Facebook-Managerin Joanna Shields auf dem DLDwomen:
Die Kinder des Jahres 2012

In München findet derzeit der DLDwomen statt. Zwei Tage geht’s hier um die Zukunft, und zwar die der Frauen. Facebook-Managerin Joanna Shields denkt aber vor allem an die Kinder.

Katja Schönherr lebt als freie Journalistin in Zürich und ist gerade auf dem DLDwomen in München.

Womenomics, Frauenquoten, gemischte Teams – am ersten Vormittag des DLDWomen fallen diese Schlagworte unablässig. Saftige Frauenthemen dominieren also den Beginn der vom Burda-Verlag initiierten Konferenz im Bayerischen Nationalmuseum in München.

Als Facebook-Managerin Joanna Shields (Gesamttitel: Vice President and Managing Director of Facebook Europe, Middle East and Africa) an die Reihe kommt, meint man zunächst, man bewege sich nun weg von weiblichen Themen. Denn Wörter wie „women“ und „female“ fehlen in ihrem Vortrag völlig. Doch ganz unweiblich ist auch ihr Thema nicht; sie stellt nämlich Kinder in den Mittelpunkt. Ein Aspekt, der in Männerreden ja eher selten vorkommt und wenn, dann vorwiegend in Form einer witzigen Anekdote vom Sohnemann als auflockernder Vortragseinstieg.

Foto: Burda
Foto: Burda
Shields spricht darüber, wie es sein wird, im Jahr 2012 zwölf Jahre alt zu sein. Es geht also um Elfjährige, die 2011 elf sind. Warum sie „12 in 2012“ als Titel gewählt hat statt „11 in 2011“ – es bleibt ein Rätsel.

Immerhin erfuhr man, warum ihre Wahl auf diese Alterskohorte gefallen war: Ihr Kind ist Teil dieser Generation, „dieser letzten des 20. und ersten des 21. Jahrhunderts“. Diese Kinder wüchsen so ganz anders auf als sie selbst. Weil sie alles, was sie sehen, sofort mit ihren Freunden „teilen“ könnten. An dieser Stelle fällt es einem kurz wieder ein: Joanna Shields ist für Facebook da. In früheren Etappen ihrer Karriere war sie übrigens bei Google tätig sowie beim sozialen Netzwerk Bebo, das 2008 von AOL übernommen wurde.

Sie sei immer wieder überrascht über ihren eigenen Sohn, erzählt sie. Überhaupt über Kinder dieses Alters: „Sie wissen mehr übers Internet als wir. Wenn sie ein Video bei Youtube hochladen, kann man sie sich glatt als neuen Steven Spielberg vorstellen. Und wenn sie beim Abendessen etwas erzählen, meint man, sie halten gerade eine Rede vor der UN,“ fasst sie ihre Verwunderung zusammen. Aber sie möchte, dass diese Superkinder noch besser werden.

Deshalb hat sie gerade die Facebook-Seite „12 in 2012“ angelegt, zum Sammeln von Ratschlägen. Denn die Seite soll Kindern Antworten auf die Frage geben, welche Ratschläge Erwachsene ihrem 12-jährigen Ich geben würden, hätten sie die Möglichkeit, in die Vergangenheit zu reisen.

Gestern vorgestellt, hat die Page bislang gut 100 Mitglieder. Neben der Unterstützerzahl ist sicher auch die Qualität der Ratschläge („too much cider = #fail“) noch steigerungsfähig. Shields’ Ziel jedenfalls ist es, diese Kinder, die schon so viel wissen, noch mit ein paar Lebenstipps zu erreichen: „Let’s help them to make sense of it all!“

Der kurze Vortrag enthält viel amerikanisches Pathos. Sie selbst sei zum Beispiel nur das geworden, was sie heute ist, weil ihr ein Lehrer in der Pampa Pennsylvanias einst sagte: „Sieh zu, dass Du Deinen Kopf auf die Zukunft vorbereitest und aus dieser Stadt rauskommst.“ Diesem Lehrer sei sie bis heute dankbar; ohne ihn hätte sie ihren Weg nie gefunden, erzählt sie. Ihre Kindheit – Shields ist Jahrgang 1974 – sei geprägt gewesen vom Freikämpfen-Müssen. Und von ständiger Angst (Stichwort: Kalter Krieg).

Was bestimmt das Leben dieser Kinder, die im kommenden Jahr zwölf werden (und also heute elf sind)? Was macht ihr Aufwachsen so anders als das von Joanna Shields? Die Facebook-Managerin hat folgende Merkmale jener Digital Natives aufgezählt:

Sie seien toleranter. Weil sie schon früh übers Internet in Kontakt mit ganz vielen verschiedenen Menschen kämen, verhielten sie sich aufgeschlossener. Sie schrieben ihre Lebensgeschichte selbst – im übertragenen wie im Facebook-Sinne: Sie hätten heute viel mehr Freiheit, ihre Wünsche zu verwirklichen. Und auf Facebook hielten sie kontinuierlich ihre Entwicklung fest, etwa was sie machten oder wer neu zum Freundeskreis hinzustoße.

Sie lernten immer und überall. Seien früher allein Schulen, Bibliotheken und Universitäten Orte des Lernens gewesen, so sei der Erwerb von Wissen dank mobilen Internets heute überall möglich. „Wenn man sich fragt, wen dieses oder jenes Denkmal darstellt, dann googelt man es eben schnell.“ Dank Internet hätten junge Menschen heute die Tools, sich auf jegliche Art und Weise zu organisieren und zusammenzukommen.

Was diese Kids nun aus den veränderten Gegebenheiten machten, das wisse auch Shields nicht. Aber sie hofft, dass es etwas Gutes wird. Und dass die Ratschläge auf der Seite „12 in 2012“ ihnen dabei helfen.

Update: Hier ist die Videoaufzeichnung von Shields’ Vortrag.

Über die Autorin:
Katja Schönherr lebt als freie Journalistin in Zürich. Zu ihren Kunden zählen die Fachzeitschrift Werben & Verkaufen, die Wochenzeitung Die Zeit und Zeit-Online sowie der Onlineverlag Blogwerk, der auch netzwertig.com herausgibt.

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1 Kommentar

  1. Tanja Handl
    schrieb am 30. Juni 2011 um 09:51 Uhr (#)

    Was Shields hier für die heute 11-Jährigen postuliert, gilt in meinen Augen bereits für die Generation davor – und ist bis zu einem gewissen Grad auch eine ziemliche Romantisierung.

    Warum der Titel “12 in 2012″ lautet, wundert mich auch – aber vielleicht, weil’s dann nur noch ein Jahr ist bis zum (heiß ersehnten?) Facebook-Konto? ;)

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