StumbleUpon:
Im Schatten der Webgiganten

StumbleUpon, die in San Francisco ansässige Entdeckungsmaschine für Websites, ist einer der am meisten unterschätzten Webdienste überhaupt. Doch die Zeichen bei dem einst zu eBay gehörenden Startup stehen auf Wachstum.

Gäbe es einen Titel für den am meisten unterschätzten Webdienst der vergangenen zehn Jahre, wäre StumbleUpon einer der Anwärter und womöglich sogar der Favorit. Speziell im europäischen Raum erhält der bereits 2002 in Kanada gegründete und 2006 nach San Francisco umgesiedelte Service zum Entdecken von zu den persönlichen Vorlieben passenden Websites wenig Aufmerksamkeit.

Dabei kommt in den USA wie berichtet mittlerweile mehr als die Hälfte des von Social-Media-Plattformen zu Websites geleiteten Traffics von StumbleUpon. Der Service löst auf der anderen Seite des Atlantiks nunmehr Facebook als wichtigsten Besucherlieferanten ab – auch wenn man derartige Statistiken aufgrund einer Vielzahl von möglichen, das Ergebnis verfälschenden Faktoren mit einer gewissen Vorsicht genießen sollte.

Entdeckungsmaschine für Websites

Offensichtlich ist jedoch, dass StumbleUpon seinem propagierten Zweck einer Entdeckungsmaschine für Websites trotz der vergleichsweise geringen medialen Beachtung gerecht wird und Webseiten neue, am jeweiligen Themenkomplex interessierte Besucher in Scharen zu senden vermag.

StumbleUpon erlaubt es Anwendern, Websites zu entdecken, die zu zuvor angegebenen Interesse passen oder von Kontakten mit einem positiven Vote versehen wurden. Durch einen Klick auf den “Stumble”-Button in der Weboberfläche, in den Browser-Toolbars oder den mobilen Apps leitet der Service aus Kalifornien seine User von Site zu Site. Mit einer positiven oder negativen Bewertung helfen sie dabei, die ihnen von StumbleUpon servierte Auswahl zu verfeinern, und tragen gleichzeitig zu relevanteren und interessanteren Entdeckungen anderer Nutzer bei.

Kurzes Gastspiel unter dem eBay-Dach

In die Schlagzeilen geriet das Unternehmen 2007, als es für 75 Millionen Dollar von eBay gekauft wurde, und zwei Jahre später, als das Auktionshaus StumbleUpon aus seinem Konzern wieder ausgliedertemit einer Bewertung von nur noch 29 Millionen Dollar. Seitdem agiert StumbleUpon erneut im unabhängigen Startup-Modus, mit rund 60 Angestellten und den Gründern Garett Camp und Geoff Smith an der Spitze sowie frischen 17 Millionen Dollar Risikokapital auf dem Konto.

14 Millionen registrierte Nutzer fangen Interesse von Werbekunden

Im März waren 14 Millionen Nutzer bei StumbleUpon registriert. Zehn Monate zuvor durchbrach der Dienst die Marke von zehn Millionen Mitgliedern. Die Besucherzahlen steigen also, und mit ihnen auch die Attraktivität der Plattform für Werbekunden: “Paid Discovery” heißt das integrierte Kampagnenmodul, mit dessen Hilfe sich Websites und Marken gegen Entgelt eine auf unterschiedliche Weise steuerbare Platzierung im Entdeckungsstream der Nutzer sichern können. Auch die auf diese Weise präsentierten Sites können von Nutzern ganz normal bewertet oder für die Zukunft blockiert werden.

Die zwei jüngsten Neuerungen aus dem Hause StumbleUpon sind eine überarbeitete iPad-App zum mobilen Entdecken von Inhalten im Web sowie die Explore-Funktion, eine StumbleUpon-Reise durchs Web auf Basis beliebiger Suchwörter. Statt der bisher wählbaren 500 Interessensbereiche können nun spontan hunderttausende Themenkomplexe erforscht werden.

Unklares Einsatzszenario

Die Zeichen bei StumbleUpon stehen augenscheinlich auf Expansion. Bleibt die Frage, wieso der Dienst zwar offenbar eine loyale und klickfreudige Nutzerschaft besitzt, aber verglichen mit dem Rampenlicht, in dem andere angesagte Silicon-Valley-Services und -Startups stehen, dennoch eher ein Schattendasein fristet.

Vielleicht ist der etwas unklare Einsatzzweck ein Hindernis auf dem Weg zum ganz großen Durchbruch. Soll man StumbleUpon anstelle klassischer Suchmaschinen und damit produktiv einsetzen, oder den Dienst eher in einer ruhigen Minute zur Unterhaltung und zum Stöbern nutzen?! So richtig klar ist mir das ideale Anwendungsszenario nicht. Mit der Explore-Funktion rückt der Dienst aber zumindest etwas mehr in Richtung Produktivität. Der Übergang zu Social Search ist fließend.

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8 Kommentare

  1. Chris
    schrieb am 24. August 2011 um 12:24 Uhr (#)

    Stimmt. Stumble selber lässt das Anwendungszenario offen.
    Jeder wie er mag und kann und Zeit hat. Evtl. ist das ja echt so gewollt. Ich jedenfalls liebe das Tool und nutze – WENN denn mal Zeit hast – zur lustigen Zerstreuung.
    Allerdings: Wenn man da “Nischen-Themen” konfiguriert, doppelt sich doch so einiges (futurism, beispielsweise) Zum ‘Lustige Dinge entdecken’ gibt’s aber nix besseres, wie ich finde (wenn man auf Aktualität verzichten kann)
    DIE halten durch, da bin ich mir recht sicher!

  2. Chris
    schrieb am 24. August 2011 um 12:26 Uhr (#)

    Achso, nochwas. Wenn die Stumbler ihren Dienst mit einem “crawlbaren Social Media Bookmarking”-Dienst kombinieren würden… DAS wäre ein echter Hammer!

  3. Sebastian
    schrieb am 24. August 2011 um 12:34 Uhr (#)

    StumbleUpon war für mich DER Einstieg ins Social Web im Jahr 2004. Ich habe damals so dermaßen viel Zeit mit dem “stolpern” auf neue Websites und später noch viel mehr bei Diskussionen mit befreundeten Stumblern aus aller Welt “verschwendet”, dass mir heute noch ganz schwindlig wird, wenn ich daran zurückdenke.

    Damals bot dieser Service bereits alles, was FB & Co. unters Volk gebracht haben: Sharing, Blogging, Follow-Funktion u.v.m.

    Möglicherweise ist es eine Mischung aus fehlendem Marketing und der weniger sozial, als vielmehr interesse-bezogenen Herangehensweise bei StumbleUpon, was zu der schwachen Medienpräsenz des Tools beiträgt…?

  4. Robert
    schrieb am 24. August 2011 um 13:38 Uhr (#)

    Als Website-Betreiber muss ich sagen, dass SU zwar viel Traffc bringen kann (für englischsprachige Seiten), allerdings bleibt es meistens bei einem Seitenaufruf. Twitter- und Facebook-Klicks finde ich brauchbarer.

  5. kadekmedien
    schrieb am 24. August 2011 um 16:19 Uhr (#)

    StumbleUpon ist echt ein Phänomen. Ich stumble zwar kaum noch »einfach so«, aber wenn, ist es immer noch ein Riesenspaß. Ganz davon abgesehen bringt es massig Traffic auf meine »Daily Inspiration«-Posts. Und im laufe der Jahre hab ich zwar nur eine Handvoll, aber dafür richtig gute Online-Kontakte weltweit gefunden, mit denen ich mich nahezu täglich austausche und von denen ich immer wieder hochwertiges Material für meine Blogposts geliefert kriege.

  6. Michael
    schrieb am 25. August 2011 um 10:25 Uhr (#)

    Noch ne doofe Frage: Kann man die Ergebnisse irgendwie in Deutsch filtern? Weil Englisch brauch ich kaum.

    Hier ist übrigens ein schönes, obendrein auch herrlich nerdiges Erklärbär-Video. Könnt ihr euch echt mal nen Beispiel dran nehmen. Vielleicht selbst auch einfach mehr Videos machen? (g)
    http://www.youtube.com/watch?v=kRLVOBK3Yro

    Wohl generell eine gute Empfehlung: Wenn man irgendwas nicht versteht, einfach den Google-Videokasten anschmeißen.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 25. August 2011 um 10:31 Uhr (#)

      Ich glaub, du verwechselt unsere Berichterstattung mit Tutorials. Die wirst du hier nicht finden.

  7. Michael
    schrieb am 25. August 2011 um 10:38 Uhr (#)

    Dann wär’s vielleicht eine Überlegung wert. Eine Mischung aus allgemeiner Berichterstattung und genauerer Beschreibung würde ein SocialWeb-Magazin gleich nochmal so interessant und wertvoll machen. Denn wie sagte schon Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil: Grau ist alle Theorie.

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