foursquare:
Behutsamer Fortschritt

foursquare wächst deutlich langsamer als andere viel beachtete Startups des Social Web. Und doch scheint der New Yorker Dienst voran zu kommen – mit kleinen Schritten.

foursquare ist für mich das seltsamste aller viel gelobten Startups der Social-Web- und Location-Ära. Denn dem New Yorker Dienst zum mobile Einchecken an Orten gelingt es wie keinem anderen Anbieter, sich weiterzuentwickeln und doch auf der Stelle zu treten.

Gestartet im Frühjahr 2009 von Dennis Crowley and Naveen Selvadurai, sorgte der neuartige Service für Smartphones schnell für Begeisterung in der Tech-Community. Per Check-In kontrolliert Freunden und Bekannten signalisieren zu können, wo man sich gerade befindet, war ein Novum und sprach auch diejenigen an, die beim Veröffentlichen ihrer Position trotzdem Wert auf Privatsphäre legten.

Doch auf die anfängliche Euphorie folgte bei manchen eine Check-In-Ermüdung. Gleichzeitig erwies sich die Praxis des Eincheckens mit dem Smartphone als relativ untauglich für den Internet-Mainstream. Besonders deutlich wird dies auch an den relativ bescheidenen Wachstumszahlen des Dienstes vom Big Apple:

Mehr als zehn Millionen registrierte Mitglieder verkündete das Unternehmen im Juni. Für ein vom Hype getragenes Startup, das schon über zwei Jahre alt ist und mit über 500 Millionen Dollar bewertet wird, wächst foursquare ungewöhnlich langsam. Der nur für das iPhone verfügbare Foto-Sharing-Dienst Instagram - ebenfalls ein Liebling überzeugter Digitalbürger – wuchs nur sieben Monate nach dem Launch bereits ähnlich schnell wie foursquare.

An die regelmäßig bekannt gemachten Wasserstandsmeldungen aus dem Hause foursquare hat man sich gewöhnt: “foursquare hat jetzt acht Millionen Nutzer”; “…nun neun Millionen”; “…ganze zehn Millionen”. Jedes Mal erwartete ich für den nächsten Statusbericht eine merkliche exponentielle Zunahme dieser Zahlen – doch bisher blieb diese aus.

Das Team des Check-In-Services scheint mit dieser sicherlich nicht als optimal empfundenen Entwicklung allerdings recht gelassen umzugehen. In Ruhe experimentiert der Service von der Ostküste mit neuen Funktionen und kleinen strategischen Modifikationen:

Seit kurzem finden US-Nutzer des Dienstes von Groupon eingespeiste Sonderangebote in der App. Brandneu ist die Integration von Veranstaltungen in die Liste der für einen Check-In verfügbaren Plätze: Drei externe Anbieter liefern Daten zu Konzerten, Sportevents und Kinofilmen, deren Besucher zum passenden Zeitpunkt via foursquare einchecken können.

Auch das Engagement von Einzelhändlern, Gastronomen und Dienstleistungsfirmen nimmt zu: 500.000 bieten Anwendern mittlerweile Specials und Rabatte als Gegenleistung für Check-Ins. Umsatz generiert dies bisher allerdings nicht, wobei sich dies bald ändern soll. Eine Kooperation mit Amercian Express in den USA soll foursquare als Kundenbindungswerkzeug zudem noch attraktiver machen.

Je nach dem, aus welcher Perspektive man auf das New Yorker Jungunternehmen blickt, ergibt sich ein anderes Bild: Partnerschaften, Bekanntheit und Loyalität eines kleinen, aber hartgesottenen Nutzerkerns weisen in die richtige Richtung – Mitgliederwachstum und Umsätze bisher nicht.

Spätestens seit vor einigen Tagen bekannt wurde, dass US-Präsident Barack Obama im Rahmen seiner Wahlkampftour zukünftig bei foursquare einchecken wird, scheint klar: Egal wie mühsam sich das foursquare-Eichhörnchen ernährt, scheinen der Dienst und die dahinterstehende Marke bereits jetzt nicht mehr aus der Webwelt wegzudenken zu sein.

Und je länger der Atem von Firmenchef Dennis Crowley sowie seine Experimentierfreude reicht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Dienst doch noch auf die goldene Formel für explosive Zuwächse stößt. Damit der nächste Meilenstein von 20 Millionen Nutzern nicht erst im Jahr 2013 verkündet werden muss.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Ich oute mich mal als Foursquare Fan! 388 Tage unterwegs, 18 Badges, 1433 check-ins, 65 things done, 21 mayorships

    LG Michael Eisler

  2. Dienste wie foursquare benötigen eine bestimmte kritische Masse, um in einzelnen Ländern zu funktionieren. In Deutschland ist das meiner Meinung nach noch nicht der Fall. Foursquare müsste man als Subdienst einer größeren Plattform anbieten.

3 Pingbacks

  1. [...] für Kinofilme und Songkick für Konzerte als Partner dabei. diepresse.com, blog.foursquare.com, netzwertig.com [...]

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  3. [...] Hält man sich länger an einem Ort auf, erkennt Moves den Standort und schlägt basierend auf Foursquare-Daten Orte zur Auswahl [...]