Gemeinsames Musikerlebnis von unterwegs:
wahwah.fm veröffentlicht
seine iPhone-App

wahwah.fm will Menschen unterwegs über ein kollektives Musikerlebnis verbinden. Mit der ab sofort verfügbaren iPhone-Applikation macht das Berliner Startup einen ersten Schritt auf dem Weg dorthin.

Stellt euch vor, ihr sitzt im Zug, Kopfhörer in den Ohren, und lauscht genau der selben, individuellen Musikzusammenstellung, die auch eine andere Person in eurem Wagen gerade hört. Gefällt euch die Mischung, könnt ihr dieser Person über euer Smartphone eine Nachricht schicken und ihren Stream abonnieren. Oder ihr geht danach einfach zu ihr und sagt hallo.

Genau für derartige Erlebnisse möchte das Berliner Startup wahwah.fm sorgen. Anfang Mai hatten wir das Konzept des von Philipp Eibach gegründeten Dienstes erstmals vorgestellt. Ich attestierte ihm damals hinsichtlich der gewählten Aufmachung und Außendarstellung beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start – ohne jedoch die noch nicht fertige mobile App gesehen zu haben. Kurze Zeit später verbesserte der Service seine Ausgangslage mit dem Gewinn des Next11 Elevator Pitch nochmals.

Seit Mittwochabend nun steht wahwah.fm in der mit dem Zusatz “One” versehenen ersten Fassung für das iPhone im deutschen App Store. Für User aus der Schweiz, Österreich und dem Rest der Welt wird sie in den nächsten Tagen verfügbar sein.

In seiner ersten Ausbaustufe baut wahwah.fm für die personalisierbaren und ortsbasierten Musikchannels auf die Songdatenbank von SoundCloud. Wer also ein eigenes wahwah.fm-Radio starten und so anderen Nutzern in seiner Umgebung die Möglichkeit geben möchte, sich mit diesem den Tag versüßen zu lassen, benötigt dafür ein Konto bei SoundCloud. Anschließend lassen sich Titel von dort importieren und zur eigenen wahwah.fm-Playlist hinzuzufügen.

Eine Radiostation ist nur so lange für andere User verfügbar, wie diese auch aus den Kopfhörern ihres Erschaffers schallt. Im Vordergrund von wahwah.fm steht also das gemeinsame Hören von Musik von Menschen am selben Ort und nicht das bloße Anlegen einer Songliste, die Nutzer zu einem beliebigen Zeitpunkt anhören können.

Der grundsätzliche Ansatz des Berliner Jungunternehmens lässt sich durchaus mit dem des vielversprechenden US-Dienstes Turntable.fm vergleichen. Denn auch dort geht es um ein synchrones Konsumieren von Musik mit anderen Nutzern. US-Blogger Om Malik erfand für diese digitale Neudefinition eines alten Prinzips den Begriff “Alive Web”, also “lebendiges Web”. Das parallele Musikerlebnis mit anderen Usern inklusive dazugehöriger Interaktionsmöglichkeiten bereitet mehr Spaß als das isolierte Konsumieren einzelner Titel, so der Gedanke.

Ähnlich wie bei Turntable.fm wird sich die Nutzerschaft von wahwah.fm in Kreateure und Konsumenten teilen. Einige werden ihre eigenen Streams betreiben und ständig für musikalischen Nachschub via SoundCloud sorgen, andere hingegen den Radios aus der Umgebung lauschen.

Neben nutzergenerierten Kanälen gibt es auch “institutionelle”, so genannten “Place Radios” und “Web Radios”, die also von Clubs, Internetradios und Firmen betrieben werden und stets am selben Ort vorzufinden sind. Während der Fokus von wahwah.fm auf der Musik aus der Umgebung liegt, steht es Usern natürlich frei, auch Radios anzuhören, die ihren “Standort” in 1000 Kilometer Entfernung besitzen.

Bisher konnte ich wahwah.fm noch nicht in einem urbanen Städtemilieu mit hoher Nutzerdichte ausprobieren (prädestiniert ist hierfür zu Anfang natürlich die wahwah.fm-Heimatstadt Berlin). Aber das hinderte mich nicht daran, mit der App eine halbe Stunde herumzuspielen, ein Radio zu starten und gleich drei Hörer und zwei Followerer einzuheimsen. Auch ein kurzer Nachrichtenaustausch kam zu Stande und gab mir einen Vorgeschmack auf das “soziale” Potenzial des Dienstes.

Spaß macht wahwah.fm auf jeden Fall, und auch die Gestaltung der App sagt mir zu, wenngleich in einigen wenigen Situationen nicht ganz klar war, mit welcher Fingergeste es zur nächsten Option bzw. zum gewünschten Menü weitergeht. Schade ist, dass jeder Song aus der Playlist gelöscht wird, nachdem er einmal gespielt wurde. Der Betrieb eines eigenen Radios erfordert somit ständiges Organisieren von Nachschub, was das spontane Aktivieren eines Radiokanals verhindern könnte.

Neben einer Android-App, die sich in Planung befindet, ist der nächste Schritt ein Feature, um neben SoundCloud auch lokal auf dem iPhone gespeicherte Titel als Quelle für den eigenen Stream einsetzen zu können. Hierzu laufen gerade die Lizenzverhandlungen.

wahwah.fm-Gründer Philipp Eibach will die aktuelle Version der App somit lediglich als ersten Schritt zu dem Ziel verstanden wissen, Menschen unterwegs das gemeinsame Hören von Musik zu erlauben. Ich bin bereits auf die nächsten Schritte gespannt!

Link: wahwah.fm, iPhone-App (deutscher App Store)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Kollektives Smartphone-Musikerlebnis: wahwah.fm vor Neustart  mit über 12 Millionen Songs

9.11.2011, 10 KommentareKollektives Smartphone-Musikerlebnis:
wahwah.fm vor Neustart mit über 12 Millionen Songs

wahwah.fm will ein kollektives Musikerlebnis über Smartphones ermöglichen. Mit einer neuen App und über zwölf Millionen Songs wagt das Startup aus Berlin demnächst einen zweiten Anlauf.

14.9.2011, 3 KommentareGegentrend zum On-Demand-Konsum:
Digitale Mediennutzung als Gemeinschaftserlebnis

Eine Reihe von Onlinediensten versucht, in Gemeinschaft erlebte Ereignisse der "realen" Welt ins Digitale zu übertragen. Die dabei übernommenen, für Online-Medienangebote sonst unüblichen Begrenzungen scheinen in diesem Fall niemanden zu stören.

Like.fm: Eine schlanke Version von Last.fm

8.3.2011, 3 KommentareLike.fm:
Eine schlanke Version von Last.fm

Der junge US-Dienst Like.fm ermöglicht es Nutzern, automatisch ihre Hörgewohnheiten aufzuzeichnen und Musikempfehlungen von Freunden zu erhalten. Parallelen zu Last.fm sind offensichtlich, manches macht Like.fm aber anders (und besser).

Foursquare entbündelt seine Funktionen: Aus einer App werden zwei

2.5.2014, 4 KommentareFoursquare entbündelt seine Funktionen:
Aus einer App werden zwei

Foursquare beteiligt sich am Trend des munteren Entbündelns von Funktionalitäten. Alle Social-Networking-Elemente sowie der Check-In ziehen in eine neue App namens Swarm. Das Startup steht unter massivem Wachstumsdruck.

Standortbasiertes Marketing: Deutsche Startups stürzen sich auf iBeacon

28.2.2014, 9 KommentareStandortbasiertes Marketing:
Deutsche Startups stürzen sich auf iBeacon

Einige Monate, nachdem Apple in den USA grünes Licht für sein Positionierungssystem iBeacon gab, stürzen sich unzählige Startups aus Deutschland auf das Thema. Kein Wunder, dürfte die Technologie doch endlich wahr machen, was sich Handel und Marketing seit Jahren ausmalen.

Foursquare: Das Startup, das einst bekannt dafür war, kein Geschäftsmodell zu haben

5.12.2013, 8 KommentareFoursquare:
Das Startup, das einst bekannt dafür war, kein Geschäftsmodell zu haben

Bei Foursquare, dem Startup, das lange keine Erlösquellen vorweisen konnte, brummt mittlerweile das Werbegeschäft. Der aus Deutschland stammende Business-Development-Chef Holger Luedorf gibt Einblicke.

Kommunizieren über Fotos und Videos: Ashton Kutcher erwärmt sich für Berliner Geek-App Taptalk

14.7.2014, 2 KommentareKommunizieren über Fotos und Videos:
Ashton Kutcher erwärmt sich für Berliner Geek-App Taptalk

Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher empfiehlt in einem Tweet die Berliner Foto- und Video-App Taptalk. Ob ehrlich und spontan oder mit Hintergedanken - dem Dienst mit seiner bislang eher homogen wirkenden Nutzerschaft kann das nur gut tun.

Aufmerksamkeitsökonomie: Smartphone-Nutzer verbringen mehr Zeit mit Apps - aber nicht mit mehr Apps

4.7.2014, 2 KommentareAufmerksamkeitsökonomie:
Smartphone-Nutzer verbringen mehr Zeit mit Apps - aber nicht mit mehr Apps

Eine frische Nielsen-Statistik zeigt: Smartphone-Nutzer verbringen zwar immer mehr Zeit mit Apps, erhöhen aber die Zahl der pro Monat verwendeten Applikationen kaum. Schlechte Nachrichten für Entwickler und Startups.

Deep Links: Apps lernen, miteinander zu sprechen

22.5.2014, 4 KommentareDeep Links:
Apps lernen, miteinander zu sprechen

Lange Zeit gab es zwischen einzelnen mobilen Apps wenig Interaktion. Doch der Trend zum Entbündeln sowie die Werbe-Interessen der Netzriesen sorgen dafür, dass Apps das direkte Verlinken erlernen.

Neue iPhone-App ohne Aufnahme-Funktion: SoundCloud deutet an, wohin die Reise geht

27.6.2014, 2 KommentareNeue iPhone-App ohne Aufnahme-Funktion:
SoundCloud deutet an, wohin die Reise geht

Mit einer überarbeiteten iPhone-Applikation gibt SoundCloud eine erste Antwort auf die Frage, wohin die Reise für das Musik-Startup geht: weg vom nutzergenerierten und schöpferischen Fokus, hin zum bequemen Anhören von Musik.

Zukunft von SoundCloud: Exit oder Label-Partnerschaften - alles ist möglich

18.6.2014, 4 KommentareZukunft von SoundCloud:
Exit oder Label-Partnerschaften - alles ist möglich

Die Berliner Audioplattform SoundCloud könnte die Geschichte der Musikindustrie neu schreiben - oder am Ende mangels Profitabilität doch von einem Netzgiganten geschluckt werden. Gerüchte gibt es viele. Eine Bestandsaufnahme.

Musikfernsehen der Zukunft: Tape.tv will mit Relaunch die vernetzten Wohnzimmer einnehmen

5.3.2014, 9 KommentareMusikfernsehen der Zukunft:
Tape.tv will mit Relaunch die vernetzten Wohnzimmer einnehmen

Fast sechs Jahre nach dem Debüt präsentiert sich der Berliner Online-Musikvideo-Pionier Tape.tv in neuer Optik und mit aktualisiertem Konzept. Dank der sich endlich bewahrheitenden Konvergenz von Internet und TV glaubt das Startup, jetzt seine langfristige Vision verwirklichen zu können.

Turntable.fm: Der Trend zum kollektiven Musikkonsum ebbt ab

15.2.2012, 2 KommentareTurntable.fm:
Der Trend zum kollektiven Musikkonsum ebbt ab

Im vergangenen Sommer sah es so aus, als würde das Prinzip des gemeinsamen, interaktiven und synchronen Musikkonsums zum nächsten großen Ding im digitalen Musiksektor werden. Mittlerweile bestehen daran Zweifel.

Neue Funktion \

15.12.2011, 11 KommentareNeue Funktion "The Crowd":
Aupeo lädt zum kollektiven Musikkonsum

Der Berliner Musikdienst Aupeo erweitert sein Angebot personalisierter Radiostreams um eine "soziale" Ebene. Nutzer können den Stationen rund um Interpreten und Genres nun gemeinsam lauschen, sich über Titel austauschen und für oder gegen sie stimmen.

Interaktivierung der Wirklichkeit: Blicko demokratisiert  die Musikwahl bei Festen

20.9.2011, 0 KommentareInteraktivierung der Wirklichkeit:
Blicko demokratisiert die Musikwahl bei Festen

Der schwedische Dienst Blicko erlaubt es Besuchern von Clubs, Bars oder privaten Festen, mittels Smartphones und Tablets über die kommenden Musikstücke abzustimmen.

Erneuter Relaunch geplant: wahwah.fm macht Pause

2.7.2012, 5 KommentareErneuter Relaunch geplant:
wahwah.fm macht Pause

Im Februar veröffentlichte wahwah.fm die zweite Fassung seiner iOS-App zum gemeinsamen Musikkonsum. Doch weil lizenzrechtliche Einschränkungen die Einsatzszenarien für Nutzer zu sehr begrenzten, arbeitet das Berliner Startup erneut an einem Relaunch.

Neustart der iPhone-App: wahwah.fm ist der interaktivere iPod

24.2.2012, 1 KommentareNeustart der iPhone-App:
wahwah.fm ist der interaktivere iPod

Das Berliner Startup wahwah.fm hat in dieser Woche seine neue App für Nutzer in Deutschland veröffentlicht. Mit ihr können Besitzer von iPhone und iPod touch aus ihren angehörten Songs eine Online-Radiostation erstellen.

Kollektives Smartphone-Musikerlebnis: wahwah.fm vor Neustart  mit über 12 Millionen Songs

9.11.2011, 10 KommentareKollektives Smartphone-Musikerlebnis:
wahwah.fm vor Neustart mit über 12 Millionen Songs

wahwah.fm will ein kollektives Musikerlebnis über Smartphones ermöglichen. Mit einer neuen App und über zwölf Millionen Songs wagt das Startup aus Berlin demnächst einen zweiten Anlauf.

Ein Kommentar

  1. Coole App, bin gespannt, ob eine Einigung mit der GEMA möglich ist, die solche Ansätze ja gerne mal direkt im Keim erstickt…

2 Pingbacks

  1. [...] Wah Wah FM ist auf Sendung: Mittels Smartphone App können Nutzer ihr eigenes Radioprogramm erstellen, indem sie die Musik, die sie gerade hören mit anderen Nutzern in der Umgebung teilen. Nun gibt es die erste kostenlose, allerdings noch eingeschränkte iPhone-App. basicthinking.de, netzwertig.com [...]

  2. [...] Wah Wah FM ist auf Sendung: Mittels Smartphone App können Nutzer ihr eigenes Radioprogramm erstellen, indem sie die Musik, die sie gerade hören mit anderen Nutzern in der Umgebung teilen. Nun gibt es die erste kostenlose, allerdings noch eingeschränkte iPhone-App. basicthinking.de, netzwertig.com [...]