Digitale Musik:
simfy steigert seine Ambitionen

Fast 20 Millionen Euro wurden mittlerweile in das Musik-Startup simfy investiert. Kleine Brötchen backen wollen die Kölner nicht mehr.

Als ich im November 2007 das erste Mal über simfy berichtete, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass der damals als sozialer Onlinespeicher für Musik lancierte Dienst (Amazons Cloud Player und Google Music lassen grüßen) drei einhalb Jahre später ein mit fast 20 Millionen Euro Risikokapital ausgestatteter Streamingservice mit europaweiten Ambitionen werden würde.

Doch genau dies ist geschehen. Gestern gaben die Kölner (wie heute früh in Linkwertig berichtet) eine neue Finanzierungsrunde bekannt (Pressemitteilung), in deren Rahmen simfy mit zehn Millionen Euro von den bisherigen Investoren Earlybird, der NRW Bank, Dumont Venture und Klaus Wecken versorgt wird.

Erst vor einem Jahr pumpten die selben Kapitelgeber sieben Millionen Euro in simfy, das Deutschlands einziger auch in einer Gratisversion angebotener On-Demand-Dienst für Musik istEinige Monate zuvor beteiligte sich der Livemusik-Spezialist Music Networx an simfy, ohne dass die Dimension dieses strategischen Investments bekannt gegeben wurde.

Mit dem frischen Geld will simfy sowohl die Präsenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz stärken, als auch seine für das zweite Halbjahr 2011 geplante Expansion in Märkte außerhalb des deutschsprachigen Raumes realisieren.

Die Meldung zur jüngsten Kapitalspritze von simfy enthält auch zwei andere interessante Details: simfys Tochtergesellschaft Music Networx AG firmiert nun unter dem Namen simfy AG und fokussiert sich fortan auf das Kerngeschäft Musikstreaming.

Music-Networx-CEO Gerrit Schumann wird CEO der simfy AG (er taucht unter der Bezeichnung “CEO von simfy” bereits seit einigen Monaten in Pressemitteilungen von simfy auf), Music-Networx-COO Georg Bergheim wird der COO der simfy AG, und die simfy-Gründer Christoph Lange und Steffen Wicker agieren als CMO (Lange) und CIO (Wicker). Der dritte Mitgründer Tobias Schiwek ist bereits seit längerem als VP New Business tätig.

Wie nach einigen Jahren bei vielen Startups haben damit auch bei simfy die Gründer die Führung des Unternehmens in erfahrenere Hände gegeben, was in diesem Fall jedoch auf die Music-Networx-Beteiligung und die so entstandene Firmenstruktur zurückzuführen ist. Lange und Wicker bleiben dagegen weiter Geschäftsführer der simfy GmbH.

Klar ist: Von simfy werden wir in den nächsten Monaten noch einiges hören. Allein der sich anbahnende Wettkampf zwischen simfy und seinem schwedisch Konkurrenten Spotify um den digitalen Musikmarkt Europas dürfte äußerst spannend werden. Bisher decken beide Anbieter zusammengenommen lediglich zehn Länder des Kontinents ab.

Angesichts von simfys für deutsche Verhältnisse beträchtlichen Risikokapitalausstattung – erst recht im schwierigen Musikmarkt – darf zumindest darüber spekuliert werden, dass die Investorengruppe eher auf einen baldigen Exit abzielt, als mit simfy die Welt erobern zu wollen.

simfy Co-Founder Tobias Schiwek allerdings unterstreicht, dass sich das simfy-Team große Ziele gesetzt hat: “simfy hat globale Ambitionen”, so Schiwek.

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6 Kommentare

  1. Dominik
    schrieb am 18. Mai 2011 um 17:18 Uhr (#)

    Wenn simfy ein paar fähige Entwickler für die Weboberfläche einstellt, man auch von Usern gemeldete Probleme korrigiert und Feedback nicht nur mit warmen Worten entgegen nimmt – dann haben sie vielleicht eine Chance.

    Mein im März gemeldeter Bug ist bis heute nicht behoben. Wow, dafür dass es (aus Sicht eines Entwicklers, der ich ja bin) vermutlich ein kleiner Fehler ist, der behebbar wäre, haben die echt eine lange Leitung. Und die Geschwindigkeit der Weboberfläche ist auch nicht gerade ein Aushängeschild.

    Bis sie auch technisch und vom Repertoire vorne dabei sind, bleibe ich bei Napster. Die Napster-Software ist auch nicht immer Gold, aber ich kann 100 Mal besser stöbern und nicht nur mit ein paar Tags. Es gibt mittlerer Weile sehr viele Hörbücher und Comedians, etc. und für’s iPhone wird das Zeug halt konvertiert, bis da die Napster-App rauskommt, die es in den USA schon gibt.

  2. Kim
    schrieb am 18. Mai 2011 um 18:05 Uhr (#)

    Im Vergleich zu Spotify finde ich das Angebot Simfys ziemlich mager. Schon der Verbund Spotifys mit 7digital und der Verkauf im 100er-Paket finde ich genial. Simfy hat sowas nicht. Auf mich wirkt Spotify im Vergleich auch weitaus ausgereifter. Aber Konkurrenz belebt ja das Geschäft :D

    Mir ist der Abschnitt zur Risikokapitalbeteilung und dem Ausstieg nicht ganz klar. Wie lässt sich auf einen Exit schließen, wenn mehr Geld in ein Unternehmen fließt?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 18. Mai 2011 um 18:49 Uhr (#)

      Die Investoren wollen ja ROI. Der Betrieb eines On-Demand-Streaming-Dienstes ist wegen der Lizenzabgaben ziemlich kostspielig. Bis zu dem Tag, an dem simfy min. 20 Mio Euro Gewinn abgeworfen hat, wird daher noch einige Zeit vergehen. Dass die Investoren eine so beträchtliche Summe derartig langfristig und geduldig binden, wäre in DE auf jeden Fall ungewöhnlich. Zumal Spotify auch meiner Meinung nach funktionell besser ist, was eine weitere Unsicherheitskomponente darstellt.

  3. Andreas
    schrieb am 18. Mai 2011 um 21:19 Uhr (#)

    Simfy spielt doch im Vergleich zu Spotify überhaupt keine Rolle im Musikstreaming Business. Von Spotify redet jeder, von Simfy (fast) keiner. Kann mir nicht vorstellen, das Simfy langfristig bestehen wird, und schon gar nicht global.

  4. Sven
    schrieb am 19. Mai 2011 um 00:59 Uhr (#)

    Aufgrund dieses Artikels, wollte ich Simfy nun auch mal testen und was sehe ich? Keine Fehler, keine Macken, sondern, noch viel schlimmer, keine Webseite aufgrund von Wartungsarbeiten.
    Das Timing für die Wartungsarbeiten finde ich mehr als fragwürdig. Wenn ein solcher Deal bekannt gegeben wird, ist es doch wenig verwunderlich, dass sich potentielle neue Kunden auf Simfy umschauen könnten.
    “Deine Musik immer und überall” und eine Zeile weiter unten steht, dass die Webseite nicht zu erreichen ist. Das sind Fehler, die bei einem derart ambitionierten Projekt nicht geschehen dürfen.

  5. Chron2
    schrieb am 20. Mai 2011 um 10:28 Uhr (#)

    Ich würde ja gerne mal Spotify testen…

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