Zitat in einem Blogartikel:
Der Springer-Verlag fordert
Schadenersatz von Exciting Commerce

Das Fachblog Exciting Commerce hat wegen der Veröffentlichung eines zitierten Texts von Welt Online eine Schadenersatzforderung des Axel-Springer-Verlags erhalten.

Wir wissen, dass sich unter den Lesern von netzwertig.com auch der eine oder die andere Blogger(in) befindet. Für alle, auf die das zutrifft, sowie als Informationshappen für am Geschehen Interessierte folgt hier ein kleiner, aber potenziell wichtiger Hinweis:

Kollege Jochen Krisch vom renommierten E-Commerce-Blog Exciting Commerce hat wegen der Veröffentlichung eines zitierten Texts von Welt Online eine Schadenersatzforderung von der Axel Springer AG erhalten. Das Medienhaus erwartet für die widerrechtliche Publizierung die Zahlung eines Betrags von 400,00 Euro.

Krisch dazu nüchtern: “Dieses freundliche “Angebot” lehnen wir dankend ab.”

Ob man beim Springerverlag der Ansicht ist, dass das von Exciting Commerce in diesem Artikel veröffentlichte Zitat von Welt Online zu lang sei, ist eine Sache (über die man durchaus diskutieren kann). Aber kurioserweise ist es ein Beitrag aus dem Jahr 2008, der die Rechtsabteilung der Berliner zu einem solch in jedem Fall fragwürdigen, weil ohne Vorwarnung erfolgten Schritt animiert.

Das legt den Schluss nahe, dass es nicht darum geht, Exciting Commerce darauf hinzuweisen, dass man ausführliche Zitierungen von Welt, Bild etc. nicht wünscht, sondern dass eine neue Geldquelle erschlossen werden soll. “Der Axel Springer Verlag testet schon mal, wie so ein Leistungsschutzrecht für die Presse in der Realität aussehen könnte”, formuliert es Marcel Weiss, der als Autor für Exciting Commerce tätig ist.

Weiss verweist auch auf einen anderen aktuellen Fall, bei dem die Axel Springer AG ähnlich vorgegangen ist.

Ob Erschaffer von Onlineinhalten zukünftig ganz auf Links zu den Sites des Verlagshauses verzichten oder lediglich genau darauf achten sollten, so wenig zitatnahe Äußerungen der entsprechenden Medienangebote zu übernehmen wie möglich (auch rückwirkend), wird jeder selbst entscheiden müssen. Eine gewisse Vorsicht ist jedoch geboten – zumal, sollte das Medienunternehmen mit dem Vorgehen erfolgreich sein, andere Verlage dies mitunter als Inspiration zu ähnlichen Aktionen sehen könnten.

Update: Bei t3n wird das Ereignis im Hinblick auf das Zitatrecht beleuchtet.

Hinweis: An zwei Stellen am Artikelanfang wurde der Begriff “Zitat” nachträglich in “zitierter Text” umgewandelt, da dies den Sachverhalt besser trifft.

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7 Kommentare

  1. Markus Jakobs
    schrieb am 6. Mai 2011 um 14:03 Uhr (#)

    Ich hab die Lösung. Jeder Verlag der nicht zitiert werden will veröffentlicht alle Texte als Bilddatei. :-)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. Mai 2011 um 14:44 Uhr (#)

    Sehr kreativ :)

  3. andy lenz
    schrieb am 6. Mai 2011 um 14:54 Uhr (#)

    tweetklagen hätten auch was ;)

  4. Huffi
    schrieb am 6. Mai 2011 um 15:01 Uhr (#)

    Ich hab mir den Betreffenden Text angesehen. Mal ganz ehrlich, wenn das Zitat länger als der selbst geschriebene Beitrag ist, ist es kein Zitat. Das ist ein Witz. Der wird definitiv zahlen, und das ist auch gut so.

    Ich unterstütze die Gegner von zu restriktiven Copyrights, aber so Leute wie die von Eciting Commerce bestätigen die Forderungen der Industrie.

  5. Jochen (Exciting Commerce)
    schrieb am 6. Mai 2011 um 15:46 Uhr (#)

    Danke, Huffi!

    @Martin Wichtig fände ich zu erwähnen, dass wir Springers Rechtsauffassung respektieren. Es ist also nicht der Punkt, ob die Schadensersatzforderung im konkreten Fall gerechtfertigt ist, sondern ob sie als Druckmittel zur Gewinnung neuer Lizenznehmer genutzt wird. Zudem stellt sich die Frage, wie sinnvoll Springers Vorgehen ist für einen Verlag, der in seinen Publikationen intensiv auf Facebook Buttons und andere Share-Elemente setzt und damit so klar und deutlich signalisiert, dass seine Inhalte weitergetragen werden sollen.

  6. Mischa Rosenzweig
    schrieb am 7. Mai 2011 um 11:22 Uhr (#)

    Das legt den Schluss nahe, dass es nicht darum geht, Exciting Commerce darauf hinzuweisen, dass man ausführliche Zitierungen von Welt, Bild etc. nicht wünscht, sondern dass eine neue Geldquelle erschlossen werden soll.

    Ja ne, ist klar.

    Das Publizieren und Vermarkten von Inhalten ist seit eh und je ein Geschäftsmodell von AS. Sei es in unternehmenseigenen Medien oder in Partner bzw. Dritt-”Medien”.

    In diesem besagten Fall wurde die Hälfte des Artikel von AS durch EC abgeschrieben und quasi schwarz auf dem eigenen Blog veröffentlicht.

    Für mich sieht es danach aus, als wolle Axel Springer die kleinen Contentdiebe, die nun mal täglich ihr Unwesen im Internet treiben erziehen.

    Dir gefällt ein Text von uns? Dann sprich mit uns (Lizenzerwerb). Erwischen wir dich später, wie du ungefragt unsere Texte veröffentlichst, wird es teurer.

    Ist gut vergleichbar mit Schwarzfahren.

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    schrieb am 6. September 2011 um 09:04 Uhr (#)

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