Facebook vs Groupon:
Buhlen um die Schnäppchenjäger

Facebook will in dem vom US-Unternehmen Groupon dominierten Markt der zeitlich und örtlich begrenzten Rabatte wildern. Damit werden die zwei zur Zeit am schnellsten wachsenden Webfirmen zu direkten Wettbewerbern.

In der Netzwirtschaft scheint sich gerade eine neue Frontlinie zwischen zwei der global momentan angesagtesten Internetfirmen anzudeuten: Groupon, der eindeutige Marktführer unter den Anbietern für zeitlich und lokal begrenzte (Gruppen-) Rabatte, und Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt (außerhalb Chinas, sollte man vorsichtshalber hinzufügen).

Bisher kamen sich die zwei Wachstumsunternehmen kaum in die Quere. Doch im November vergangenen Jahres lancierte Facebook für US-amerikanische Nutzer ein so genanntes Deals-Feature, das es Händlern und Gastronomen erlaubt, Personen für ihre Check-Ins über Facebooks Location-Dienst Places (“Orte”) mit Sonderangeboten und Rabatten zu belohnen. Seit Ende Januar gibt es Facebook Deals auch in Deutschland und einigen anderen Ländern – allerdings derzeit nur für eine begrenzte Zahl von Partnerunternehmen.

Mit diesem Schritt begann das soziale Netzwerk aus dem kalifornischen Palo Alto (das demnächst ins benachbarte Menlo Park umzieht), erstmalig im Terrain von Groupon zu wildern – wenn auch gebundenen an Check-Ins und somit unter anderen Voraussetzungen.

In dieser Woche nun enthüllte Facebook ein zweites Produkt mit dem Namen “Deals” und sorgte damit für eine gewisse Verwirrung. Denn der neue Dienst, an dem man auf dieser Seite sein Interesse bekunden kann, hat (vorerst) nichts mit der an Facebook Places gebundenen Deals-Funktion zu tun. Stattdessen plant das über 600 Millionen aktive Nutzer zählende Social Network nun tatsächlich ein waschechtes Groupon-Pendant:

User können das demnächst in ausgewählten US-Städten startende Feature für ihren jeweiligen Wohnort abonnieren und sich per Newsfeed über spezifische Rabattaktionen und Sonderangebote informieren lassen. Dies geschieht losgelöst von einem Check-In und damit unabhängig davon, ob man sich in der Nähe des jeweiligen Händlers befindet oder gerade den Mount Everest besteigt – solange man sich für den Erhalt von Deals aus der gewählten Metropole entschieden hat, erscheinen diese im persönlichen Facebook-Stream.

Anfänglich will Facebook von lokalen Einzelhändlern und Gastronomen für die Teilnahme am neuen Deals-Programm kein Geld verlangen – Groupon erhält von über die Plattform um Schnäppchenjäger buhlenden Unternehmen in der Regel 25 bis 50 Prozent des generierten Umsatzes. Auf welchem Niveau sich die von Facebook nach der Einführungsphase verlangte Umsatzprovision einpegeln wird, ist noch unklar.

Abgesehen von Facebooks enormer Nutzerbasis besitzt das kalifornische Unternehmen zwei entscheidende Vorzüge, die Groupon verwehrt bleiben: Es kann die Sichtbarkeit von Deals im Newsfeed der Nutzer durch Justierungen des Algorithmus selbst bestimmen und so die Konversionsrate stetig optimieren. Außerdem besitzt es die Option, Nutzer über die hauseigene Währung Facebook Credits für Deals bezahlen zu lassen. Credits werden im Prepaid-Verfahren aufgeladen und können unter anderem zum Erwerb von virtuellen Gütern in Social Games wie FarmVille oder CityVille verwendet werden. Weitere Einsatzgebiete (wie z.B. das Bezahlen für Medieninhalte) sind zu erwarten.

Groupon erreicht seine etwa 70 Millionen Nutzer vorrangig über E-Mail-Newsletter. Zumindest auf dem Papier klingt die Bekanntmachung von Deals per Facebook-Newsfeed nach einer zeitgemäßeren und effektiveren Methode.

Unbeantwortet bleibt vorerst die Frage, wieso die neue Funktion den selben Namen trägt wie das vor einigen Monaten vorgestellte Verfahren von Belohnungen und Sonderangeboten für Check-Ins.

Die Auswirkungen eines Vorstoßes von Facebook in den Groupon-Markt (in dem es mit LivingSocial und diversen nationalen/lokalen Nachahmern von kleineren Konkurrenten nur so wimmelt) lassen sich heute nur schwer beurteilen und hängen maßgeblich davon ab, wie ernst es Mark Zuckerberg mit dem Vorhaben ist.

Groupon selbst wächst unterdessen unaufhaltsam weiter. Investor Ben Horowitz rechnet für 2011 mit “mehreren Milliarden Dollar” Umsatz, weshalb das vor gut zwei Jahren in Chicago gegründete Unternehmen für seinen noch für dieses Jahr geplanten Börsengang eine Bewertung von sagenhaften 25 Milliarden Dollar anstrebtschneller als Groupon ist noch kein Internetstartup gewachsen. 5.000 Personen sind mittlerweile für den Coupondienst rund um den Globus tätig.

Facebook und Groupon sind die zwei Firmen aus der Onlinebranche, die mit ihren im Wochentakt steigenden Bewertungen am ehesten die Kriterien für eine sich andeutende Überhitzung des Marktes erfüllen. Ein direkter Wettbewerb der zwei Unternehmen wird daran wenig ändern.

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7 Kommentare

  1. okzielerreicht
    schrieb am 18. März 2011 um 12:36 Uhr (#)

    Hallo zusammen, ein gut geschriebener Artikel. Aber aus meiner Sicht ist das von Facebook ein gut eingeschlagener Weg um Ihre User zu monetarisieren. Aber nicht nur Facebook bastelt an diesem System auch Google ist auf dem Weg. Ich glaube langfristig wird sich der Börsengang von Groupon nur für die Investoren und Gründer Rechnen. Sicherlich haben die noch einen Vorteil das ist das Salesteam und die schon Aquirierten Kunden. Aber hier können die anderen (face/google) einfach eine bessere Quote der Deals an die Unternehmen ausschütten. Wie ja auch berichtet in den ersten Monaten kostenlos :-) Also wir dürfen gespannt sein.

  2. Robert Frunzke
    schrieb am 19. März 2011 um 10:37 Uhr (#)

    Wayne interessierts? Du glaubst daran, aber Facebook funktioniert so nicht, und jeder Versuch die Plattform in eine Werbeschleuder zu verwandeln wird die Plattform ein großes Stück sinken lassen (siehe auch meine anderen Kommentare, … damals, …).

    Meine Prognose: in T+0,5Y ist dieser “Deals” Versuch Geschichte, und allerspätestens in T+5Y interessiert sich auch niemand mehr für Facebook.

    Facebook funktioniert momentan nur weil es nicht nervt. Sobald es “nervt” interessiert sich niemand mehr dafür.

    Und das gesamte Geschäftsmodell von Groupon funktioniert auch nur weil es neu und hipp ist. Aber denk’ mal drüber nach, lass all den Hype mal weg, und frage Dich, was DU als guter Konsument haben möchtest, und versuche mal die Zusammenhänge zusammen zu bringen. So, jetzt Folgendes: es ist Samstag abend, Du und Deine Freunde haben einfach nur (Frei)Zeit, und haben Hunger. Also Idee: was leckeres Essen gehen. OK, auf gehts. Oder erstmal “GROUPON” checken? Weil, das könnte ja günstiger sein. OK, bei Groupon gibt es in der Gegend gerade nur Massagen? Verdammt. Blabla, usw.. mir geht der Text aus – aber hey, mein Gott, um es auf den Punkt zu bringen: das Geschäftsmodell HAT KEINE ZUKUNFT. Der Kern dessen, was Groupon attraktiv macht, DAS was der gesamten Konstruktion überhaupt erst einen Wert gibt ist das NEUE. Nicht mehr! Aber auch nicht Weniger. Aber eben deshalb funktioniert es nur für eine Weile, und hat keine Zukunft. Groupon war schon in dem Moment Tod wo es geboren wurden. Und während es lebt kann man es melken, aber das war es dann auch schon.

    Bei Facebook ist es ähnlich – mit einem Unterschied: die Leistung, die man bei FB bekommt ist monetär für einen Konsument nicht einzuordnen. Sie ist gut, aber der Wert ist völlig unklar.

    So lala, da hat die klassische US-Neo-Web2.0-Startup-Manie zugeschlagen, und anstatt einen Preis zu ermitteln (wie es allerortens bei jedem Startup aus ganz pragmatisch lebensnotwendigen Gründen üblich wäre), also anstatt einen Preis zu ermitteln, haben sie einfach dieses “Detail” ignoriert, erstmal schlicht gesagt “gemacht”, und den ganzen Murks kostenlos angeboten, um Masse zu stampfen.

    So.. als Konsument denkt man eben, naja, kann man ja mal gucken, kostet ja nix, usw. (die Erfahrung kennen wir doch alle). Dann der erste AHA-Moment – sooo viele Bekannte sind auch da! Usw. usf…

    Aber, das war es doch auch schon wieder. Ach, verbrennt Euch doch die Finger, investiert in den Sch***, und werdet glücklich! :D

    Aber, aber, .. aber.. aber… es ist nur Hipp weil es neu ist. Und nochmal meine Prognose: spätestens in T+5Y ist auch FB dahin. Und es wird sehr viel mehr Verluste einfahren, als aktuell noch an Gewinn prognostiziert ist. Aber, Hauptsache ALLE haben GANZ FESTE daran geglaubt (damit ganz feste viel Bargeld in den einen Topf fließt). Aus Sicht der FB-Macher gibts nichts zu bemängeln, sie haben das Prinzip sicher schon vor langer Zeit verstanden, war ja auch ihre Idee.

  3. Robert Frunzke
    schrieb am 19. März 2011 um 10:44 Uhr (#)

    Ui, sorry, dass ich da doch wieder drauf herumhacken muss. Aber ich gucke momentan alle ein bis zwei Wochen mal bei netzwertig.com rein. Und das erste was ich heute lese, ist ein Post, der es wirklich schafft Groupon UND Facebook in einen Zusammenhang zu bringen, bei dem der Zusammenhang nicht der reine “Hype” bzw. die monetäre Bewertung der beiden Firmen ist.

    Da konnte ich einfach nicht anders! ;-)

    Also denn, ich schaue in zwei Wochen wieder rein.

  4. Daniel
    schrieb am 20. März 2011 um 17:25 Uhr (#)

    @Robert: Auch wenn du zum Teil recht haben magst, sympatisch kommst mit deiner schreibweise dabei nicht rum ;)

    Ich glaube nicht das Facebook mit den Deals nerven wird, eher einer deiner Freunde, die zugeschlagen haben. Und von den denen ist man ja die ein oder andere nervige Statusnachricht gewohnt :) Zudem wird man seiner Wunschstadt followen (Gefällt mir) können.

  5. Tom
    schrieb am 2. August 2011 um 11:43 Uhr (#)

    @ Robert

    In Deutschland reagiert heut wie morgen “Geiz ist Geil” demzufolge wird das auch noch ein paar Jahre super laufen… Weil die jenigen die heute schon auf Qualität setzen die Interessiert das nicht die Bohne..

    Facebook uninteressant… warten wir ab in welche Richtung sich das ganze entwickelt … aber so ein Einschnitt wäre sicherlich nicht verkehrt die ganzen Riesen haben ohnehin zuviel Macht…

  6. Alex K.
    schrieb am 16. November 2011 um 00:15 Uhr (#)

    Als kleinen Nachtrag sollte man noch erwähnen, dass sich FB ja inzwischen aus dem Thema Deals verabschiedet hat. Das will schon was heißen. Der Börsengang von groupon und sein Erfolg gibt einem aber schon zu denken. Warten wir mal was die Zukunft noch bringt und wo die Reise hingeht.

  7. Jensen
    schrieb am 7. Februar 2012 um 01:39 Uhr (#)

    Jetzt wird das Thema Facebook Börsengang ja doch noch mal wieder heiß hergehen – ich bin gespannt, was FB nachhaltig an Wert generieren kann. Natürlich bieten Nutzerprofile und -präferenzen eine gute Basis für zielgerichtete Werbung. Die Frage, die ich mir hier stelle, lautet: kann die Industrie die wahnsinnig individuellen Pofile auch mit ebenso individuellen Produkten adressieren? Denn sonst wird die Werbekraft von FB, Gutscheine hin oder her, über kurz oder lang verpuffen..

    VG
    Jensen

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