Axel Springer übernimmt kaufDa:
Eine gute Nachricht
für die deutsche Startup-Landschaft

Die Axel Springer AG sichert sich 74,9 Prozent der Anteile am Online-Prospektdienst kaufDa und zahlt dafür zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Der Deal unterstreicht, dass nicht nur Imitationen von im Ausland erfolgreichen Konzepten zu ansehnlichen Exits führen.

Die Axel Springer AG übernimmt knapp drei Viertel der Anteile (74,9 Prozent) am Berliner Online-Prospektdienst kaufDa und zahlt dafür laut TechCrunch Europe 40 Millionen Dollar, also rund 30 Millionen Euro (deutsche-startups.de nennt 25 Millionen Euro als mögliche Kaufsumme) – eine erfreuliche Meldung für die deutsche Internet- und Startuplandschaft! Warum dies so ist, dazu gleich mehr.

Das 2009 von Christian Gaiser, Tim Marbach und Thomas Frieling gegründete Unternehmen verfolgt eine eher wenig glamouröse Idee: Es nimmt die Werbeprospekte von stationären Händlern und macht diese online und über mobile Applikationen für iPhone, iPad und Android verfügbar. Statt auf für die Plattform maßgeschneiderte Deals und Sonderangebote fokussiert sich das Unternehmen also auf existierende Werbematerialien und stellt diese online, macht sie durchsuchbar und setzt sie in Verbindung zu den aktuellen Aufenthaltsorten der User.

Was auf den ersten Blick wie ein eher bemitleidenswerter Versuch klingt, die analoge Welt an die neuen digitalen Gegebenheiten anzupassen (ungefähr so wie PDF-Versionen von Zeitungen für das iPad), ha gleichzeitig den großen Vorteil, dass von bei kaufDa vertreten Firmen keinerlei Eigenleistung verlangt wird – ihre Prospekte existierten bereits, den Rest übernimmt das Berliner Startup.

Diese Attraktivität aus Sicht der Einzelhändler sowie die generelle Begeisterung von Verbrauchern in Deutschland, Schnäppchen zu ergattern, müssen als Ursachen für die beachtliche Erfolgsgeschichte gesehen werden, die kaufDa in den vergangen zwei Jahren hingelegt hat.

Mehr als 120 Großunternehmen bieten Usern über den Dienst komfortablen Zugriff auf ihre Werbeprospekte. Außerdem lassen sich die Öffnungszeiten von rund 200.000 Einzelhandelsgeschäften abrufen. Auch das klingt nicht gerade aufregend oder bahnbrechend, scheint bei Konsumenten aber gut angekommen zu sein: kaufDa, das mit Portalen wie t-online.de, meinestadt.de oder dastelefonbuch.de kooperiert, erreicht laut der Pressemitteilung der Axel Springer AG mehr als elf Millionen Nutzer in 12.000 deutschen Städten und Gemeinden. Im August sorgte das Startup mit der Übernahme des Coupondienstes DeutschlandCoupon für Aufsehen.

Der Springerverlag war offenbar nicht allein mit seiner Sympathie für die Prospektplattform: Auch die Deutsche Post soll interessiert gewesen sein, ebenso wie angeblich Otto und Tengelmann. In der Pressemitteilung bezeichnet kaufDa-Geschäftsführer Christian Gaiser den Berliner Medienkonzern, der fortan Mehrheitsgesellschafter ist, als “Wunschinvestor”. Er, Tim Marbach und Thomas Frieling bleiben der Meldung zufolge weiterhin operativ für das Unternehmen verantwortlich.

Nun können sich die rund 70 Mitarbeiter von kaufDa, ihre Gründer und Investoren (u.a. Stefan Glänzer und Michael Brehm als Business Angels sowie eVenture und T-Venture als VC) über einen stattlichen Exit freuen. Und das bringt uns zurück zur Eingangsthese: Denn während mit CityDeal (verkauft an Groupon) und brands4friends (verkauft an eBay) in jüngster Zeit im hiesigen B2C-Web einmal mehr deutsche Imitationen im Ausland erfolgreicher Unternehmen die besten Übernahmesummen erzielten, ist kaufDa, das von Springer mit rund 40 Millionen Euro bewertet wird, keine typisch deutsche “Copycat”.

Die Idee, Einzelhandelsprospekte online zu stellen, mag zwar etwas hölzern wirken, aber scheint nicht nur den Nerv der Kundschaft getroffen zu haben, sondern zeigt, dass eben doch auch neue, ungeprüfte Konzept in Deutschland eine Chance erhalten, sich Risikokapital sicher und einen ansehnlichen Exit hinlegen können.

Zukünftigen Gründern, die gute Verkaufsaussichten als Motivationsgrundlage benötigen, verdeutlicht der Deal, dass sich auch dann Millionen verdienen lassen, wenn man etwas anderes als eine Copycat entwickelt. Es wäre schön, wenn diese Erkenntnis auf die Korridore der WHU und anderer akademischer Gründerschmieden gelangen würde.

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1 Kommentar

  1. Max
    schrieb am 3. März 2011 um 11:32 Uhr (#)

    Ein vielversprechender Schachzug von Springer. Mal schauen, wie sich das Startup nun innerhalb des Großkonzerns entwickeln wird. Sozusagen als das viel beschworene Unternehmen im Unternehmen.

    Es zeigt aber auch recht gut, dass Ideen nicht immer bahnbrechend sein müssen, sondern in dem Falle vor allem nützlich für den User.

    Zu den Copy-Cat Millionen: Die sind aber halt “einfacher” verdient als mit eigenen Ideen. ;-) :-) Bzw. man weiß schon, dass das Modell grundsätzlich funktioniert.

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