Boxee:
Eine Medienanwendung, die
man im Auge behalten sollte

Die kostenlose Media-Center-Lösung Boxee litt bisher unter zu wenig Premium-Inhalten und Schwächen in der Benutzerführung. Dennoch lohnt es sich, die Software im Auge zu behalten.

In den letzten Tagen habe ich mich nach längerer Zeit einmal wieder intensiver mit Boxee auseinandergesetzt, eine kostenlose Media-Center-Software für PC, Mac und Linux vom gleichnamigen New Yorker Startup, über die wir in der Vergangenheit schon gelegentlich berichtet haben.

Angeboten wird Boxee seit über zwei Jahren (zu Beginn im Alpha-Stadium). Die erste Beta-Version erschien im Januar 2010. Boxee kombiniert verschiedene Funktionen zum Konsumieren und Verwalten von Medieninhalten aus dem Netz mit einer optisch ansprechenden Oberfläche, die auch den Zugriff auf lokal gespeicherte Film-, Audio- und Bilddateien erlaubt.

Installiert habe ich Boxee auf meinem Windows-PC bereits seit langem, und die Software auch immer mal wieder eingesetzt, ohne jedoch zu einem wirklich hartgesottenen Boxee-Anwender zu mutieren.

Gründe dafür waren zum einen verschiedenste Bugs, einige offensichtliche Schwächen in der Benutzerführung (was aber deutlich besser geworden zu sein scheint) sowie das Fehlen überzeugender Inhalte – Boxee bietet Usern die Möglichkeit, Applikationen von Webangeboten oder Fernsehstationen zu ihrem Programmportfolio hinzuzufügen, lässt aber aus Europa zugänglichen Premium-Content vermissen. Dennoch lohnt es sich, Boxee nicht aus den Augen zu verlieren – selbst wenn man den eigenen Rechner nicht an ein Fernsehgerät angeschlossen hat (was das optimale Anwendungsszenario für Boxee ist).

Das Feature, was mich in unregelmäßigen Abständen immer wieder zu Boxee zurückholt, ist das “Watch Later” Browser-Bookmarklet. Dieses kann ich auf jeder Webseite betätigen, auf der ein Clip eines von Boxee unterstützten Videoportals eingebunden ist, um ihn zu meiner Video-Warteschlange hinzuzufügen.

Diese steht an zentraler Stelle auf dem Boxee-Dashboard bereit und erlaubt es mir, dann all die im Netz von mir auf aufgefundenen Katzenvideos anzuschauen, wenn ich dafür wirklich Zeit habe und nicht gerade bis zum Hals in Arbeit stecke (was ja sonst in der Regel den Augenblick darstellt, in dem man für Ablenkung in Form von YouTube-Videos am empfänglichsten ist).

Die Boxee-Queue ist also eine Art Instapaper oder Read It Later für Videos und aus Sicht des US-Startups eine clevere Taktik, um Neu- und Gelegenheitsnutzer enger an den auf der Open-Source-Lösung XBMC Media Center basierenden Dienst zu binden.

Die Social-Funktionen von Boxee spielen für mich bisher eine geringe Rolle (man kann anderen Nutzer folgen und sich so im persönlichen Boxee-Feed darüber informieren lassen, welche Inhalte diese über Boxee konsumieren), was vorrangig damit zu tun hat, dass ich nur wenigen Personen folge. Aber das muss natürlich nicht für immer so bleiben.

Trotz des Mangels an echtem Premium-Content im Boxee App Store gibt es einige äußerst empfehlenswerte Apps, die man mit wenigen Klicks zum eigenen Boxee-Contentangebot hinzufügen kann, wie zum Beispiel die Videoinhalte der angesagten Khan Academy oder der populären TED-Konferenz. Auch für die auf den Onlineplattformen von ARD und ZDF angebotenen Sendungen existiert mittlerweile eine inoffizielle, händisch zu installierende Boxee-App.

Wer auf der lokalen Festplatte oder im heimischen Netzwerk ein umfangreiches Film- und Musikangebot sein Eigen nennt, kann auch diese Archive bei Boxee importieren. Allerdings haben meine früheren Tests mit dieser Funktion stets nur unbefriedigende Ergebnisse zu Tage gefördert, weil nie alle Dateien vollständig indexiert wurden. Hier ziehe ich es aktuell vor, lokale Mediendateien direkt über den Windows-Explorer anzusteuern.

Boxee bietet eine iPhone-Applikation, die als Fernbedienung eingesetzt werden kann. Wie ein kleines Kind freue ich mich aber auf die angekündigte iPad-App, die das persönliche Boxee-Dashboard mit allen abonnierten Apps und das “Watch Later”-Feature auf das Apple-Tablet bringen soll. Genau dort schaue ich kurzweilige Webclips am liebsten.

Boxee gehört für mich sicherlich noch nicht zu der ersten Garde an Diensten, die ich in sehr regelmäßigen Abständen oder gar täglich einsetze, hat sich aber durchaus als ein Favorit bei meinen “B-Apps” etabliert – mit Potenzial, eines Tages in die A-Liste vorzustoßen. Dafür bedarf es jedoch noch mehr integrierbarer Premium-Inhalte sowie einer engen Verknüpfung mit Facebook und Twitter. Und die iPad-Anwendung darf nicht fehlen.

Die Boxee Box von D-Link, eine für rund 200 Euro erhältliche Hardware-Lösung zum Anschluss an TV-Geräte, würde ich mir persönlich nicht kaufen wollen. Dazu erscheint mir Boxees Mehrwert (für Konsumenten in Europa) momentan noch nicht groß genug. Die Gratis-Software in Kombination mit einem günstigen, an das TV-Gerät angeschlossenen “Medien-PC” halte ich daher vorerst für eine bessere Option.

Was haltet ihr von Boxee und welche Apps könnt ihr empfehlen?

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8 Kommentare

  1. Brice187
    schrieb am 14. Februar 2011 um 08:43 Uhr (#)

    Also ich kann nicht über die Boxee Box klagen. Interessant ist noch die delicious Funktion, dort kann man wirklich alle online Videos bookmarken!

  2. Frank Hamm
    schrieb am 14. Februar 2011 um 09:43 Uhr (#)

    Ich nutze die Boxee Box immer mal wieder und gerne. Der kleine Würfel nimmt kaum Platz weg und ist kaum zu hören.

    Eine Auswahl meiner Apps: Kinotrailer, RSS Feeds (die ich im Browser bei meinem Account pflegen kann), TED, Wolfgang’s Vault (Konzertaufnahmen), Flickr, NASA, The Big Picture, Vimeo.

    Watch Later finde ich ebenfalls genial :-)

    Außerdem nehme ich die Mac-Anwendung “Mediathek”, um Dokus/Filme der Öffentlich-Rechtlichen herunterzuladen. Die kopiere ich auf eine kleine USB-Festplatte, die ich an der Boxee Box im Netzwerk freigegeben habe

  3. rokr
    schrieb am 14. Februar 2011 um 13:11 Uhr (#)

    @Frank: danke für den Tipp mit “Mediathek”.
    @Martin: Hast du schon mal alternativ XBMC ausprobiert? Damit finde ich sogar die Apple TV Hardware attraktiv. :-)

  4. Hans
    schrieb am 14. Februar 2011 um 13:32 Uhr (#)

    Sieht sehr interessant aus, aber nach kurzem reinschauen ins Programm sagt mir look & feel gar nicht zu. Die Funktionen, gerade der Scan der Twitter/Facebook-Timelines nach Videos sind echt schön, mich stört aber die lokale der Verwaltung der Videos enorm, gerade mit deutschen Filmen scheint’s nicht so klarzukommen, geschweige denn mit deutschen Serien. Auch die ganze Qualität der Oberfläche kann mich nicht so recht überzeugen, es sieht alles nicht so nach brilliantem HD aus. Außerdem ist das Programm mir in einer halben Stunde 3x abgestürzt.

    Insgesamt ist mir XBMC als MediaCenter lieber – hoffentlich werden da einiger der Boxee-Funktionen als Plugins in Zukunft übernommen (: – Gerade die Watch-Later-Funktion hat echt was

  5. hike
    schrieb am 14. Februar 2011 um 14:22 Uhr (#)

    Ich hab auf einem alten Macbook Plex laufen. Das funktioniert auch gut und es gibt ebreits eine app mit der man überraschen zuverlässig Filme aufs iPhone streamen kann.

  6. Chron2
    schrieb am 14. Februar 2011 um 15:10 Uhr (#)

    XBMC ist auch umsonst oder?

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. Februar 2011 um 16:32 Uhr (#)

    Müsste ja, ist ja Open Source.

    Werd ich mir nach euren Empfehlungen nun auch mal intensiver anschauen. Plex gibt es dagegen ja leider nur für Mac.

  8. Marc
    schrieb am 16. März 2011 um 13:46 Uhr (#)

    Ich habe mir die Boxee Box gekauft und kann diese nach dem Update und der nachträglichen Installation einer Logitech Funkmaus (Modell M180) nur empfehlen. Die Box mit den Apps ist eine tolle Alternative zu einem schwerfälligen Medien PC und spielt klaglos wirklich jedes Format ab (ähnlich wie beim VLC). Auch das Surfen in FullHD an einem 52 Zöller macht richtig Spaß !
    Einzig der etwas laute Lüfter nervt etwas, aber wenn man dann seine Youtube Videos in HD Qualität am Flachbildschirm sieht mit Ton über die Stereoanlage entschädigt das mehr als genug.

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