Uni-Flirts:
blicKlick expandiert nach Deutschland

Nach dem Vorbild des US-Dienstes LikeALittle hat das Zürcher Startup blicKlick eine Echtzeit-Flirtplattform für Universitäten entwickelt. Ende des Jahres soll der Service an 30 Hochschulen in D-A-CH die Kontaktanbahnung erleichtern.

Mitte Februar berichteten wir über das Vorhaben von drei Schweizer Studenten, eine europäische Adaption der US-Uni-Flirtplattform LikeALittle an den Start zu bringen. Einige Tage später öffnete blicKlick die Pforten für Studierende der ETH Zürich, der Universität Zürich und der Universität St. Gallen.

Das Konzept des Angebots ist an das des US-Vorbilds angelehnt: Nutzer können auf einer virtuellen Pinnwand für ihre Hochschule beschreiben, welche Person in ihrer Umgebung sie attraktiv finden, und diese Nachricht in Echtzeit veröffentlichten. Mitstudenten können einzelne Einträge kommentieren und bei der Identifizierung oder Kontaktanbahnung mithelfen – oder sich als die beschriebene Person zu erkennen geben.

LikeALitte wurde im Oktober 2010 von drei Stanford-Studenten gegründet und hat, wie gestern bekannt wurde, unter anderem vom renommierten Investmentfonds Andreessen Horowitz eine Million Dollar Risikokapital aufgenommen

Der von Philip Reichen, Cristian Grossmann und Flavio Pfaffhauser lancierte Zürcher Dienst blicKlick ist das erste uns bekannte Startup, welche das Prinzip des bisher nicht in Europa verfügbaren Angebots (mit Ausnahme einiger weniger Unis) in den deutschsprachigen Markt einführt.

Und weil das Gründerteam weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis weitere von dem US-Flirt-Dienst inspirierte Dienste in Deutschland, Österreich und der Schweiz auftauchen werden, setzt es alles auf eine schnellstmögliche Expansion: Mit einer Plattform für Studenten der Humboldt Universität hat blicKlick mittlerweile seine Fühler in den deutschen Markt ausgestreckt. Weitere Unis werden folgen.

Insgesamt sollen bis zum Jahresende 30 Universitäten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich bei dem Service eine eigene Pinnwand zum Flirten besitzen und aktiv von den dort eingeschriebenen jungen Leuten verwendet werden. In Fragen kommen primär Hochschulen mit jeweils über 20.000 Studenten, wie mir Mitgründer Cristian Grossmann erläuterte.

Für die Expansion setzt blicKlick auf das schon von studiVZ zu dessen Anfängen erfolgreich praktizierte Prinzip der Uni-Botschafter. Studenten, die blicKlick beim Launch an ihrer Universität unterstützen und die Flirtplattform dort etablieren wollen, können sich mit dem Startup in Verbindung setzen.

Die Botschafter-Tätigkeit wird nicht entlohnt, Cristian Grossmann unterstreicht aber, dass dies der beste Weg ist, um womöglich eines Tages von blicKlick eingestellt zu werden. Genau dies sei mit dem Botschafter der Universität St. Gallen geschehen, der mittlerweile einen Job bei dem jungen Unternehmen hat.

Die Reaktionen der Studentenvereinigungen seien bisher positiv gewesen, das Feedback der Hochschulen hingegen war durchwachsen, so Grossmann. Das Flirtpotenzial einer akademischen Bildungseinrichtung zu erhöhen, hat eben nicht bei jeder Universitätsleitung höchste Priorität.

Die Unterstützung durch die Unis ist für blicKlick aber letztlich auch gar nicht notwendig. Dennoch sind die Macher an einem guten Verhältnis zu den Hochschulen interessiert. Denn da eine Registrierung bei blicKlick (die keine Pflicht ist, aber Vorteile bietet) eine E-Mail-Adresse der jeweiligen akademischen Einrichtung erfordert, hätten Hochschulen zumindest theoretisch die Möglichkeit, über ihre Mail-Server eintreffende blicKlick-Mails zu blockieren.

30.000 Visits hat der Dienst aus der Alpenrepublik innerhalb von zwei Monaten mit den Flirtplattformen für die drei bisher unterstützten Schweizer Unis verzeichnet. Sofern er genug tüchtige Botschafter in anderen Städten findet und sich bei Studierenden als populäre Form der Anbahnung von Dates etablieren kann, dürfte diese Zahl demnächst rapide steigen.

Momentan werkeln die Gründer fleißig an Apps für iPhone, Android und BlackBerry.

In Bezug auf das Geschäftsmodell sieht blicKlick-Co-Founder Cristian Grossmann Potenzial zum Beispiel in ortsbasierter Werbung. Noch sei man jedoch auf der Suche nach einem skalierbaren Geschäftsmodell.

Bleibt noch die Frage, die wahrscheinlich einigen Lesern auf der Zunge brennt: Ist blicKlick eine Copycat? Meine Antwort: Jein, mit Tendenz zum Nein. Natürlich handelt es sich um eine Imitation aus den USA. Andererseits befindet sich das Vorbild selbst noch in den Kinderschuhen und konnte bisher nicht zeigen, ob sich aus der Idee ein erfolgreiches Produkt und ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln lässt. Der größte Vorteil der Copycat-Strategie, nämlich die Minimierung des Risikos, ist somit nicht erfüllt.

Zudem steht LikeALittle den Studierenden der meisten europäischen Unis bisher nicht zur Verfügung. Und glücklicherweise konnten die blicKlick-Macher auch der Versuchung widerstehen, neben dem Konzept gleich noch das Layout von LikeALittle zu übernehmen.

Link: blicKlick

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4 Kommentare

  1. Jürgen
    schrieb am 29. April 2011 um 12:51 Uhr (#)

    “Für die Expansion setzt blicKlick auf das schon von studiVZ zu dessen Anfängen erfolgreich praktizierte Prinzip der Uni-Botschafter.”

    Klingt gut. Und wenn man damit erfolgreich ist, erweitert man später sein Angebot um eine Schüler-Plattform und eine Plattform für Postgraduierte, verkauft sie teuer an einen Verlag und macht zwei Jahre gar nichts damit – bis man schließlich von Facebook aufgefressen wird. ;)

    1. blicKlick
      schrieb am 3. Mai 2011 um 00:05 Uhr (#)

      Hey, klingt gut! Wir haben allerdings noch vor Europa zu erobern!

  2. Jan
    schrieb am 30. April 2011 um 03:40 Uhr (#)

    Hier in UK gibt es einen sehr sehr ähnlichen Dienst – Floxx.com (ehemals FitFinder). Habe mich diese Woche erst mit dem Gründer Rich getroffen. Er ist letztes Jahr im Sommer damit gestartet und hat ziemlich viel Wirbel damit ausgelöst (Beschwerden von Unis, etc.).

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 30. April 2011 um 11:13 Uhr (#)

    Stimmt hätte ich noch mal erwähnen können – in meinem Artikel vom Februar hatte ich Floxx und den Trouble um den Vorgänger-Dienst FitFinder auch angeschnitten.

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