Abstieg:
Die Tage der VZ-Netzwerke
sind gezählt

Die drei VZ-Netzwerke verlieren stetig an Nutzern. Besonders schlecht steht es um studiVZ. Der große Schnitt ist nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen.

Wie schlecht steht es eigentlich um die VZ-Netzwerke? Dass studiVZ, meinVZ und schülerVZ von einer Nutzerabwanderung zu Facebook betroffen sind, die man in dieser Dimension höchstens bei MySpace beobachten konnte, ist hinlänglich bekannt. Doch blickt man auf die offizielle Statistik der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.V. (AGOF), so besuchten im April noch immer 9,81 Millionen eindeutige User die Netzwerke des Holtzbrinck-Unternehmens.

Nun sind dies zwar rund fünf Millionen Unique Visitors pro Monat weniger als im dritten Quartal 2009 (AGOF-PDF, damals wurden die drei Dienste noch separat ausgewiesen, was Überschneidungen bei den Uniques zulässt), aber immerhin noch mehr, als jedes andere Social Network in Deutschland abseits von Facebook monatlich erreicht.

Wirft man jedoch einen Blick auf Google Trends for Websites, entsteht ein völlig anderes Bild: Demnach ist die Zahl der täglichen Unique Visitors bei studiVZ von mehr als drei Millionen im Sommer 2009 auf etwa 175.000 im Juni dieses Jahres zurückgegangen. meinVZ, das sich an alle erwachsenen Nicht-Studenten richtet, erlebte seinen Höhepunkt laut Google-Statistik im April 2010 mit etwas mehr als zwei Millionen Unique Visitors pro Tag. Heute erreicht es etwa 400.000 täglich. schülerVZ fiel von 3,5 Millionen täglichen Uniques Anfang 2009 auf knapp über 300.000 pro Tag im Juni 2011.

Während sowohl AGOF als auch Google Trends den Niedergang der VZ-Gruppe belegen, scheint dessen ganzes Ausmaß erst mit den Google-Zahlen – die aus dem Suchverhalten der Nutzer (Update: sowie Analytics- und Drittanbieter-Daten) erhoben werden – deutlich zu werden: So hat sich bei Anwendern vor allem die Häufigkeit der Besuche bei den VZ-Diensten drastisch verringert. Außerdem ist studiVZ – das einstige Flaggschiff des Berliner Unternehmens – mittlerweile das am wenigsten frequentierte VZ-Netzwerk.

Zumindest beim Blick auf die obigen Graphen erscheint es, als sei ein radikaler Schnitt bei der VZ-Gruppe nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen. Erst recht angesichts der Meldung, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck habe ihre Suche nach einem Käufer für das soziale Netzwerk aufgegeben.

Stattdessen ist nun die Rede von einem Relaunch in spätestens drei Monaten. Angesichts des Abwärtstrends und Erfahrungen von anderen, gegen den Abstieg kämpfenden sozialen Netzwerken (Friendster, MySpace) klingt es jedoch vollkommen unwahrscheinlich, dass ein neuer Anstrich ausreicht, um die in der ersten Jahreshälfte kurioserweise profitable Plattform vor ihrem baldigen Ende zu retten.

Das Manager-Magazin zitierte jüngst einen Holtzbrinck-Manager mit den Worten “Es kann niemandem recht sein, wenn der Markt durch Facebook monopolisiert wird, das beim Datenschutz keine Rücksichtnahmen kennt.” Wenn das bedeutet, dass man in Stuttgart noch immer glaubt, mit VZ irgendetwas gegen das übermächtige US-Netzwerk ausrichten zu können, dann muss einem um die Zukunft des Social Networks und seiner Angestellten Angst und Bange werden.

Wie wir von verschiedenen Personen hören, sind immer häufiger ehemalige Ansprechpartner bei den VZ-Netzwerke nicht mehr erreichbar. Eine offizielle Meldung zu Personaleinsparungen gibt es bisher allerdings nicht, und noch immer werden zahlreiche freie Stellen angepriesen. Meine Anfragen an VZ und Holtzbrinck bezüglich des aktuellen Status und der Zukunftspläne blieben unbeantwortet.

Als sicher kann gelten, dass der “Relaunch” eine Wiedervereinigung von mindestens zwei der drei Netzwerke (wahrscheinlich studiVZ und meinVZ) sowie interne Restrukturierungen mit sich bringt. Abgesehen von einer Konzentration der verbliebenen Nutzer sowie kurzfristigen Kosteneinsparungen ist der entscheidende Punkt aber die zukünftige Positionierung des Dienstes.

VZ benötigt ein Rebranding (die VZ-Marke wird für immer mit geringer Innovationskraft assoziiert werden) sowie ein neues Alleinstellungsmerkmal, das einen echten Mehrwert bietet, vollkommen aus den bisherigen strategischen Mustern des Unternehmens ausbricht und die Plattform gleichzeitig weit genug von Facebook & anderen sozialen Netzwerken entfernt.

Realistisch erscheint diese Vorstellung im Hinblick auf die DNA von VZ-Mutter Holtzbrinck nicht. Es ist meines Erachtens nach jedoch die einzige Chance, um den Service nicht vollständig gegen die Wand zu fahren.

Etwas wird passieren im Hause VZ. In sehr naher Zukunft.

André Vatter beschrieb im März, wie ein Fokus auf schülerVZ als “sicherer, Datenschutz-konformer Hafen für alle jungen deutschen User” ein sinnvoller Ansatz für die Zukunft wäre. Betrachtet man jedoch den schülerVZ-Graph im Screenshot oben, sieht es aus, als wäre auch dieser Zug abgefahren.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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48 Kommentare

  1. Tja, schade. Früher war es echt mal recht smart da. Aber die Jungs haben einfach den Anschluss verpasst und diese kleine Enge Seite war auch nie der Knaller. StudiVZ hatte einfach keine Inovationen.

    Schade.

    RIP.

    • Also da geht es doch nicht um Innovation – bitte nicht die User ausser Acht lassen. Keiner will bei 3 Netzwerken angemeldet sein, und darüber hinaus wirkt hier auch immer eine Gruppendynamik. Subjektive Vorlieben stoßen an ihre Grenzen, sobald das Hauptziel des “netzwerkens” nicht mehr gewährleistet werden kann. Somit beugt man sich der Masse.
      Allein durch den Faktor der Internationalität auf dem Rasen der Globalisierung hatte Facebook schon von Anfang an die Nase vorne.

  2. Warum sollte man Google Trends heranziehen, wenn man die viel zuverlässigeren AGOF-Zahlen hat?
    Aber die Entwicklung ist natürlich in jedem Fall der gleiche.

    • Weil die AGOF-Zahlen zeigen, dass die monatlichen Uniques im Vergleich zum Peak um etwa die Hälfte zurückgegangen sind, Google Trends aber verdeutlicht, dass die täglichen Unqiques teilweise um das Zehnfache eingebrochen sind.

      Die Dimension des Niedergangs wird bei den monatlichen Zahlen sehr viel weniger deutlich.

  3. Datenschutz als Alleinstellungsmerkmal bringt es wohl dann doch nicht so?

  4. Die iPhone-App von MeinVZ funktioniert seit längerer Zeit nicht, Buschfunkeinträge landen von dort im nirgendwo. Hab den Support mehrfach deswegen angeschrieben und zuletzt keine Antwort mehr bekommen. Seitdem bin ich kaum noch auf dieser Plattform unterwegs …

  5. google trends
    xing: http://trends.google.com/…date=all&sort=0
    sms.at: http://trends.google.com/…date=all&sort=0
    gibts eigentlich ein deutschsprachiges netzwerk das nicht verliert?
    oder ein deutschsprachiges zweinuller angebot wie tumblr das kräftigt in die breite wächst?

  6. Mir ist auch (@thomas) aufgefallen, dass fast alle Websites die ich nachgeschlagen habe (auch nicht-Netzwerke und US-Seiten) ähnlich (Scheitelpunkt, Geschwindigkeit) verlieren. Ist es ein systematischer Rückgang? Könnte die Ursache in der Methode zu finden sein?

    Facebook zeigt diesen Effekt allerdings nicht.

  7. @ Thomas & André

    Das “Winner takes it all”-Prinzip in Aktion.

  8. So etwas habe ich mir schon gedacht, denn benötigt man wirklich so viele Netzwerke?

    • Dort sehe ich ebenfalls das Hauptproblem. Niemand hat heute mehr die Zeit und Lust, auf zahlreichen verschiedenen Social Network Plattformen aktiv zu sein. Zudem was bringt es, wenn alle Freunde/Bekannte sowieso beim Branchenprimus Facebook & Co aktiv sind?

      “Etwas wird passieren im Hause VZ. In sehr naher Zukunft.”

      Da müssen sich die VZ-Netzwerke unter neuem Brand und mit neuem Konzept aber ganz schön strecken, zumal mit Google+ ebenfalls ein mächtiges Netzwerk um die Gunst der User buhlt.

  9. @ Thomas & André
    Ja, bei den anderen aufgeführten Sites (o.a. Google Trends Xing-Link von Thomas) fällt auf, dass diese im März 2011 einen Absturz auf ein längerfristiges niedriges Niveau haben. Diese sind aber keine Sozialen Netzwerke

    z.B. t3n.de, wuv.de, horizont.net, internetworld.de, gruenderszene.de, deutsche-startups.de etc etc

    Das verwundert doch ein wenig…..stimme da @Andre “systematischer Rückgang” zu.

    • Wie Martin schon gesagt hat.
      The Winner takes it all:
      Facebook: http://trends.google.com/…eo=all&date=all

      Wobei die Auswirkung auf XING an sich nicht so groß sein dürfte wegen des anderen Focus. Ein Grund für den Rückgang bei XING ist vielleicht das Entstehen von firmeninternen Netzwerken wie Jammer(als Hoster des Netzwerks).

  10. Sehr schöner Artikel, danke dafür.

    Mich ärgert es allerdings immer wieder, wenn im Teaser zu einem Artikel etwas behauptet wird, was später so gar nicht mehr vorkommt.

    Im Teaser steht:
    “Der große Schnitt ist nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen.”

    Im Text dann:
    “Zumindest beim Blick auf die obigen Graphen erscheint es, als sei ein radikaler Schnitt bei der VZ-Gruppe nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen.”

    Ihr mögt es Erbsenzählerei nennen, aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob etwas eine Tatsache ist oder nur vermutet wird. Statt “ist” ein “scheint” und ihr wärt im grünen Bereich.

    So ist es unseriös und irreführend.

  11. Muss Andre zustimmen. Sicherlich ein interessanter Artikel. Wenn man allerdings mit google trends Seiten wie rtl.de, spiegel.de oder manager-magazin.de anschaut, könnte man zu ähnlichen Schlüssen kommen. Dort ist der Trend nicht so eklatant, geht aber auch stetig nach unten. Vielleicht gibt es ja auch noch eine andere Erklärung für diese Zahlen bzw. deren allgemeinen Rückgang.

  12. Nicht verwunderlich, komischerweise sind aber trotzdem noch einige Personen dort aktiv – zu einem Teil tragen da sicher die Spiele bei.

    Generell hat die Seite aber noch das Design vom Start im Jahr 2006 und so sieht sie auch immer noch aus: Wie ein Netzwerk vor fünf Jahren. Die Entwicklung von Facebook ist da eine komplett andere.

  13. Die Zahlen von Google Trend for Websites (wie auch vom Adplanner) sind leider seit ein paar Monaten grob falsch. Für die Websites, bei denen mir die internen Zahlen (selbst wenn sie von Google Analytics gemessen werden) bekannt sind zumindest. Da kommen teilweise, selbst wenn man die Tageszahlen mal 30 Tage nimmt, nicht mal die AGOF-Zahlen zusammen (das wäre das Minimum wenn jeder Monatsuser nur ein einziges Mal pro Monat eine Seite besucht). Das wird den Gesamttrend bei VZ nicht komplett umkehren aber führt dazu, dass Seiten, die real (auch nach AGOF, IVW, GA etc.) gestiegen sind lt. Google verloren haben. Ist halt doch nur eine Hochrechnung aus indirekt erhobenen Vergleichsdaten …

  14. “Trends for Websites combines information from a variety of sources, such as aggregated Google search data, aggregated opt-in anonymous Google Analytics data, opt-in consumer panel data, and other third-party market research. ”

    http://google.com/intl/en…ites/help/index.html

  15. @Nicole: Ich sehe auf studivz.net aber keine Google Analytics Einbindung. Demnach können sich in dem Fall die zahlen nur aus den Daten der Google Suche ergeben, oder?

    Wenn dem so ist, dann haben die Daten m.E. nur bedingt eine Aussage. Denkbar wäre doch auch, dass bspw. dass neue Browser-Features bei der Eingabe von “studivz” in die Adressleiste direkt auf die Seite, also studivz.net, und nicht zur Google Suche weiterleiten.

  16. Bzgl. der erwähnten “Verluste” bei den Mitarbeitern der VZ Netzwerke ist es wichtig zu erwähnen, dass dort auf keinen Fall ein Personalabbau stattfindet, sondern dass die Mitarbeiter in den letzten Monaten scharenweise gekündigt haben und auch hier ein Sterben der VZ Netzwerke stattfindet.

    Ein ehemaliger Mitarbeiter

  17. @Anonym: Interessant. Mich würde noch interessieren, was die Gründe für die Kündigungen sind.

  18. Im Zusammenhang mit Studivz wurde einiges Richtig gemacht zu Beginn, zumindest ganz am Anfang, aber dann im weiteren Verlauf mehr und mehr nicht richtig gemacht.

    Es ist nie innovativ etwas einfach nur zu kopieren und das war studivz von Anfang an, eine bloße Kopie von facebook bevor facebook in Deutschland richtig bekannt wurde.

    Clever und war es jedoch seitens der Gründer und deren ersten finanziellen Unterstützer trotzdem, denn sie haben ihr Geld gemacht.

    Aber zu schnell ist, auch wenn vielleicht nicht beabsichtigt, der Eindruck entstanden, dass man es nicht für die User macht sondern um schnell Profit daraus zu schlagen. Man muss den Usern das Gefühl geben, dass man es für sie macht und es gerne macht und nicht das in erster Linie mitttlerweile ein Unternehmen dahinter steckt, dass wirtschaftlich denkt. Wenn ich mit dem IE auf studivz hin und wieder bin, dann werde ich einfach nur mit Werbung überschüttet. Das ist zu eindeutig viel und kann keinem gefallen! Dezent integrierte Werbung und sonnige Kooperationen finde ich vollkommen ok, um Geld zu verdienen, aber hier musste man es gleich übertreiben.

    Das Problem, was ich sehe ist, wenn die Gründer, diejenigen mit den Ideen und vielleicht auch Visionen weg sind und ein Konzern das Unternehmen übernimmt und dann noch Eines, dass mit der eigentliche Materie wenig Erfahrung hat, dann geht der Gründergeist verloren und die Ambition Menschen bzw. die User zu begeistern.

    Aber natürlich spielen auch Dinge, wie der Name eine Rolle, studivz bzw. Studentenverzeichnis erlaubt e snur sehr bedingt international zu agieren. Hier hätte man von Anfang an cleverer sein müssen.

    Man ist in der Entwicklung ganz klar stehen geblieben und das heißt nicht unbedingt weiter facebook zu kopieren, sondern nach Vorne schauen aus deren Fehlern lernen und Dinge besser und einfach anders machen. Im Moment beschweren sich ganz viele User über den neuen facebook chat. Aber User bschere sich auch über andere Dinge, die auf facebook passieren. Warum hält man sich nach solchen Themen ausschau und macht es einfach besser?

    Es liegt aber definitiv nicht nur an den Funktionen, auch wenn studivz da sehr hinterher hinkt und stehen geblieben ist. Aber durch Dinge wie Globalität etc. erreiche ich auf facebook mehr user und facebook hat es geschafft mehr user anzusprechen. In diesem Zusammenhang höre ich auch von einigen, die nur bei facebook sind, weil ihre Freunde dorthin abgewandert sind.

    Etwas ähnliches kann mit facebook möglicherweise auch passieren, wenn google+ bekannter wird, facebook sich mehr fehler erlaubt und die User beginnen abzuwandern. Das muss nicht heute und nicht morgen geschehen, aber wer weiß wie es mit facebook in 1 oder 2 Jahren aussieht udn wie sich google+ entwickelt.

    • Man ist nicht stehengeblieben, weil man nicht die Kapazitäten hatte, um weitere Funktionen zu entwickeln – das Management hat stehts gewusst zu entscheiden, an welchem Unsinn man stattdessen zu arbeiten hätte.

      Bestes Beispiel dazu wäre (und das sollte damals auch in die Öffentlichkeit getragen worden sein) war zum Beispiel die Einschätzung des Managements, dass sich Facebook mit seiner Idee des Anbietens einer öffentlichen API etwas total sinnfreies ausgedacht hätte und dass man auf keinen Fall in diese Richtung gehen sollte.

      Erst viel zu spät sprang man später auf den Zug auf, mit OpenSocial ein wenig so erweiterbar zu sein wie Facebook.

    • … um dann zu merken, dass man mal vorher an dem Standard mitgearbeitet hätte, da es nicht auf deutsches Recht passt und daher recht umständlich implementiert werden musste.

      Ansonsten war aber OpenSocial selbst schon viel zu kompliziert, vor allem verglichen mit der jetztigen FB Graph API. Zudem musste man ja auch erstmal als Entwickler freigeschaltet werden und dann die App auch nochmal, ohne zu wissen, ob das je passieren wird (hatte dazu mal ne Podiumsdiskussion mit Xing und StudiVZ moderiert). Das motiviert nen Entwickler natürlich nicht und vor allem kann man nicht einfach mal anfangen und ausprobieren.

      Insofern ist es zum Teil auch wieder eine gewisse Kontrollwut, die so manches verhindert.

      Ich glaube, hierzulande überlegt man auch viel zu viel anstatt einfach mal was auszuprobieren.

  19. Ohne tief in die Materie gehen zu wollen – nennen wir es mal Stillstand. Er ist nicht nur ein Grund für die Mitglieder, sich umzuschauen, sondern auch für die Mitarbeiter.

    Ein anderes Vorgehen des Managements, bzw. ein anderes Management hätte die beiden Vorgänge sicher verhindern können.

    Aber hinterher ist man immer schlauer.

  20. Martin: die Mails erreichen mich momentan.

  21. Was auch immer Holtzbrinck tun wird, um VZ zu retten, sie kommen damit mehr als 1,5 Jahre zu spät.

  22. Wie kopiert, so gestorben. Mir wird nix fehlen – was bleibt ist der fade Beigeschmack, dass ein paar Leute mit einem Copycat richtig fette Kohle gemacht haben.

    Schönes, sonniges Wochenende allen,
    Sven

  23. Ja und die Recruiter freuen sich! :-) Jede Menge “Potential” zum “Abarbeiten”. :-)

  24. Die Trends-Daten sehen für alle deutschen Websites so merkwürdig ‘absackend’ aus.

    Auch wenn man Spiegel / Zeit / Süddeutsche oder T-Online / Web.de / Gmx.de miteinander vergleicht.

    Überall bricht das im Februar – April dieses Jahres massiv ein.

    Mir scheint eher, daß die Trends-Daten das abbilden, daß bsp. jemand nach Spiegel sucht und so auf Spiegel.de geht. In dem Maße, in dem Nutzer Bookmarks verwenden bzw. erfahrener werden (weil in DE die meisten schon online sind, wohingegen 2009 / 2010) noch viele neue Internetnutzer dazugekommen sind), bricht dieser ‘Zubringerweg’ über den Google-Suchschlitz ein.

  25. Ich denke nicht, das es dazu kommt, das VZ so schnell von der Bildfläche verschwindet. Viele Mitarbeiter wurden auch betriebsbedingt gekündigt, das betraff aber nie das Engineering, sondern den Marketing. Sales Wasserkopf! Die, die im Engineering gehen, gehen alle von alleine, wegen höher dottierten Jobs. Es finden regelrecht Abwerbungswellen statt.

    Ein ehemaliger Mitarbeiter!

  26. Ich denke es gibt genau fünf Gründe, wieso VZ hinter Facebook zurückgefallen ist.
    http://peopleandmedia.wor…-facebook-succeeded/

    Grüße

  27. Inzwischen sind die Juli-IVW-Zahlen da:

    Zwar noch nicht per offizieller Änderung auf der Startseite

    http://www.ivw.de/

    aber klickt man auf

    http://ausweisung.ivw-online.de/

    dann gibt es die Juli-Zahlen bereits.

    Da gehen die VZ-Netzwerke vom Oktober 2010 mit 385,5 Mio auf 206 Mio (Mai), 172 Mio (Juni) und nun 152 Mio (Juli) runter.

    Xing ist von 23,5 wieder auf 24,4 Mio hoch.

    Links den Eintrag suchen, dann anklicken. Dann kann man zu einem Eintrag viele Monate ansehen.

    • Danke für den Hinweis. Damit sind es im Juli also fast nur noch 1/3 der Visits vom Oktober 2010 (wobei Visits als Messgröße ja nur bedingt aussagekräftig sind – in diesem Fall jedoch unterstreichen sie das bereits entstandene Bild)

  28. Inwiefern werden Zugriffe von Smartphones eigentlich beachtet bei solchen Messungen? Ist ja mittlerweile auch fast jeder mit so einem Teil unterwegs? Da wird dann zum einen die App zum anderen der jeweilige Browser auf dem Phone verwendet… Wird das gemessen?

    Greetz

  29. Viele interne Probleme:
    Langwierige Refaktorierungen, große SOA-Projekte, die alle ganz toll waren, aber den Usern überhaupt keine Innovationen gebracht haben. Unflexibles Arbeiten in SCRUM-Teams, Technik verliebte CTOs, die mal eben das gesamte Produkt übernommen haben. Tatsächlich gab es kein Produkt mehr am Ende. Viel zu viele Werbespielereien, die zu Lasten der Entwickler umgesetzt werden mussten. Hohe Personalfluktuationen, dadurch hoher Druck, Konkurrenzkämpfe, etc., beim VZ konnte einfach intern einfach nichts mehr laufen…
    Teamplay und Startup-Geist waren gestorben…

    Ich war mal da! :)

  30. Die IVW-Zahlen vom August setzen den Trend fort:

    Mai 206.720.735
    Juni 172.701.843
    Juli 152.898.315
    August 129.596.430

    Im Mai 2010 waren das noch 466 Mio Visits.

    Ähnlich die PageViews:

    Mai 3.853.460.570
    Juni 3.235.086.458
    Juli 2.837.612.847
    August 2.290.105.873

    Wenn der Verlust an Visits in absoluten Zahlen so weitergeht, dann gibt es am Ende des Jahres nicht mehr allzuviele Visits.

  31. Ich glaub das Ding ist inzwischen wirklich gegessen. Die VZ-Netzwerke haben sich wie fast 85 Prozent der restlichen deutschen Social Networks in ihr Schicksal ergeben. Da wird nicht mehr viel kommen. Die einzigen Netzwerke, die sich noch halbwegs mit letzter Kraft dem kollektiven Abwärtstrend entgegenstemmen sind Knuddels und die Lokis, wie in diesem Beitrag schön zu sehen ist.

  32. Im August 2011 waren das für die VZ-Netzwerke noch 129.596.430 Visits.

    Nun liegen die IVW – März-Zahlen vor (die Februar-Zahlen fehlen aufgrund eines Fehlers bei VZ):

    Dezember: 77.349.028
    Januar: 74.079.430
    Februar: —
    März: 53.009.432

    Also zwar noch nicht ganz platt, aber erneut von Januar auf März mehr als 20 Mio Visits eingebüßt. Bei einer linearen Fortsetzung wäre in fünf Monaten kaum mehr jemand da.

    Wer-kennt-wen sackt langsam ab:

    Dezember: 75.629.207
    Januar: 73.405.265
    Februar: 62.985.257
    März: 60.412.549

    Xing ist – allen Unkenrufen zum Trotz – stabil bzw. steigt leicht an:

    Dezember: 20.230.725
    Januar: 25.331.558
    Februar: 26.026.389
    März: 26.531.654

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