waydoo:
Der Check-In für Unterhaltungsmedien

Bei waydoo veröffentlichen Nutzer, welche Medieninhalte sie gerade konsumieren. Der Service aus Kulmbach lehnt sich konzeptionell an US-Dienste an, sieht aber besser aus und berücksichtigt das Fernsehprogramm aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

“Was machst du gerade?” ist eine Frage, die allerlei Social-Web-Diensten ihren Nutzern stellen – entweder in diesem Wortlaut wie Facebook oder in abgewandelter Form wie z.B. bei Twitter (“Was gibt’s Neues?”).

Eine spezielle Gattung von Services, die sich den momentanen Tätigkeiten von Usern widmen, sind Check-In-Applikationen rund um den Konsum von Medieninhalten. Statt einem beliebigen Status-Update in Freitextform definieren Benutzer anhand von vorgegebenen Kategorien und Titeln, was sie gerade anschauen oder lesen. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass so strukturierte Daten gewonnen werden, mit deren Hilfe sich Rankings generieren sowie Übereinstimmungen mit den Präferenzen anderer Nutzer extrahieren lassen.

US-Anbieter wie Miso (Review) oder GetGlue setzen auf dieses Prinzip, konnten aber trotz des eindeutigen Bedürfnisses einiger Menschen nach einer “Sozialisierung” der Mediennutzung mit Hilfe von Social Networks und Microblogging bisher keinen wirklichen Durchbruch bei den Digital Natives erzielen (womit der Durchschnittskonsument erst recht außer Reichweite liegt). Auch IntoNow (nicht in DACH verfügbar) will digital festhalten, was Zuschauer gerade im Fernsehen schauen, setzt dafür jedoch auf eine Tonanalyse zur Identifizierung des jeweiligen Programms.

Trotzdem – oder gerade weil der Markt bisher noch nicht über die Nische hinausgekommen ist – war es zu erwarten, dass sich früher oder später auch ein deutsches Startup der Thematik widmen würde. Mit waydoo existiert mittlerweile mindestens eins.

Der frisch gestartete Gratis-Dienst des Kulmbacher Entwicklerstudios Applab erlaubt es Anwendern, über die Website oder eine iPhone-App per Check-In kund zu tun, welche Fernsehprogramme oder Filme sie gerade schauen, welche Bücher sie lesen oder welche Veranstaltungen sie besuchen. Der Check-In ist nur für Titel bzw. Events möglich, die sich in waydoos Datenbank befinden. Als kleines (an dieser Stelle eher deplatziert wirkendes) Zusatzfeature kann man auch an Orten einchecken, wie man es von foursquare und Konsorten kennt.

Für Aktivitäten wie Check-Ins, Kommentare oder Likes erhalten User Punkte und Badges, wodurch sich ihre Positionierung in der globalen waydoo-Rangliste erhöht. Jedes waydoo-Mitglied erhält ein öffentliches Profil (hier ist meins), welches über das Medienkonsumverhalten Auskunft gibt. Ein ebenfalls öffentlicher Stream auf der Homepage informiert über jüngste Check-Ins anderer Nutzer.

waydoo zieht das Freunde-Prinzip dem Follower-Konzept vor. Wer möchte, kann also andere Mitglieder als Freunde hinzufügen. Akzeptieren diese die entsprechende Anfrage, tauchen deren Check-Ins anschließend im Neuigkeitenfeed der Kontakte auf.

Unter dem Menüpunkt Quoten in der iPhone-App listet waydoo TV-Inhalte, Filme, Orte, Events und Bücher nach Anzahl der Check-Ins, jeweils über einen Zeitverlauf von 24 Stunden, einer Woche, einem Monat insgesamt. Diese potenziell interessante Statistik gewinnt natürlich erst mit einer steigenden Nutzerzahl an Aussagekraft, weshalb die Spitzenplätze dort derzeit (noch) mit Vorsicht genossen werden sollten. An der ein oder anderen Stelle im Netz wurde in den vergangenen Tagen bereits über waydoo berichtet, weshalb bei dem Dienst zumindest ein gewisses Grundrauschen an Aktivität zu vernehmen ist.

waydoo ist von der Funktionalität her eng an die US-Vorbilder angelegt, gefällt mir optisch aber deutlich besser und bringt für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz den großen Vorteil, Informationen zu den hiesigen TV-Stationen und dort aktuell ausgestrahlten Programmen zu beinhalten. Sehr nett ist dabei auch die Integration von Trailern zu den meisten ausgestrahlten Sendungen, was waydoo auch gewisse Qualitäten als interaktiver EPG verleiht.

Ganz fehlerfrei präsentiert sich die iPhone-App noch nicht nicht. Während die Kulmbacher an den angekündigten Applikationen für Android und Windows Phone 7 arbeiten, sollte sie sich unbedingt auch dem Bugfixing widmen.

Die Monetarisierung von waydoo soll über Partnerschaften mit Medienanbietern und -produzenten erfolgen.

Link: waydoo

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4 Kommentare

  1. Kurt
    schrieb am 7. März 2011 um 14:13 Uhr (#)

    WARUM kann man heute nichts mehr machen ohne dies auch noch mitteilen zu müssen?? Ist das Leben der Menschen so öde, dass man schon vor der Glotze noch alle informieren muss… Tragisch! – und ja – mMarketingfolks können daran ein interesse haben aber dein Einzelne??

    1. Kai Neuwerth
      schrieb am 7. März 2011 um 17:34 Uhr (#)

      Wer sagt denn, dass du es nutzen musst? Leute, denen es Spaß macht, oder diese neuartigen Techniken einfach mal ausprobieren wollen, können das doch tun. Ich finde jeder sollte für sich selbst entscheiden, was er über sich veröffentlicht, oder nicht.
      Du musst ja auch nicht mit dem Aut fahren, wenn du nicht willst, aber die Möglichkeit dazu hättest du, seitdem es das Auto gibt.

      Danke übrigens für die Erwähnung meines Blogs! :-)

  2. Joerg
    schrieb am 9. März 2011 um 08:40 Uhr (#)

    Waydoo ist gut gemacht, aber leider nur in deutscher Sprache und für Nutzer in DACH. Sobald Foursquare, wie angekündigt, ähnliche Funktionen einbaut oder Facebook diese Idee selbst umsetzt, hat Waydoo aufgrund der eigenen Grenzen keine Chance. Sie sollten schnellstens weitere Sprachen und Länder integrieren.

  3. Johannes
    schrieb am 2. Mai 2011 um 17:29 Uhr (#)

    Jetzt auch für Android. :-) http://market.android.com…eature=search_result

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