Qwiki auf dem iPad:
Vorgeschmack auf die digitale Zukunft

Qwiki erstellt zu Millionen Themen und Suchbegriffen multimediale Kurzpräsentationen. Seit gestern gibt es den US-Dienst für das iPad. Da gehört er auch hin.

Über 60.000 Applikationen existieren mittlerweile für das iPad. Nur eine kleine Zahl davon dürfte jedoch in den Augen der meisten Tablet-Besitzer als essentiell bezeichnet werden.

Das kalifornische Startup Qwiki hat gestern eine kostenlose iPad-Version seines multimedialen Nachschlagewerkes veröffentlicht. Nach einigen Tests am Mittwochabend würde ich allen, die ein iPad ihr Eigen nennen, zumindest einen Testlauf nahe legen.

Qwiki wurde Ende 2009 gegründet, stammt aus der Facebook-Stadt Palo Alto und erlangte in Tech-Kreisen durch den Sieg beim TechCrunch Disrupt Startup-Wettbewerb im September 2010 eine initiale Bekanntheit.

Qwiki, das seit kurzem in einer Browser-Version für jeden offen steht, liefert zu Millionen von Suchbegriffen kompakte, multimediale Erklärungen. Dazu liest eine Computerstimme die wichtigsten Eckpunkte und Informationen vor und illustriert diese mit Fotos, Grafiken und Kartenmaterial. Das Ergebnis ist eine Präsentation von meist unter einer Minute, die einen handlichen Überblick zum gesuchten Begriff oder Thema liefert. Die Inhalte bezieht Qwiki unter anderem von Wikipedia, Google Maps, Fotopedia und Wikimedia Commons.

Obwohl Qwiki kein schlechter Weg ist, am Rechner etwas nachzuschlagen, habe ich bisher stets den direkten Besuch von Wikipedia vorzogen – schnell eine Begriffserklärung in Textform zu überfliegen und die vorhandenen Unklarheiten aus dem Weg zu räumen, passt besser in meinen persönlichen Workflow, zumal die auf das Wesentliche reduzierte Qwiki-Slideshow womöglich genau den Aspekt ausklammert, zu dem ich detaillierte Hintergründe benötige.

Ganz anders jedoch die Situation am iPad: Halte ich dies in den Händen, steht deutlich weniger Effizienz und Produktivität im Vordergrund, sondern eher Spaß, optischer Genuss und visuelle Erlebnisse. Hier passt der Qwiki-Ansatz deutlich besser.

Gestern Abend saß ich mit meinem iPad eine Viertelstunde auf dem Sofa und “surfte” von einer Qwiki-Präsentation zur nächsten. Am Ende einer jeden Begriffserläuterung zeigt die App verwandte Themen an, was ihr ausgesprochene Qualitäten als (pädagogisch wertvoller) Zeitvertreib beschert.

Momentan profitiert Qwiki natürlich auch von seinem Status als Novum, das an Science-Fiction-Filme erinnert und mit dem sich erst recht diejenigen beeindrucken lassen, die bisher keine oder nur wenige Erfahrungen mit Tablet-PCs gemacht haben (auch wenn der Service bisher nur auf Englisch angeboten wird).

Ist das Prinzip einer vertonten und mit visuellen Elementen garnierten On-Demand-Präsentation von Informationen erst einmal bekannt, kann es gut sein, dass iPad-Nutzer doch lieber zurück zur textbasierten Definition von Wikipedia wechseln. Zumal Qwiki durch seine teils kurzen Erklärungen nur selten alle wichtigen Aspekte aufgreifen kann. Kritiker könnten in der App damit auch einen Beleg für eine immer kurzer werdende Aufmerksamkeitsspanne der digitalaffinen Generation sehen.

Qwiki-Gründer Doug Imbruce und sein Team wollen die entwickelte Technologie mittelfristig auf Bereiche abseits von enzyklopädischem Wissen ausdehnen. Das von dem Dienst eingesetzte “Storytelling”-Prinzip soll dann in verschiedensten Alltagssituationen zum Einsatz kommen können, so z.B. als Reiseplaner (Qwiki bietet bereits jetzt eine virtuelle Stadtführung), Restaurantguide oder Hilfestellung bei der Erledigung von Hausaufgaben.

Qwiki gibt einen Vorgeschmack darauf, wie sich das digitale Benutzererlebnis durch vernetzte Geräte mit Touch-Bildschirmen verändern wird. Ob Qwiki am Ende eine Spielerei bleibt, die allein von ihrem Neuigkeitseffekt profitiert, oder sich zu einem von vielen geschätzten, täglich genutzten Werkzeug entwickelt, darüber möchte ich noch nicht urteilen. Ausprobieren sollte man die Gratis-App aber mal.

Link zur iPad-App im App Store

Mehr lesen

Der Aufstieg der Tablet-PCs: Wenn der Genussmodus aktiviert wird

31.10.2011, 10 KommentareDer Aufstieg der Tablet-PCs:
Wenn der Genussmodus aktiviert wird

Tablets und vor allem das iPad verkaufen sich blendend. Notebooks oder stationäre Rechner verdrängen die tragbaren Touch-Computer zwar nicht vollständig, aber in einigen Jahren werden sie in den meisten westlichen Haushalten zu finden sein.

Couchfunk: iPad-App für alle,  die ungern alleine fernsehen

18.10.2011, 8 KommentareCouchfunk:
iPad-App für alle, die ungern alleine fernsehen

Couchfunk ist eine Social-TV-App für das iPad, die Zuschauerkommentare zu Programmen sammelt. Die Anwendung des Startups aus Sachsen macht einen guten ersten Eindruck.

Mobiler Vorstoß: Facebook gibt Startschuss für iPad-App und mobile App-Plattform

10.10.2011, 2 KommentareMobiler Vorstoß:
Facebook gibt Startschuss für iPad-App und mobile App-Plattform

Facebook hat die von vielen lange ersehnte iPad-Applikation veröffentlicht und gleichzeitig den Startschuss für seine mobile App-Plattform gegeben.

Linkwertig: Tablets, Street View, Xing, Checkout

21.11.2011, 0 KommentareLinkwertig:
Tablets, Street View, Xing, Checkout

PC-Hersteller ziehen sich wieder aus dem Tablet-Markt zurück, wir haben ein Jahr Street View überlebt und mehr.

Der Aufstieg der Tablet-PCs: Wenn der Genussmodus aktiviert wird

31.10.2011, 10 KommentareDer Aufstieg der Tablet-PCs:
Wenn der Genussmodus aktiviert wird

Tablets und vor allem das iPad verkaufen sich blendend. Notebooks oder stationäre Rechner verdrängen die tragbaren Touch-Computer zwar nicht vollständig, aber in einigen Jahren werden sie in den meisten westlichen Haushalten zu finden sein.

Preis- und Innovationswettbewerb gegen Apple: Das Kindle Tablet und die  Zukunft der Ökosysteme

28.9.2011, 7 KommentarePreis- und Innovationswettbewerb gegen Apple:
Das Kindle Tablet und die Zukunft der Ökosysteme

Mit einem eigenen Tablet-PC will Amazon die losen Enden im Vertrieb seiner digitalen Waren zusammenführen. Die Auswirkungen auf den Markt digitaler Güter könnten weitreichend sein.

Eardex: Globale Datenbank über lokale Preise

9.2.2012, 4 KommentareEardex:
Globale Datenbank über lokale Preise

Das Kölner Startup Eardex hat sich zum Ziel gesetzt, eine Datenbank über die Lebenshaltungskosten an jedem Ort dieser Welt aufzubauen. Dazu benötigt es die Hilfe der Nutzer.

Linkwertig: ACTA, Facebook, Microsoft, Wikipedia

15.12.2011, 0 KommentareLinkwertig:
ACTA, Facebook, Microsoft, Wikipedia

Microsoft hat sich in iOS verliebt und neben SkyDrive und dem Notizprogramm Onenote auch das Spiel Kinectimals lanciert und andere Links.

Linkwertig: Schultrojaner, Gmail, NeuroNation,  Wikipedia Zero

2.11.2011, 2 KommentareLinkwertig:
Schultrojaner, Gmail, NeuroNation, Wikipedia Zero

Nach der Katastrophe mit dem Google Reader stellt Google nun auch ein neues Design für Gmail vor, heise über den Schultrojaner und mehr.

2 Kommentare

  1. Tanja Handl
    schrieb am 22. April 2011 um 10:48 Uhr (#)

    Witzige Idee! Vielleicht nicht die schnellste Art und Weise zu Informationen zu kommen aber definitiv unterhaltsam.

  2. Raymond Appels
    schrieb am 23. April 2011 um 11:17 Uhr (#)

    Manchmal ist es toll, per Newsletter über vergangenen Ereignisse an dem Tag erinnert zu werden. Sonst finde ich es eher was für den Zeitvertreib.
    Liebe Grüße aus Viersen
    Raymond

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.