Satirebeitrag über Kino.to-Schließung:
53.000 Facebook-Likes
bringen 184.851 Seitenaufrufe

Innerhalb von drei Tagen erzielte ein Beitrag beim Satireblog Der Postillon zur Schließung von Kino.to über 400.000 Seitenaufrufe. Der mit Abstand bedeutsamste Traffic-Lieferant war dabei Facebook.

Fast genauso viel Aufmerksamkeit wie die Razzia gegen die mutmaßlichen Betreiber und Helfer der Streamingplattform Kino.to in der vergangenen Woche erhielt ein das Thema auf humorvolle Art aufgreifender Artikel des Satireblogs Der Postillon.

“Razzia bei kino.to zwingt Millionen User, zwei Minuten nach neuer Streaming-Plattform zu suchen” steht in der Überschrift des gut 200 Wörter langen Beitrags, der nicht ohne Spott feststellt, dass Nutzer nach der Schließung des berühmt-berüchtigten, über sechs Jahre bestehenden Kino.to-Portals nun bei Google nach einem der vielen vergleichbaren, illegalen Streamingdienste suchen müssen. Angesichts des bisherigen Ermittlungstempos der Fahnder könnte die nächste Schließung einer derartigen Site schon 2017 anstehen, so das Fazit.

Wer den angesprochenen Artikel in den vergangenen Tagen besucht hat, dem wird die enorme Zahl an “Likes” aufgefallen sein, die der Facebook-Button unterhalb des Beitrages anzeigte. Schon einen Tag nach der Veröffentlichung am 9. Juni stand der Zähler bei über 30.000 Likes. Aus Neugier über die Zugriffsstatistik nahm ich Kontakt mit Der Postillon-Macher Stefan Sichermann auf, der uns daraufhin mit einigen Zahlen versorgte.

Zwischen der Veröffentlichung am Donnerstag, 9. Juni, und Sonntag, 12. Juni 23:59 Uhr, verzeichnete der Beitrag 53.000 Facebook-Likes, 825 Retweets, 131 Flattr-Klicks sowie 205 Kommentare. Insgesamt wurde die Artikelseite in drei Tagen 416.595 Mal von 327.876 eindeutigen Besuchern geöffnet.

Besonders beeindruckend sind die Gesamtmenge der Besucher sowie die massive Zahl an Facebook-Likes. Es dürfte nicht viele redaktionelle Onlinetexte geben, die derartig viele Favorisierungen von Facebook-Nutzern erhalten.

Sichermann ließ uns auch eine Liste mit den 20 trafficstärksten Einstiegsquellen zum Kino.to-Postings zukommen. 184.851 Aufrufe erfolgten von Facebook aus, 146.222 Unique Visitors gelangten von dem Social Network zum Beitrag auf der-postillon.com.

93.651 eindeutige Nutzer werden in der Statistik als Direktzugriffe aufgeführt. Auf Rang drei der Einstiegsquellen findet sich das Blog von Felix von Leitner alias Fefe, der mit diesem kurzen Verweis ganze 12.848 Nutzer zum Kino.to-Satirestück sendete. Twitter.com landet auf dem fünften Rang und führte zu 4.459 Uniques, die 5.951 Seitenaufrufe generierten. Vielsagend: studiVZ steht mit 860 Uniques auf Platz 16 der eingehenden Traffic-Quellen. Der gerade wiedereröffnete Blogaggregator Rivva rangiert auf dem 19. Platz mit 616 eindeutigen Usern.

Facebook ist damit die mit Abstand bedeutsamste Traffic-Quelle für den Postillon-Text. 53.000 Facebook-Likes stehen 181.851 Seitenaufrufe und 146.222 Unique Visitors gegenüber. Jeder Like führte damit im Schnitt zu 3,5 Seitenaufrufen und brachte 2,75 eindeutige Nutzer zu dem Angebot.

Als weit weniger wichtiger Besucherlieferant erwies sich Twitter, was wohl sowohl auf dessen geringere Verbreitung in Deutschland als auch auf dessen professionelleren Nutzungskontext zurückzuführen ist. Immerhin: Pro Tweet gelangten durchschnittlich 5,4 Besucher auf den Artikel beim Postillon, also etwa doppelt so viele wie pro Facebook-Like – allerdings ist dieser Wert ungenau, denn die Analyse der Twitter-Referrer klammert Drittanbieter-Twitter-Apps aus und beschränkt sich lediglich auf Anwender, die von Twitters Web-Oberfläche kommen. Der Postillon-Blogger Stefan Sichermann unterstreicht aber, dass auch die Zahl der Retweets etwas über 825 liegen könnte, weil seiner Erfahrung nach nicht alle immer zuverlässig von TweetMeme gezählt werden.

Die vielleicht größte Überraschung an der Geschichte ist die Tatsache, dass Sichermann für Der Postillon Googles kostenfreie Blogplattform Blogger nutzt (unter eigener Domain). Und die ging auch bei über 400.000 Impressions innerhalb weniger Tage nicht in die Knie.

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10 Kommentare

  1. Marcel Weiß
    schrieb am 14. Juni 2011 um 10:20 Uhr (#)

    “Als weit weniger wichtiger Besucherlieferant erwies sich Twitter, was wohl sowohl auf dessen geringere Verbreitung in Deutschland als auch auf dessen professionelleren Nutzungskontext zurückzuführen ist.”

    Klicks über Twitter-Clients tauchen in den Referrern nur als direkte Zugriffe auf, weil sie keine Referrer-Infos senden. Deswegen ist Twitter in den Statistiken immer tendenziell unterrepräsentiert. (Wahrscheinlich war Facebook hier aber trotzdem wichtiger aufgrund der Mainstreamhaftigkeit des Themas.)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 14. Juni 2011 um 10:22 Uhr (#)

      Das steht doch so ungefähr ein paar Zeilen darunter ;)

    2. Marcel Weiß
      schrieb am 14. Juni 2011 um 10:58 Uhr (#)

      Ups. :)

  2. Frank
    schrieb am 14. Juni 2011 um 10:46 Uhr (#)

    Scheint mir ein erstklassiger Beweis für die warholschen Thesen über die 15 minutes of fame.

  3. Tanja Handl
    schrieb am 14. Juni 2011 um 15:14 Uhr (#)

    Mich wundert’s nicht – der Text ist genial.

  4. ludwig
    schrieb am 14. Juni 2011 um 17:38 Uhr (#)

    musste auch sehr lachen, besonders über die Links im Postillon-Artikel.

  5. Jan
    schrieb am 14. Juni 2011 um 17:40 Uhr (#)

    Auch wenn man die Twitter-Zahlen noch hochwerten muss, finde ich den Gap zwischen Facebook und Twitter schockierend groß. Hätte ich in der Form nicht erwartet.

    Und, ja, ich weiß, dass man bei Twitter evtl viele Multiplikatoren findet. Dennoch: Facebook ist immer der Gewinner.

  6. oh.wil.de
    schrieb am 14. Juni 2011 um 23:51 Uhr (#)

    Was lernen wir daraus?
    1. Facebooknutzer lieben 200 Worte kurze Texte?
    2. Facebook testet, wie weit sie ihre Nutzerbasis mit Empfehlungen manipulieren können?
    3. Der Text ist überdurchschnittlich Plus?

    1. Tanja Handl
      schrieb am 16. Juni 2011 um 10:21 Uhr (#)

      1) check
      2) uncheck
      3) check

      ;)

      aber auch ich mag 200 Worte kurze Texte,wenn der Unterhaltungswert stimmt. War doch ein sehr pointierter Artikel.

  7. Daniel
    schrieb am 15. Juni 2011 um 18:02 Uhr (#)

    Ich hab mich auch weggepackt – und die 15 Minuten Berühmtheit gönne ich dem Verfasser von Herzen.

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