Sieben Monate nach dem Launch:
Instagram wächst
so schnell wie foursquare

Nach nur sieben Monaten wächst der Fotosharing-Dienst Instagram im gleichen Tempo wie der Check-In-Pionier foursquare. Dies lässt Schlüsse über das Potenzial beider Angebote zu.

Im Oktober vergangenen Jahres berichteten wir erstmalig über den mobilen Foto-Sharing-Dienst Instagram. Aufhänger war damals das explosive Wachstum des bisweilen nur für das iPhone angebotenen Services: Dem von Kevin Systrom und Mike Krieger gegründeten Startup mit Sitz in San Francisco gelang es, innerhalb von nur sechs Tagen nach dem Launch die Marke von 100.000 registrierten Anwendern zu durchbrechen.

Völlig unklar war damals natürlich, inwieweit der am bequemsten als “Twitter für Smartphone-Fotos” zu beschreibende Dienst die vielen Neugierigen dauerhaft bei Laune halten würde. Sieben Monate später sind wir schlauer: Instagram scheint zweifellos mehr zu sein als eine von gut vernetzten Silicon-Valley-Geeks (und TechCrunch) gepriesene Eintagsfliege. Diesen Schluss legen zumindest die Zahlen nahe, die Co-Founder Kevin Systrom gestern bekannt gegeben hat:

Demnach sind nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Startschuss 4,25 Millionen User bei dem Service registriert. Im März Mitte Februar waren es lediglich zwei Millionen. Damals hatten etwas mehr als 60 Prozent der Mitglieder mindestens ein Foto über Instagram publiziert (hier gibt es eine detaillierte Analyse zum Nutzerverhalten). Mittlerweile werden zehn Fotos pro Sekunde hochgeladen.

Das bisher lediglich vier Mitarbeiter beschäftigende und mit sieben Millionen Dollar Risikokapital ausgestattete Startup hat damit nach sieben Monaten ein Wachstumstempo von etwa einer Million Usern monatlich erreicht.

Zum Vergleich: foursquare, das im Frühjahr 2009 in ausgewählten US-Städten erstmalig den Check-In an Orten erlaubte, benötigte etwa anderthalb Jahre, um den Vier-Millionen-Mitglieder-Meilenstein abzuhaken. Derzeit verfügt foursquare über knapp zehn Millionen registrierte Anwender und wächst wie Instagram mit etwa einer Million pro Monat.

Trotz der unterschiedlichen Schaffensbereiche von Instagram und foursquare gehören beide Anbieter zur Kategorie der auf dem Smartphone-Boom reitenden “Hipster”-Startups, leisten beide Pionierarbeit in ihrem jeweiligen Sektor (foursquare hat den Check-In salongfähig gemacht, Instagram den mobilen Foto-Stream auf Basis des Follower-Prinzips), sprechen beide vorrangig Early Adopter an und stehen jetzt vor der Herausforderung, sich für weniger technikverrückte Benutzer attraktiv zu machen.

Einiges deutet darauf hin, dass Instagram deutlich bessere Chancen hat, diese Hürde zu nehmen. Interessanterweise verzeichnet der Foto-Service laut Google seit April 2011 mehr Traffic als foursquare. Die Statistik blendet zwar App- und API-Zugriffe durch Drittanbieter aus, als mögliches Indiz für Instagrams erheblich bessere Zukunftsaussichten würde ich sie aber nicht ignorieren (das in der Grafik ebenfalls dargestellte picplz ist Instagrams größter Konkurrent).

Mancher glaubt bereits, dass Instagram das neue Twitter wird. Wörtlich darf man eine solche Aussage nicht verstehen, denn die Art der Botschaften und Informationen, die in Text- und Bildform übermittelt werden, unterscheiden sich doch grundlegend.

Im übertragenen Sinne jedoch halte ich eine derartige These nicht für abwegig: Instagram besitzt gute Voraussetzungen dafür, einen Aufstieg nach dem Vorbild des Microbloggingdienstes zu erleben – zumal es nicht länger nur einen chronologischen Fotostream mit den Schnappschüssen der abonnierten User bietet, sondern dank Hashtags in Bildkommentaren und GPS-basierten Standortangaben auch die Aggregation von Fotos zu bestimmten Orten oder Themen ermöglicht.

Ich glaube, dass die streambasierte, visuelle Wiedergabe der eigenen Erlebnisse mittelfristig auch weniger progressive, sich nicht stolz als “Geek” betitelnde Internetbenutzer anspricht. Beim Thema Check-In hingegen wird sich dieser Nutzertyp größtenteils mit Facebooks-Places-Feature zufriedenstellen.

Es ist möglich, dass foursquare eines Tages doch noch seinem Status als ewiges Talent der Social-Web-Welt gerecht wird und zum “nächsten großen Ding” avanciert – in seiner jetzigen oder (realistischerweise) in einer abgewandelten Form (siehe dazu auch foursquare: Viel gecheckt, wenig gewonnen)

Deutlich spannender finde ich aber mittlerweile die Frage, wie sich Instagram weiterentwickeln könnte (vor allem nach der Veröffentlichung der geplanten Android-App) und ob diese eigentlich so simple Anwendung das Zeug dazu hat, in den Olymp der Social-Web-Dienste aufzusteigen. Vorstellbar wäre es!

Umfrage: Welchem Dienst rechnet ihr langfristig mehr Potenzial zu? foursquare oder Instagram?

Hinweis für RSS-Leser: Zur Teilnahme an der Umfrage bitte hier klicken und ans Artikel-Ende scrollen.

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7 Kommentare

  1. Mike
    schrieb am 26. Mai 2011 um 09:57 Uhr (#)

    Zitat: “Das bisher lediglich vier Mitarbeiter beschäftigende”

    Hier liegt der größte Knackpunkt: Null Support. Möchte man wissen wo wo genau die Fotos landen, oder wie man diese wieder löschen kann, hängt man in der Luft.
    Mike

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 26. Mai 2011 um 10:11 Uhr (#)

    Ja ehrlich gesagt frage ich mich auch, wieso sie nicht stärker rekrutieren. Eine Geldfrage kann es nicht sein. Einzige Erklärung: Sie finden keine herausragende Person (der Web-Arbeitsmarkt im Valley und in SF ist ja angeblich wie leergefegt) und stellen dann lieber gar niemanden ein, als Kompromisse zu machen.

  3. Mike
    schrieb am 26. Mai 2011 um 10:23 Uhr (#)

    Es gibt wohl auch schon diverse Diskussionen (mangels direkter Supportplattform verteilt im Internet) über diverse fehlende Funktionalitäten. Größtes Manko: man kann in seinem Profil zwar diverse Sharing-Dienste wie Facebook, Flickr, Tumblr etc. explizit auswählen, wird jedoch nicht darauf hingewiesen dass die eigenen Fotos dann auch simultan öffentlich im Instagr.am Stream landen. Und genau hier setzt das Dilemma des fehlenden Supports, respektive der nicht vorhandenen Möglichkeit, viele Fotos auf einmal zu löschen, an. Schade eigentlich.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 26. Mai 2011 um 10:25 Uhr (#)

    Hab mal per Twitter nachgefragt, was der Grund für das zögerliche Recruiting ist. Falls Instagram antwortet, poste ich es hier.

  5. Tanja Handl
    schrieb am 26. Mai 2011 um 10:49 Uhr (#)

    Kann deiner Analyse nur zustimmen – Instagram hat wirklich Potential. Die Frage, was mit den eigenen Bildern, Texten usw. passiert, ist natürlich bei allen Diensten spannend. Aber in den meisten Fällen siegt der Selbstdarstellungstrieb. ;) Bin jedenfalls neugierig, wo die Reise für Instagram hingeht.

    1. Basar Seven
      schrieb am 28. Juni 2011 um 21:05 Uhr (#)

      Hallo,
      ich finde die Idee zwar gut… jedoch kann die Verbindung in die Reale Welt noch nicht herstellen. Nicht alle können Sie sich nicht mit Werbung finanzieren bzw. verdienen. Mir fehlt das Geschäftsmodell. Aktuell zu mindestens. Ich glaube, dass kann man jedoch hervorragend mit anderen Ideen kombinieren kann.
      lg aus Mettmann

  6. Reinhold Behringer
    schrieb am 28. Mai 2011 um 00:06 Uhr (#)

    So zoegerlich ist das Recruiting von Instagram nicht – siehe hier:

    http://instagr.am/about/jobs/

    Support braucht es bei solchen Apps nicht – das sollte alles selbsterklaerend sein. Wenn es das nicht ist, dann gibt man halt einfach auf und benutzt die App nicht mehr.

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