Echtzeiterlebnis:
turntable.fm verändert
den Musikkonsum

turntable.fm erobert die Herzen von Musikfreunden. Mit dem sonst nur von Partys, Konzerten und aus Clubs bekannten Echtzeiterlebnis verändert das US-Startup die Art, wie wir Musik im Netz konsumieren.

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Am Montag der vergangenen Woche berichteten wir über turntable.fm, den neuen US-Musikdienst, bei dem in grafischen Chaträumen bis zu fünf User als DJs gegeneinander mit ihren Songs antreten und von den Zuhörern bewertet werden.

Zum Zeitpunkt des Verfassens hatte ich den nur über das eigene Facebook-Konto zugänglichen Service einem eintägigen Intensivtest unterzogen und ihm umgehend mächtiges Suchtpotenzial attestiert. Heute, bald zwei Wochen später, brauche ich von dieser Aussage keinen Zentimeter weit abrücken.

Seit ich meinen Beitrag über turntable.fm verfasst habe, ist kein Tag vergangen, an dem ich mich nicht zumindest kurze Zeit bei dem Dienst blicken ließ. Verändert hat sich jedoch mein Nutzungsmuster: Stand ich zu Anfang noch häufig selbst hinter den digitalen Plattenspielern, überlasse ich diese Aufgabe mittlerweile verstärkt anderen und beschränke mich auf den kommunikativen Aspekt sowie das Hören und Entdecken von Songs.

Der Grund dafür: Mittlerweile wimmelt es in den zahlreichen Chaträumen (und auch im zum Testen damals angelegten electrodisco_berlin-Raum) von Hobby- und mutmaßlichen (Semi-)Profi-DJs, die mit einem weit größeren Musikarsenal (oder alternativ mehr Zeit und Geduld für die Auswahl der präsentierten Titel) aufwarten können als ich.

Für jede positive Bewertung zu einem gespielten Song erhält man einen Punkt – manche User konnten innerhalb von wenigen Tagen viele hundert Punkte ansammeln, was zur Auswahl eines besseren und kraftvoller aussehenden Avatars berechtig und ein weiterer Beleg für das Suchtpotenzial des Dienstes ist. Seit gestern existiert die Option, “Fan” von DJs zu werden, was eine E-Mail-Benachrichtigung zur Folge hat, wenn dieser sich hinter die Plattenteller schwingt.

Auch in den Early-Adopter-Kreisen der US-Webwelt sorgt das von Seth Goldstein und Bill Chase gegründete Startup für Begeisterungsstürme. Nachdem foursquare-Boss Dennis Crowley gestern seiner Sympathie für den Dienst Ausdruck verliehen hat, scheinen die von jedem User kreierbaren musikalischen Chaträume am heutigen Donnerstag noch voller zu sein als sonst. Und neben foursquare haben auch allerlei andere namhafte Onlinedienste bereits “Niederlassungen” bei turntable.fm eröffnet (z.B. Zynga, Twitter oder Groupon), in denen Angestellte und Fans ihre Lieblingssongs zum Besten geben.

Während turntable.fm derzeit natürlich stark vom Neuigkeitseffekt profitiert, so liegt der große Vorteile des Browserangebots im unheimlich breiten Anwendungsspektrum: Musiker, passionierte DJs und Menschen mit einem “Unterhalter-Bedürfnis” können ihre bevorzugte Musik mit anderen teilen und direktes Feedback einholen. Bewusste Musikkonsumenten können die vorgetragenen Tracks bewerten und sich im Chat darüber austauschen, und für passive Hörer bietet es sich an, einfach einen zu ihrer Stimmungslage oder zu ihrem bevorzugten Genre passenden Raum aufzusuchen und sich von diesem gute Musik servieren zu lassen.

turntable.fm ist damit ein idealer Ort, um Resonanz zu Musik einzuholen, neue Songs zu entdecken oder einfach ganz passiv Musik zu konsumieren. Und über allem schwebt die Magie des Echtzeiterlebnisses. Dieses Gemeinschaftsgefühl, welches Menschen sonst nur aus Clubs, von Konzerten oder Partys her kennen, wird ins Netz übertragen – was zumindest ausgehend von den ersten Reaktionen sehr gut anzukommen scheint. Musik macht mehr Spaß, wenn sie gemeinsam konsumiert wird – turntable.fm trägt dieser Tatsache Rechnung.

Ein Geschäftsmodell gibt es zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht (abgesehen von Affiliate-Einnahmen über iTunes), aber die Möglichkeiten sind enorm: Von kostenpflichtigen Premium-Funktionen für Musiker und DJs (z.B. Analytics, Profilseiten etc) über Corporate-Branding-Accounts für Firmen über Marktforschungsdienste bis hin zu Werbekampagnen ist alles vorstellbar.

Ich bin sehr gespannt, wie andere innovative Musikservices auf den neuen, andersartigen Akteur reagieren werden. Eine direkte Konkurrenz ist turntable.fm für On-Demand-Services und Streaming-Radio-Plattformen nicht, eher ein potenzieller Partner. Und auch soziale Netzwerke dürften genau beobachten, wie sich der Shootingstar weiterenwickelt. Sozialer als bei turntable.fm kann das Musikerlebnis nicht sein.

Meine Prognose: turntable.fm wird ganz groß (WENN die Labels es zulassen).

Um turntable.fm nutzen zu können, müsst ihr euch mit euren Facebook-Benutzerdaten anmelden. Zudem ist Voraussetzung, dass mindestens einer eurer Facebook-Kontakte bereits bei dem Dienst registriert ist.

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10 Kommentare

  1. Joern
    schrieb am 9. Juni 2011 um 14:26 Uhr (#)

    Ich habe keinen Facebook-Kontakt, der bei turntable ist. Mist!!!!!! :(

  2. lorenz
    schrieb am 9. Juni 2011 um 16:34 Uhr (#)

    wer mag mich auf facebook anfreunden damit ich mich da anmelden kann?

  3. Jan
    schrieb am 9. Juni 2011 um 18:04 Uhr (#)

    dito :( würde da gern mal reinhören, geht aber noch nich :(

    1. Stefan
      schrieb am 10. Juni 2011 um 04:17 Uhr (#)

      Jaaaa, will auch rein :-)

  4. Jan
    schrieb am 10. Juni 2011 um 09:44 Uhr (#)

    es gibt Tage, da verliert man und es gibt Tage, da gewinnen die anderen :-(

    Da hatte ich nun die Chance auf “Eintritt” und was muss ich heute lesen?? “Sorry, we’re temporarily not letting new people in. We are at capacity and will be opening back up to friends in a couple days”

    damned

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. Juni 2011 um 09:45 Uhr (#)

    Ja alles nur wegen diesem blöden Artikel hier, der turntable.fm zehntausende neue User beschert hat ;)

    1. Jan
      schrieb am 10. Juni 2011 um 09:55 Uhr (#)

      Danke Martin – doll gemacht *gg*

  6. Chron2
    schrieb am 10. Juni 2011 um 10:12 Uhr (#)

    ich will auch!

  7. DJ Nameless
    schrieb am 10. Juni 2011 um 22:14 Uhr (#)

    Wie ich beim letzten Artikel schon angemerkt habe, ist der Facebook-Zwangsaccount m. E. Mist, weil ich Facebook an sich Schrott fand und daher da meinen Account wieder deaktiviert habe.

    Ich frage mich überhaupt, was bei den ganzen Webdiensten überhaupt immer diese Zwangsregistrierungen sollen – immer irgendwelche Konten/Accounts überall. Da lobe ich mir noch die Kommentarbox in so Blogs wie Netzwertig, wo es auch ohne Registrierungszwang geht. Warum klappt das nicht überall?

    DJ Nameless

    1. Name
      schrieb am 12. Juni 2011 um 05:11 Uhr (#)

      weil überall geld mit deinen daten macht ;)

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