Digitalisierung:
Die Ära der
nutzergenerierten Überwachung

So sehr der Einzug des Digitalen in das Leben der Menschen zu begrüßen ist: Er besitzt auch seine Schattenseiten. Diese müssen wir aber akzeptieren.

Illustration: stock.xchng
Illustration: stock.xchng
Ich bin davon überzeugt, dass der digitale Wandel in vielerlei Hinsicht für die Menschheit ein Segen ist. Er schafft freien Zugang zu Informationen, unterstützt das Streben nach Demokratie und untergräbt Intransparenz, die oft die Grundlage für den Missbrauch von Macht und Einfluss darstellt.

Und dennoch drängt sich mir manchmal die Frage auf: Was ist, wenn die Entwicklung zu einer vollständig vernetzen, von IT dominierten globalen Gesellschaft für die Menschheit zwar in Teilen zu mehr Gerechtigkeit und einer verbesserten Lebensqualität führt, an anderer Stelle aber bisher selbstverständliche Freiräume und Vorzüge eliminiert?

Alles wird in Bild und Ton festgehalten

Darüber ins Grübeln geriet ich jüngst beim Lesen dieses Artikels, der das uns bevorstehende Bild einer Welt zeichnet, in der die Mehrzahl unsere Bewegungen von uns identifizierenden Kameras aufgefangen wird. Dabei bezieht sich der Autor nicht nur auf staatliche Überwachungskameras, sondern auch auf die Millionen von Smartphones-Kameras. Deren Besitzer (wir) schießen in jeder Lebenslage Fotos und Videos und laden diese immer öfter in die Cloud – manchmal privat, oft jedoch zugänglich für eine unlimitierte Zahl an Betrachtern.

Dass heute in dicht besiedelten Regionen nichts mehr geschieht, ohne dass es nicht mit einem Mobiltelefon festgehalten wurde, erweist sich in vielen Situationen als praktisch. Es bedeutet aber auch, dass selbst von solchen Ereignissen Bild- und Videomaterial existiert, von denen wir uns gewünscht hätten, dass sie niemand zu Gesicht bekommen hätte. Beispiele hierfür zu finden, überlasse ich der Fantasie jedes und jeder Einzelnen.

Transparenz nicht nur der Mächtigen

Im digitalen, vernetzten Zeitalter der “nutzergenerierten Überwachung” gilt Transparenz für jeden, nicht nur für die Mächtigen. Wir bauen uns gerade selbst eine Big-Bother-Gesellschaft auf. Mit dem Unterschied, dass die dadurch erhobenen Informationen nicht nur einzelnen Privilegierten zur Verfügung stehen, sondern öffentlich sind. Zumeist neige ich dazu, dies als Fortschritt und bessere Alternative zum Informationsmonopol der Herrschenden zu sehen. In Augenblicken des Zweifels jedoch sinniere ich darüber, ob wir uns damit einen Gefallen tun.

Einen Weg zurück gibt es nicht mehr

Während jedoch manche Politiker und Datenschützer mit naivem Aktionismus den Anschein vermitteln, die Entscheidung über die weitere Entwicklung läge in unseren Händen, stelle ich mir die beschriebene Frage nicht, um Gegenmaßnahmen zu finden. Denn der Zug ist längst abgefahren, unser Schicksal besiegelt: Spätestens mit dem Tag der Erfindung des Computers stand fest, wohin die Reise für die Menschheit gehen würde: In eine Zukunft, in die uns der nicht mehr aufzuhaltende technologische Fortschritt mitreißt, und in der uns die Technologie diktiert, wie wir unser Leben führen.

Wenn mich die zweifelnden Gedanken erfassen, dann lasse ich diese nur aus einem Grund zu: Um mir Lösungen und Ansätze zu überlegen, wie die Menschheit am besten mit den Nebenwirkungen der Digitalisierung umgehen könnte. Sie werden auftreten. Sie werden sich in einer globalisierten, komplexen Welt nicht mit (nationalen) Regulierungen und Verboten beseitigen lassen.

Politischer Aktionismus ohne Sinn und Verstand

Genau aus diesem Grund halte ich es für eine Farce, wenn Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar fordert, Facebook müsse die Funktion der Gesichtserkennung abschalten. Er suggeriert, mit der Deaktivierung dieser ohnehin nur für das eigene Kontaktnetzwerk verfügbaren Funktion wäre das Problem beiseitig. Ist es aber nicht. Die Software und Mittel, die für eine echte Gesichtsidentifizierung fremder Personen auf Fotos oder in Videos notwendig sind, existieren bereits. Wenn nicht Google, Facebook oder Apple den finalen Schritt wagten und zu auf der Straße fotografierten Menschen den Namen und die Onlineprofile ausliefern, dann kommt dies irgendwann von unabhängigen Entwicklern.

Es wird leider noch viel Zeit vergehen, bis Politik und Datenschützer erkennen, dass ihre auf einzelne Anbieter beschränkten Interventionen der völlig falsche Ansatz sind, und dass sie an der Geschwindigkeit und am Umfang der technologischen Evolution nichts ändern können. Nicht, weil sie sich die falschen “Opfer” herausgepickt haben. Sondern weil sich die Entwicklung nicht aufhalten lässt.

Die neuen Umstände akzeptieren und den richtigen Umgang finden

Notwendig ist statt verzweifelter Kontrollversuche ein konstruktive öffentliche Debatte darüber, wie wir uns an die neuen Umstände anpassen; auf welche Weise das Wirtschafts-, Rechts- und Billdungssystem mit den neuen Rahmenbedingungen umgeht (klassisches Beispiel “Trinkbilder”, die es zukünftig von jedem geben wird); welche unserer bisherigen Werte und Normen in dem neuen Zeitalter nicht überleben können – damit, wenn es soweit ist, nicht Chaos ausbricht.

Die Allgegenwärtigkeit des Internets und das Auftreten aller Individuen als Empfänger und Sender digitaler Informationen verbessert vieles, hat aber auch Schattenseiten. Wer dies bestreitet, macht es sich meiner Ansicht nach zu einfach. Einen Weg zurück gibt es allerdings nicht, ein Stopp auf halber Strecke ist nicht möglich. Richten wir uns jetzt schon auf die anstehenden Veränderungen ein und finden Lösungen für den sachlichen, pragmatischen Umgang mit ihnen, ist dies die beste Strategie, um gleichzeitig die Wirkung der vielen positiven Aspekte der Digitalisierung zu maximieren.

Update: Ganz aktuelles Beispiel für die nutzergenerierte Überwachung: Ein Blog, auf dem Fotos von Personen veröffentlicht werden, die sich in den vergangenen Nächten aktiv an den Krawallen in London beteiligt haben.

(Illustration: stock.xchng)

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20 Kommentare

  1. Klaus
    schrieb am 8. August 2011 um 14:18 Uhr (#)

    Martin

    “Wenn nicht Google, Facebook oder Apple den finalen Schritt wagten und zu auf der Straße fotografierten Menschen den Namen und die Onlineprofile ausliefern, dann kommt dies irgendwann von unabhängigen Entwicklern.”

    Du übersiehst aber, dass die genannten Unternehmen über die Daten (Zuordnung Bilder -> Personennamen, Adressen etc) verfügen. Insofern können unabhängige Entwickler eine Software bereitstellen, ihnen fehlt aber das Futter für deren SW. Dieses Futter hat eben Facebook

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 8. August 2011 um 14:23 Uhr (#)

      Ja, momentan ist dies noch so. Aber tendenziell reicht schon jetzt ein einziges irgendwo im Netz veröffentlichtes Foto/Video mit einer eindeutigen Namenszuordnung, um anhand dessen die selbe Person auf anderen Fotos zu identifizieren.

      Und auch wenn dies heute noch technisch aufwändig und sehr ressourcenintensiv ist, dann wird dies in wenigen Jahren nicht mehr der Fall sein. Die Entwicklung bleibt ja nicht stehen. Und im Zeitverlauf landen immer mehr Fotos von Menschen im Netz, nicht weniger.

  2. Peter
    schrieb am 8. August 2011 um 14:44 Uhr (#)

    Meine Worte. Prediger von Datenschutz und Urhberrecht im klassischen Sinne haengen etwas nach, was es seit dem Existieren des Internets in der Form nicht mehr gibt. Gerade in Deutschland, wo der Schutz der persoenlichen Rechte sehr hoch ist, wird die Diskussion interessant. In den USA ist mittlerweile jedes Restaurant, jedes Einkaufszentrum un jeder Hinterhof ueberwacht.
    Mir persoenlich ist die Ueberwachung egal. Ich mache nichts, was andere nicht wissen duerfen. Abgesehen davon gibt es einfachere Art und Weisen Daten einzusammeln, zumindest von denjenigen, die das Internet nutyen und sich aktiv an sozialen Netyen beteiligen.

    1. Michael S
      schrieb am 9. August 2011 um 09:26 Uhr (#)

      Mir persoenlich ist die Ueberwachung egal. Ich mache nichts, was andere nicht wissen duerfen.

      Abgeschwaechte Form von “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten”. Und das ist der falsche Ansatz. Nimm am besten noch etwas Soma und du bekommst sicher die Hauptrolle in einem Huxley-Orwell-Mashup-Buch ;-)

      Persoenlich finde ich, dass schon viel erreicht werden koennte wenn das Thema Datenschutz von den Menschen “richtig erlernt” wird. Derzeit, so meine subjektive Wahrnehmung, gibt es ja nur Hetzer beider Extreme. Auf das Thema Internet bezogen waere das: “Alles ins Internet, nix zu verbergen!” und “Nichts in Internet, ihr seid ja wahnsinnig!”. Wenn jeder ausreichend auf die Verwendung eigener und – wichtig – fremder Daten sensibilisiert wuerde, waeren wir schon einen guten Schritt weiter. Das gleiche gilt dann natuerlich fuer die Ueberwachung.

    2. Elsbbeth
      schrieb am 9. August 2011 um 15:22 Uhr (#)

      Danke, Michael S. – Du hast es auf den Punkt gebracht.

  3. kadekmedien
    schrieb am 9. August 2011 um 08:10 Uhr (#)

    Ein sehr wichtiger Artikel, wie ich finde. Und Du hast Recht, Martin, es gibt diese Technologie bereits. Ich habe kürzlich ein Foto im öffentlichen Raum von einer politischen Veranstaltung gemacht, auf dem ein bekannter Bundespolitiker beim Reden zu sehen ist. Das habe ich in ein Picasa-Album geladen (öffentlich), und Picasa schlägt mir vor, vier Personen (darunter der Politiker) zu taggen. Es ist also nicht mal eine Frage von allzu langer Entwicklungszeit, bis genügend Bilder auch von diesen Menschen hochgeladen und getaggt wurden, damit die Picasa-/Google-Software die Zuordnung von allein vornehmen kann und irgendwohin speichert (muss ja nicht heißen, dass es die Tags auf meinem Foto selbständig vornimmt …)

    Und ich bin sicher, dass entsprechende Software-Features schon bald in allen Kameras zum Standard gehören. So dass es wirklich Zeit wird, sich Gedanken darüber zu machen, was für jeden einzelnen von uns bedeutet und wie wir damit umgehen wollen, müssen, können. – Grundsätzlich, jenseits politischer Möchtegernaktivitäten zum Schutze der Sicherheit …

    Etwas anderes ist Transparenz. Ich glaube nicht, dass die heute Mächtigen in irgendeiner Weise davon betroffen sind oder es anstreben oder dazu gezwungen werden können. Es gab letzten Herbst, bei der Beratung zum Euro-Rettungspaket, einen Aufruf des Europäischen Parlaments an die Bevölkerung, irgendwie mitzuhelfen, da man sich dort nicht mehr in der Lage sieht, vorgelegte Analysen von Lobbyarbeit zu unterscheiden. Das heißt, die Entscheidungsträger (und hier ging es um hunderte Milliarden, um den Erhalt der Funktionstüchtigkeit unserer Volkswirtschaften) verfügen über keine ausreichende Informationen, um die Lage richtig beurteilen zu können. Die kommen aus einer Richtung, die die tatsächliche Macht innehat; und dort lässt sich niemand in die Karten sehen.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 9. August 2011 um 13:17 Uhr (#)

      Was du also sagst, ist: Mächtige werden sich auch weiterhin problemlos auf Intransparenz verlassen können?

    2. kadekmedien
      schrieb am 9. August 2011 um 14:32 Uhr (#)

      Ja. Im Moment gibt es keinerlei Anhaltspunkt für die gegenteilige Annahme.

  4. lena
    schrieb am 9. August 2011 um 13:27 Uhr (#)

    So eindeutig wie dargestellt ist die Sache nicht. Mehr Transparenz ist nunmal nicht die notwendige Konsequenz, schauen wir uns doch einmal die USA als Gegenbeispiel an:

    Da ist es in sehr vielen Bundesländern verboten, Polizisten und Bundesagenten zu filmen oder aufzuzeichnen. Wer das dennoch tut kann mit einem Kapitalverbrechen belangt werden das möglicherweise 15 oder mehr Jahre Zuchthaus einbringt. Apple arbeitet derzeit an Kameras, die durch ein gesendetes Signal blockiert werden können. Es gibt unzählige belegte Fälle in denen US-Polizisten Kameraaufzeichnugen zerstört haben um eigenen Machtmißbrauch zu vertuschen.

    Dem entgegen gesetzt stehen immer mehr Mittel um den normalen Bürger leichter zu identifizieren, mittlerweile auch mobil mit Gesichts- und Retinaerkennung für US-Polizisten per iPhone. Was also wenn die schöne neue Gesichtserkennungswelt drastisch mehr Nachteile als Vorteile erzeugt? Wenn das Aussprechen gegen Polizeiwillkür prompt eine ungerechtfertigte Identifizierung und anschliessende mögliche Terrorisierung zur Folge haben kann, wie in einigen der US-Beispiele deutlich geworden, wird deutlich das dieses Ungleichgewicht nicht gefördert werden darf.

    Gerade weil eine Zuordnung zum echten Namen Freiheiten und Meinungsäußerung jedes einzelnen drastisch beeinträchtigen können, war das Verbot gegen Facebook’s eigenmächtige Änderung der Privatssphäreeinstellungen sehr wohl berechtigt. Und das wäre es auch in jedem einzelnen Fall, in dem der passende Name zu einem Gesicht entgegen dem Willen des Betroffenen öffentlich gemacht wird. Die größere Gefahr für soetwas droht allerdings nicht von Facebook und Co., von denen sich jeder selbst fern halten kann, sondern von unserem eigenen Verwaltungsapparat. Gegen biometrisch ausgewertete Personalausweis- oder Führerscheinfotos kann sich im nachhinein niemand mehr ausreichend schützen wenn diese an dritte Parteien weiter gegeben würden, egal wie sehr man dann vorher auf informelle Selbstbestimmung geachtet hat.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 9. August 2011 um 13:44 Uhr (#)

    Gerade weil eine Zuordnung zum echten Namen Freiheiten und Meinungsäußerung jedes einzelnen drastisch beeinträchtigen können, war das Verbot gegen Facebook’s eigenmächtige Änderung der Privatssphäreeinstellungen sehr wohl berechtigt. U

    Verbote, die sich nicht universell durchsetzen lassen (und noch dazu eine Funktion betreffen, die nur im Rahmen des eigenen Netzwerkes eingesetzt werden kann), sind von vorn herein zum Scheitern verurteilt und deswegen eben nichts weiter als Populismus (sowie Zeitverschwendung, die besser für die Debatte und Aufklärung über den Umgang mit den uns bevorstehenden Neuerungen genutzt werden sollte).

    1. lena
      schrieb am 9. August 2011 um 14:05 Uhr (#)

      Ziemlich fatalistische Einstellung, oder? Demnach wäre alles was sich nicht universal durchsetzen lässt zum scheitern verurteilt? Weil deutsche Datenschutzgesetze nur in Deutschland wirken sind sie unnütz? Den Bären willst du mir hoffentlich nicht aufbinden, deshalb vermute ich lieber dass ich habe deine Interpretation bzgl. anderer Services falsch verstanden.

      Da Facebook das Programm bei uns stoppen und bereits erarbeitete Daten löschen musste, oder sonst €300.000 Strafe pro Einzelfall in Kauf nehmen muss, halte ich diese Aktion durchaus nicht nutzlos. Ganz im Gegenteil, Facebook besitzt für 20mio deutsche Accounts den Socialgraph, und viele davon beeinhalten wahrscheinlich sogar den Realnamen und dazu passende biometrische Daten. Genau bei so einer riesigen Datenbank muss man ansetzen, da wo selbst gemachte Angaben ausgebeutet werden können ist der Anbieter in der Verwahrerpflicht. Ungefragt die Nutzungsbedingungen zum eigenen finanziellen Vorteil zu nutzen darf man da nicht durchgehen lassen.

      Ein einzelnes Bild mit Namen kann natürlich auch überall sonst auftauchen, aber welchen Grund hätte man denn, ohne die Freundesreferenz diese Information zu glauben? Man könnte dein Profilbild auch kopieren und mit einem (oder vielen) anderen Namen ins Netz stellen, welcher Name wäre dann der richtige?

      Zeitverschwendung? Populismus? Unsinn. Den Anbieter in die Pflicht zu nehmen und unseren Datenschutzgesetzen Gewicht zu verleihen ist genau das, was getan werden sollte und was bitter nötig ist.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 9. August 2011 um 14:07 Uhr (#)

    Weil deutsche Datenschutzgesetze nur in Deutschland wirken sind sie unnützt

    Teilweise, in einer globalisierten und digitalisierten Welt: ja. Oder – wenn nicht unnütz – dann zumindest nicht mehr praktikabel. Da kann sich der hartgesottene Datenschutzverfechter noch so echauffieren.

    (Und nicht jedes Datenschutzgesetz ist automatisch gut)

    1. lena
      schrieb am 9. August 2011 um 14:31 Uhr (#)

      Und wieso soll das so sein?

      Nationale Urheberrechts/Copyrightgesetze in Deutschland und Frankreich z.b. zeigen doch genau das Gegenteil, nämlich das trotz internationalen oder US-amerikanischen Bestrebungen Landesrecht sehr wohl in digitalen Medien seinen Platz hat. Und die USA liefern uns erschreckende Beispiele welche abstrusen Blüten der Verlust der eigenen Autonomie mit sich bringt: ein angemaßtes juristisches Hoheitsrecht im ganzen Netz, unglaubwürdig begründet mit der Registrierung von .com und .net Domänen. Mit der Folge das Minderjährige schon allein wegen der Verlinkung auf Netzinhalte (auf einer Webseite auf der auch Werbebanner zu finden sind) an die USA ausgeliefert werden sollen. Deren Familien werden wirtschaftlich ruiniert, und das obwohl im Ursprungsland keine Straftat vorlag.

      Und dann behauptest du, es wäre inpraktikabel, die eigene nationale Rechtsauffassung durchzusetzen? Wieso?

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 9. August 2011 um 15:06 Uhr (#)

      Ich dachte eigentlich, dass der Artikel das deutlich macht, aber ich verweise auf weitere Beiträge, die erläutern, wieso die bisherigen Datenschutzgesetze im digitalen Zeitalter veraltet oder gar überflüssig erscheinen können:
      hier, hier oder hier.

      Und bitte fange jetzt nicht zu jedem Beitrag eine Diskussion an. Dass wir nicht auf einen Nenner kommen, ist offensichtlich und auch nicht das Ziel.

    3. lena
      schrieb am 9. August 2011 um 15:33 Uhr (#)

      Leider nicht, aber lass gut sein. Damit, dass wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen werden, hast du wohl leider recht.

      Mir erschliesst sich einfach nicht wieso du europäischen und nationalen Datenschutzstandards mit dem Verweis auf Inpraktikabilität den Wert absprechen kannst, und alle Gegenargumente für die Sinnhaftigkeit von Datenschutz und informelle Selbststimmung zur Seite fegst. Ich nehme dann einfach mal in Ermangelung eines nachvollziehbaren Grundes eigene wirtschaftliche oder lobbyistische Interessen an. Damit hättest du deine Ruhe und für mich hat sich die Diskussion hier erledigt. Sei’s drum.

    4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 9. August 2011 um 16:14 Uhr (#)

      Da ich mir ungern wirtschaftliche oder lobbyistische Interessen vorwerfen lassen, liefere ich dir nochmals eine Ein-Satz-Antwort auf deine Frage letzte Frage:

      Ich spreche europäischen und nationalen Datenschutzstandards in ihrer jetztigen Fassung die Eignung ab, weil sie durch Technologie und ein weltweites Netz obsolet gemacht werden, nicht praktikabel oder nicht kontrollierbar sind.

  7. Oliver Springer
    schrieb am 9. August 2011 um 16:59 Uhr (#)

    Ja, das ist schon lange meine Rede! Gesichtserkennung lässt sich nicht aufhalten. Und die Politik (jetzt mal so verallgemeinernd) verrent sich in Ansätzen, die nicht nur in eine Sackgasse führen. Viel schlimmer: Das Notwendige unterbleibt deshalb.

    Wir brauchen dringend eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir mit den im Artikel angesprochenen Entwicklungen umgehen wollen. Das ist ähnlich wie beim Klimawandel: Plan A sollte sein, ihn aufzuhalten. Aber wir werden wohl trotzdem einen Plan B benötigen.

    Für den Normalbürger in einem freiheitlichen, demokratischen Land ist diese private Überwachung weit gefährlicher als die staatlichen Anstrengungen.

    1. kein Name angegeben
      schrieb am 9. August 2011 um 18:43 Uhr (#)

      Private Überwachung und staatliche Überwachung lassen sich nicht trennen, weil der Staat öffentliche Medien überwacht (Open Source Intelligence).

  8. Oliver Springer
    schrieb am 10. August 2011 um 15:01 Uhr (#)

    @kein Name angegeben: Das ist mir schon klar, nur hat es für die meisten Bürger keine Auswirkungen. Selbst wenn der Staat die gesamte private Kommunikation seiner Bürger überwachen würde, würden sich nur für die allerwenigsten daraus Nachteile ergeben.

    Durch scheinbar unwichtige Informationen, die Freunde und Bekannte über jemanden preisgeben, werden dagegen weit eher handfeste Nachteile erlitten. Darüber wird leider kaum gesprochen. Der Artikel hier stellt eine der wenigen positiven Ausnahmen dar.

  9. Paul
    schrieb am 13. August 2011 um 14:23 Uhr (#)

    Allein durch die Gesichtserkennung, welche sich nicht mehr aufhalten lässt, wird sich vieles grundlegend ändern. Man kann dagegen anlaufen wie Don Quichote gegen Windmühlen, oder man stellt sich bereits jetzt darauf ein in der Öffentlichkeit eine öffentliche Person zu sein.

    Nur geht es mir ebenso wie Martin, ich frage mich WIE diese Veränderung unseres Alltags von stattn gehen wird…

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