Schleswig-Holsteins Konfrontation mit Facebook:
Ein neuer Höhepunkt
deutscher Datenschutzhysterie

Websitebetreiber in Schleswig-Holstein müssen bis Ende September einschlägige Integrationspunkte mit Facebook deaktivieren, wollen sie das Risiko eines Bußgeldes von bis zu 50.000 Euro vermeiden. Die Anweisung markiert einen neuen Höhepunkt der weltfremden Annäherung deutscher Datenschützer an den digitalen Wandel.

“Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) fordert alle Stellen in Schleswig-Holstein auf, ihre Fanpages bei Facebook und Social-Plugins wie den ‘Gefällt mir’-Button auf ihren Webseiten zu entfernen”. Mit diesen Worten beginnt eine Pressemitteilung, die am Freitag schnelle Verbreitung im deutschsprachigen Internet fand.

Weil beim Einsatz von Facebook-Plugins auf externen Websites eine Datenweitergabe von Verkehrs- und Inhaltsdaten in die USA sowie ein zweijähriges Usertracking stattfände und dies gegen deutsches und europäisches Datenschutzrecht verstoße, ruft das UDL alle Webseitenbetreiber in Deutschlands nördlichstem Bundesland dazu auf, bis Ende September die entsprechenden Facebook-Services zu deaktiveren. Wer diese Anweisung ignoriert, muss laut UDL mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Man kann zu Facebooks Umgang mit Nutzerdaten stehen wie man will: Eine derartige Regelung für die Bewohner eines einzigen Bundeslandes und im Hinblick auf den in Deutschland mit Abstand am meisten frequentierten Onlinetreffpunkt für Nutzer überhaupt zu bestimmen, ist eine einzigartige Absurdität. Zahlreiche Blogger und Beobachter haben bereits in Worte gekleidet, warum. Es folgt eine Zusammenstellung prägnanter Aussagen und Zitate (und damit auch eine Reihe von Linkempfehlungen):

ZBW Mediatalk:

“Es ist nichts dagegen auszusetzen, für Transparenz zu plädieren und sie auch zu fordern und hin und wieder auch mal klare Grenzen aufzuzeigen. Ich halte die Vorgehensweise aber für komplett fehlgeleitet. Die Aktion geht zu Lasten der Website-Betreiber und Nutzer – der eigentliche Adressat, der hier getroffen werden sollte, wird nicht einmal angesprochen (wie wir später lesen werden, ist das sogar wörtlich gemeint). Damit kommt es zu einer krassen Wettbewerbsverzerrung in der Bundesrepublik. Unternehmen und andere Einrichtungen harren der Dinge im damit akut gefährdeten Standort Schleswig-Holstein. Auch nach dem Paukenschlag gibt es absolut keine Rechtssicherheit: im Gegenteil. Geht es nach den Plänen des ULD werden die Nutzer und Betreiber nun von Netzwerk zu Netzwerk geschoben, da Analysen auf Analysen der jeweiligen Hintergründe folgen werden. Und jeder, der ein wenig im Social Web verkehrt, weiß: Die Netzwerke sind beinahe allesamt werbefinanziert und funktionieren damit ebenso allesamt nach demselben Geschäftsmodel von Tracking und Targeting.”

Haltungsturnen

“Sicher, die Idee, es gäbe aktuell Alternativen zu Facebook, ist denkbar naiv und wirklichkeitsfern. Aber richtig ist der Hinweis, dass Nutzern von Facebook bewusst sein sollte, dass sie ihr informationelles Selbstbestimmungsrecht zu einem guten Teil (für das Internet) abgeben, wenn sie Facebook nutzen. Die Stelle, an der Weichert und seine Behörde meiner Meinung nach irren, ist die Annahme, den Nutzern sei das egal oder nicht bekannt – ist es nicht eher so, dass viele mit dieser Aufgabe ihrer Rechte den Komfort bezahlen, den ihnen Facebook bietet? Dass eben die Nutzung zwar kostenfrei aber eben nicht ohne Kosten ist?”

De:Bug Medien:

“Es mag ja durchaus sein, dass Facebook mit seinen Like-Buttons in die Datenschutzrechtliche Bedrouille gelaufen ist, die Webseiten-Betreiber, die die Like-Buttons einsetzen, dafür in Haft zu nehmen schadet aber aus unserer Sicht nicht nur den Falschen, sondern bringt auch den Datenschutz eher in Verruf, als mehr Druck für eine Durchsetzung besserer Kontrolle der eigenen Daten aufzubauen. Und das ganze auch noch mit einer so partiellen Aktion (nur Schleswig-Holstein???) anzugehen scheint und nun wirklich ganz absurd.”

Don Dahlmann:

“Aber es ist ein Witz, wenn deutsche Behörden bei jeder innovativen Entwicklung plötzlich “Was da alles passieren kann!” rufen. Das war bei Google Streetview so (während sich beim Konkurrenten Bing niemand dafür zu interessieren scheint), das ist nun bei Cloud-Netzwerken so. Das faktische Verbot, innovative Angebote zu nutzen, ist auch gewaltiger Wettbewerbsnachteil. Die Verbote fördern auch nicht gerade die Bereitschaft deutscher Firmen, in neue Entwicklungen und Ideen zu investieren, weil die sich dann erst einmal wieder fragen müssen, welcher Datenschützer aus welcher Provinz auch immer in den nächsten drei Jahren vielleicht auf die Idee komnen könnte, das irgendwas gegen irgendein Gesetz verstösst.”

Wirtschaftsfaktor Sprache:

“Datenschutz ist eine wichtige Sache. Jedoch sollte dieser nach meinem Verständnis einen tatsächlichen Nutzen beinhalten und nicht zwangsläufig zu Superbürokratismus führen. Er sollte auch den Missbrauch erschweren, am besten weltweit in gleichem Maße.”

Social Media Recht Blog:

“Rechtlich richtig, in der Sache jedoch für falsch würde ich insbesondere erachten, wenn Facebook-Seitenbetreiber nun tatsächlich mit Bußgeldbescheiden überzogen würden, da Sie Facebook Insight nutzen. Ich würde es sofort ausstellen, wenn ich könnte. Ich kann aber nicht.”

Einige Links via Rivva.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

So einfach ist das nicht: Wenn Startups beteuern, dass Nutzer ihnen vertrauen können

15.8.2014, 8 KommentareSo einfach ist das nicht:
Wenn Startups beteuern, dass Nutzer ihnen vertrauen können

Viele neue Apps erfordern es von Nutzern, dass diese mit Datenfreigaben in "Vorleistung" gehen. Die Macher scheinen nicht mitbekommen zu haben, dass das Vertrauen von Usern in die Praktiken und Sicherheitsstandards von Online-Anbietern über Jahre gelitten hat.

 Forderung nach weltweiter Linklöschung: EU-Datenschützer wollen die Büchse der Pandora öffnen

25.7.2014, 6 Kommentare Forderung nach weltweiter Linklöschung:
EU-Datenschützer wollen die Büchse der Pandora öffnen

Die aktuelle Löschpraxis im Umgang mit dem Recht auf Vergessen ist ineffektiv. Doch anstatt die Sinnlosigkeit der Regelung zu erkennen, wollen Datenschützer alles noch schlimmer machen.

Linkwertig: Internet, Datenschutz, WM, Netzneutralität

12.6.2014, 1 KommentareLinkwertig:
Internet, Datenschutz, WM, Netzneutralität

Deutschland übersteht bei der WM die Vorrunde, die Schweiz scheidet aus und mehr.

Déjà-vu: Löschung von Google-Links ist die neue Verpixelung

2.6.2014, 5 KommentareDéjà-vu:
Löschung von Google-Links ist die neue Verpixelung

Datenschützer jubeln, Medien liefern Tipps zur Vorgehensweise, und Tausende wollen unbequeme Links aus den Google-Resultaten löschen lassen. Alles erinnert an das Theater um die Verpixelung von Häusern bei Google Street View vor vier Jahren.

Girls Around Me: Unangemessene Empörung über vermeintliche \

2.4.2012, 5 KommentareGirls Around Me:
Unangemessene Empörung über vermeintliche "Stalker-App"

Zahlreiche englischsprachige Medien zeigten sich am Wochenende entrüstet über die iPhone-App Girls Around Me, welche auf einer Karte über Frauen (und Männer) in der Nähe informierte. Die Aufregung ist völlig übertrieben.

Facebook eine \

7.11.2011, 29 KommentareFacebook eine "risikogeneigte Tätigkeit":
Wir warnen vor dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes

Andreas Voßkuhle, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hält das Surfen bei Facebook für eine "risikogeneigte Tätigkeit" und warnt vor der Nutzung des sozialen Netzwerks. Wir warnen vor seinen Aussagen

Kein Interesse an den Chancen der Digitalisierung: Die deutsche Wirtschaft ruht sich auf “Made in Germany” aus

15.9.2014, 8 KommentareKein Interesse an den Chancen der Digitalisierung:
Die deutsche Wirtschaft ruht sich auf “Made in Germany” aus

Der deutsche Mittelstand interessiert sich kaum für die Möglichkeiten digitaler Technologien. Weil “Made in Germany” nach wie vor ungebrochene Popularität genießt, fehlt der Druck für Experimente. Dabei sind diese wichtig, um die künftigen Erfolgschancen zu maximieren.

Der Unterschied zwischen dem Silicon Valley und der Welt: \

21.7.2014, 3 KommentareDer Unterschied zwischen dem Silicon Valley und der Welt:
"Alle raten einem immer, eine Firma zu gründen"

Viele Regionen und Technologie-Cluster versuchen, dem Silicon Valley nachzueifern. Doch solange nicht Unternehmertum als ultimative Lösung in allen Lebenslagen gesehen wird, kann daraus nichts werden.

Linkwertig: Docker, Deezer, JKP, Turing

11.6.2014, 1 KommentareLinkwertig:
Docker, Deezer, JKP, Turing

TechDirt dokumentiert, wie sogar die besseren Medien der Tech-Presse am Wochenende die relativ dümmliche Meldung verbreitet haben, dass erstmals der Turing Test bestanden wurde, und mehr.

 Belohnungskarusell: Wie Facebook Millionen zur Prokrastination verleitet

21.8.2014, 4 Kommentare Belohnungskarusell:
Wie Facebook Millionen zur Prokrastination verleitet

Prokrastination steht für viele gleichbedeutend mit "Facebook". Wir werfen einen Blick auf den Zusammenhang zwischen der Kommunikation in sozialen Netzwerken sowie typischem Aufschiebeverhalten - im zweiten Teil unserer Serie zum Thema Prokrastination.

Linkwertig: OSM, IP, RI, FB

18.8.2014, 0 KommentareLinkwertig:
OSM, IP, RI, FB

Rocket Internet freut sich über neue Beteiligungen und mehr.

Linkwertig: Whistleblowing, Datenhoheit, Gmail, Sammelklage

5.8.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Whistleblowing, Datenhoheit, Gmail, Sammelklage

Die Sammelklage gegen Facebook hat schon 12.000 Mitkläger gefunden und mehr.

31 Kommentare

  1. Ich habe mir recht schnell angewöhnt, mich bei Facebook ordentlich auszuloggen. Ist jemand bei FB permanent eingeloggt und besucht er die Seite example.org, die Plugins wie den Like-Button oder die FB-Kommentare benutzt, wird er doch vom »System« erkannt oder? Völlig unabhängig davon, ob er die Funktion wirklich benutzt. Ich finde schon wichtig, dass darauf hingewiesen wird, was das für Konsquenzen haben könnte.

    Was mich hier aber wieder extrem stört, ist die Regulierungswut, mit der dagegen vorgegangen wird. Ich frage mich, wann die Gesellschaft endlich lernt verantwortungsbewusst mit ihren Daten umzugehen. Das hier hat in meinen Augen keinen Lerneffekt, weil den Leuten das Mitdenken schon wieder abgenommen wird. In einer Zeit, in der das Internet immer wichtiger und allgegenwärtiger wird, muss es irgendwann einfach mal Klick machen.

  2. Während ich Bedenken gegen die Nutzung des “Like”-Buttons noch ansatzweise nachvollziehen kann, schlägt Herr Weichert mit seiner Aufforderung, auch Facebook-Seiten zu löschen, klar über die Stränge.

    Natürlich benennt Weichert in seinem Aufruf nicht die von ihm gepriesenen, angeblich datenschutzkonformen sozialen Netze. Somit lässt sich die Existenz derselben kaum einer kritischen Prüfung unterziehen, einmal ganz abgesehen von der Frage, ob dort auch die relevanten Zielgruppen zu erreichen sind.

  3. Tjä, die Abmahnanwälte laufen sich dann schon mal warm …

  4. Drehen wir die Sache mal um: Angenommen, eine Firma (nennen wir sie mal “Schlecker”) verstößt gegen geltenden Datenschutz und sammelt Infos über seine Mitarbeiter. Da wäre die Empörung aber groß, würde der Datenschutzbeauftragte einfach die Hände in den Schoß legen!

    Wenn ich Quatsch lese wie “selbsternannte Datenschutztäterä”… Hallo? Der Landesdatenschutzbeauftragte wird vom Landtag gewählt und leitet (zumindest in SH) eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Ja, das Vorgehen des Datenschutzbeauftragen aus SH ist irgendwie absurd und lächerlich, aber das ist doch nicht seine Schuld! Er hat ja gar keine anderen Mittel!

    Es wird immer gern über die reflexartige Ablehnungshaltung in der deutschen Öffentlichkeit und Politik gegenüber neuen Techniken geklagt. Dann sollte man aber nicht in dieselben Handlungsmuster verfallen, jedesmal wenn irgendjemand das Thema “Datenschutz” auf die Agenda bringt… sonst macht man sich schnell der Doppelmoral und Heuchelei verdächtig.

    • Frag mal, wie viele Schlecker-Kunden auf Schlecker verzichten könnten, und dann wie viele dies bei Fb tun könnten (= eine Alternative sehen).

      Datenschutz soll schützen, aber nicht um jeden Preis. Der hier von allen zu zahlende Preis (und damit meine ich nicht das Bußgeld) ist zu hoch.

    • Verstehe ich das richtig, dass Gesetze deiner Meinung nach nicht für Firmen gelten sollen, die eine Monopolstellung inne haben? Das wird ja immer lustiger hier…

      Ich kann gut verstehen, dass man die deutsche Datenschutzgesetzgebung als antiquiert/absurd/unangemessen oder was immer ansieht. Aber der Datenschutzbeauftragte ist dann das falsche Ziel für Kritik, denn der macht keine Gesetze, der wendet sie nur an. Und das ist nunmal sein Job.

    • Wenn Regulierungen und Gesetze mehr Schaden als Nutzen anrichten, dann sollten sie besser nicht weiterverfolgt werden.

      Genau das ist hier meines Erachtens nach der Fall. Der wirkliche Schaden bzw. die Gefahren sind Mini, der Schaden durch die Anweisung ist für viele Betroffene groß.

      Zumal – und da geb ich Lars (weiter unten) recht – wieder einmal die Verantwortung des Einzelnen auf den Gesetzgeber abgeschoben wird.

      Ein konstruktives Vorgehen wäre imo eher eine über viele Kanäle verbreitete Kampagne mit Videotutorials, die auf nicht Angst einflößende sondern sehr sachliche Art einfach erklären, wie Nutzer im Internet das Tracking auf Wunsch verhindern können (z.B. ausloggen, Cookies löschen, Incognito Mode).

      Ergo: Nutzern selbst die Werkzeug ein die Hand geben, um sich auf Wunsch einen Schutz zu verschaffen.

  5. man muss sich den ersten satz mal auf der zunge zergehen lassen.
    da ist mitnichten “nur” vom like-button die rede.
    gleich die facebook pages sollen gelöscht werden…

  6. Ich kann diese leidige Debatte antiquierter Regierungs- & Beratungsorgane nicht mehr hören bzw. lesen. Das Facebook eine Politik des “nicht vorhandenen” Datenschutzes betreibt sollte wohl jeder wissen und das Datenschutz (Wir sprechen hier im Regelfall über den Schutz seiner eigenen Daten) bei einem Selbst anfängt sollte auch jedem klar sein. Für den Fall das dem nicht so ist, tut mir das jeweilige Individuum einfach nur leid. Solange es der Staat nicht mal schafft meine Daten in anderen Bereichen konsequent und sicher zu schützen, so sollen die staatlichen sowie “privaten & unabhängigen” doch bitte die Finger von dem Thema lassen und sich um andere Dinge kümmern…

  7. Völlig daneben und ich hoffe das sich das mit den Bußgeldern nicht bewahrheitet. Die Einen dürfen, die Anderen nicht, was ist das für ein Blödsinn und ohnehin hat Deutschland mit Sicherheit größere Probleme als Fanseiten und Like-Buttons.

  8. Ciao, ciao, Schleswig Holstein :-D

  9. Hinz & Kunz können täglich meine Kontodaten abfragen (und in alle Welt verhökern) und detaillierte Profile über mich anlegen (auch und vor allem der Staat) – und nun sollen Website-Inhaber für Fansites und Like-Buttons bestraft werden? Das ist unglaublich!

    Nur weil der Typ mit dem Kapuzen-Sweatshirt nicht ans Telefon geht?

    Ich bezweifele, dass irgendein “Unabhängiges Landeszentrum” den Betrieb von Sites auf Facebook verbieten und Bussgelder eintreiben darf. Es muss doch zumindest ein Recht auf Widerspruch und die Möglichkeit einer richterlichen Überprüfung geben. Falls nicht, sehe ich schwarz für dieses Land.

    Jedenfalls kann so die ganze Welt mal wieder sehen, was für Idioten hier das Sagen haben. In englischsprachigen Foren lacht man sich schon schlapp über Deutschland.

    Eine Frage: Gilt diesbezüglich eigentlich die im Impressum genannte Adresse als bindend, oder der Standort des Webservers? Weiss das jemand?

  10. Hallo? Erde an Raumschiff! Dass fb-Plugins, Google-Analytics-Kramu und die ganzen anderen Kollektoren mit hiesigem Datenschutz nur bedingt vereinbar sind sollte so schwer nicht einzusehen sein.
    Auch “Argumente” der Form, “sollen die sich doch erstmal um $foo kümmern” sind an den Haaren herbei gezogen! Das ist in etwa das Niveau, zu fordern, Geschwindigkeitsbegrenzungen aufzugeben weil einige Autofahrer sich nicht daran halten!

    Und *niemand* fordert, auf “Mag ich”-Buttons zu verzichten. Das Problem ist das iframe (o.ä.) daneben, das eben gerade eine unmittelbare Weitergabe von personenbezogenen Daten an fb bedingt! Wer die Übertragung leugnen möchte hat damit offenbart, dass er von der dahinter stehenden Technik genau garnichts verstanden hat. Einwände, IP-Nummern seien nicht personenbezogen sind soweit ich das mitbekomme durch keinerlei Tatsachen gedeckt, auch die Forderung, der Anwender sollte Adblocker etc. verwenden geht am Problem vorbei.

    Zu Fanpages – dort bezieht man sich soweit ich das verstanden habe auf die Werkzeuge, welche fb zur Analyse von Seitenbesuchern anbietet. Und auch diese sind ganz offenbar Sammlungen von personenbezogenen Daten.

    Ich finde es eigentlich eher positiv, dass sich mal jemand mit solchen kriminellen Verhaltensweisen beschäftigt!

  11. Ich finde es schlimm wie weltfremd besonders Facebook sich über Nationale Datenschutzbestimmungen hinwegsetzt. Als Staat bleibt offensichtlich nur noch solch eine Massnahme. Schade. Könnte man hierfür auch das schlechte Schulsystem in USA verantwortlich machen?
    Ein großes Problem liegt doch darin, dass viel zu selten die Frage gestellt wird: “Was nutzt dem User und bietet einen Mehrwert für die Mehrheit der User? (Mir bietet der Like Button auf Websites keinen Mehrwert) Zu wenig Fragen und Unternehmungen in diese Richtung ergeben zu wenige Antworten, das ergibt zu wenig Berichterstattung über einen fühlbaren Mehrwert für User. Denkt doch mal anders als permanent über Marktwert und große Exits.

    • Ich finde es schlimm wie weltfremd besonders Facebook sich über Nationale Datenschutzbestimmungen hinwegsetzt

      Du erwartest tatsächlich, dass ein in einem Land beheimateter Internetdienst tatsächlich darauf achtet, dass sein Angebot in allen 200 Ländern dieser Welt rechtskonform ist?

      Deine Denkweise stammt aus einem Zeitalter, in dem es keine globale Vernetzung und keine globale, grenzüberschneidende Interaktion und Kommunikation gab.

    • @Martin:

      Ich kann das Gerede von “globaler Vernetzung” langsam nicht mehr hören.

      FB unterliegt natürlich nur sehr indirekt der hiesigen Rechtsprechung, das ist schon klar. Nur, Unternehmen, welche entsprechende Dienste nutzen und hier beheimatet sind eben sehr wohl. Und wie aufgefallen sein dürfte will niemand Facebook verbieten. Man fordert nur, dass sich *hierzulande* tätige Unternehmen an die *hierzulande* geltenden Regeln halten.

      Was ist daran eigentlich so schwer zu verstehen?

      Und bevor jetzt jemand mit dem üblichen Argument, FB könnte ja .eu “abschalten” kommt sollte diese Person mal ganz kurz darüber sinnieren, womit FB (und auch google und auch die hiesigen Datenkraken) sein (rsp. ihr) Geld verdienen. Genau. Dadurch, dass sie mehr oder minder personalisierte Profile generieren und diese dann in dieser oder jener Form weiter veräußern. Das sind letzten Endes Werbeklitschen. Und die werden sich ganz sicher nicht eines Großteils des Marktes entledigen.

      Und ja, ich bin einer der Konsumverweigerer, die ein “Werbung unerwünscht” am Briefkasten hängen haben und auch die kleine, unschuldige Pizzeria um die Ecke mit einer freundlichen (d.h. zumindest beim ersten Vorfall anwaltsfreien) Abmahnung darauf hin weisen dass der Aufkleber ernst gemeint ist. Das führte auch schon häufig zu krassem Unverständnis. Spätestens beim zweiten Schrieb (mit Kostennote) hatte es eigentlich jeder gegrokt.

    • Es ist nicht schwer zu verstehen, nur bedeutet das anwenden solcher Statuten *hierzulande* einen Einschnitt in die globale Wettbewerbsfähigkeit und für einige Unternehmen einen herben Bruch in der Kundenkommunikation und der Darstellung ihrer Unternehmen und Produkte via Facebook nach außen hin… Die Unternehmen sind dort wo die Konsumenten sind und das ist in dem hier vorliegendem Fall Facebook…

    • @Lars:

      O-kay. “Globaler Wettbewerb”. Die nächste Sau, welche durch’s Dorf getrieben wird.

      Wenn das Unternehmen global agiert, dann hat es häufig auch nicht-hiesige Dependancen, die in aller Regel auch als unabhängige GmbHen ausgegliedert sind. Das macht man meistens schon aus einfachen Verrechnungsgründen so. Damit ist es so richtig trivial, dort das Ganze adäquat abzufeiern.
      Und wenn das nicht geht, dann lässt man das iframe halt einfach weg, sowas kann man sogar via passende geo-ip-Filterung halbwegs brauchbar pro Land machen und sichert zu, dass man entsprechende Werkzeuge von FB nicht verwendet.

      Es ist btw. auch unzulässig, irgendwelche Arbeitskräfte aus Absurdistan hierzulande zu beschäftigen und mittels Verweis darauf, dass in Absurdistan ja kein Sozialsystem existiert hier entsprechende Abgaben zu unterschlagen…

    • @Dietz

      Mkay… Absurdistan hat nun zwar nicht direkt etwas damit zu tun aber ok, ein Land das lt. BGB das Recht zu meckern hat und große Sportveranstaltungen durch Produzenten alkoholischer Getränke anpreist und sponsern lässt, dem lass ich auch Absurtistan durchgehen…

      Was die Dependancen von “global Playern” angeht magst du durchaus recht haben. Für dieser Art Unternehmen ist es durchaus sehr einfach alles mal fix ins Ausland zu schaffen, nur geht es darum nicht.

      Es geht mir auch nicht vorrangig über den Like-Button, sondern um die Verwendung, Erstellung und das betreiben der Fanseiten (Fanpages). Nehmen wir zum Beispiel das FHM Magazin welche ihre kompletten Onlineaktivitäten in Richtung Facebook verlagert haben und lediglich via Fanpage agieren. Ein Verbot dieser Seiten würde schlichtweg das aus einer Seite mit über 76.000 Fans bedeuten… Weiter gibt unzählige Marken mit Sitz in Deutschland(regionaler bis weltweiter Vertrieb)die ihre Kommunikation via Facebook immer weiter ausbauen und über ihre Fanseiten nah am Kunden sind (und somit zeitnah agieren und reagieren können)… Jetzt sollen also alle vergangenen Anstrengungen deiner Meinung nach einfach gelöscht, verboten und bestraft werden? Also wenn das kein Nachteil gegenüber einem globalem Markt ist?

      Obwohl… deiner Ansicht nach müssten diese ja nur ihre Geschäftstätigkeit ins Ausland verlegen und alles ist gut und sie könnten sich so an dem Rechtsstaat Deutschland vorbei schmuggeln^^ Dann kann ich dir aber auch Schritt Nummer Zwei dieser Unternehmen sagen: Eine Verlegung der Finanzen ins Ausland und Umfirmierung des Unternehmens um vllt. in Absurdistan weitaus weniger Steuern zu zahlen und im gesamten weniger Stress zu haben… Dann ist es zu einem späteren Zeitpunkt aber die Bevölkerung hierzulande die ihre Jobs in Absurdistan sucht und nicht umgekehrt.

    • Lars,

      ok, das mit den Fanpages ist so eine Sache.

      Schau, ich verdiene mein Geld mit freiberuflicher Softwareentwicklung. Und weise den Kunden nicht selten darauf hin, dass bestimmte Aktivitäten u.U. datenschutzrechtlich bedenklich sind. Die meisten Kunden fallen zunächst aus allen Wolken, wenn man sie aber darauf hin weist, wie sie das Ganze datenschutzkonform gestalten können (in einfachen Fällen kann ich das selber beratschlagen, ansonsten geht man halt zum Datenschutzbeauftragten und lässt sich’s von dem absegnen) dann sind die meisten dankbar, dass man sie gerade vor einem möglichen major cluster fuckup bewahrt hat.

      Und ich habe um ganz ehrlich zu sein keinerlei Mitleid mit irgendwelchen Pfosten, die sich auf den Standpunkt stellen, was geht wird gemacht.

      Im Fall der fan pages – soweit ich informiert bin (ja, das wäre einer der Fälle, wo ich sagen würde, fragt wen der sich damit auskennt) wäre es kein Problem, die problematischen Instrumente einfach nicht zu verwenden und sich darauf festzulegen. Wenn dann der Müller aus dem Marketing das entgegen der Dienstanweisung trotzdem macht dann bekommt der ‘nen Scheitel gezogen.

      Solche Sachen kann man durchaus seriös abfeiern – es muss halt das Problemwissen und der Wille um damit adäquat umzugehen da sein. Und zum Zark nochmal! Wir sind hier in .de, da gibt es einen sehr hochgezüchteten Datenschutz und ich will den nicht missen! Der nützt uns erstmal allen.

      Und wenn irgendwelche Klitschen dem nicht nachkommen wollen – ja mei, betreibt Eure Geschäfte dann halt dort, wo das weniger eng gesehen wird. Ich werde Euch nicht vermissen.

      Ich hätte da ja einen ganz extremistischen Vorschlag – eine Art Urheberrecht für personenbezogene Daten. Sprich, wenn wer solche ohne explizite Erlaubnis verarbytet, dann entsteht dadurch eine Verpflichtung zu entsprechenden Linzenzzahlungen an den Urheber der Daten. Und nein, mir geht es dabei weniger darum, von irgendwem Kohle abzuzocken, einfach eine Übertragung entsprechender Regularien auf die “neue (Netz-)Welt”.

    • Wenn das Unternehmen global agiert, dann hat es häufig auch nicht-hiesige Dependancen, die in aller Regel auch als unabhängige GmbHen ausgegliedert sind.

      Erklaer das mal dem werbefinanzierten Webstartup aus Schleswig-Holstein, das mit den Einnahmen gerade mal die Garage und den Strom finanzieren kann, fuer die das Beschlossene mal eben so die beste Trafficquelle wegnimmt.

      Global agierende Unternehmen muessen seit es das Internet gibt keine multimillionen schweren Firmen sein. Das ist ja das Schoene daran.

    • Ich verweise auf meine Aussage zu Geschwindigkeitsbegrenzungen.

      Alternativ – ein entfernter Bekannter hat sich mal mit einem kleinen Serienbetrugsunternehmen selbstständig gemacht. Obwohl er sogar Angestellte hatte wollte der StA ja so gar nicht einsehen, dass das ja gar nicht so schlimm sei.

      :m(

    • Ja toll, sehr schoenes Beispiel. Ist dein Bekannter dann nach Bayern gegangen wo das Serienbetrugsunternehmen legal war und hat dort weitergemacht? Wenn schon Aepfel mit Birnen vergleichen dann aber richtig ;-)

  12. Auch wir haben uns zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Nein, wir haben es nicht zu 100% für uns genutzt sondern sehr sachlich den Sachverhalt bewertet.

    http://blog.spreadly.com/…n-den-stecker-zieht/

    Danke
    Marco

  13. Ich denke man kann eines ganz genau sagen und zwar das es mehr als schwierig wenn nicht sogar unmöglich ist 100% Datenschutz in einem weitaus rechtsfreien Raum wie dem Internet zu garantieren, schon gar nicht als Staat. Zudem funktioniert eine regionale oder europäische Regelung in Punkto Datenschutz schon aufgrund der Individualität und Souveränität der Staaten nicht. Und wie Martin schon bemerkt hat, kann man ein Netzwerk nicht dafür belangen, dass dessen Datenschutzbestimmungen nicht mit allen Ländern und Gesetzen der Erde konform ist.

    Da ist die Aufklärung, Schulung und das Lernen des Umgangs mit dem Thema Datenschutz auf regionaler oder staatlicher Basis schon wesentlich effektiver…

  14. Kurze Frage eher nüchterner Natur:

    1. Den FB-Like-Button kann ich durch den Share-Link ersetzen, in dem nur Parameter Mithilfe einer URL übergeben und keine personenbezogenen Daten erhoben werden. Das dürfte Datenschutzrechtlich konform sein, oder gibt es hierzu rechtliche Bedenken?

    2. Im Impressum einer Facebook-Fanpage wird die “Facebook Irland Limited” als Seitenbetreiber angegeben. Kann der Seitenadministrator daher überhaupt rechtlich belangt werden oder gilt er unabhängig vom Impressumseintrag dennoch als Betreiber?

    Das der Vorstoß völlig absurd ist, sehe ich auch so. Wenn man aufklären will (und das ist ja grundsätzlich ein gutes Anliegen), sollte man keine Panzer auffahren.

  15. daten”schutz” ??? schutz vor was ????

    hahaha… die erde ist eine scheibe….
    und wenn wir nicht aufpassen, faellt uns der himmel auf den kopf….

    wieviel arbeitsplaetze werden denn durch social media geschaffen….stellensuche via facebook xing linkedin etc etc ist effektiver als alles andere…. aber das nur mal am rande…

    ich habe nichts zu verbergen….
    sollen sie doch daten sammeln bis sie tot umfallen
    meine bank verkauft seit jahren daten meiner payment-statistik an industrie und marketing….
    mein mobilfunkanbieter sammelt daten ueber mein wo wann und mit wem……
    und was meine i-net provider so alles sammelt will ich auch nicht wissen…..
    wir wollen doch alle diesen hype….
    und mal ehrlich, kein anderes land geht so in diesem “datenschutz” auf wie deutschland….
    aber was soll ich mich wundern….wir folgen ja auch als einzige dem feinstaubplakettenwahn hahaha armes deutschland
    in holland kennt man diese nicht mal….
    der deutsche rennt auch jeder hysterie hinterher und laesst sich aufstacheln….

    mein gott… get a life, sucht euch ein hobby….
    es gibt wichtigers auf der welt als sich ueber so’n scheiss gedanken zu machen…

  16. Ich habe vor kurzem gelesen, dass die IHK SH auch einen Musterprozess führen will, wenn dieses Palaver von Seiten der Datenschützer nicht aufhört. Das ist doch was.

Ein Pingback

  1. [...] es dazu zu sagen gibt, haben Martin Weigert und Christoph Kappes bereits ausgeführt. Mir greift die Debatte allerdings zu kurz, denn die immer [...]