iZettle:
Ein erster Blick
auf Europas Square-Konkurrenten

iZettle heißt das in Schweden entwickelte Kartenlesegerät fürs iPhone – Europas Antwort auf das US-Startup Square. Mit dem Dienst kann jeder Kartenzahlungen entgegennehmen. Wir haben ihn ausprobiert.

Während Twitter-Mitgründer Jack Dorsey in den USA gerade mit seinem Smartphone-Kartenlesegerät Square für Aufsehen und rasant steigende Umsätze sorgt, steht ein europäischer Konkurrent bereits seit April in den Startlöchern: iZettle heißt das schwedische Startup, das iPhone-Besitzer mit seinem Aufsatz in die Lage versetzen will, Kartenzahlungen entgegen zu nehmen. Hier ist unser erster Beitrag zu dem Unterfangen des Unternehmens aus Stockholm.

Mittlerweile hat iZettle seine geschlossene Beta-Phase begonnen und eine begrenzte Zahl von Testern mit dem kostenfreien Kartenleser sowie der dazugehörigen iPhone-App ausgerüstet. Momentan ist ein Wohnsitz in Schweden und eine dazugehörige Personennummer Voraussetzung, um mit iZettle Zahlungen in Empfang zu nehmen. Da ich in dem skandinavischen Land wohne und mich rechtzeitig bei dem von Jacob de Geer und Magnus Nilsson gegründeten Startup gemeldet habe, hatte ich vor einigen Tagen den eleganten Kartenleser in meinem Briefkasten (Fotos unten).

Im Gegensatz zu seinem US-Pendant setzt iZettle auf den chipbasierten EMV-Standard, der in Europa zunehmend die von Square verwendete Magnetstreifentechnik ersetzt. Das Lesegerät ist daher etwas größer, da in ihm ja die kurze Seite einer Karte Platz finden muss.

Momentan funktioniert iZettle mit Visa-, MasterCard- und Maestro-Karten (in meinen Tests blockierte der Dienst jedoch aus mir unerfindlichen Gründen Zahlungen mit zwei mir zur Verfügung stehenden Maestro-Karten). Um den Zahlungsprozess einzuleiten, verbindet man den iZettle-Kartenleser mit dem USB-Ausgang des iPhones und startet die iZettle-App.

Anschließend führt man eine Karte in das Lesegerät ein und gibt den fälligen Betrag an (die Untergrenze beträgt momentan 10 SEK, ungefähr 1 Euro). Auf Wunsch (und zur nachträglichen Einordnung, falls viele Zahlungen durchgeführt werden) kann eine Beschreibung der Transaktion sowie ein Foto des verkauften Produktes hinzugefügt werden. Anschließend wird durch das Betätigen des “Pay”-Knopfes der Transaktionsprozess eingeleitet.

Eine bestehende Internetverbindung sowie eine positive Rückmeldung von der Bank des Karteninhabers vorausgesetzt, kann dieser seine Karte dann wieder aus dem iZettle entfernen und muss nun die Zahlung bestätigen. Bei niedrigen Beträgen geschieht dies mit einer digitalen Unterschrift, die mit dem Finger auf das Touchdisplay des Apple-Smartphones gezeichnet wird. Ab 200 SEK (rund 20 Euro) ist zur Vermeidung von Missbrauch zusätzlich die Eingabe der schwedischen Personennummer erforderlich.

iZettle in Aktion
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Alle Zahlungen, die Nutzer mit iZettle in Empfang nehmen, landen in ihrem persönlichen Onlinekonto des Dienstes. Sobald sie dieses mit ihrem Girokonto verknüpft haben, erhalten sie einmal täglich eine Überweisung aller erhaltenen Beträge. Über ihr Dashboard können sich Anwender einen Überblick über ihre iZettle-Umsätze sowie abgebrochenen Transaktionen machen.

Der gesamte Zahlungsprozess geht flott von statten und lässt im Prinzip keine Wünsche offen. Allerdings erkannte mein iPhone das Kartengerät erst, nachdem ich meine Schutzhülle entfernt hatte – was sicher kein Optimalzustand für Händler oder Gastronomen ist, die permanent Transaktionen durchführen.

Im Beta-Stadium fallen für abgewickelte Zahlungen keinerlei Gebühren an, weshalb ich am Wochenende von Freunden munter Kleinstbeträge entgegen genommen habe. iZettle-Vorbild Square versendet seine Kartenleser ebenfalls kostenfrei, beansprucht dafür vom Emfpänger einer durchgeführten Transaktion eine 2,9-prozentige Provision. Nach dem offiziellen Launch wird iZettle ähnlich verfahren.

iZettle erfüllt laut eigener Aussage sämtliche Sicherheitsansprüche der europäischen Kartenindustrie. Jede Datenübertragung erfolgt verschlüsselt. Das Unternehmen unterstreicht auch, dass zu keinem Zeitpunkt Informationen auf dem iPhone oder dem iZettle-Kartenlesegerät gespeichert werden.

Bezüglich genauer Details hinsichtlich einer Lancierung in anderen europäischen Ländern halten sich die iZettle-Macher zwar derzeit noch bedeckt, teilen aber mit, dass eine entsprechende Expansion außerhalb Schwedens schon für den Herbst dieses Jahres anvisiert wird.

Angesichts der Tatsache, dass die Deutschen im europäischen Vergleich eher zu den zurückhaltenden Kartenzahlern gehören (über Schweizer und Österreicher kann ich mich in diesem Kontext nicht äußern), würde ich jedoch nicht darauf wetten, dass Deutschland für iZettle allerhöchste Priorität hat. Dafür spräche hingegen die Größe des Landes.

Link: iZettle

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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3 Kommentare

  1. Erstens finde ich die Einführung eines echten Mobile Payment sehr wünschenswert. Immer mehr Menschen tragen heute kaum noch Bargeld mit sich rum. Auch wenn ich persönlich “echtes Geld” bevorzuge, liegt da ein enormes Potential.
    Zweitens zeigt es mal wieder die deutlich bessere Leistung, die ein europäisches Unternehmen an den Tag legt. Anstatt auf (bald) veraltete Technik zu setzen, wird halt eben gleich der höherwertige Standard verwendet.

    Den Unternehmern in Schweden: lycka till! – Viel Erfolg!

  2. Das ist ja gefundenes Fressen für Skimmer-Betrüger… kaum ist das standard kann man mit einem einfachen Smartphone etwas verkaufen, dabei die Kontendaten klauen und im gleichen Schritt in diese in die Domrep oder nach China schicken

    • Ja ich denke es ist klar, dass man fortan nicht jedem wildfremden Menschen die Kreditkarte ins Smartphone steckt. Eine gewisse Vorsicht ist sicher angebracht. Gleichzeitig wird durch iZettle, Square & Co aber auch nicht jeder bisher ehrliche Händler/Flohmarktverkäufer/ etc. zu einem Skimmer.

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