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Die Macht der Stars

US-Basketballlegende Shaquille O’Neil hat für die Ankündigung, sich aus dem Profi-Sport zurückzuziehen, einen neuen Videoservice genutzt und mehr als eine halbe Million Views generiert. Das Beispiel unterstreicht einmal mehr die Bedeutung von Prominenten als Multiplikatoren für Webstartups.

Im Januar hatte ich in einem Artikel das Dilemma beschrieben, im deutschsprachigen Raum wenige bis gar keine Prominenten zu haben, die eine Begeisterung für Web- und Technologie-Themen mitbringen und in diesem Bereich eine Multiplikatorenrolle einnehmen. Während man über die grundsätzliche Sinnhaftigkeit des Promi-Konzeptes natürlich lange philosophieren kann, lässt sich nicht bestreiten, dass Stars und Sternchen die öffentliche Meinung zu bestimmten Aspekten, Marken oder Unternehmen mitprägen können.

Was es für das digitale Startup-Ökosystem bedeutet, wenn es sich auf die Unterstützung bekannter Persönlichkeiten verlassen kann, zeigen nicht nur die fleißigen Web-Investments des US-Schauspielers Ashton Kutcher. Ein ganz konkretes Beispiel dafür ist auch die Ankündigung von Basketballstar Shaquille O’Neal, sich vom Profi-Sport zu verabschieden:

O’Neil, der zu den 50 besten Spielern der US-Basketballliga NBA jemals gehört, gab diese Neuigkeit natürlich zünftig über Twitter bekannt, wo ihm knapp vier Millionen Menschen folgen. Das ist allerdings schon längst nichts Besonders mehr. Der 39-jährige wählte aber nicht etwa die Textform für seine (wohl nicht ganz überraschende) Rücktrittsmeldung, sondern nahm dafür ein kurzes Video auf, das er bei dem brandneuen Videoservice Tout hochlud und via Twitter verlinkte.

Das Ergebnis: Innerhalb weniger Stunden erhielt der bei Tout gehostete Clip mehr als 500.000 Views. Tout, das vor einigen Wochen live ging und Nutzern die Publikation von kurzen, maximal 15 Sekunden langen Videobotschaften erlaubt, dürfte seine Bekanntheit damit auf einen Schlag radikal erhöht haben, zumal viele der Betrachter des Abschiedsvideos O’Neils Follower sind und damit dem grundsätzlichen Prinzip von Statusupdates in Videoform sicher nicht abgeneigt sind.

Der Einsatz von Tout war kein spontaner Einfall des legendären Basketballers. Sein Management soll Tout-CEO Michael Downing einige Wochen zuvor kontaktiert und angekündigt haben, dass O’Neil Tout aktiv einsetzen und einen kurzen Clip zu seinem Rücktritt veröffentlichten wolle. Das sechsköpfige Startup war seitdem damit beschäftigt, genug Serverressourcen zu implementieren, um dem erwarteten Andrang stand halten zu können.

Ob O’Neil von Tout für seine Aktivität bei dem Service (er hat dort mittlerweile zahlreiche Videobotschaften veröffentlicht) bezahlt wurde, geht aus dem GigaOm-Beitrag über das Ereignis nicht hervor. Der Fall verdeutlicht aber erneut, wie Prominente jungen Internetfirmen in einer zunehmend komplexen, unübersichtlichen Startup-Landschaft dabei helfen können, initiale Sichtbarkeit und Bekanntheit zu erlangen – mit oder ohne Vergütung.

Man stelle sich einfach mal vor, ein allseits bekannter und beliebter Medien- oder Sportstar aus Deutschland würde über seinen häufig frequentierten Twitter-Account in irgendeiner Form auf einen der hiesigen Dienste hinweisen, über die wir kürzlich bei netzwertig.com berichtet haben (z.B. tadaa, watchlater oder Aupeo) oder diese gar in irgendeiner Form für eigene Zwecke einsetzen. Der Aufmerksamkeitsschub wäre immens.

Leider fehlt es dazu bei hiesigen Promis an Enthusiasmus für digitale Dienste und den Lebenstil des Early Adopters. Webfirmen aus dem deutschsprachigen Raum müssen daher vorerst ohne eine derartige Starthilfe auskommen –  bis zu dem Tag, an dem ein Prominenter diese unbesetzte, aber vielversprechende und auch lukrative Positionierung erkennt und sich zum deutschen Ashton Kutcher aufschwingt.

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7 Kommentare

  1. Leander Wattig
    schrieb am 6. Juni 2011 um 18:32 Uhr (#)

    Guter Punkt – habe ich mir auch schon öfter mal gedacht. Bin auch über O’Neal auf Tout gestoßen.

    Würde doch enorm helfen, um unsere hiesigen Services für die Masse sexy zu machen, wenn ein Gottschalk oder ein Klitschko sich dafür einsetzen würden.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. Juni 2011 um 18:34 Uhr (#)

    Ja oder – imo fast noch besser – Heidi Klum :)

  3. Leander Wattig
    schrieb am 6. Juni 2011 um 18:37 Uhr (#)

    :) Klum wäre dann für deutsche Services auch wieder eine gute Brücke zum US-Markt.

    Sichtbar ist der Unterschied auch in den Late Night Shows u.ä. in den USA, wo Facebook, Twitter & Co. selbstverständliches Thema sind.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. Juni 2011 um 18:38 Uhr (#)

    Wenigstens liegen wir diesbezüglich garantiert noch vor Frankreich ;)

  5. Leander Wattig
    schrieb am 6. Juni 2011 um 18:40 Uhr (#)

    Wenn man es wie dort nicht dürfte, ginge das wenigstens noch. ;) Schlimmer ist, wenn man es darf, aber trotzdem nicht tut – obwohl es der Sache/Reichweite zugute käme …

  6. Marius Müller
    schrieb am 12. Juni 2011 um 23:26 Uhr (#)

    Davon abgesehen, dass BITTE niemand der Klum noch mehr Werbe-Omnipräsenz zukommen lassen sollte, sehe ich da ein anderes grundlegendes Problem, welches ja auch in einigen Artikeln auf Netzwertig zur Sprache gekommen ist: die “Sexyness” deutscher Webunternehmen.

    Stellt euch mal vor, ein junger deutscher Star fängt an, aktiv über die VZ-Netzwerke zu promoten. Ich fürchte fast, dass der Effekt kein positiver für die VZ-Netzwekre wäre, sondern eher ein negativer für den Prominenten, weil sich junge Menschen fragen würden, wieso er das denn nicht über Facebook macht.

    Grundlegend ist das glaube ich aber gar nicht mal nur die Webbranche betroffen. Durch jahrelange mediale Erziehung wird es einfach generell von vielen so wahrgenommen, dass deutsche Produkte einfach nicht “cool” genug sind. Deutsche Musik wird weniger gespielt (weil auch weniger gekauft) als amerikanische Topacts, im Zweifelsfall sind es neuerdings eher amerikanische Indie-Labels in Sachen Kleidung, etc.

    Ob diesem Trend mit Prominenten entgegengewirkt werden könnte wage ich zu bezweifeln. Fiel mir selber auch erst jetzt deutlicher auf, wenn mir Freunde aus Deutschland vorschwärmen, wie toll es doch sein müsse, jetzt in den USA zu sein, und mir eine Reihe Produkte aufzählen, während ich mir z.B. ein vernünftiges deutsches Brötchen wünschen würde.

  7. Blümchen
    schrieb am 13. Juni 2011 um 23:22 Uhr (#)

    Ich würde das für Deutschland anders sehen – klar würde ein Promi Aufmerksamkeit erregen, aber ob in dem gleichen Maße wie in den USA? Wohl kaum, denn (gut/schlecht?) so sehr sind die Deutschen dann doch nicht auf Promis fixiert – Boris hat AOL damals auch nicht DEN erhofften Boom gebracht. Oder auf tape.tv exklusive Livesessions verschiedener Musiker.

    Obwohl: Würde man provokante Stars finden, man denke an Katzenberger & Co, dann würde ich das nochmal überdenken – aber wen würde es denn interessieren, wenn da Iris Berben oder Uwe Ochsenknecht irgendwas machen…

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