Bezahlinhalte:
Google One Pass
in freier Wildbahn
Eine Woche nach dem offiziellen Start von Google One Pass taucht das Bezahlsystem für Onlineinhalte auf ersten Nachrichtensites auf.
Während Bild.de One Pass seit dem Wochenende dafür verwendet, Nutzern den kostenpflichtigen Zugang zu Spielen der türkischen Fußballliga zu bieten, hat mit Focus Online auch ein anderer Launchpartner in Deutschland das System auf seiner Website implementiert und erste Artikel damit vor dem Gratiszugriff geschützt.
Für zehn Cent kann man sich so zum Beispiel Zugriff auf einen Beitrag erkaufen, der acht Irrtürmer über Maklerprovisionen thematisiert. Da wollte ich mich natürlich nicht lange bitten lassen und griff das erste Mal in meinem Leben für einen einzelnen Onlineartikel ins Portemonnaie!

Voraussetzung für die Nutzung von Google One Pass ist ein Google-Konto. Wer bei Google angemeldet ist und zum ersten Mal Inhalte über Google One Pass erwerben will, wird nach dem Klick auf den “Google Checkout”-Button auf eine Seite weitergeleitet, auf der Zahlungs- und Adressdaten eingegeben werden müssen. Anschließend präsentiert Google eine Übersicht mit den Details zur gewünschten Artikelbestellung. Bestätigt man den Kauf, schickt einen Google zurück auf die Ursprungsseite mit dem gewünschten Inhalt, der nun in voller Länge zugänglich ist.

Der jeweilige Beitrag kann von jedem Browser aufgerufen werden, auch über Smartphones und Tablets. Die Authentifizierung erfolgt wie bei anderen Google-Diensten durch die Eingabe der Benutzerdaten zum persönlichen Google-Konto.
Interessant ist One Pass für Inhalteanbieter vor allem deshalb, weil es bisher wegen hoher Transaktionskosten wirtschaftlich kaum realisierbare Micropayments ermöglicht. Der Focus-Beitrag kostet zehn Cent (inkl zwei Cent Mehrwertsteuer).
Google beansprucht von Website-Betreibern zur Zeit zehn Prozent der durch One Pass generierten Erlöse, in diesem Fall also weniger als einen Cent. Paypals kürzlich vorgestellte Mikrozahlungsoption, die One Pass vom Prinzip her sehr ähnlich ist, beinhaltet eine Umsatzprovision von zehn Prozent zuzüglich 10 Cent fix, was den Verkauf von Inhalten im niedrigen zweistelligen Centbereich quasi unmöglich macht.
Mit One Pass scheint Google somit “echten” Micropayments (im niedrigen Centbereich) sehr nahe zu kommen (was sagen netzwertig.com-Leser mit Expertise im Bereich der Abwicklung von Onlinezahlungen – zahlt Google im Falle von Zehn-Cent-Artikeln bei den Transaktionskosten womöglich drauf?).
Was jedoch auch der übermächtige Internetriese nicht beeinflussen kann, ist die Masse an verfügbaren kostenlosen Inhalten im Netz. Wäre es nicht für diesen Erfahrungsbericht gewesen, hätte ich mir die zehn Cent für den Focus-Online-Ratgeber rund um Maklerprovisionen nämlich garantiert gespart und stattdessen einen der spontan geschätzten tausend anderen kostenfreien Berichte, Blogposts und Foreneinträge zum selben Thema aufgesucht.
Wirklich sinnvoll ist der Einsatz von One Pass damit lediglich für exklusive Inhalte, einzigartige Reportagen und sonstigen überdurchschnittlich hochwertigen Content. Nur dann ließe sich ein vergleichsweise großer Anteil potenzieller Nutzer in zahlende Kunden konvertieren. An einer anderen Tatsache ändert jedoch auch dies nichts: Hinter Bezahlschranken verborgene Inhalte sind ungeeignet für die virale Verbreitung im Social Web, werden weniger zitiert, weniger verlinkt und verlieren an Attraktivität für Werbekunden. Ob die Aussicht auf Direkteinnahmen aus dem Inhalteverkauf diese Opfer wert sind, sollte sich jeder genau überlegen.
P.S. In der Google-Suche taucht der erwähnte Beitrag von Focus Online auf, bei Google News seltsamerweise nicht. Eventuell ist das aber auf den fehlenden Neuigkeitswert des Artikels zurückzuführen.






















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Rechnet Google auch die Kleinstbeträge sofort über die Kreditkarte ab oder “sammeln” sie einfach ein wenig und rechnen bspw. nur einmal pro Woche ab? Bei halbwegs regelmäßigem Konsum wäre dann das Problem der hohen KK-Gebühren umgangen.
Meine 10 Cent wurden bereits von meinem Konto abgebucht (über Visa-Zahlung). Scheint also sofort zu geschehen.
Wenn sich Artikel in diesem kleinen Kostenrahmen bewegen, kann ich mir bei bestimmten Themen schon vorstellen lieber das kleine Geld auszugeben als lange im Web zu suchen.
Da die 10-Cent sofort abgebucht wurden, kann ich mir gar nicht vorstellen wie sich das finanziert. Im Normalfall verlangen die Kreditkartenanbieter doch zuviel für eine Transaktion.
Find ich ja klasse, das Google so etwas anbietet.
Ich bin für bezahlten Content sehr offen, weil ich so wahrscheinlich schneller gute Inhalte finde.
Und gerade so kleine Beträge werden dann durchaus interessant für Content-Anbieter werden. Google macht mal wieder einiges möglich, ob und wie sich das allerdings profitabel gestaltet, weiß wahrscheinlich nur Google, vermutlich ist es so wie meistens bei Google: Die direkten Erlöse sind zweitrangig, Geld wird nachher auf anderen Wegen verdient.