Amazon Cloud Drive:
Onlinespeicher nicht nur für Musik

Amazon bietet registrierten Anwendern mit seinem neuen Dienst Cloud Drive ab sofort fünf Gigabyte kostenlosen Onlinespeicherplatz. Dieser kann für Musik genutzt werden, aber auch für alle anderen Dateiarten.

Amazon hat Branchenbeobachter am Morgen (bzw. in den USA am Abend) mit dem Launch eines an Endnutzer gerichteten Onlinespeichers für Musikdateien und anderen Medieninhalte überrascht.

Amazon Cloud Drive bietet Nutzern mit einem Amazon-Konto fünf Gigabyte kostenlosen Webspeicherplatz und stellt mit dem Cloud Player eine browserbasierte sowie als Android-App (als Teil der Amazon MP3 App) angebotene Lösung zum Streamen der online abgelegten Songs bereit. iOS-Usern bleibt das Angebot vorerst vorenthalten – Amazon Cloud Drive ließ sich zwar im Safari Browser öffnen, aber spielte bei mir keine Musik ab (andere gelangten nicht einmal so weit).

Das Cloud-Drive-Speichervolumen kann sowohl zum Upload lokal gespeicherter Musik (ohne DRM) als auch für die Ablage von bei Amazons Online-Downloadshop Amazon MP3 erworbenen Songs und Alben genutzt werden. Wer dort einen Longplayer kauft, dem spendiert Amazon automatisch weitere 15 Gigabyte Platz im Cloud Drive. Wer sich mit fünf bzw. 20 Gigabyte Cloudspeicher nicht zufrieden gibt, kann weiteren Platz in Amazons umfassenden Serverfarmen erwerben.

Laut einiger Presseberichte soll der neue Service vorerst nur US-Nutzern zur Verfügung stehen – bei mir funktioniert der Zugriff auf Cloud Drive sowie das Hochladen und Streamen von Musik jedoch problemlos.

In seiner eigenen Pressemitteilung fokussiert sich Amazon ganz auf die Charakterisierung des Cloud Drive als Speicherlösung für Musik. Das ist einerseits nachvollziehbar, immerhin existiert eine enge Verknüpfung mit Amazons MP3-Shop. Andererseits könnte dahinter auch einfach das Kalkül stecken, den neuen Service medienwirksam als Konkurrenten zu vergleichbaren Diensten zu positionieren, die von Apple und Google erwartet, aber bisher nicht angeboten werden. Diese Rechnung ist definitiv aufgegangen.

Dass Amazon Cloud Drive keineswegs ausschließlich als Cloud-Alternative zu iTunes oder Googles geplantem Musik-Streaming-Dienst gedacht ist, wird spätestens dann deutlich, wenn man die vier von Amazon automatisch angelegten Dateiordner betrachtet: “Documents”, “Music”, “Pictures” und “Videos”.

Mit Amazon Cloud Drive lanciert der Internetriese mit der beeindruckenden und kraftvollen Cloud-Infrastruktur im Rücken ganz einfach einen Cloud-Dienst für sämtliche Arten von Medieninhalten und Dateien – genau wie Google es mit Docs tut, Microsoft mit SkyDrive oder T-Online mit seinem durchaus überzeugenden Mediencenter.

Vom Funktionsumfang her gibt sich Cloud Drive momentan noch spartanisch. Jede dort abgelegte Datei erhält einen kryptischen Link, der sich zwar nicht erraten lässt, aber auch dann abrufbar ist, wenn User nicht bei Amazon eingeloggt sind. Hier ist z.B. ein Foto, das ich in meinen Cloud Drive geladen habe.

Auch angesichts der Tatsache, dass Amazon den browserbasierten Upload von Dateien mit bis zu zwei Gigabyte Dateigröße erlaubt, wäre es nicht verwunderlich, wenn sich der Service schnell viele Freunde in der Filesharing-Community machen würde.

Update: Wie sich gezeigt hat, ist jeder Dateilink nach dem Logout nur einige Minuten lang verfügbar.

Dienste, die Anwendern erlauben, ihre lokale Musiksammlung ins Netz zu stellen und von dort zu streamen, gibt es schon seit vielen Jahren. MP3tunes ermöglicht dies genau wie tunesBag oder Ciiju. Auch das deutsche Startup simfy begann so, verlagerte seinen Schwerpunkt dann jedoch auf cloudbasiertes On-Demand-Streaming, wie es z.B. auch Spotify mit zunehmender Popularität anbietet.

Als langjähriger und begeisterter Spotify-Nutzer halte ich persönlich einen Onlinedienst zum Speicher von einzelnen MP3-Dateien keineswegs für eine solche Revolution, als die es dieser Tage im Kontext der Vorstöße von Webgiganten verkauft wird. Sicherlich können Amazon, Google und Apple dafür sorgen, dass mehr User ihre erworbenen (oder anderweitig bezogenen) MP3-Dateien (auch) im Netz ablegen, und sicherlich wird es immer ein Bedürfnis geben, einzelne Songs in Dateiform zu “besitzen”.

Mittelfristig halte ich jedoch reine On-Demand-Dienste im Flatrate-Prinzip, bei denen nicht erst einzelne Songs gekauft, herunter- oder hochgeladen werden müssen, aufgrund ihres hohen Bedienkomforts und der enormen Vielfalt an direkt mit einem Klick verfügbaren Titeln für deutlich überlegen.

Bei Amazons Cloud Drive bekomme ich den Eindruck, dass Amazon selbst noch nicht richtig weiß, wo letztlich der Schwerpunkt liegen wird. Insofern schien es dem Unternehmen vor allem darum gegangen zu sein, mit einem kostenfreien Cloud-Angebot präsent zu sein, Mehrwert für Käufer von Amazon MP3 zu liefern und nebenbei von der allgemeinen Aufmerksamkeit für die Thematik von online verfügbarer Musik zu profitieren.

Dass die nächsten Monate in diesem Sektor sehr spannend werden, steht außer Frage. Amazon Cloud Drive und Coud Player in seinem Potenzial aber einzig auf Musik zu reduzieren, ist zu kurz gedacht.

Link: Amazon Cloud Drive

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2 Kommentare

  1. Lukas
    schrieb am 29. März 2011 um 17:50 Uhr (#)

    Dieses Angebot könnte Dropbox und Konsorten zu schaffen machen. Zum Streamen eigener Musik steht übrigens auch seit Jahren unter http://www.audiogalaxy.com/ . Dort wird meines Wissens nach nichts in die Cloud geladen sondern direkt vom eigenem (daheim eingeschaltetem Rechner) gestreamt.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 29. März 2011 um 19:15 Uhr (#)

    Ah Audiogalaxy… das ist mir noch gut aus den Jahren um die Jahrtausendwende bekannt, damals als P2P-Dienst.

    Das Ding, stets seinen Rechner eingeschaltet haben zu müssen, macht so einen Service aber imo nur bedingt einsetzbar (primär für Dauernutzer, deren Recher rund um die Uhr an ist).

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