifeln bzw. kann nach der bisherigen Erfahrung ausgeschlossen werden. Interessant wird es, wenn sich erst einmal die neue deutsche Protestkultur gepaart mit dem Struktur-Konservatismus des Internetnutzers hierzulande bei innovativen und auf Monetarisierung fixierten Social Networks in Massen etabliert…….und von Anbieterseite permanent ignoriert wird. Ich spreche hier nicht von der hohen Community Management Kunst, vielmehr von den absoluten Basics wie zum Beispiel das zuverlässige Löschen von extremistischen Inhalten, der Möglichkeit das eigene Profil vollständigen zu entfernen, dem professionellen Umgang mit Profilen nach niederschmetternden Ereignissen wie zum Beispiel einem Todesfall und von einfachen, weniger tragischen Ereignissen und Bedürfnissen der Nutzer, wie der konkreten Hilfestellung bei Programmfehlern und Featurewünschen, etc.

    Diese und weitere weitaus komplexere Leistungen erbringen lokale Anbieter seit geraumer Zeit auf hohem Niveau. Wer darin keinen echten Mehrwert erkennt, nimmt den Nutzer nicht ernst bzw. verpasst eine wachsende Zielgruppe. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich dabei um eine unternehmerische, betriebswirtschaftliche, technische, politische oder mediale Ignoranz handelt. Am Ende des Tages darf sich jeder Einzelne die Frage stellen, ob schiere Größe in Kombination mit einer permanenten Überfrachtung der Nutzer mit Selbstverantwortung ohne selbst Lösungswege aufzuzeigen und Hilfestellungen anzubieten ein gutes Produkt ausmachen.

    Aus meiner Sicht ist das nicht der Fall.

    Ergänzend sei noch der Artikel über die Studien zu Persönlichkeitsschutz durch Selbstregulierung von Otfried Jarren von der Universität Zürich genannt: http://bit.ly/olaFeT

  11. Chris
    schrieb am 31. August 2011 um 13:10 Uhr (#)

    Einfach weil Social Networks mit zuviel Datenschutzblabla wie ein Winter ohne Schnee ist. Wie Salat bei McDonalds oder Blogs von großen Zeitungen. Auch in der Kohlenstoffwelt: Wer Sozial ist, gibt Dinge von sich preis. Die, die das nicht tun, landen in der echten Welt im stillen Kämmerlein – und werden Datenschützer.

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