Spotify beschränkt Gratis-Zugang:
Das Ende von kostenfreier
On-Demand-Musik

Spotify schafft seinen kostenfreien, werbefinanzierten All-You-Can-Eat-Dienst für On-Demand-Musik ab. Das Modell ist damit gescheitert.

Wir hatten es eben bereits in Linkwertig erwähnt: Spotify gab gestern Änderungen rund um seinen Gratis-Musikdienst bekannt. Und obwohl der Service aus Schweden bisher lediglich in sieben europäischen Ländern verfügbar und für User in D-A-CH nur über Umwege erreichbar ist, hat die Entscheidung eine globale Symbolwirkung: Unbegrenztes, durch Werbung finanziertes On-Demand-Streaming von Musik hat keine Zukunft.

Neben seinen kostenpflichtigen Premium-Versionen für umgerechnet rund fünf bzw. zehn Euro bot das Startup aus Stockholm bisher zwei kostenfreie Pakete an: Das nur über restriktiv verteilte Einladungen zugängliche Spotify Free (damit begann Spotify 2008 in seinem Heimatland Schweden) für kostenfreies, unbegrenztes und werbefinanziertes Streaming über den Desktop-Client sowie Spotify Open, das ohne Einladung zugänglich war und 20 Stunden kostenfreies Musikhören pro Monat erlaubte.

Ab dem 1. Mai ist Spotify Free – also die komplett unbegrenzte Variante – quasi Geschichte. Denn nach sechs Monaten erhalten sowohl Free- als auch Open-User nur noch zehn Stunden Musikgenuss pro Monat. Außerdem kann jeder Song maximal fünf Mal angehört werden.

Mir ist zwar noch nicht ganz klar, ob in den ersten sechs Monaten nach wie vor ein Unterschied zwischen Free (“All-You-Can-Eat”) und Open (bisher 20 Stunden On-Demand-Streaming pro Monat) gemacht wird, aber das spielt am Ende keine Rolle. Fakt ist: Spätestens nach sechs Monaten der Spotify-Nutzung existiert anders als bisher nur noch eine stark begrenzte Gratis-Variante des populären Desktop-Clients. Wer Musik wirklich mag, wird dann um eines der zwei kostenpflichtigen Angebote kaum herum kommen.

War Free/Open bisher ein eigenständiges Produkt, das Spotify durch eine Werbevermarktung zu refinanzierten versuchte, fungiert es zukünftig nur noch als Marketinginstrument, um Anwender auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Nun muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass die Paid-Versionen mit fünf bzw. zehn Euro ihr Geld zweifellos wert sind (zumal nur dann Zusatzfunktionen wie mobile Apps oder ein Offline-Modus geboten werden).

Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass Spotify sich in den letzten Jahren trotz seiner geografischen Limitierung zu DEM Anbieter für Musikstreaming entwickelt hat. Spotify war der Hoffnungsträger für alle, die Gefallen an der Idee des werbefinanzierten On-Demand-Streamings gefunden hatten. Diese Hoffnung ist gestern gestorben.

Spotify arbeitet seit einer gefühlten Ewigkeit an einem US-Launch. In den USA jedoch existiert kein legaler Servicer, der das On-Demand-Streaming von Musik kostenfrei anbietet. MOG oder Rdio gibt es nur gegen Bezahlung.

Mittlerweile scheint Spotify dem USA-Start sehr nahe zu sein. Auf der re:publica unterhielt ich mich gestern mit Marcel Weiss, der bei neumusik.com bereits über die Spotify-Veränderung schrieb. Seine Vermutung ist, dass Spotifys ab 1. Mai in Europa geltenden Konditionen denen gleichen werden, welche die Schweden in ihren langwierigen Verhandlungen mit den US-Labels für den dortigen Markt definiert haben – ganz einfach, um auf allen Märkten einheitliche Konditionen anbieten zu können.

Trifft dies zu, wäre dies aus Sicht von US-Musikfreunden ein Grund zur Freude: Immerhin bekämen sie dann in Zukunft wenigstens einige Stunden pro Monat legales Gratis-Streaming ihrer Wunschtitel. Europäer, die bisher von Spotify verwöhnt wurden, müssen sich hingegen mit deutlichen Einschnitten abfinden.

Die Symbolhaftigkeit der jüngsten Entscheidung darf nicht unterschätzt werden: Wenn es dem populärsten und auch bei der Konversion von Free- zu Premium-Nutzern recht erfolgreichen On-Demand-Musikdienst nicht gelingt, einen global verfügbaren, dauerhaft unbegrenzten, durch Werbung finanzierten Gratis-Zugang bereitzustellen, dann ist dies das Ende dieser Art des Musikkonsums.

Schwierig ist die Bewertung der Entwicklung aus Sicht des in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiven Spotify-Pendants simfy. Dessen Gratisangebot wirkt im Lichte der Spotify-Neuigkeiten schlagartig erheblich generöser. Was – sofern Spotify irgendwann doch einmal auf den hiesigen Markt vorstößt – ein komfortabler Konkurrenzvorteil wäre. Doch das setzt voraus, dass simfy seiner Linie treu bleibt und von Gratis-Usern keine Opfer einfordert.

Spotify war – kurioserweise trotz seiner Abwesenheit in vielen Ländern – stets die Benchmark für andere legale On-Demand-Dienste. Genau deshalb ist der Schritt so bedeutsam.

Als bisheriger und zufriedener Nutzer von Spotify Free werde ich zukünftig wohl meine zehn Euro monatlich an Spotify zahlen und mich über die Leistungen freuen, die ich dafür erhalte. Enttäuscht bin ich trotzdem. Nicht unbedingt über Spotify, sondern über die Erkenntnis, dass das kostenfreie All-You-Can-Eat-Modell, welches mit Werbung refinanziert wird, im Musikbereich gescheitert ist. Und dass wieder einmal die künstliche Verknappung gesiegt hat – während an vielen anderen Ecken des Internets Millionen von Titel illegal heruntergeladen werden können, ohne dass Interpreten (oder Labels) dafür auch nur einen Cent erhalten.

(Illustration: stock.xchng)

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21 Kommentare

  1. Christoph
    schrieb am 15. April 2011 um 09:03 Uhr (#)

    Also ich persönliche sehe bei Simfy derzeit nicht diese Entwicklung – eher das Gegenteil. Ich mein das Startup hat den Desktopclient für die Free User freigegeben. Außerdem sind sie ständig dabei das Modell weiterzuentwickeln, aber auch über externe Seiten Premiumnutzer zu generieren. Als Roccatune aktuell war, was ja leider dann insolvenz angemeldet hat, hab ich so nach einem halben Jahr mal dort nachgefragt und die haben mir gesagt, dass man damit durchaus gut verdienen konnte. Sie haben bloß viele Fehler gemacht, was dann das Start Up gekillt hat.

  2. SM
    schrieb am 15. April 2011 um 09:14 Uhr (#)

    http://listen.grooveshark.com, mehr braucht man nicht

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 15. April 2011 um 09:16 Uhr (#)

      Anders als bei Spotify oder simfy ist bei Grooveshark der legale Status eher unklar, siehe auch
      http://readwriteweb.com/a…rket_over_riaa_l.php

      Mal davon abgesehen finde ich, dass Grooveshark in puncto Usability Spotify nicht annähernd das Wasser reichen kann.

    2. Max
      schrieb am 15. April 2011 um 09:29 Uhr (#)

      Du musst zugeben, dass auch Spotify selbst im Bereich Usability noch ein Stück zulegen kann. Mir würde da als erstes mal eine ordentliche Playlist-Verwaltung einfallen. :)

    3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 15. April 2011 um 09:30 Uhr (#)

      Das gebe ich gern zu :)

  3. mike
    schrieb am 15. April 2011 um 10:12 Uhr (#)

    Also ich muss hier jetzt auch mal ein paar positive Erfahrungen über Simfy los werden.
    Ich war selber Spotifynutzer und war von der Anwendung begeistert, bloß die 20 Std-Begrenzung hatte ich immer schnell erreicht.
    Zudem fehlte mir bei Spotify ein Radio / eine Discoverfunktion. Die ich einfach mal laufen lassen kann, jedoch Musik mit nach meinem Geschmack spielt so wie Last.fm.

    Unbegrenzt Musik hören konnte ich nur bei simfy, leider nur im Browser. Was meinem Browser, das ein oder andere Mal, ein paar Probleme bereitet hat, da ich ein sogenannter Tabber bin ;) – also alles erstmal in einem neuen Tab öffne.

    Seit der Simfy Desktop Applikation benutze ich nur noch Simfy!
    Jetzt hat Simfy folgende Vorteile gegenüber Spotify, aus meiner Sicht:
    - viel mehr deutsche Interpreten (was natürlich klar ist, jedoch für mich ein schlagendes Argument)
    - Radiofunktion -> Interpreten sowie Genre
    - mehr als 20 Std gratis Musik (okay, mag nur für mich gelten)

    Spotify habe ich bestimmt schon 2 Monate nicht mehr benutzt.

    Aus meiner Anwendersicht ist Simfy, Spotify momentan sogar Überlegen und der herausragende legale Musikstreaminganbieter im Internet!

    Jetzt bräuchte Simfy nur noch eine Importfunktion für Playlists und Favoriten aus Spotify, dann wäre ich überglücklich ;) !

    1. Christoph
      schrieb am 15. April 2011 um 22:06 Uhr (#)

      Auch wenn der Text werbliche Formulierungen zum Teil benutzt aber ich kann dem im Großen und Ganzen zustimmen. Ich habe mir mittlerweile sogar Simfy Premium geholt, weil ichs super finde.

  4. Ruben
    schrieb am 15. April 2011 um 10:51 Uhr (#)

    Als ich gestern über die Pressemitteilung gestolpert bin, musste ich ein wenig schlucken.

    - Ich denke, dass die Kastration von Spotify Free dem Druck der US Musikindustrie geschuldet ist. Jetzt die Anpassung des europäischen Angebotes auf das was in Amerika ausgehandelt wurde.

    - 5 Plays pro Monat macht quasi die Funktion der Playlisten total unbenutzbar

    - auch die 10 Stunden Begrenzung macht den Dienst sehr unattraktiv

    Nach 6 Monaten bleibt damit nur eine Möglichkeit: Auf eines der Premium Pakete updaten oder einen nicht wirklich benutzbaren Dienst nutzen. Bisher war ich davon ausgegangen, mit der Werbung den Dienst zu Bezahlen (auch wenn es weniger als bei den Premium Diensten ist). Allerdings scheint das nicht der Fall.

    Es ist abzusehen, dass Spotify damit einen großen Teil sein nicht Premium-Nutzer verlieren wird. Nicht wirklich ein Problem, wenn die 6 Monate zum anteasern reichen. Und 5 oder 10 EUR sind für den Service ein guter Preis (wenn man Spotify regelmäßig nutzt und nicht in Deutschland wohnt).

    Ach ja: Simfy ist für mich keine Alternative

    1. Max
      schrieb am 15. April 2011 um 10:59 Uhr (#)

      Mich würde interessieren, warum Simfy für dich keine Alternative ist? Was macht Spotify in deinen Augen so gut?

    2. Ruben
      schrieb am 15. April 2011 um 14:20 Uhr (#)

      Ehm, ich habe was gegen nachgebaute Software, als vom Design her. Zudem läuft die Desktop App nur unter Adobe Air. Irgendwie keine echten Ideen.

      Allerdings muss man Simfy zugestehen, kluge strategische Entscheidungen getroffen haben (eg. Kabel Deutschland).

      Aber am meisten würden mir die Sharing Funktionen von Tracks und Playlisten fehlen.

  5. Alfred
    schrieb am 15. April 2011 um 11:25 Uhr (#)

    Wo liegen denn die wesentlichen Unterschiede zwischen spotify, simfy und last-fm? Ich bin zahlender Abonnent bei
    last.fm und höchst zufrieden, frage mich daher, warum ich den Dienst wechseln sollte, wenn auch allmählich alle anderen Dienste ohne Bezahlung nicht mehr überleben können.
    Wahrscheinlich ginge das nur kostenlos, wenn Google sich dieses Gebietes annehmen würde …

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 15. April 2011 um 11:43 Uhr (#)

      Der Unterschied liegt darin, dass Last.fm personalisiertes Radio anbietet, aber nicht (mehr) das direkte Streamen eines einzelnen, explizit ausgewählten Songs erlaubt (“on Demand”).

  6. Alfred
    schrieb am 15. April 2011 um 13:01 Uhr (#)

    Explizit ausgewählte Songs zur hören ist zum Glück für mich kein Kriterium. Ich arbeite mich mit Last.fm durch das zielgenaue Streaming über tags, Künstlerradio oder Radiokombinationen in das Feld elektronischer Musik und ein wenig Neuer Musik ein und wüsste keine bessere Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen und sowohl anerkannte, als auch unbekannte Musiker und Newcomer kennenzulernen …

  7. lemongras
    schrieb am 15. April 2011 um 13:46 Uhr (#)

    Wie kann man das “All-You-Can-Eat-Modell” als gescheitert bezeichnen, wenn es durch Simfy noch in eben diesem Umfang verfügbar ist und scheinbar gut funktioniert?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 15. April 2011 um 14:57 Uhr (#)

      Das steht im Text.

  8. Seb
    schrieb am 15. April 2011 um 15:43 Uhr (#)

    Wie hört Ihr überhaupt Spotify in Deutschland? Ich habe Sonos und würde das gerne nutzen. Allerdings sehe ich auf der deutschen Seite von spotifiy, dass der Dienst hier nicht verfügbar ist…

    BG

  9. thomas
    schrieb am 16. April 2011 um 08:15 Uhr (#)

    Spotify höre ich als Premium Kunde in Deutschland über das 3rd party Plugin auf meiner Squeezebox.
    Da hätten wir auch schon den 1. Nachteil von Simfy: nur auf dem Rechner oder Telefon nutzbar.
    2. Punkt der Simfy für mich zum ewigen Zweiten macht: die Android App ist grottrig. Hängt, frisst Strom, Bedienkonzept nicht durchgehalten…
    3. Punkt: zumindest mobil fehlen Jahreszahlen in den Suchergebnissen.
    4. Punkt: es gibt viele Alben die irgendwie mehrfach geklont im Katalog des Künstlers auftauchen. Ohne irgendwelche Unterschiede in der Tracklist. Schadet sehr der Übersicht.
    5. Punkt: die Desktop App kann nicht wie Spotify mit den Mediatasten der Tastatur gesteuert werden.

    Das einzige was Simfy besser macht: ich kann Artists und Alben sowie Songs favorisieren, ohne eine Playlist erstellen zu müssen.

  10. mark
    schrieb am 17. April 2011 um 16:51 Uhr (#)

    Als Spotify Nutzer,habe ich mal gerade simfy und Grooveshark ausprobiert und irgendwie klingt beides nach sehr niedriger Bitrate im Gegensatz zu dem glasklaren Spotify Sound auch für Freeuser. Oder hab ich da einfach die Falsche Musik erwischt.

  11. Fredrik
    schrieb am 1. Mai 2011 um 02:34 Uhr (#)

    Als Schwede kann ich nur mitteilen, dass Spotify hier keine wirklichen Konkurenten kennt. Die Verbreitung und kulturelle Bedeutung gleicht dem Ipod, der das Wort Mp3-player aus dem internationalen Wortschatz getilgt hat. Ich bin ebenso beeindruckt, wieviele der hiesigen ‘Piraten’ mit dem billigen Spotify aus dem illegalen Sumpf entwichen sind.
    Ich halte die aktuelle Entwicklung eher für eine Ruhepause, weil meine Phantasie für eine kostenpflichtige Musikzukunft nicht wirklich ausreicht!

  12. Lukas
    schrieb am 29. August 2011 um 23:28 Uhr (#)

    Ich höre seit fast 5 Jahren meine Musik über Napster, seit kurzem auch mit der Android-App. Was haben simfy/spotify etc. denn für Vorteile gegenüber Napster?

  13. thomas
    schrieb am 30. August 2011 um 06:59 Uhr (#)

    Lukas, das hängt natürlich von der napster app ab. Napster war in der Vergangenheit zum Beispiel nicht in der Lage, Alben mit mehreren Künstlern unter “diverse artists” zusammen zu fassen. Das müllte die Library sehr zu. Überhaupt bietet diese keinen großen Komfort bei der Suche nach Musik. Ich bin Anfang 2009 von Napster zu Spotify gewechselt, kenne also die Unterschiede gut. Spotify ist schnell, schick und günstiger. Zumindest damals war Napster das nicht. Außerdem hat Napster länger für seine mobile Apps gebraucht. Sonst hätte ich vielleicht nicht wechseln müssen.

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