DST begeistert sich für Spotify:
Der endgültige Ritterschlag

Das russische Beteiligungsunternehmen DST will rund 100 Millionen Dollar in den aufstrebenden Musikdienst Spotify investieren – der endgültige Ritterschlag für das Startup aus Schweden.

In den vergangenen Jahren haben wir euch regelmäßig über den Stand der Dinge beim schwedischen Musikstreamingdienst Spotify informiert – und das, obwohl der Service im deutschsprachigen Raum bisher offiziell nicht verfügbar ist. Der Grund für unsere stetige Beobachtung des in Stockholm gegründeten Startups, das mittlerweile seinen internationalen Sitz in London hat? Der Dienst ist einfach zu gut, um nicht über ihn zu berichten!

Die jüngste Nachricht, die russische Internetbeteiligungsfirma DST wolle Spotify mit 100 Millionen Dollar frischem Kapital ausstatten und bewerte das 2006 gegründete Unternehmen mit einer Milliarde Dollar, sehe ich daher als willkommene Rechtfertigung für meine bisherigen Lobeshymnen in Bezug auf Spotify.

Sofern der TechCrunch-Bericht zu den Investmentplänen stimmt, lässt dies folgende Aussagen zu:

  • Nach Facebook, Groupon und Zynga wäre Spotify das vierte international ausgelegte Webunternehmen, an dem sich DST (mit einer signifikanten Summe im dreistelligen Millionenbereich) beteiligt.
  • Eine Finanzspritze von 100 Millionen Dollar ist der umfangreichste Betrag jemals, der innerhalb einer einzigen Kapitalrunde an ein Startup im Bereich des digitalen Musikstreamings geflossen ist.
  • Facebook-Chef Mark Zuckerberg macht keinen Hehl aus seiner Begeisterung für Spotify. Mit einem gemeinsamen Großinvestor erscheint eine engere Zusammenarbeit beider Dienste nicht unwahrscheinlich.
  • Spotify, das bei rund zehn Millionen Mitgliedern in sieben europäischen Ländern etwa 750.000 zahlende Premium-Nutzer hat und sich zudem durch Werbung in der Gratis-Version finanziert, schreibt zwar bisher noch keine schwarzen Zahlen, erhält mit dem Geld jedoch viel Spielraum für die weitere internationale Expansion – vor allem für den seit langem anvisierten, mit immensen Investitionen und enormer Überzeugungsarbeit verbundenen Launch in der USA.
  • Allen Konkurrenten wie Rdio, Deezer, Rhapsody, MOG, Napster oder simfy zum Trotz erklimmt Spotify damit endgültig den Thron der Angebote für On-Demand-Musikstreaming – zumindest was die allgemeine Erwartungshaltung betrifft. In diesem Fall glaube ich, dass diese auch gerechtfertigt ist.

Wer sich für das Treiben in der globalen Webbranche interessiert und Spotify bisher noch nicht auf dem Radar hatte, sollte sich spätestens jetzt etwas genauer mit dem Service beschäftigen. Um den Einstieg zu erleichtern, folgen hier einige ausgewählte netzwertig.com-Berichte rund um das innovative Jungunternehmen:

Spotify: Neuer Musikdienst stellt alles andere in den Schatten (Oktober 2007)

Neue Spotify-Version: Musikstreaming, wie es besser nicht sein könnte (April 2010)

Spotify-Gründer Daniel EK: “Die MP3-Datei ist zur URL geworden” (Juli 2010)

Digitale Musik: So einfach bekommt ihr Spotify auch im deutschsprachigen Raum (Oktober 2010)

Und als Hintergrund zu den Aktivitäten von DST ist dieser Artikel sowie dieses Videointerview mit DST-Partner Alexander Tamas zu empfehlen.

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7 Kommentare

  1. Jürg
    schrieb am 22. Februar 2011 um 13:32 Uhr (#)

    Die Beteiligung ist für den Musikstreamingdienst Spotify interessant, da DST und die russische mail.ru Group identische Besitzer haben und sich damit Spotify auf einen Schlag der grösste europäische Markt erschliesst:

    Spotify erhält alleine mit dem kostenlosen E-Mail-Dienst mail.ru über 33 Mio. russischsprachige Nutzer. Dazu kommen noch die führenden russischen sozialen Netzwerke Odnoklassniki und Vkontakte.

    Umgekehrt kann die russische DST künftig den Nutzern der mail.ru Group einen beliebten legalen Musikstreamingdienst anbieten.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 22. Februar 2011 um 13:47 Uhr (#)

      Das setzt aber voraus, das Russland als Markt für Musikstreaming wirklich interessant ist und dass es dort eine grundsätzliche Bereitschaft gibt, für einen digitalen Musikstreamingdienst Geld zu zahlen.

      Mir erscheint unter diesen Gesichtspunkten Russland zumindest weit weniger attraktiv als diverse bisher nicht penetrierte westliche Märkte (primär natürlich der Musikmarkt no1 USA)

      Wobei man anderseits argumentieren könnte, dass die Labels in einem stärker von Piraterie geplagten Land wie Russland sehr viel offener für einen Service wie Spotify wären.

  2. Carsten Rossi
    schrieb am 22. Februar 2011 um 16:40 Uhr (#)

    Ich sehe immer noch nicht, was Spotify interessanter macht als Simfy. User Experience, Angebot und Preise sind vergleichbar.

  3. ami
    schrieb am 22. Februar 2011 um 20:07 Uhr (#)

    sehr schöne entwicklung, auch wenn man nicht darauf hoffen sollte, dass spotify damit auch endlich ins GEMA verseuchte mutterland einzieht :/
    @carsten – nope, sorry.
    ich finde simfy nicht schlecht, und würde mich gerne damit anfreunden, zwecks unproblematischer verfügbarkeit in deutschland .. aber abgesehen vom preis, wo beide dienste vergleichbar sind, fehlen genau die 5%, die für mich (!) den unterschied ausmachen.

  4. Felix
    schrieb am 22. Februar 2011 um 20:37 Uhr (#)

    Wollte DST nicht auch in ChatRoulett investieren? Und was ist aus dem geworden?

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. Februar 2011 um 00:43 Uhr (#)

    Offensichtlich nichts. Was wohl auch besser so war ;)

  6. Christoph
    schrieb am 23. Februar 2011 um 17:12 Uhr (#)

    Tja, aber solange, wie Spotify in Deutschland nicht verfügbar ist, interessiert mich der Dienst eher wenig. Ich muss sagen, auch wenn alle von Spotify schwärmen, ich schwärme auch von Simfy, weil es in Deutschland zumindest das beste Angebot für kostenlose On Demand Musik ist. Und das ist nicht werblich im Sinne von ich werd dafür bezahlt gemeint.

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