tadaa:
Instagram in Grün

Der aus Hamburg stammende Dienst tadaa bezeichnet sich als die beste mobile Foto-Sharing-Anwendung der Welt, unterscheidet sich aber nur in Details von Instagram.

Angesichts des rasanten Wachstums der mobilen Foto-Sharing-Applikation Instagram war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Nachahmer aus Deutschland in diesem noch jungen Sektor blicken lassen würden. Mit tadaa gibt es nun einen ersten derartigen Kandidaten.

Genau wie Instagram wird diese neue kostenfreie Anwendung des Hamburger Unternehmens menschmaschine Publishing GmbH vorerst nur für das iPhone angeboten und richtet sich mit ihrer englischsprachigen Oberfläche an eine internationale Nutzerschaft.

Und ähnlich wie bei Instagram dreht sich alles um spontan aufgenommene Smartphone-Schnappschüsse, die in einem auf dem Follower-Prinzip basierenden Stream landen und  bewertet sowie kommentiert werden können. Anders als Instagram oder picplz bietet tadaa allerdings keine eingebauten Filter zur Bildbearbeitung – und das aus gutem Grund, wie tadaas Presseverantwortliche Manunia Friedel unterstreicht:

“Bei tadaa geht es um Feedback in Echtzeit und um Relevanz. Man sieht nicht den x-ten Sonnenuntergang mit Retrofilter, sondern schöne, lustige oder spannende und vor allem authentische Bilder – auch ganz einfache Schnappschüsse von Freunden”

Bedenkt man, dass nicht jeder Mensch eine kreative, künstlerisch angehauchte Ader hat, wie sie momentan bei vielen Instagram-Fotos zum Ausdruck kommt, ist diese Positionierung bzw. Differenzierung gar nicht so unklug. Allerdings ändert dies nichts an der Tatsache, dass taddaa den Anschein eines klassischen Me-Too-Produktes macht, dem es schwer fallen wird, gegen den hohen Coolness-Faktor von Instagram anzukommen.

Sich nicht ganz unähnlich: Die Websites von Instagram und tadaa
Sich nicht ganz unähnlich: Die Websites von Instagram und tadaa

Andererseits sind Millionen von iPhone-Besitzern bisher noch gar nicht mit dieser Art von kombinierten Smartphone-Fotodiensten und Social Networks in Verbindung gekommen. Es ist zu erwarten, dass der von Nikolas Schoppmeier und Friedemann Wachsmuth gegründete Service sich primär an Neulinge in diesem Sektor richten wird.

Funktionell unterscheidet sich tadaa von Instagram vor allem durch das Vorhandensein eines “Dislike”-Buttons, einer deutlicheren Hervorhebung von Fotos anderer Nutzer (im so genannten “Awesome Feed”), einer höheren Auflösung dargestellter Fotos (laut tadaa) sowie durch die Existenz eines “HD-Photoblogs”, der im Browser alle hochgeladenen Fotos eines Users darstellt (z.B. hier). Außerdem existiert eine virtuelle Währung, die “tadaa dollars”, wobei der Sinn und Zweck dieser nicht sofort klar wird.

Die tadaa-Gründer waren beide viele Jahre bei RealNetworks tätig. Nikolas Schoppmeier verantwortete danach das internationale Geschäft des einst recht nutzerstarken Social Networks Bebo, Friedemann Wachsmuth war dort als Senior Director Technology International tätig. An Erfahrung mangelt es den beiden also nicht.

„tadaa ist auf jeden Fall besser als alle anderen Fotosharing Apps der Welt“, so werden die zwei Unternehmer in der Pressemeldung zitiert. Große Worte, deren Aussage ich so bisher nicht teilen würde (zumal das allein ohnehin nicht als Erfolgsrezept ausreichen würde), auch wenn der in drei separat scollbare Spalten aufgeteilte Awesome-Feed definitiv mehr Spaß macht als Instagrams Übersicht über populäre Fotos. Bemerkenswert ist auch die Geschwindigkeit, mit der Fotos geladen werden. Dagegen wirkt das Design der App eher billig.

“Neue iPhone App aus Deutschland revolutioniert Fotosharing auf dem Handy” heißt es selbstbewusst aus dem Hause tadaa. Man darf gespannt sein, was Schoppmeier, Wachsmuth noch so aus ihrem virtuellen Hut zaubern werden, um dieses vollmundige Versprechen einzulösen.

Link: tadaa

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9 Kommentare

  1. Manuel
    schrieb am 4. Juni 2011 um 12:27 Uhr (#)

    Nicht für Android verfügbar. Genau wie Instagram und Color…

    Ist das Entwickeln für Android so viel schwieriger als fürs iPhone? Oder hat Android zwar die grössere Verbreitung, iPhone-User sind dafür experimentierfreudiger und laden sich eher neue Apps?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 4. Juni 2011 um 12:29 Uhr (#)

    Agreed. Ich glaube, manche App-Entwickler glauben, durch die Begrenzung auf iOS eine Art Exklusivität zu schaffen, die den Hype anheizt.

    Bei Instagram mag das sogar geklappt haben (es gibt genug, die sehnlichst auf die Android-App für Instagram warten und deshalb vermutlich die ein oder andere Alternative pauschal ignorieren). Aber beliebig reproduzierbar ist dieses “System” imo nicht.

    1. Manuel
      schrieb am 4. Juni 2011 um 13:07 Uhr (#)

      Vorallem ist es riskant bei Diensten, die eine kritische Masse erreichen sollen, solange der Hype noch anhält. Wenn irgendwann in einem halben Jahr die Android-App für Color erscheint, werden sie viele Android-User ausprobieren, den iPhone-Usern wird Color aber schon wieder verleidet sein…

      Genau so bei Spontacts. Deren Site kann man nicht mal über den Browser erreichen, obwohl ihr Konzept (Leute finden für Veranstaltungen) nicht auf Smartphones angewiesen ist. Das ist dann definitiv zuviel der Exklusivität.

  3. Anne
    schrieb am 4. Juni 2011 um 17:39 Uhr (#)

    Die Filter machen wohl viel vom Reiz von instagram aus, ich kenne einige, die nur wegen der gratis-Filter dort ihre Bilder hochladen. Mir geht es mit den Filtern dort ein bisschen so wie mit den Filtern bei hipstamatic – irgendwann hat man sie alle mal gesehen.
    Was mir bei tadaa fehlt ist ein Werkzeug, mit dem man Bilder wirklich bearbeiten kann, ähnlich vielleicht wie bei der Photoshopapp (wobei die ja sehr schlank ist, also recht wenig Funktionen hat). Dadurch werden die Bilder aber wieder individueller und man sieht sich nicht so schnell an darübergeklatschten Filtern satt. Ich nutze momentan dafür dann hipstamatic, photoshop und camera+ – eine Komination daraus wäre perfekt.
    Ich bin jetzt bei tadaa schon eine Weile und bin dort inzwischen öfter am checken als bei facebook. ^^
    Da die Updates immer sehr vielversprechend waren und die Entwickler noch einiges vorhaben (so macht es den Anschein auf ihrer facebookseite) bleib ich gern dabei und hoffe, dass ich bald auch mit meinen Android-Freunden Bilder teilen kann.

    p.s.: ich finde unter Deinem angegebenen Link keinen Fotoblog, stimmt da was in der url nicht?

  4. Garlef
    schrieb am 4. Juni 2011 um 17:51 Uhr (#)

    Adaptionen auf Android sind dem entsprechenden Hersteller anzupassen, also HTC, Samsung, SE etc. – das ist somit sehr arbeitsintensiv. Da hat der Release auf iOS wenig mit Exklusivität und Hype zu tun.
    Wie der Autor darlegt, gibt es einige Unterschiede zwischen tadaa und instagram, trotzdem beschreibt er tadaa als “instagram in grün”. Das macht wenig Sinn.

    Ich mag tadaa lieber, es fühlt sich direkter, persönlicher an als instagram. Foto-Replies sind lustig und den Foto-Blog finde ich super!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 4. Juni 2011 um 22:52 Uhr (#)

      Die Unterschiede ändern nichts daran, dass tadaa vom Grundprinzip her sehr stark an Instagram erinnert.

  5. Joerg
    schrieb am 4. Juni 2011 um 23:00 Uhr (#)

    Bei Instagram kann man doch auch das originale Bild ohne Filter veröffentlichen. Ich find tadaa ist eine billige Kopie ohne eigene Ideen.

    1. Tanja Handl
      schrieb am 6. Juni 2011 um 15:18 Uhr (#)

      … dafür mit einem grauenvollen Grün. Wer hat tadaa denn bitte diese Farbe eingeredet?

  6. tm78654
    schrieb am 7. Juni 2011 um 15:00 Uhr (#)

    Im aktuellen Zustand, ist Tadaa tatsächlich nur eine Kopie der Kernfunktionen von Instagram und Color. Und trotz des billigen Designs der Navigationsleiste, funktioniert die Navigation im App problemlos und schnell. Nur schade, dass neue Fotos im Fotostream nicht angezeigt werden, wenn der Feed sich bewegt.

    Gibt es eigentlich kein App für privates Foto-Sharing? Ein App dieser Art wäre m.e. die beste mobile Foto-Sharing-Anwendung der Welt ;)

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