“Kaffee bringen lassen für 4 Euro”:
Gigalocal startet seinen
Marktplatz für Micro-Jobs

Nach mehreren Monaten der Vorbereitung gibt Gigalocal den Startschuss für seinen Marktplatz für lokale Micro-Jobs. Nutzer in Berlin können bezahlte Kleinstaufgaben inserieren, die andere Personen in der Umgebung zeitnah erledigen.

Eines der in diesem Jahr ambitioniertesten Startup-Projekte aus Deutschland ist Gigalocal. Schon seit einigen Monaten rührt das Unternehmen aus Hamburg die Werbetrommel für seine Micro-Job-Börse. Fast 50 Mitarbeiter basteln an dem von Hanse Ventures mit Unterstützung von Holtzbrinck Ventures und den Business Angels Heiko Hubertz und Edgar Berger angeschobenen Dienst, bei dem Anwender spontane Mini-Dienstleistungen nachfragen, die von anderen Usern in der Nähe gegen eine kleine Bezahlung erledigt werden.

Zwar existieren auch in den USA erste Dienste, die Menschen über kleine Erledigungen und Hilfeleistungen in Kontakt bringen möchten, aber ein Proof-of-Concept in Form sprudelnder Gewinne oder einer gelungenen Akquisition fehlt bisher.

Einige Wochen später als ursprünglich geplant lüftet Gigalocal am morgigen Dienstag offiziell seinen Vorhang – die iPhone- sowie Browseranwendung sind aber bereits seit einigen Tagen online, im Laufe des heutigen Nachmittages wird auch die Android-App veröffentlicht. In der aktuellen Beta-Phase funktioniert der Dienst nur in Berlin, der Rollout in alle urbanen Regionen Deutschlands bis Ende des Jahres ist geplant. Nutzer in der Schweiz und Österreich müssen sich vorerst gedulden.

Im Zentrum stehen bei Gigalocal so genannten “Gigs” – Dienstleistungen oder Lieferungen von Waren. Die Plattform kann verwendet werden, um sich von Menschen in der Umgebung einen Kaffee oder etwas zu Essen bringen zu lassen, um Hilfe für den Transport von Möbeln zu finden, eine Bohrmaschine zu mieten oder die eigene Wohnung aufräumen zu lassen.

Legen Nutzer einen neuen Gig an, spezifizieren sie, was sie haben möchten, bis wann sie es benötigen, wie viel sie dafür zahlen würden und wo die Erfüllung der Dienstleistung oder die Übergabe der Ware stattfindet.

Jeder Gig ist öffentlich auf einer nach Art der Dienstleistung filterbaren Karte sichtbar. Der erste User, der einen Gig akzeptiert, erhält den Zuschlag und kann per Chat oder über eine kostenlose, keine Privatnummer entlarvende Telefonverbindung mit dem Nachfrager in Kontakt treten. Gig-Ersteller können einen Auftragerfüller ablehnen, woraufhin der Gig erneut gelistet wird. Über eine Bewertungsfunktion sollen Anbieter von Gigs im Nachhinein angeben, inwieweit dieser zu ihrer Zufriedenheit ausgeführt wurde. Die Bezahlung regeln Anwender unter sich.

Nutzer auf der Suche nach einem Nebenverdienst können Benachrichtigungen mit örtlichen und zeitlichen Kriterien einstellen, um informiert zu werden, wenn besonders attraktive/lukrative Gigs in der Umgebung angeboten werden.

Für Privatanwender fallen für die Nutzung von Gigalocal keinerlei Gebühren an, und auch wer sich mit dem Erfüllen von Gigs ein Mini-Zubrot verdient, muss keine Provision zahlen. Die Monetarisierung soll laut Gigalocal-Mitgründer Sebastian Diemer durch gewerbliche Anbieter erfolgen, die als Premium-Partner auf der Plattform auftreten und von Usern eingetragene Gigs erfüllen. Derzeit läuft dafür die Akquisition lokaler Händler und Dienstleister.

Neben der grundsätzlichen und zum jetzigen Zeitpunkt noch offenen Frage, ob und wie eine Peer-to-Peer-Dienstleistungsplattform von Nutzern angenommen wird, ist das Vorhandensein von Maßnahmen zur Verhinderung von Missbrauch eine der entscheidenden Voraussetzungen für einen Erfolg von Gigalocal. Eine Verantwortung für die Leistungserbringung übernimmt das Startup nicht, ist aber logischerweise auf die Nutzerzufriedenheit angewiesen.

Neben dem Bewertungssystem soll auch die Möglichkeit, im Falle von zivil- und strafrechtlichen Streitigkeiten auf eine Aufzeichnung des über das Gigalocal-Telefonsystem geführten Gespräches zugreifen zu können, Störenfriede und Personen mit fragwürdigen Absichten abschrecken.

Ein konkrete Prognose, wieviele Gigs bis Ende 2011 über Gigalocal erledigt werden, ließ sich Mitgründer Sebastian Diemer nicht entlocken. Erreicht hat das Startup sein Ziel nach Diemers Aussage, wenn Nutzer nicht mehr ins Branchenbuch schauen und stattdessen Gigalocal ansteuern.

Eine gewisse Ähnlichkeit hat Gigalocal mit dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Dienst spreet. Dessen Einsatzzweck ist allerdings weiter gefasst als der von Gigalocal und beschränkt sich nicht nur auf kurzfristige Dienstleistungen in der Umgebung, sondern auch auf anderweitige Kontaktaufnahmen.

Link: Gigalocal

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18 Kommentare

  1. Tino
    schrieb am 15. August 2011 um 14:28 Uhr (#)

    Habe es selbst in Berlin getestet, funktioniert wirklich super.

  2. Sebastian
    schrieb am 15. August 2011 um 14:44 Uhr (#)

    Gigalocal wird zu unrecht gehyped, finde ich.

    Mich überzeugt der Clon von zaarly.com nicht wirklich – verstehe leider nicht, wer für ein Produkt oder eine Dienstleistung so viel Geld ausgeben sollte, dass es sich für den Erfüller wieder lohnt, den Diener zu spielen. Das ist widersinnig.

    Ich soll jemandem ein McDonalds-Menü für 3 Euro Verdienst vorbeibringen, der dann statt 7 Euro gleich 10 Euro zahlen muss? Blödsinn. Das wird – hoffentlich sind wir nicht doch schon so kaputt – niemand nutzen!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 15. August 2011 um 14:58 Uhr (#)

      Vom Prinzip kann man ja halten was man will, aber die Diskreditierung als Zaarly-Klon halte ich in diesem Fall für nicht gerechtfertigt und für einen destruktiven Reflex:

      Denn das erste Mal präsentiert wurde Gigalocal auf der re:publica im April. Zaarly trat erstmals im März ins Rampenlicht.

      Schon deshalb halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass die Idee zu Gigalocal tatsächlich erst entstand, nachdem Zaarly gestartet war.

      Aber selbst wenn es so wäre: Ein Klon ist meines Erachtens nach nur Klon, wenn er mit der Intention gestartet wird, ohne Risiko schnelles Geld zu machen. Da aber Zaarly selbst noch ganz frisch ist, existiert diese “Versicherung” nicht. Sprich, das Risiko, zu versagen, ist für Gigalocal genauso hoch wie für Zaarly. Und bei 50 Mitarbeiter wird da ordentlich Geld in die Hand genommen, ohne dass es wie bei der klassischen Copycat nahezu eine Garantie auf guten ROI gibt.

    2. hans
      schrieb am 24. August 2011 um 12:14 Uhr (#)

      gigalocal loest mAn kein problem und es fehlt an nachhaltigkeit. selbst wenn es sich durchsetzt glaub ich nicht dass das transaktionsvolument genuegend profits abwerfen kann

  3. Hannes
    schrieb am 15. August 2011 um 14:47 Uhr (#)

    Ohje, ich glaube mit dieser App werde ich zum Dauer-Couch-Potatoe…werde ich gleich mal ausprobieren ob das wirklich funktioniert

  4. HHH
    schrieb am 15. August 2011 um 15:09 Uhr (#)

    Ich frage mich, wer sich die Technologie (Computer + Internet, iPhone etc.) leisten kann, um auf dieses Angebot zuzugreifen, aber darauf angewiesen ist, solche Mini-Aufträge anzunehmen?

  5. Sebastian Kurt
    schrieb am 15. August 2011 um 15:10 Uhr (#)

    Ich beobachte zaarly schon eine Weile und bin gespannt ob sich gigalocal durchsetzen kann. Ich sehe eine ganze Reihe spannender Anwendungsfälle, stimme Martin zu das sich der Erfolg der Plattform ganz deutlich an Mißbrauch und Qualität der Arbeiten messen lassen wird.

    Ich bin gespannt ob es eine API für gigalocal gibt, denn mir fallen auf Anhieb ein paar Mashups ein wo sich das System gut einpassen würde.

    danke für den Artikel!

  6. Roman
    schrieb am 15. August 2011 um 16:59 Uhr (#)

    machdudas.de drückt die Daumen ;-)

  7. Alex
    schrieb am 15. August 2011 um 21:55 Uhr (#)

    Sitze gerade in der Badewanne, wer rubbelt mir die Hornhaut an den Zehen ab? Hamburg- Schanzenviertel, 2,50 Euro. Bitte schnell melden, Wasser wird kalt.

    Scherz beiseite, ich find das Beispiel mit dem Kaffeevorbringen etwas krass und die Vorstellung es könnte in Zukunft in unseren Städten ein Heer von Minutenlöhnern existieren, lässt mich doch etwas erschaudern.

    Andererseits, wenn sichs lohnt, warum nicht?

  8. Jensen
    schrieb am 16. August 2011 um 09:32 Uhr (#)

    Es scheint einfach viel zu viel Geld ansonsten hochseriöser Kaufleute zur Verfügung zu stehen, welches höchstriskant, weil ohne jegliche Aussicht auf Erfolg, zum Einsatz gebracht wird.
    Schauen sich denn die Verantwortlichen wirklich nicht vorher an, was Sie da tun, in was Sie da Geld hineingeben? Den fünfzig Mitarbeitern, oder wie viel es auch immer sein mögen, kann man nur sein Beileid ausdrücken.

  9. Sebastian Kurt
    schrieb am 16. August 2011 um 09:40 Uhr (#)

    @Jensen: Ich verstehe nicht wieso du den Mitarbeiter dein Beileid aussprichst? Sie erhalten ja wohl Lohn für die Arbeit die sie da machen.

  10. Steffen Rühl
    schrieb am 16. August 2011 um 09:43 Uhr (#)

    Die Idee an sich ist super und die Umsetzung auch gelungen. Knackpunkt wird m.E. tatsächlich sein, ob man es hinbekommt das Ganze seriös zu halten oder die Plattform von “Spaßvögeln, Trollen und Kaputtmachern” übernommen wird. Davon gibts leider sehr viele mit sehr viel Zeit.

    Mich würde interessieren, wie das Ganze steuerrechtlich gehandhabt wird – immerhin ist die Grenze zur Schwarzarbeit extrem dünn. Nicht dass die Idee, eine real existierende Schattenwirtschaft (“Rasen mähen – 10 Euro auf die Hand”) nicht ne spannende Sache wäre: es wird halt nur sehr transparent und von Intransparenz (v.a. ggü. Behörden) lebt die Schattenwirtschaft ja … ;-)

    Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg!

  11. Martin
    schrieb am 16. August 2011 um 12:35 Uhr (#)

    Es geht ja anscheinend mehr um Gefälligkeiten, Dinge die man für seine Freunde kostenlos erledigen würde.
    Ich finde das interessant, weil diese Dinge viel Zeit und Arbeit einsparen können. Wir produzieren ja tagtäglich einen ernormen logistischen overhead. Ich fände das z.B. auch interessant zum trampen: Ich biete 2-3 Euro zum mitnehmen in die nächste grosse Stadt und die alte Mutti muss keine Angst vor mir haben weil ich gute und nette Bewertungen habe. Also interessant wird das doch dann, wenn ich die Kohle mitnehmen kann, ohne tatsächlichen Mehraufwand.

    1. Steffen Rühl
      schrieb am 16. August 2011 um 13:23 Uhr (#)

      @Martin: das sehe ich grundsätzlich auch so – nur ist es in dem Moment in dem Geld genommen wird halt rein rechtlich m.E. KEINE Gefälligkeit mehr und der “Lieferant” ist sowohl in der Haftung (da zahlt m.E. nicht mal mehr die Privat-Haftpflicht) als auch steuer-/arbeitsrechtlich in der Zwickmühle. Gilt natürlich nur bei Dienstleistungen – die aktuell teilweise angebotenen fertigen Waren könnten wie bei Ebay als Privatverkäufe “durchgehen”. Viell. seh ichs aber auch komplett falsch – deshalb würde es mich einfach mal interessieren wie es wirklich ist.

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 16. August 2011 um 13:55 Uhr (#)

    Sicherlich begibt sich Gigalocal hier in eine Grauzone. Wie so viele andere Startups stetig (Hey Steffen, du weißt doch sicher was ich meine ;))

    Und das ist gut so. Würde dies nicht geschehene, würde die digitale Gesellschaft nicht vorankommen. Und früher oder später kommt es ja dann meist zu eindeutigen Urteilen, inwieweit eine Praxis als rechtmäßig oder rechtswidrig anzusehen ist.

  13. Steffen Rühl
    schrieb am 16. August 2011 um 14:03 Uhr (#)

    @Martin: stimme Dir da völlig zu (wobei wir bei Yasni das durchaus vorab geprüft hatten und da in der Tat erst mal Rechtssprechung – nicht zuletzt durch uns – geschaffen werden musste). Gigalocal würde ich eher mit Ebay vergleichen – hier kam das Finanzamt ja auch nach einer bestimmten erreichten Größe massiv an. Das Risiko liegt m.E. weniger beim Vermittler (Gigalocal), zumal die sich ja geschickterweise dadurch raus halten, dass sie keine Provi nehmen, sondern bei den Teilnehmern (Nachfrager bzgl. Haftung – was ist wenn der Hausrat beim privat organisierten Umzug verunglückt?, Anbieter bzgl. Steuer). Schnell wachsen schützt auf jeden Fall … ;-)

  14. Medien Papst
    schrieb am 4. September 2011 um 20:33 Uhr (#)

    Ich finde die Idee und Umsetzung auch sehr gelungen. Mein eigener Test hat auch gut funktioniert (nachdem ich Timeline und Entlohnung erhöht habe..;-).
    In HH könnte die Vielfalt der Angebote aber höher sein. Hoffentlich wächst die Resonanz, da das Anwender-Feedback in Blogs und bei itunes ja sehr vielversprechend ist.
    http://www.medienpapst.com/2011/09/02/gigalocal/

  15. Ole
    schrieb am 15. Dezember 2011 um 12:10 Uhr (#)

    …mein Näschen hat mich nicht getäuscht, die selben Macher wie von der sehr schlecht geführten Seite gigalo.de, daher bin ich schon etwas gebranntmarkt und vorsichtig! Siehe hier: http://www.webutation.net/de/review/gigalo.de

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