Turntable.fm-Nachahmer Outloud.fm:
“Bitte verklagt uns nicht”
Kurz nachdem der populäre virtuelle DJ- und Musikdienst Turntable.fm seine Pforten für Nutzer außerhalb der US schließen musste, erscheint mit Outloud.fm ein minimalistischer Nachahmer auf der Bildfläche. Dessen Macher wissen genau, was ihnen blühen könnte.
Schließlich raubte mir der höchstes Suchtpotenzial mitführende Dienst für virtuelle Echtzeit-DJ-Battles in den Wochen davor die ein oder andere Stunde. Der erzwungene Entzug von Turntable.fm fiel mir zwar nicht leicht, aber setzte immerhin viel Zeit frei, die ich nun wieder produktiv nutzen konnte.
Eigentlich sollte ich also vorsichtig sein mit Outloud.fm, einem neuen Service nicht unähnlich Turntable.fm, auf den mich Markus gestern aufmerksam machte. Doch Neugierde und Lust auf ein kollektives Musikerlebnis siegten über die Vernunft, weshalb ich mir das Projekt der zwei New Yorker Mike O’Brien und Steven Huynh sofort anschauen musste.
Outloud.fm ist eine minimale Abwandlung des von Turntable.fm etablierten Ansatzes des gemeinsamen Echtzeit-Musikkonsums im Browser. Die Unterschiede zwischen den beiden Services lassen sich anhand der Vor- und Nachteile von Outloud.fm gegenüber Turntable.fm gut beschreiben:
Vorteile von Outloud.fm gegenüber Turntable.fm
- Outloud.fm ist derzeit ein Hobbyprojekt, steht damit zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht unter Beobachtung der Musikindustrie und ist daher auch noch von jedem Ort der Erde aus erreichbar.
- Outloud.fm erfordert keine Einladung eines bestehenden Mitglieds. Stattdessen kann sich jeder interessierte Nutzer wahlweise über das eigene Facebook- oder Twitter-Konto bei dem Service einloggen.
- Outloud.fm verzichtet auf die von Turntable.fm her bekannte grafische Darstellung mit DJ-Pult, Useravataren und Tanzfläche und setzt stattdessen auf ein traditionelles Chatraum-Interface. Abzuspielende Songs werden von der eigenen Festplatte per Drag’n'Drop in die Playlist in der linken Spalte gezogen. Wer Minimalismus mag, sieht diesen Ansatz womöglich als Vorteil.

Nachteile von Outloud.fm gegenüber Turntable.fm
- So lapidar der grafische Ansatz von Turntable.fm auch erscheinen mag – für mich macht er den speziellen Reiz des Angebots aus. Der dreispaltigen Chatoberfläche von Outloud.fm fehlt dagegen jegliches Flair.
- Outloud.fm beinhaltet anders als sein Vorbild keine eigene Musikdatenbank. Jeder in einem DJ-Raum abgespielte Titel muss von der Festplatte der User kommen, was für manche Anwender eine zusätzliche Einstiegsbarriere darstellt (konstruktiver Vorschlag: Anbindung an die SoundCloud-Datenbank).
- Outloud.fm besitzt keine Voting-Funktion. Im Gegensatz zu Turntable.fm lassen sich so von der Masse negativ bewertete Titel nicht überspringen, auch entfällt der Anreiz des Sammelns von Punkten, die bei Turntable.fm für positive Votes vergeben werden und im Laufe der Zeit zu “besseren” Avatares berechtigen.
- Mit der öffentlichen Verlinkung zu den Twitter- bzw. Facebook-Profilen der Nutzer sowie dem Anzeigen der vollständigen MP3-Dateinamen (inklusive eventueller Kürzel einschlägiger nicht-autorisierter Quellen) tut der Nachahmer zudem nicht genug, um Usern ein sicheres Gefühl zu geben, nicht mittelfristig durch die Verwendung von Outloud.fm Probleme zu bekommen.
Gemeinsamer Nachteil beider Dienste
Selbstverständlich bewegt sich Outloud.fm im gleichen rechtlichen Schwebezustand wie Turntable.fm. Gelingt es den Machern, für signifikanten Zulauf zu sorgen, wird es bis zum Anklopfen der Musikindustrie nicht lange dauern. Die zwei New Yorker wissen das auch, wie ein humorvoller Vermerk über das Risiko von Klagen auf ihrer About-Seite zeigt.
Fazit
Ist Outloud.fm für mich eine Alternative zu Turntable.fm? Nein. Nutzer, die sich aber an der bunten Avatarwelt von Turntable.fm gestört haben, könnten dies anders sehen.
Hier findet ihr ein Interview mit den Outloud.fm-Machern, inklusive des erheiternden Zitats “Wer auch immer dies liest: Bitte verklagt uns nicht”.
Link: Outloud.fm























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