Bewertungsportal für Praktikumsplätze:
Traumstart für meinpraktikum.de

Seit Mitte Januar befindet sich die Bewertungsplattform für Praktikumsplätze meinpraktikum.de online. Medien und Öffentlichkeit scheinen auf einen derartigen Onlinedienst geradezu gewartet zu haben.

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Wer ein Webstartup gründen will, braucht zu Beginn erst einmal eine gute Idee. Diese liegen nicht gerade auf der Straße, und grundsätzlich gilt im Jahr 2011, dass es im Netz fast nichts mehr gibt, das es nicht gibt. Umso glücklicher können sich die schätzen, die trotzdem eine geräumige Marktlücke finden, ohne in deren Schaffung erst Millionenbeträge investieren oder sich stattdessen gegen zahlreiche bereits etablierte Konkurrenten bewähren zu müssen.

Dieses Glück hatten die Gründer von meinpraktikum.de. Mitte Januar schickten die zwei Studenten Stefan Peukert und Daniel Pütz ihre Bewertungsplattform für Praktikumsplätze ins Netz, nachdem sie erkannt hatten, dass es Praktikumswilligen an einer zentralen Anlaufstelle mangelte, um ungeschönte und ehrliche Berichte über die Qualität der von Unternehmen in Deutschland angebotenen Praktika zu beziehen.

Zwar existierten bereits generelle Arbeitnehmerbewertungsportale wie kununu oder Evaluba, aber nicht jedes Unternehmen, das als angesehener Arbeitgeber gilt, ist automatisch auch eine empfehlenswerte Station für Schüler und Studenten auf der Suche nach erster Praxiserfahrung.

Und obwohl es diverse Websites für die scheinbar zeitlose Generation Praktikum sowie auch zaghafte Versuche in Richtung Bewertungen gibt, fehlte bisher eine bedeutende und frequentierte Plattform, auf der die jährlich 600.000 Praktikanten in Deutschland ihre Erfahrungen anonym (im Sinne von “ohne öffentliche Angabe ihrer Identität”) publizieren und gleichzeitig nachschauen können, bei welchen Firmen ein Praktikum mehr beinhaltet als die klischeehaften Kopier- und Kaffeekoch-Tätigkeiten.

Stefan Peukert und Daniel Pütz, die Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke studieren, entschlossen sich, diesen Misstand zu beheben: Dazu nahmen sie einen Bankkredit im hohen fünfstelligen Bereich auf, holten mit ihrem Studienkollegen Joschka Felten einen weiteren Mitstreiter an Bord und beauftragten eine befreundete (und im Gegenzug an dem Startup beteiligte) Agentur mit der technischen Entwicklung von meinpraktikum.de.

Gut zwei Monate ist die Site mittlerweile online und bescherte den frischgebackenen Webunternehmern etwas, das man kaum anders als einen Traumstart bezeichnen kann: Unzählige Zeitungen berichteten teils in ihren Print-Titeln über das neue Portal – von der BILD-Zeitung über die WAZ bis hin zur Süddeutschen Zeitung. Bei der CEBIT räumten die Wittener den IT-Innovationspreis ab und konnten in Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zudem eine prominente Unterstützerin finden.

Die große Resonanz in der traditionellen Presse signalisiert den meinpraktikum.de-Gründern nicht nur, dass sie mit ihrer Idee offenbar voll ins Schwarze getroffen haben, sondern sorgte auf der Website auch aus dem Stand für ansehnliche Besucherzahlen – 25.000 Unique Visitors steuerten meinpraktikum.de in den ersten vier Wochen an und hielten sich im Durchschnitt jeweils länger als vier Minuten auf der Site auf.

Knapp 2.000 Bewertungen zu 1.362 Unternehmen werden bisher gelistet. Jeder kann eigene Bewertungen abgeben, sowohl zu Firmen, die bereits vertreten sind, also auch zu bisher nicht bei meinpraktikum.de aufgeführten Unternehmen. Jeder Erfahrungsbericht wird nach einer Validierung der E-Mail-Adresse sofort veröffentlicht, allerdings von dem Startup innerhalb von zwei Tagen händisch überprüft.

Auch das Geschäftsmodell steht bereits und spült Geld in die Kassen: Unternehmen können gegen Bezahlung ihre Arbeitgeberprofile mit allerlei Zusatzinformationen anreichern. Rund 15 zahlende Partner konnte das Startup bisher von sich überzeugen (z.B. Otto) und soll noch Mitte 2011 operativen Gewinn erwirtschaften. Die Betriebskosten sind bereits jetzt gedeckt, allerdings zahlen sich die Gründer derzeit noch kein Gehalt aus.

Für dieses Jahr haben sich Stefan Peukert und Daniel Pütz vorgenommen, 3.000 bis 4.000 Bewertungen zu sammeln. Hinsichtlich der Gefahr, dass sich angesichts des schnellen Erfolgs Nachahmer finden oder etablierte Arbeitgeberbewertungsportale das Thema Praktika expliziter angehen werden, hat Mitgründer Peukert eine klare Antwort: “Die guten Sachen werden kopiert. Sollte dies geschehen, wären wir stolz drauf.”

Link: meinpraktikum.de

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3 Kommentare

  1. Thomas
    schrieb am 25. März 2011 um 20:10 Uhr (#)

    Peukert bringt es auf den Punkt: “Die guten Sachen werden kopiert. Sollte dies geschehen …”.
    Also Herr Peukert, dann stehen Sie doch einfach dazu und sagen Sie bitte, dass Sie auch nur kopiert haben. Denn ich kenne auf die Schnelle mind. 3 andere Webseite, die sich schon seit Jahren mit diesem Thema beschäftigen. Und da ich Ihnen mal eine Marktanalyse unterstelle, werden diese Ihnen auch nicht entgangen sein.

    Dieses Bsp. zeigt auch wieder einmal, wie verkümmert die Medienlandschaft in Deutschland ist. Wer am lautesten schreit bekommt Aufmerksamkeit. Guter investigativer Journalismus, den gibt es leider nur noch allzu selten. Das war damals, als man noch über Qualität und Innovation berichtete.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 25. März 2011 um 20:46 Uhr (#)

      Zu einer Idee gehört am Ende eben auch eine gute Umsetzung. Und da ist meinpraktikum.de etwas gelungen, was andere Akteure zuvor nicht geschafft haben.

      Die Schuld dafür liegt einzig und allein bei den Anbietern, die es nicht geschafft haben, auf sich aufmerksam zu machen und zu überzeugen.

  2. Peukert
    schrieb am 26. März 2011 um 01:59 Uhr (#)

    Hallo Thomas,

    die Idee einer Bewertungsseite ist in der Tat nicht komplett neu, da haben Sie vollkommen Recht, das hat aber auch niemand behauptet. Wir haben nur versucht dieses Thema völlig neu umzusetzen nach Kriterien, die Praktikanten wirklich interessieren wie z.B. “Mit meinen Verbesserungsvorschlägen wurde sich ernsthaft auseinander gesetzt, oder ich habe mich als vollwertiges Teammitglied gefühlt.”
    Auch in Sachen Nutzeroberfläche haben wir einen anderen Weg ausprobiert.

    Da so eine Plattform ja von der Meinungsvielfalt der abgegeben Bewertungen lebt, versuchen wir diese natürlich möglichst bekannt zu machen, damit der User größtmöglichen Nutzen von unserer Seite hat.

    Wir freuen uns, wenn sich auch andere Seiten mit dem Thema beschäftigen, denn am Ende haben die Praktikanten so die größtmögliche Informationsvielfalt.

    Viele Grüße und ein angenehmes Wochenende !

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