Tumblr:
Nichts scheint unmöglich

Es heißt, herkömmliches Blogging wird immer mehr von kurzen Statusmeldungen verdrängt. Der US-Dienst Tumblr vereint das Beste beider Publikationsformen und wächst rasant.

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Die globale Internetwirtschaft wird bekanntlich von einer kleinen Zahl an äußerst erfolgreichen und hunderte Millionen Nutzern bei sich vereinenden Unternehmen dominiert (Eric Schmidts “Gang of Four” und vielleicht eine Handvoll weitere Firmen darüber hinaus). Dahinter, in der zweiten Reihe, stehen einige andere, teils sehr ambitionierte Anbieter, die konsequent auf einen Platz an vorderster Front hinarbeiten.

Ein solcher Kandidat ist der US-Blogservice Tumblr. Zuletzt berichteten wir im November 2010 über das vor vier Jahren von David Karp in New York gegründete Startup. Ich beschrieb damals, wie der kostenfreie Service erfolgreich die Lücke füllt, die MySpace hinterlassen hat, die aber sonst bisher von keinem anderen Social-Web-Dienst geschlossen werden konnte: die der kreativen Selbstdarstellung.

Der profilierte Webinvestor Fred Wilson – mit Union Square Ventures selbst an Tumblr beteiligt – erklärte Ende vergangenen Jahres, wie er von seiner Tochter erfahren hatte, dass “alle coolen Kinder in der Schule mittlerweile einen Tumblr-Blog betreiben”. Ein halbes Jahr später sind es womöglich nicht mehr länger nur die coolen. Denn Tumblrs explosives Wachstum hält an:

Im Juli 2009 zählte Tumblr 250 Millionen Seitenaufrufe. Mitte Mai dieses Jahres wurde dieser Wert an einem einzigen Tag erreicht. Die Zahl monatlicher Pageviews lag zuletzt bei sieben Milliarden. Fast 20 Millionen Blogs laufen mittlerweile unter dem Dach von Tumblr. Auch ausgiebige Serverausfälle – eine Folge der erheblichen Zuwächse – konnten der Popularität des Dienstes, der seinen Usern viel Freiheit bei der optischen Gestaltung ihres Tumblr-Blogs gibt, nichts anhaben.

Im Hyperland-Blog beschreibt Marcel Weiss, warum in einer Ära, in der herkömmliches Blogging zunehmend von kurzen Statusmitteilungen verdrängt wird, ausgerechnet Tumblr in großer Zahl neue User anziehen kann: Alle Funktionen der Plattform sind darauf ausgelegt, Inhalte schnellstmöglich – teilweise automatisch – zu veröffentlichen, weiterzuleiten und ihre Erschaffer untereinander zu vernetzen.

Als womöglich nicht ganz unbedeutend für die weitere Entwicklung von Tumblr könnte sich ein neues Messaging-Feature herausstellen, das vor wenigen Tagen lanciert wurde und erstmalig das private Beantworten von Nachrichten erlaubt. Bisher konnten Tumblr-Blogger auf über das Frage-Modul eingereichte Fragen nur öffentlich antworten.

Sofern wir bei der MySpace-Analogie bleiben, macht Tumblr damit einen weiteren Schritt in Richtung blogbasiertes soziales Netzwerk, wobei Postings bei Tumblr auch nur aus einem Foto oder einer Audiodatei bestehen können.

Tumblr hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen, erfolgreich eine Nische belegt und dürfte sein exponentielles Wachstum daher in den nächsten Monaten fortsetzen. Wer weiß, welche Dimension der Dienst, dem allerdings noch ein ernstzunehmendes Geschäftsmodell fehlt, erreichen kann. Es scheint, als sei nichts unmöglich.

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6 Kommentare

  1. Tanja Handl
    schrieb am 14. Juni 2011 um 16:05 Uhr (#)

    Tumblr hat tatsächlich gehörigen Sexappeal – rasche Registrierung, sehr nutzerfreundlich, schönes, aber variables Design, vorbildliche Integration von Tweets, Videos, Fotos…

    Während MySpace teilweise chaotisch & überladen war, ist Tumblr elegant und einfach zugleich. Würde mich nicht wundern, wenn die Erfolgsstory weitergeht.

  2. bosch
    schrieb am 15. Juni 2011 um 01:04 Uhr (#)

    Wobei Tumblr – meiner Wahrnehmung nach – viel dichter am Social Network, das ein bißchen Teilen von Inhalten mit einem Klick bringt, als ein wirklich wahres Blog, in das noch Gehirnschmalz investiert wird. Sicher gibt es Tumblr-Blogs mit Liebe, Bild und Text, aber die sind möglicherweise die Ausnahme. Ein Großteil besteht doch eher aus Reposts von Beiträgen. Erfolgreich ja, aber was die Kreation angeht doch nicht weit von gewöhnlichen Facebook-Streams entfernt.

    1. Tanja Handl
      schrieb am 15. Juni 2011 um 07:29 Uhr (#)

      Da gebe ich dir recht – aber das geniale ist ja, dass bei Tumblr beides möglich ist, ohne sich gegenseitig zu stören oder eigenartig auszusehen: Blogs mit viel Liebe und Streams, die nur zeigen: “Das find’ ich ja mal ganz nett.”

    2. Raventhird
      schrieb am 15. Juni 2011 um 12:33 Uhr (#)

      Die Medium ist niemals Schuld am Inhalt. Das Argument ist genau das, mit dem immer wieder Twitter als Plattform für Deppen verteufelt wurde. Es begünstigt vielleicht ein bestimmtes Verhalten, aber (siehe Twitter) bringt auch immer extrem kreative Leute hervor, die damit arbeiten.

    3. Tanja Handl
      schrieb am 16. Juni 2011 um 10:18 Uhr (#)

      Das Medium ist nicht Schuld am Inhalt, aber wie du sagst, begünstigt es eben bestimmte Verhaltensweisen. Bei Twitter ist’s ja noch einfach, man muss ja nicht jedem folgen – bei FB, in dem man (meist) mit seinen realen Freunden befreundet ist, ist das in meinen Augen schon schwieriger.

  3. Horst
    schrieb am 15. Juni 2011 um 13:43 Uhr (#)

    Mit den Möglichkeiten, die Tumblr bietet, wird mancher Blogger schon überlegen, ob man dem Hobby nicht untreu wird. Das ist ja sooo einfach. Im Moment mach ich noch beides.

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