Verwechslungsgefahr nur beim Namen:
SoundTracking und Soundtrckr

Mit SoundTracking und Soundtrckr widmen sich zwei interessante neue US-Dienste dem Thema Musik. Abgesehen vom Namen hält sich die Verwechslungsgefahr in Grenzen.

Gründer eines neuen Webangebots sollten bei der Namensfindung versuchen, eine kurzen, einprägsame, eventuell sogar deskriptive Bezeichnung für ihr Baby zu finden, bei der außerdem eine möglichst geringe Verwechslungsgefahr besteht. Das zuletzt genannte Kriterium schienen die Macher von SoundTracking und Soundtrckr für nicht sonderlich wichtig zu halten – zwei nette, kürzlich gestartete Dienste für Musikfreunde, deren Funktionalität sich stärker voneinander unterscheidet, als es ihre Namenswahl erahnen lässt.

Auf SoundTracking wurde ich erstmalig nach dem Lesen dieses Artikels aufmerksam, der vermeldete, dass die vom in San Francisco ansässigen Entwickler Steve Jang geschaffene Applikation innerhalb von zwei Wochen 100.000 Mal aus Apples App Store heruntergeladen wurde - SoundTracking steht vorerst nur für iPhone und iPod touch zur Verfügung.

SoundTracking erinnert vom Grundkonzept her an die Scrobble-Funktion von Last.fm oder das kürzlich bei uns vorgestellte Like.fm und bietet Usern die Möglichkeit, ihren Freunden mitzuteilen, welchen Song sie gerade hören. Der Unterschied: Während dies bei den zwei genannten Angeboten am Rechner und vollautomatisiert durch einen Client geschieht, der im Hintergrund überwacht, welcher Titel gerade lokal abgespielt wird, fokussiert sich SoundTracking auf ausgewählte Stücke, die aktiv von Nutzern in ihrem Stream publiziert werden (hier ist meiner).

SoundTracking ermuntert Anwender, ihren “Musik-Moment” zu teilen. Dieser kann aus einem Track bestehen, einem Foto (z.B. der Aussicht, die man während des Hörens genießt), einer Ortsangabe sowie einem individuellen Kommentar (z.B. mit einer Erinnerung, die man mit dem Stück verbindet). Das Resultat dessen ist ein kontinuierlicher Stream aus mit Musik verknüpften Lobpreisungen, Annekdoten und Erinnerungen (wobei Songs natürlich auch kommentarlos veröffentlicht werden können). Durch einen Klick auf einen publizierten Titel kann eine 30-sekündige Songvorschau gestartet werden.

Um einen Track bei SoundTrack zu veröffentlichen, kann entweder direkt dessen Interpret und Name eingegeben, der gerade über die iPod-Funktion des iPhones gespielte Titel ausgewählt oder das eingebaute Musikerkennungsfeature genutzt werden. Im Stile von Shazam oder SoundHoud nimmt SoundTracking dabei über das iPhone-Mikrofon einige Sekunden eines im Hintergrund gespielten Songs auf und versucht sich an seiner Identifizierung. Dies funktioniert mit der App jedoch nach meinen Erfahrungen deutlich schlechter als mit den zuvor erwähnten Services, weshalb – gerade bei obskurer Musik – häufig eine manuelle Eingabe erforderlich ist (manchmal fehlt ein Stück auch ganz in der vom Musikdienstleister Gracenote bereitgestellten Datenbank).

Nachdem ich SoundTracking nun seit ungefähr einer Woche im recht regelmäßigen Einsatz hatte, würde ich starke Parallelen zu Instagram ziehen. Was Instagram für Fotos ist, stellt SoundTracking für Musik dar. Wer Gefallen an Instagram findet und gerne und bewusst Musik hört, dem dürfte auch SoundTracking zusagen.

Während bei SoundTracking die Sharing-Komponente im Vordergrund steht, handelt es sich bei Soundtrckr primär um einen kompakten Musik-Streaming-Dienst. Mehr als zehn Millionen Titel können bei dem kostenfreien Dienst angehört werden. Die einzige Einschränkung: Der On-Demand-Zugriff auf einzelne Songs ist nicht möglich, stattdessen serviert Soundtrckr zum gesuchten Interpreten passende  Radiostationen.

Eine gewisse Verwandtschaft zu Last.fm oder AUPEO! ist offensichtlich. Wo sich Soundtrckr positiv von der Konkurrenz abhebt, ist in der Tatsache, dass der Dienst weltweit verfügbar ist (im Gegensatz zu Last.fm-Radiostationen) und mobile Applikationen für iOS, Windows Phone 7 und Symbian anbietet. Für meinen Geschmack ist die iPhone-App deutlich ansprechender als das etwas lieblos wirkende Webinterface.

Der in Washington D.C. ansässige Soundtrckr-Gründer Daniele Calabrese bezieht seinen Musikkatalog von MediaNet, muss sich also selbst nicht um die Rechteverhandlungen kümmern. Die Refinanzierung der Streaminggebühren soll durch den Verkauf von digitalen Songs und Konzerttickets erfolgen.

Ob diese doch sehr optimistische Rechnung aufgeht, muss sich noch zeigen. Solange sich der Service im Netz halten kann, wird er mit Sicherheit die Herzen so mancher Musikliebhaber erfreuen.

Links: SoundTracking, Soundtrckr

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1 Kommentar

  1. habu
    schrieb am 8. April 2011 um 11:35 Uhr (#)

    In dieser Sparte ist sicher das bald erscheinende http://wahwah.fm für’s iPhone nennenswert, das zudem einen Bezug zum Raum herstellt und so ein rundes Konzept darstellt. Als beta-Tester kann ich nur sagen: Deutsches Startup, mit enormen Potiential!

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