Frenzy:
Netzwerken über Dropbox

Die derzeit kostenfreie Mac-Software Frenzy nutzt den beliebten Speicher- und Synchronisationsdienst Dropbox, um darauf ein dezentrales Social Network aufzubauen. Eine iPhone-Version ist geplant.

Dass sich mit Dropbox, der in den Augen der netzwertig.com-Leser(innen) Webanwendung des Jahres 2010, spannende Sachen anstellen lassen, hat kürzlich bereits tunesBag gezeigt, das als plattformübergreifender Musikplayer für den Speicher- und Synchronisationsdienst verwendet werden kann.

Der neuseeländische Entwickler John Winter beweist mit seiner neuen Mac-Software Frenzy nun, dass man den populären und in der Gratisversion kostenfreien Storageservice sogar zum Hosten eines Microbloggingdienstes bzw. Social Networkings verwenden kann.

Frenzy erlaubt Nutzern, Kurznachrichten sowie Verweise in einem persönlichen Stream zu publizieren. Elemente können von Freunden kommentiert werden. Auch das Tauschen von Dateien ist möglich. Die App platziert sich in der Menübar von Mac OS X und kann aus zahlreichen Browsern über Plugins und Tastenkombinationen angesprochen werden, um Links weiterzuempfehlen.

Die von Frenzy für den Betrieb benötigten Dateien werden in einem mit anderen Usern geteilten Dropbox-Verzeichnis gelagert. Der persönliche Newsfeed mit den Nachrichten der Kontakte ist auch offline verfügbar und wird aktualisiert, sobald eine Internetverbindung vorhanden ist.

Durch die Begrenzung auf Mac-Rechner bleibt der Service, der sich selbst als “The Dropbox powered social network” bezeichnet, vorerst der Mehrzahl aller Internetnutzer vorenthalten (auch mir).

Ich habe Frenzy-Macher John Winter, der auch hinter dem Mac-Drag-and-Drop-Werkzeug Dropzone steckt, per Mail gefragt, ob er eine Windows-Version plant. Bedenkt man, dass es sich bei Winter um einen eingefleischten Mac-Developer zu handeln scheint, ist dies zumindest kurzfristig nicht sehr wahrscheinlich – auf eine Antwort warte ich noch. Eine iPhone-App dagegen hat er bereits angekündigt.

In Zukunft soll Frenzy kostenpflichtig angeboten werden, in der aktuellen Beta-Phase ist es jedoch gratis.

Persönlicher, mit der lokalen Festplatte synchronisierter Cloud-Speicher als Basis für ein (im Gegensatz zu diaspora) einfach einzurichtendes dezentrales Social Network (dezentrale im Sinne von, dass keine zentrale Organisation über die Daten wacht – selbst wenn Dropbox die Server betreibt) – könnte dieses Konzept größeres Potenzial haben?

Update: Frenzy-Macher John Winter antwortete mir, dass er durchaus die Entwicklung einer Windows-Version anstreben würde, sofern die Mac-Variante ein Erfolg wird.

via @avatter

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7 Kommentare

  1. ben
    schrieb am 15. März 2011 um 15:31 Uhr (#)

    Frenzy ist genau das was ich mir unter Diaspora vorgestellt habe, und zwar ganz genau =)
    Die Begrenzung auf Mac Rechner ist aber natürlich etwas unglücklich, vielleicht ändert sich das ja aber bald.

  2. Stefan Beck
    schrieb am 15. März 2011 um 19:11 Uhr (#)

    Ja, sehr spannende Sache. Soziale Netzwerke auf bestehenden Services aufbauen. Bei Skype ist das ja auch schon im Ansatz vorhanden. Social Networking ist keine Firma, sondern eine Prozedur, die allen gehört.

  3. Yoram Blumenberg
    schrieb am 16. März 2011 um 02:02 Uhr (#)

    Ich kann beim besten Willen nicht erkennen was daran …

    1.) … ein »Soziales Netzwerk« sein soll; es ist nicht mehr als ein Chat via Dropbox, vergleichbar mit Skype, iChat, Jabber, etc.

    2.) … dezentral sein soll — ist der Service Dropbox kaputt, pleite, whatever … funktioniert Frenzy auch nicht mehr.

    3.) … gut sein soll wenn mein Rechner mit Sachen »zugemüllt« wird, die ich nur mit besonderen Mitteln sehen kann wenn Frenzy nicht läuft: »shared« jemand mit mir Dinge (z.B. Photos oder andere Dateien) landen diese in einem Verzeichnis innerhalb des geteilten Frenzy-Ordners, der Unsichtbar und auch nicht klar-lesbar ist. Beispiel einer solchen Datei (yrm.jpg): "/Users/USERNAME/Dropbox/FRENZY-FOLDER/.frenzy/0023dfde2de8/shared/yrm.jpg". Ordner/Dateien die einen “.” vorangestellt bekommen sind grundsätzlich bei UNIX-Systemen unsichtbar; in diesem Fall der Ordner ".frenzy".

    Ich hatte Schwierigkeiten das Programm überhaupt zum laufen zu bekommen: unglücklicherweise kann Frenzy (noch) nicht mit den »Advanced«-Einstellungen von Dropbox umgehen; ich hatte in den Einstellungen bei Dropbox einen anderen Ort für selbige angegeben. Frenzy weigerte sich überhaupt zu funktionieren. Erst nachdem ich die Fehlermeldung in der Konsole las, kam mir der Gedanke … und ich setzte die Dropbox zurück auf den »Standard«-Pfad. Danach funktionierte Frenzy.

  4. Christoph
    schrieb am 16. März 2011 um 08:26 Uhr (#)

    An sich ne schöne Sache, aber die Beschränkung auf Mac macht einer Benutzung für mich einen Strich durch die Rechnung. Zum einen hab ich keinen Mac, zum anderen will ich mir auch keinen kaufen. Ich hoffe, da kommt schnell Windowsnachschub. Ich glaub aber nicht, dass sich das ganze durchsetzen wird, weil es einfach mittlerweile zuviele Social Networks gibt.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 16. März 2011 um 08:40 Uhr (#)

    @ Yoram
    Bzgl “dezentral” – stimmt, wenn Dropbox weg ist, wäre Frenzy auch weg. Theoretisch. Praktisch aber könnte dann aber ein neuer “Host” gefunden werden. Daten befinden sich auf den Festplatten der Nutzer und müssten somit lediglich transferiert werden (nachdem die Software entsprechend angepasst wurde).

    Sicherlich kann man nicht von einer vollständigen dezentralen Struktur sprechen. Aber letztlich existiert auch kein zentraler Gatekeeper, der spezifisch über die Nutzerdaten herrscht, so wie es bei Facebook, Twitter etc. der Fall ist.

    Dropbox war übrigens imo noch nie wirklich down, was darauf zurückzuführen ist, dass es AWS nutzt (wobei, ich erinnere mich, dass es mal eine AWS-Downtime gab… aber oft kommt dies nicht vor)

    @ Christoph
    John Winter meinte per Mail zu mir, er würde eine Windows-Version entwickeln, wenn die Mac-App ein Erfolg wird.

  6. Yoram Blumenberg
    schrieb am 18. März 2011 um 02:55 Uhr (#)

    @ Martin:Nein, ein neuer Host müsste die gleiche Synchronisationstechnik wie Dropbox verwenden um eine Migration zu ermöglichen — oder angepasst werden bzw. neugeschrieben werden.

    Und bei Frenzy gibt es gleich zwei Abhängigkeiten: Dropbox als Synchronisationservice und AWS (Amazon) als Cloudspeicher. Und Amazon als Serviceanbieter _ist_ ein Gatekeeper; siehe WikiLeaks.

    Auch wenn ich mich wiederhole: Frenzy ist _kein_ »Social Network« sondern nur ein aufgebohrtes Chatsystem wie früher Hotline oder KDX — und die waren wenigstens wirklich dezentral.

    Was mich noch interessieren würde: Wie bist Du auf Frenzy aufmerksam geworden?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 18. März 2011 um 06:07 Uhr (#)

      siehe “via” am Artikelende

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