Turntable.fm zieht Notbremse:
Am Eingang abgewiesen
Innerhalb eines Monats konnte sich der US-Musikdienst Turntable.fm eine begeisterte Anhängerschaft aufbauen. Seit dem Wochenende haben Nutzer von außerhalb der USA keinen Zutritt mehr zu den Suchtzustände hervorrufenden DJ-Battles. Zu unsicher ist die rechtliche Situation.
Seit vier Wochen verbringe ich fast täglich Zeit bei dem Browserservice, um mir mit bis zu vier anderen Usern in grafischen Chaträumen DJ-Battles zu liefern oder ganz einfach gute Musik zu hören und neue Titel zu entdecken. In meinem ersten Beitrag zu Turntable.fm erläuterte ich die genaue Funktionsweise des innovativen Musiktools und beschrieb in einem zweiten Bericht, wieso es den Musikkonsum verändern könnte.


Waren die exakten rechtlichen Rahmenbedingungen kurz nach dem Launch noch unklar, kamen in jüngster Zeit Details zur Strategie des Startups hinsichtlich der Lizensierung der Streamingrechte ans Licht: Es gibt keine.
Turntable.fm erlaubt virtuellen DJs den Zugriff auf eine Datenbank mit Millionen von Songs, die diese zur Beschallung eines Chatraums einsetzen können, und bezieht sämtliche Titel vom Unternehmen MediaNet. Die Streamingrechte sind in diesem Deal allerdings nicht inbegriffen, wie ich anfangs vermutet hatte. Für diese müsste Turntable.fm selbst mit den zuständigen Organisationen Labels verhandeln.
Auf diesen potenziell kräftezehrenden und kostspieligen Weg wollen die Turntable.fm-Macher Seth Goldstein und Billy Chasen teilweise verzichten, weshalb sie verschiedene funktionelle Limitierungen in ihre Plattform integriert haben: So können Nutzer zwar Songs von der eigenen Festplatte hochladen und vor versammelter Hörerschaft zum Besten geben, nach dem nächsten Login sind die MP3-Dateien aber wieder verschwunden. Auch kann ein DJ von seinen eigenen Songs lediglich die ersten 30 Sekunden hören, wenn er als einziger hinter den Plattenspielern steht.
Derartige Einschränkungen sollen sicherstellen, dass Turntable.fm juristisch nicht als On-Demand-Streamingangebot sondern als Online-Radiodienst durchgeht. Gemäß des US-Urheberrechtsgesetzes Digital Millenium Copyright Act (DMCA) sind beim Betrieb eines nicht-interaktiven Webradios à la Pandora keine Label-Deals notwendig (Lizenzzahlungen an die US-Verwertungsgesellschaft SoundExchange werden aber trotzdem fällig).
Anders sähe es aus, wenn Turntable.fm mit On-Demand-Lösungen wie simfy, Spotify oder Rdio gleichgestellt werden würde. Dafür muss direkt mit den Rechteinhabern verhandelt werden.
Wer sich ein paar Minuten mit Turntable.fm beschäftigt, wird schnell erkennen, dass Interaktivität eines der Kernmerkmale des Dienstes ist. Insofern erscheint zweifelhaft, dass sich das New Yorker Startup lange auf den DMCA berufen können wird. Und da es sich dabei ohnehin um ein US-Gesetz handelt, heißt es nicht, dass sich Rechteinhaber aus anderen Ländern mit der Radio-Argumentation zufrieden geben.
Ich kann nur vermuten, dass der Ausschluss einer internationalen Nutzerschaft sicherstellen soll, dass sich Seth Goldstein und Billy Chasen auf den bevorstehenden Schlagabtausch mit der US-Musikindustrie konzentrieren können, ohne nebenbei durch Klagen von Plattenfirmen und Verwertungsorganisationen aus anderen Ländern abgelenkt zu werden. Auf eine Anfrage an Billy Chasen zu den Hintergründen der Entscheidung haben wir bisher keine Antwort erhalten.
Ich bin bei weitem nicht der einzige Turntable.fm-Fan im deutschsprachigen Raum, der fortan auf den virtuellen Nachtclub verzichten oder sich mit Proxy- oder VPN-Lösungen behelfen muss. Alle User von außerhalb der USA, die sich nun in Turntable.fm-Entzug üben werden, dürfen sich keine Illusionen machen: Turntable.fm reicht der US-Markt genauso aus, wie er für Börsenneuling Pandora oder den Videoservice Hulu bisher das einzige Einzugsgebiet war. Turntable.fm braucht die internationale Anwenderschaft nicht.
Dass die Turntable.fm-Türsteher auch Nicht-US-Nutzer demnächst wieder zur Party hereinlassen, ist somit eher unwahrscheinlich.
Die Entwicklung kommt nicht überraschend. Dass der rechtliche Schwebezustand den Dienst ab einer bestimmten Reichweite zu Einschnitten zwingen würde, war angesichts der mannigfaltigen historischen Konflikte rund um digitale Musik absehbar. Bei 140.000 Nutzern scheint dieser Punkt erreicht zu sein.
Insgeheim träumte wohl jeder begeisterte Turntable.fm-Nutzer davon, dass es diesmal anders sein würde. Leider hat jeder Traum ein Ende. Und leider zieht das Urheberrecht weiterhin dort Grenzen, wo das Netz in den vergangenen 20 Jahren die Barrieren abgebaut hat.
Dieser Artikel wurde kurz nach seiner Veröffentlichung nochmals leicht überarbeitet.






















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Vielen Dank für die Hintergründe!
Man wird sich mit der rechtlichen Situation wohl vorerst abfinden müssen, wenn ich mir allerdings meine eigene “User-Story” anschaue, verpasst die Musik-Industrie hier eine Chance: Vor 5-6 Jahren habe ich über Myspace sehr intensive Kontakte zu Musikliebhabern geknüpft und durch das hohe Interesse auch ein gewisses Budget im Monat für Tonträger investiert. Nach dem Fall von Myspace und dem Switch zu Facebook ist das Engagement erloschen (Facebook eignet sich für sowas schlicht nicht).
Durch turntable.fm habe ich gerade wieder angefangen, die alten Netzwerke zu reaktivieren. Nun ist Schluss. Geht die Rechnung der Musik-Industrie also auf? Ich will nicht von meiner User-Story auf die Allgemeinheit schließen, aber dass ich in nächster Zeit wieder Geld für Tonträger oder MP3s ausgebe, halte ich eher für unwahrscheinlich. Es fehlt einfach das, was turntable.fm wiedererwecken konnte: Die Begeisterung für Musik…
Das ist wirklich öde. Sehe es wie Sebastian, hier wird eine große Chance vertan, musikbegeisterte User zu Kunden zu machen. Aber mal abwarten und Tee trinken – die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.
“Geogefickt” nennt man das.
oder umgehen…
Mensch martin, dein Raum ist so leer geworden, da treten nur noch meyola, Frieda und DMMS rum… ._.”
Hach ja, die kleine Session im betahaushh-Raum hat mich dann auch in den turntable-Bann gezogen ;-) Fände es gar nicht schlecht, wenn Medien samt Blogs dann auch öfter auf die einfachen Möglichkeiten der Sperrungsumgehungen hinweisen würden. Denn letztlich ist das ein Heben (kann das ein Hebel sein), dass Strukturen sich ändern und aufbrechen. Oder? Also, wenn es denn rechtlich okay ist, dass ihr auf so etwas hinweist…
Hi, also ich kenne noch http://mumuplayer.com
Ich weiß jetzt nicht ob man bei turntable.fm wirklich auflegen konnte, aber ich denke die sind recht ähnlich die Dienste. Probierts aus!
Danke, hab ich gleich mal ausprobiert. Ist leider sehr spartanisch – ein ganz klassischer Textchat mit der Zusatzfunktion des Musikabspielens.
Ich glaube, die grafische Darstellung, die Avatare, Bewertungsfunktion und Punkte machen einen wesentlichen Teil von turntable.fm aus.
Ich denke da wird sich laut dem Betreiber noch einiges ändern. Vielleicht schlägst du ihm dieses System ausführlicher vor :D Ich hab leider keine Ahnung wie turntable.fm war, weil ich erst durch deine Seite, genauer dem Artikel Direct von Rivva, hier drauf kam. Naja ich hoffe es entwickeln sich ständig Alternativen, denn sobald mumuplayer.com mehr Nutzer hat, wird es erneut problematisch werden können.
Hi@all!!!
Gehöre auch zu dennen die turntable.fm süchtig sind!
Da ja der zugang von außerhalb blockiert ist was den
normalen weg angeht kann ich jedem nur das tool
Hotspot Shield empfehlen! Mir hat es diesbezüglich
weiter geholfen.
Gruß CybernoxXx
Hey Zusammen :( habe heute leider erst das erstemal von turntable.fm gehört. Gibt es den die Möglichkeit über einen Proxy? Und wenn ja, kann mich jemand einladen? Würde mich über den ein oder anderen Battle freuen :)
Hi Manu!
Am wenigsten arbeit hast Du mit dem Tool
was ich oben schon erwähnt habe! Einfach
installieren und wenn Du auf turntable.fm
gehen willst aktievieren.
Gruß CybernoxXx
Hotspot Shild funktioniert in Deutschland :-)
1. Hotspot Shild installieren
2. Hotspot Shild starten
3. Browser öffnen
4. Facebook einloggen
5. im 2ten Tab Turntable.fm öffnen
Es werden wohl 3 Friends bei Facebook benötigt, gibt da aber die passende Gruppe zu ;-)