Sprachlerndienste:
Eine Domäne
deutschsprachiger Gründer

Trotz der US-Dominanz in der Internetwirtschaft existieren Nischen, in denen Gründungen aus dem deutschsprachigen Raum internationale Erfolge feiern. Sprachlerndienste gehören dazu.

Sind die DACH-Länder eine Region von Sprachverrückten? Diesen Eindruck könnte man zumindest bekommen, schaut man sich an, wie hier in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Onlinediensten rund um das Lernen von Sprachen gegründet wurden und zum Teil erfolgreiche internationale Expansionen hingelegt haben.

Nach den eindeutig starken Trends der Mass-Customization sowie Browsergames scheinen wir damit einen weiteren Sektor aus der digitalen Welt gefunden zu haben, der von hiesigen Startups mit internationalen Ausrichtung bevölkert sowie dominiert wird und der sich durch Ideenreichtum, Experimente und Tatendrang auszeichnet statt allein durch banales Kopieren.

Babbel heißt eines der deutschen Startups mit dem Fokusthema Sprachen. Die Lesson Nine GmbH, das Unternehmen hinter Babbel, wurde 2007 von Lorenz Heine, Markus Witte, Toine Diepstraten und Thomas Holl in Berlin gegründet.

Die Website ging 2008 online und bietet heute ein multimediales, modulares System für den Browser und iOS-Geräte (zudem wird ein Vokabeltrainer für Mac & Windows angeboten), mit dem Nutzer zur Zeit Deutsch, Englisch, Geschäftsenglisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Schwedisch pauken können. Die Grundfunktionen von Babbel sind kostenfrei. Wer mit dem Service jedoch ernsthaft eine neue Sprache erlernen will, wird um die kostenpflichtige Version nicht herumkommen. 700.000 Nutzer aus 200 Ländern hat die Berliner Firma nach eigenen Angaben, die rund 30 freie und feste Mitarbeiter beschäftigt.

Ebenfalls 2007 gegründet und im gleichen Jahr noch gelauncht wurde bab.la. Die Site hat zum Ziel, Sprachbegeisterte zusammenzubringen und ihnen einen Austausch zu ermöglichen. Der in Hamburg ansässige und von Andreas Schroeter und Patrick Uecker gegründete Dienst vereint dazu diverse Tools wie Wörterbücher, Vokabeltrainer, Tests und Spiele unter einem virtuellen Dach. Einige Komponenten sind auch in Form von Browser-Erweiterungen sowie über mobile Geräte abrufbar. bab.la wird momentan in 17 Sprachen angeboten und erreicht, wie Google Trends für Websites verrät, User rund um den Globus.

Das Verwechslungspotenzial bei den Namen perfekt macht der 2008 gestartete Leipziger Service Babelyou. Gründer Andreas König legt den Fokus des kostenlosen Sprachlernportals auf den Austausch mit anderen Sprachbegeisterten und bietet allerlei Social-Networking- und Lern-Tools sowie Videos, um Usern die Aneignung einer neue Sprache so einfach und unterhaltsam wie möglich zu machen. Babelyou erreicht laut eigener Aussage User in 75 Ländern und wird in beeindruckenden 45 Sprachen angeboten (wobei wir nur schwer überprüfen können, inwieweit es sich um menschliche oder maschinelle Übersetzungen handelt Babelyou-Chef Andreas König weist darauf hin, dass es sich ausschließlich um menschliche Übersetzungen von Muttersprachlern handelt).

palabea ist eine weitere Plattform aus Berlin, die ursprünglich bereits 2007 angeschoben wurde, im Herbst vergangenen Jahres allerdings einen Neustart mit veränderter Mannschaft und einer strategischen Neuausrichtung vollzog. Bei dem in acht Sprachen verfügbaren Angebot stehen weltoffenen Usern ähnlich wie bei den zuvor vorgestellten Diensten allerlei browserbasierte Sprachlernwerkzeuge zur Verfügung, die mit einer zusätzlichen Social-Komponente die Chancen erhöhen sollen, Muttersprachler zu treffen.

Gestern konnte palabea den Abschluss einer signifikanten Finanzierungsrunde verkünden: Die Investitionsbank Berlin stattet den Sprachendienst mit mehr als einer Million Euro aus. Dem im Vergleich zur Konkurrenz weniger bekannten Service dürfte dies die notwendige Energie verleihen, um sich auch international stärker in den Vordergrund zu drängen.

Die Sprachlerncommunity Busuu verfolgt zwar ähnliche Konzepte wie die anderen genannten Anbieter und richtet sich an User mit einem Faible für Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Deutsch, Russisch und Französisch, fällt aber insofern aus dem Rahmen, als dass sie ihren Sitz im sonnigen Madrid hat. Gegründet wurde sie jedoch vom Österreicher Bernhard Niesner und vom Liechtensteiner Adrian Hilti. Die zwei lernten sich während eines MBA-Studiums in Spanien kennen und entwickelten dort gemeinsam die Idee zu Busuu. Google Trends attestiert Busuu nicht nur eine sehr internationale Nutzerschaft sondern auch dramatische Besucherzuwächse in jüngster Zeit.

Für Babelyou und palabea zeigt Google keine Daten

Es ist nicht auszuschließen, dass sich neben diesen fünf Plattformen noch weitere Startups aus dem D-A-CH-Raum das Sprachlernthema auf die Fahne geschrieben haben. Aber allein die genannten Beispiele unterstreichen die Begeisterung hiesiger Gründer für Konzepte rund um Sprachlernangebote. Die teilweise beachtliche Präsenz in ausländischen Märkten verdeutlicht, dass sie damit ein gutes Händchen zu haben scheinen.

Über die Gründe, warum Online-Sprachlernplattformen offenbar bevorzugt ihre Wurzeln im deutschsprachigen Bereich haben, kann man spekulieren. Das fehlende Interesse der in der Webwirtschaft sonst dominierenden US-Amerikaner für Sprachen könnte eine Ursache sein, wodurch sich eine willkommene Nische für hiesige Startups bietet. Oder die übliche Synchronisierung von Filmen, wodurch Personen mit einer Leidenschaft für Sprachen eine Gelegenheit entgeht, diese zu lernen, weshalb eine größere Nachfrage nach professionellen Sprachlerndiensten eine gute Geschäftsgrundlage für entsprechende Angebote bietet. Eventuell spielt auch die geografische Lage im Herzen Europas eine Rolle, in deren Folge Menschen oft mit fremden Sprachen in Kontakt kommen.

In jedem Fall scheinen hiesige Gründer und Internetunternehmen hier eine Domäne gefunden zu haben, in der sie sich wohlfühlen.

(Foto: stock.xchng)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. Hallo Martin,
    danke für den Beitrag. Die Übersetzung der gesamten Seiten und die Produktion der kostenlosen Sprachlernvideos wurden ausschließlich von Muttersprachlern erledigt. Darauf haben wir besonderen Wert gelegt. Kein einziges Wort der 45 Sprachen auf Babelyou wurde mit einer Maschine übersetzt. Ziel ist es, einmal in allen Sprachen kostenlose Sprachlernvideos und Übungen anzubieten. Sprachen lernen soll nach unserer Meinung nach nicht vom Geldbeutel abhängig gemacht werden.
    Beste Grüße, Andreas

  2. http://learnship.de/ gibt es noch. Persönliche Coaches. Auch aus DE und auch auf Sprachenlernen fokussiert

  3. Schöner Artikel – wie es aussieht sind wir von busuu.com kurz davor den weltweit grössten Anbieter livemocha.com aus den USA auch im Traffic zu überholen. Damit hätte somit ebenso ein deutschsprachiger Anbieter erstmals weltweit die Nase vorn! :-)

    Sonnige Grüsse aus Madrid

    Bernhard
    CEO & Co-Founder von busuu.com

  4. Legt aber auch den Verdacht nahe das viele auswandern wollen und daher (TV Format untypisch) die Sprache des Ziellandes erlernen :)

  5. Als jemand der in Schweden wohnt, kann ich dem nur schwer widersprechen ;)

  6. http://dalango.de gibt es auch noch. Da lernt man mit Videos und entsprechenden Übungen.

4 Pingbacks

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