Gmails VoIP-Funktion wird international:
Google stellt Skype bloß

Google hat angekündigt, seine Gmail-Funktion zum Führen von VoIP-Telefonaten jetzt international verfügbar zu machen. Während für ein Skype-Gespräch auf ein deutsches Handy fast 24 Cent pro Minute anfallen, kostet dies bei Google nur 8 Cent plus Mehrwertsteuer.

Aktualisiert

Vor fast genau einem Jahr präsentierte Google für Nutzer seines E-Mail-Dienstes Gmail (Google Mail) in den USA und Kanada eine Funktion, um direkt aus der E-Mail-Oberfläche im Browser VoIP-Telefonate auf Festnetz- und Mobiltelefone zu führen. Eine separate Software ist dazu nicht notwendig, lediglich ein Plugin.

Damals merkte ich an, dass es sich bei der Neuerung spätestens zum internationalen Launch um eine handfeste Bedrohung für den führenden VoIP-Client Skype handeln würde, da dadurch eine Umsatz generierende Kernfunktion von Skype innerhalb eines existierenden, weit verbreiteten Konkurrenzproduktes angeboten wird – und das noch dazu zu geringeren Kosten.

Gut elf Monate konnte sich Skype auf die bevorstehende Ausweitung des Features auf weitere Länder vorbereiten. Nun jedoch hat diese Gnadenfrist ein Ende: Wie im Gmail-Blog zu lesen ist, beginnt Google dieser Tage mit der Verfügbarmachung der Funktion für User außerhalb Nordamerikas. Insgesamt 38 neue Sprachen sollen in Kürze unterstützt werden (eine etwas verwirrende Formulierung). Dass der deutschsprachige Raum dabei ist, davon ist auszugehen.

Gmail-Nutzer (sowie alle anderen Anwendern mit einem Google-Konto) können Skype für VoIP-Telefonate auf Festnetz- oder Handyanschlüsse somit zukünftig links liegen lassen und die Gespräche direkt vom Gmail-Interface aus führen.

Google wäre nicht Google, würde es diese Neuheit nicht noch mit einem zusätzlichen Highlight in den Fokus der Anwenderschaft rücken: Die Internationalisierung der Option wird von recht deutlichen Preisnachlässen begleitet. Wer von einem beliebigen Ort dieser Welt aus via Gmail auf eine deutsche, französische oder britische Handynummer anruft, zahlt dafür laut Blogeintrag lediglich 0,08 Euro seines Prepaid-Gesprächsguthabens pro Minute (Update: zuzüglich Mehrwertsteuer, die beim Aufladen des Gesprächsguthabens hinzukommt). Für Details verweist Google auf diese Tarifseite.

Mit dieser aggressiven Preisgestaltung bietet Google einen der günstigsten Wege überhaupt an, deutsche Mobilfunknummern anzurufen. Skype verlangt für Telefonate in das deutsche Handynetz mit 0,236 Euro pro Minute (inkl. Mehrwertsteuer) gar fast das Dreifache mehr als doppelt so viel. Der deutsche Skype-Konkurrent FriendCaller hingegen scheint jüngst ebenfalls seine Gebühren stark gesenkt zu haben , liegt aber mit 0,085 Euro minimal über dem Google-Tarif  und liegt mit 0,085 Euro inklusive Mehrwertsteuer sogar unter dem Google-Tarif. Bei Sipgate fallen im Basis-Tarif knapp 0,15 Euro/Minute an.

Wenn kleinere Skype-Wettbewerber von Usern deutlich weniger für ausgehende Gespräche verlangen, dann offenbart dies zwar Skypes Gier, führt aber augenscheinlich nicht automatisch zu Veränderungsdruck. Dass Gmail nun aber Telefonate auf deutsche Handys für acht Cent anbietet, wird Skype nicht ignorieren können. Sollte es auch nicht.

Auch wenn Googles spezifischer Telefonservice Google Voice weiterhin nur US-Amerikanern vorbehalten bleibt, wird der jüngste Schritt den VoIP-Markt umkrempeln und Skype-Neubesitzer Microsoft an der Schaffung einer Cashcow hindern, noch bevor sich diese beweisen konnte. Und wer bisher einen Bogen um Gmail gemacht hat, dem wird dies zukünftig noch schwerer fallen.

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8 Kommentare

  1. Martin
    schrieb am 2. August 2011 um 21:05 Uhr (#)

    Ich begrüße die Preissenkung ja auch sehr, allerdings frage ich mich, ob man mit der deutschen Lokalisierung auch deutsche Handynummern als “Absender” einstellen kann. Solange eine zufällige / unbekannte Nummer gesendet wird, ist das alles nicht so spannend.

  2. Marc
    schrieb am 2. August 2011 um 21:38 Uhr (#)

    Sehe ich wie Martin… Solange man nicht seine eigene Nummer hat, ist das sinnlos.
    Ich kenne kaum jemanden, der bei unbekannten oder “keiner” Rufnummer einen Anruf annimmt.

  3. Dirk S.
    schrieb am 2. August 2011 um 22:07 Uhr (#)

    Ihr habt die Mehrwertsteuer vergessen. Es sind also ca. 9,5 €cent.

    “The listed rates do not include taxes and may change at any time.”

    @Martin & @Marc erstmal abwarten. So schwer ist eine Verifizierung nicht umzusetzen. Google bekommt sowas sicher hin.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 2. August 2011 um 23:07 Uhr (#)

      Danke. Hab’s aktualisiert.

  4. Chris Ferebee
    schrieb am 4. August 2011 um 11:28 Uhr (#)

    Die Formulierung „Wenn kleinere Skype-Wettbewerber von Usern deutlich weniger für ausgehende Gespräche verlangen, dann offenbart dies zwar Skypes Gier“ ist vielleicht etwas überzogen, wenn man bedenkt, daß Skype bisher keine nennenswerten Gewinne eingefahren hat.

    Google bietet seine Dienste, ob Suche, Gmail oder Voice, grundsätzlich unterhalb der Kostendeckung an. Der Anwender bezahlt mit der Preisgabe seines Nutzungsprofils, das Google anschließend mit Gewinn an seine eigentlichen Kunden, die Werbetreibenden, verkauft.

    Interessant wird es, falls Microsoft nach der Übernahme für Skype ein tatsächliches Geschäftsmodell vorstellen sollte. Ausreichend viele Anwender hat Microsoft längst, überzeugen können daher nur Kampfpreise oder Mehrwert. Es bleibt spannend.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 4. August 2011 um 11:33 Uhr (#)

    Wenn das Terminierungsentgelt bei 3,4 ct/Min netto liegt und Skype dafür über 20 Cent verlangt, dann ist das imo Gier – ungeachtet der Fähigkeit des gewählten Geschäftsmodells, Profit zu generieren.

  6. Chris Ferebee
    schrieb am 4. August 2011 um 12:44 Uhr (#)

    Terminierungsentgelte sind nur die Fremdkosten, es ist ja auch eigene Infrastruktur und Personalaufwand notwendig. VoIP-Anbieter, die kostendeckend arbeiten (z. B. sipgate, dus.net) scheinen aktuell 10 ct/min als marktgerechten Preis für Verbindungen in die Mobilfunknetze zu sehen.

    Insofern sind die bisherigen Mobilfunkpreise bei Skype schon recht hoch, dafür sind der überwiegende Anteil der Voice- aber auch Chat- und Video-Minuten kostenlost.

    Es ist immer eine Mischkalkulation. Ich würde mich aber auch sehr wundern, wenn Skype nicht bei den Preisen nachgibt.

  7. Frank Didszuleit
    schrieb am 4. August 2011 um 15:44 Uhr (#)

    Wer mit Skype oder Google ins Ausland telefoniert ist bei diesen Preisen selbst schuld! Es gibt deutlich bessere und günstigere Anbieter wie z.B. VoipCheap oder DCalling. Ich finde sie sogar auch noch weitaus komfortabler … Skype etc. lohnt sich nur, wenn beide die selbe App verwenden.

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