Roaming-Gebühren:
Die letzte
innereuropäische Grenze fällt

Roaming-Gebühren für die mobile Datennutzung im Ausland ziehen in Europa noch immer Grenzen, wo man sie sonst kaum noch wahrnehmen würde. Doch die Tarife sind im freien Fall.

Auf dem Weg zu einem geeinten Europa gibt es sicher unzählige Hürden. Für überzeugte Digital Natives mit einem Faible für (oder beruflichen Zwang zu) innereuropäischen Reisen gehört der teure “Spaß” des mobilen Datenroamings zweifelsohne dazu. Während man dank Schengen-Abkommen und Billigfliegern frei und recht günstig von Land zu Land reisen kann, ziehen die massiven Kosten für das mobile Surfen im Ausland noch immer eine deutliche Grenze zwischen den einzelnen EU-Staaten.

Doch womöglich steht auch diese Grenze vor ihrem baldigen Fall. Diesen Schluss lassen zumindest drei unterschiedliche Ereignisse der zu Ende gehenden Woche zu. Ein sich beschleunigender Trend weg von teuren Roaming-Gebühren ist zu erahnen.

Zu Wochenanfang landete die Meldung des Unternehmens abroadband in unserem Posteingang, eine neue Tochterfirma der Telekom Austria Group. abroadband richtet sich an Vielreisende und bietet mit einer SIM-Karte ohne zeitliche Bindung in 50 Ländern Europas und der Welt einen Einheitstarif von 59 Cent pro Megabyte – sicherlich noch immer zu viel für Konsumenten, die auch im Ausland nicht ohne YouTube-Videos und Musikstreaming auskommen, aber dennoch genug für E-Mails und Onlinebanking, ohne mit der nächsten Mobilfunkrechnung einen Kostenschock erleben zu müssen.

Am Montag dann berichtete TechCrunch Europe über eine Kooperation des irischen Telekommunikationsdienstleisters Maxroam mit der Billigfluggesellschaft Ryanair, in deren Rahmen Maxroam-Kunden für 5 Euro eine SIM-Karte erhalten, die in 43 europäischen Ländern kostenlose eingehende Gespräche erlaubt. Für Datenverkehr fallen 99 Cent pro Megabyte an.

Einen Tag später präsentierte Telekom-CTO Ed Kozel auf dem Mobile World Congress in Barcelona die neuen Auslands-Datentarife der Telekom. Spätestens ab dem 1. Juli sollen Kunden von T-Mobile in allen EU-Ländern einen 10-Megabyte-Tagestarif für 1,95 Euro oder einen 50-Megabyte-Tagestarif für 4,95 Euro buchen können, sobald sie ihr Heimatland verlassen. Für 14,95 Euro wird außerdem eine Wochenflatrate angeboten, die “nahezu unbegrenztes Surfen in der EU” ermöglichen soll.

Speziell der Telekom-Vorstoß ist weitreichend, erspart er doch den T-Mobile-Kunden die Anschaffung eines der oben genannten Roamingprodukte. Die Symbolwirkung des Schrittes ist auch aus Sicht von Kunden anderer Mobilfunkgesellschaften nicht zu unterschätzen – O2 in Deutschland reagierte bereits: Für 5,12 Euro erhalten Kunden im Ausland nicht mehr nur ein Megabyte sondern ganze elf.

Bis zum Jahr 2015 will die EU Roaming-Gebühren innerhalb der Union quasi ganz abschaffen. Womöglich wird das Mitführen einer Sammlung verschiedenster länderspezifischer Prepaid-SIM-Karten für kostenbewusste Freunde mobiler Internetverbindungen aber schon davor überflüssig. Wünschenswert wäre es!

(Foto: Flickr/kalleboo, CC-Lizenz)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. Du findest die neuen Preise aber nicht ernsthaft günstig, oder? :)

    “O2 in Deutschland reagierte bereits: Für 5,12 Euro erhalten Kunden im Ausland nicht mehr nur ein Megabyte sondern ganze elf.”

    Das hast du hoffentlich ironisch gemeint. Bitte! :)

    Nein, mal ernsthaft: Ich find’s gut, dass die Preise ins Rutschen kommen, aber wirklich günstige Angebote sehe ich da nicht. Das sind alles Tarife für den Notfall. Davon, was die EU-Kommission plant, Roaming so preiswert zu machen wie das Surfen im Inland, sind wir damit noch so weit entfernt wie bis zum Mars. Da wird sich noch seeeehr viel tun müssen.

  2. Günstiger, aber natürlich nicht günstig.

    Doch selbst wenn 5,12 Euro für 11 Megabyte auch noch viel ist, so stellt es eine Erhöhung des Trafficvolumens um 1000 Prozent (oder in die Richtung) dar. Zwar noch immer auf niedrigem Niveau, aber dennoch.

    Ich gehe davon aus, dass sich durch den neu angefochtenen Konkurrenzkampf eine Abwärtsspirale der Roaming-Kosten in Gang setzt. Lange wird es nicht dauern, da wird ein anderer Mobilfunker das Telekom-Angebot mit einem noch besseren Tarif unterbieten, und das wird sich so fortsetzen.

  3. Vodafone bietet Datenroaming für z.B. 25MB für 2€ innerhalb von 24 Stunden abrufbar und wohl auch länderübergreifend. Ich habe das gerade in Barcelona genutzt und bin auf die nächste Abrechnung gespannt. Das finde ich deutlich attraktiver als das Angebot der Telekom et al.

    • Hallo Kai-Christian, ich habe gerade Eure Diskussion vom Februar über die Roamingtarife gefunden.Was war denn Deine Erfahrung mit dem angebotenen Vodafone Roaming?
      Ich arbeite als Fernsehautorin für den WDR in Köln und recherchiere gerade für einen Filmbericht mit Tipps zum Kostensenken der Roaminggebühren/Internet, Bilderverschicken. bzw. Handyfallen im Ausland. Redaktion ist die Servicezeit.Über eine kurze Nachricht würde ich mich freuen.
      Anja

  4. Am schlimmsten sind immer noch die Schweizer Provider – nehmt doch die auch mal unter die Lupe.

  5. Hey, dass klingt mal nach einem guten Produkt der Telekom.
    Wenn Sie das jetzt noch über die EU hinaus anbieten ein voller Gewinner für uns iPhone-User!

    http://twitter.com/stelten

  6. ich bin bei vodafone und habe bei einem ausflug nach österreich eine sms für ein kostenloses ReisePaket Data (24 stunden, 5MB) erhalten. das reicht für emails checken.