ifttt:
Das Internet für sich arbeiten lassen

ifttt – “if this, then that” – mit diesem eigenwilligen Namen will ein neuer US-Webdienst Nutzern Werkzeuge an die Hand geben, um das Internet für sie arbeiten zu lassen. Das Ergebnis ist anspruchsvoll und beeindruckend.

Silicon-Valley-Kenner und Tech-Evangelist Louis Gray hat vor einigen Tagen in seinem Blog einen Dienst vorgestellt, der den inneren Geek bei passionierten Internetnutzern anspricht wie kaum eine andere Webanwendung der letzten Jahre (von Ausnahmen wie Yahoo Pipes oder Dapper abgesehen).

ifttt nennt sich der eigenwillig bezeichnete Service des in San Francisco beheimateten Software-Entwicklers Linden Tibbets. Dieses Akronym steht für “if this, then that”, übersetzt “wenn dies, dann das”, und beschreibt eigentlich ganz gut, was sich mit dem minimalistisch gestalteten Tool anstellen lässt: Anwender können bei ifttt Regeln für Aktionen definieren, die durchgeführt werden sollen, wenn spezifische Szenarien eintreten.

ifttt soll es Nutzern ermöglichen, das Internet für sie arbeiten zu lassen, so beschreibt es Initiator Tibbets in einem Blogpost zum Launch des Angebots. Er vergleicht ifttt mit digitalem Klebeband, mit dessen Hilfe Anwender Applikationen, Prozesse oder Situationen verbinden und auf vielseitige Weise miteinander interagieren lassen können.

Was etwas kryptisch klingen mag, lässt sich am besten am plastischen Beispiel beschreiben: ifttt erlaubt es Anwendern, zu einem beliebigen Zeitpunkt automatisiert einen Tweet, eine E-Mail oder einen Blogeintrag bei posterous oder Tumblr zu veröffentlichen. Es ermöglicht auch das Anlegen einer Regel, die den Google Reader veranlasst, eigenhändig die RSS-Feeds von per Tweet publizierten URLs zu abonnieren – oder nur solche, die mit einem vorab definierten Hashtag versehen wurden. Und ifttt kann auch dafür eingesetzt werden, um jedes Mal, wenn ein User bei Flickr ein öffentliches Foto oder ein Set hochgeladen hat, den Link dazu automatisiert beim Bookmarking-Service pinboard zu speichern.

Die Grundlage von ifttt sind 22 so genannten “Channels” – ausgewählte Onlinedienste sowie einige Events und Eigenschaften wie Uhrzeit, Wetter oder Aktienkurse. ifttt unterteilt diese Channels in “Trigger” (Auslöser) und “Action” (Aktionen). Nutzer, die eine der z.B. gerade beschriebenen Regeln kreieren möchten, legen dafür eine neue “Task” an, wählen zuerst den Trigger (z.B. einen neuen Tweet oder eine Direktnachricht) – definieren also, WANN ein Ereignis ausgelöst wird – und anschließend die Aktion, die ifttt daraufhin veranlassen soll.

Manche Channels existieren als Trigger und Action (wie z.B. Facebook, Twitter oder Delicious), andere fungieren entweder als Trigger (z.B. eine bestimmte Uhrzeit, Wetterlage oder ein beliebiger RSS-Feed) oder als Action (z.B. Evernote, Instapaper oder Read It Later).

Jeder Channel muss einmalig autorisiert werden, damit ifttt zukünftig mit diesem interagieren und Aktionen initiieren kann. Entweder geschieht dies per OAuth, oder ifttt speichert die Benutzerdaten selbst (betrifft Angebote, die keine OAuth-Authentifizierung erlauben, was leider immer einen faden Beigeschmack hat).

ifttt bietet hunderte Kombinationsmöglichkeiten für Auslöser und Aktionen. Allein der Twitter-Trigger beinhaltet neun Szenarien, vom eigens verschickten Tweet über Tweets von anderen Usern, von in der persönlichen Timeline auftauchenden Links bis hin zu allen Erwähnungen des eigenen Twitterkürzels in Tweets von anderen – und ein oder mehrere jeweils dazu passende Aktionen.

Wer möchte, kann mit dem Tool die skurillsten Prozesse veranlassen, z.B. automatisch eine Status-Nachricht bei Facebook veröffentlichen, wenn die Außentemperatur des aktuellen Standortes unter einen bestimmten Wert fällt (leider umfasst der Wetter-Channel zur Zeit nur die USA) oder jeden Tweet eines beliebigen Twitter-Kontos automatisch retweeten lassen.

Auch ein SMS- und ein Telefon-Channel werden angeboten, allerdings nur für US-Nummern. Ich könnte aus Spaß eine Regel für meine US-amerikanische Google-Voice-Nummer angelegen, die mich dann anruft und eine von mir gewählte Mitteilung abspielt, wenn der Wert der Netflix-Aktie unter 200 Dollar fällt (nein, ich besitze keine Netflix-Aktien), und eine weitere, die mir eine SMS schickt, wenn Google-Noch-CEO Eric Schmidt einen Tweet publiziert (was nicht oft der Fall ist).

Bedingt sinnvolle Beispiel-Prozesse zur Illustration

ifttt kann sich zu einem ziemlichen Zeitfresser entwickeln – im positiven Sinne. Das Arsenal an denkbaren Verknüpfungen ist derartig umfangreich, dass für den Nutzer die Herausforderung vor allem darin liegt, die wirklich sinnvollen, produktivitätsfördernden Regeln ausfindig zumachen. Nicht jede über ifttt realisierbare Aktion bedient eine Nachfrage. Doch gerade die Suche nach den absoluten “Killer-Regeln” macht den Einsatz von ifttt so unterhaltsam und kurzweilig – eine anfangs gewöhnungsbedürftige, aber dennoch sehr benutzerfreundliche Oberfläche tut ihr Übriges.

Selbst wenn die Zahl unterstützter Channels noch ausbaufähig ist (mein bevorzugter Social-Bookmarking-Dienst Diigo fehlt zum Beispiel momentan noch, steht laut ifttt-Macher Linden Tibbets aber auf der Roadmap) und der Dienst zu allerlei Unfug und kontraproduktiven Regeln animiert, ist er für mich bereits jetzt eines der großartigsten Webtools seit langem, und dürfte, sofern sein mittlerweile auf zwei Personen angewachsenes Team nicht vorher von Facebook oder Google aufgekauft wird (die Gefahr ist groß), in den innneren Social-Web-Kreisen in nächster Zeit für viel Furore sorgen. Ob ifttt auch das Zeug zum Mainstreamprodukt hat, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Ohne ein hinreichendes Maß an Internetkompetenz werden Anwender mit ifttt eher wenig anfangen können.

Wir haben 20 Einladungen für ifttt. Die ersten 20 von euch, die einen entsprechenden Kommentar unter Angabe ihrer E-Mail-Adresse im dafür vorgesehen Feld hinterlassen, erhalten Zugang zu dem kostenlosen Service (maximal zehn Tasks pro Person sind möglich).

Update: Die Einladungen zur Beta-Phase sind weg. Bei ifttt könnt ihr euch in die Warteliste eintragen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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52 Kommentare

  1. Hi,

    ich wäre gern dabei.

    VG,
    Dirk

  2. Einen Invite für mich bitte. thx!

  3. Hallo!

    Da wäre ich gerne dabei!

    Greets us Kölle!

    http://www.bachhausen.de

  4. Guten Tag

    Ich wäre auch gerne dabei!

    Freundliche Grüsse

  5. Hallöchen,

    Dat würde ich ja gerne mal testen.

    VG,
    webstreifen

  6. Hört sich interessant an. Gerne. :)

  7. Hi, hört sich ja super nerdig an, im positiven Sinne natürlich :-)
    Ich wär also auch gerne dabei.
    VG, SVen

  8. Klingt interessant würde ich mir gerne anschauen.

  9. Kalifornien ist schon eine rechte Trendschmiede. DAS möchte ich auch gern mal ausprobieren, klingt mir recht viral.

  10. Da wäre ich dabei, das klingt spannend!

  11. Klingt cool und vor allem einfacher einzurichten als Yahoo Pipes. Würde ich gerne ausprobieren :-)

  12. klingt sehr interessant, der dienst!

  13. Nach immer neuen Aggregatoren und endlosen Varianten von Anwendungen mit Social Network-Charakter oder -Funktionalität scheint ifttt mal wieder die grundsätzlichen Voraussetzungen für eine Killerapplikation zu haben (und positiverweise eine, die auch für den “einfachen” Nutzer einsetzbar ist). Zu hoffen bleibt einfach, dass sich das Projekt mal aus der amerikanischen Cloud in die Welt hinaus begibt …

  14. würde ich auch gerne ausprobieren

  15. Guten Morgen,

    sehr interessanter Artikel. Auch ich würde mich über eine Einladung freuen… (-:

    Oliver

  16. Hallo,

    interessant, interessant.
    Da bin ich auch dabei.

    Viele Grüße

    Adrian

  17. Klingt sehr interessant. Würde den Service gerne testen.

  18. Interessanter Service – Wäre Interessiert an der Vorgeschlagenen Beta Version Invite.

  19. Hallo,

    hört sich tatsächlich sehr spannend. Würde ich mir gerne auch mal selber ein Bild von machen…

    Danke!

    Jan

  20. Haben will! Danke!

  21. Spannend – hätte gern einen Invite… :)

  22. Würde ich gerne einmal testen.

  23. Hallo,

    würde mich ebenfalls sehr über einen Invite freuen!

    Besten Dank! :)

  24. Allein der Artikel macht Neugierig den Service auszuprobieren. Vor allem weil er enormes Zeitersparnispotential aufzeigt. An Möglichkeiten fällt mir jetzt schon sehr viel ein. Nur einen Invite bräuchte es um sie auszuprobieren…wäre also schon schön einen von euch zu bekommen =)

  25. Wenn noch ein Invite möglich ist, dann würde ich das auch gerne testen. Ansonsten wäre es nett, wenn einer der hier schon eingeladenen Leute, mir einen Invite zukommen lassen würde. info(at)FAB-Social-Media-CONSULTING.com
    Dankesehr!

  26. In der Hoffnung auf Zusatzinvites sag ich trotzdem auch noch einmal, wenn auch zu spät: !Würde auch gerne haben wollen!

  27. Auch zu spät, aber interessiert. :|

  28. Ich sage es Euch schon heute: Google wird ifttt kaufen!

  29. Tolle Idee, hört sich an wie einfaches Expertensystem (regelbasierte Systeme) für Web-2.0-Dienste. Würde gerne über sinnvolle Anwendungen hirnen. Wenn ein Probeaccount verfügbar ist, gerne.

  30. Wäre auch an einer Einladung interessiert, falls wer noch eine rumliegen hat :)

  31. Ich würde mich freuen wenn mich irgendwer einladen kann ;)

    whonows@bossmail.de

  32. Mich interessiert vor allem das Potential, mit diesem internettool medienkunst zu machen. (á la “Wenn in China ein Sack Reis umfällt” und gleichzeit in den USA ein Tornado wütet, dann erscheint auf meinem Blog/FB/etc. ein Video, in dem ich genau dieses Szenario vorhersage). Also, auch ich bin interessiert an einem invite, fall jemand neue bekommt.

    junk [at] johann-strube.org

  33. wenn weitere Einladungen vergeben werden: gerne an mich!

  34. einladung noch da???

  35. würde auch eine solche einladung nehmen marc(at)idotter.ch

  36. falls noch was da ist, hätt ich gern auch eine

  37. Noch mal: Die Invites sind weg.

  38. erinnert mich an tarpipe… nur einfacher zu bedienen und (offenbar) kostenlos. Im Idealfall (soll heißen: mit kontinuierlich neu dazukommenden Services) ließe sich ifttt vllt als Kombilösung sowohl für Dienste wie Yahoo Pipes auf der einen als auch für solche wie ping.fm oder yoono oder friendfeed selig auf der anderen Seite einsetzen.
    (wobei ich bei yahoo ja die Möglichkeit schätze, bestehende pipes zu übernehmen und für den eigenen Gebrauch anzupassen…fragt sich, ob das hier möglich/nötig wäre bzw. ob dafür überhaupt Bedarf aka Komplexität entsteht).

  39. Haben wir nicht schon genug Zeitfresser im Internet?

  40. Hat noch jemand ‘nen Invite für mich? :) –> marcel.eichhorn (at) gmail (dot) com

  41. Ich finde ifttt sehr interessant, frage mich jedoch, wie der Dienst abgesehen von seiner potentiellen Nützlichkeit, Geld für die beiden Gründer generieren könnte.

  42. Die Idee ist nett, aber genauso wie dir keine sinnvollen Tasks zum Testen eingefallen sind, ist es mir auch ergangen. Darum wirds wohl ein nettes Spielzeug für kleine Nischen oder für hyperaktive Twitterer werden.
    Schön wäre eine Koppelung mit SMS, aber diese ist zur Zeit leider US-only.

  43. Mir gefällt das Konzept sehr gut, hab heut auch meine Einladung bekommen. Man muss auch nicht lange warten wenn man sich auf die Warteliste schreibt.

    lg G-Fiti

  44. gibt es irgendwo eine Vorschlagsliste für gute ifttt-Anwendungen?
    bislang bin ich zwar begeistert vom Können aber so recht ein gutes Anwendungsbeispiel fällt mir nicht ein.

  45. Kommt. Bisher nutze ich ifttt vor allem, um einfachst RSS-Feeds per Twitter oder E-Mail zu abonnieren (die landen in einem ifttt-Ordner im Google Reader, in dem sich alle Feeds dann bewähren müssen, bevor sie in einen permanenten Ordner wandern).

  46. Netter Dienst – aber hat jemand bis jetzt wahnsinnig sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten gefunden?

  47. ifttt nutze ich jetzt mehr und mehr und hilft sehr, viele zeitaufwendige Maßnahmen zu organisieren.
    Empfehlenswert.

15 Pingbacks

  1. [...] bei Netzwertig und Louis Gray bereits treffend beschrieben, lässt man mit ifttt das Internet für sich arbeiten. [...]

  2. [...] worum es geht? Nein? Vielleicht hilft dieser Artikel weiter. Da habe ich übrigens meinen Invite abstauben können – vielen [...]

  3. [...] Das Internet für sich arbeiten lassennetzwertig.comifttt – “if this, then that” – mit diesem eigenwilligen Namen will ein neuer US-Webdienst Nutzern Werkzeuge an die Hand geben, um das Internet für sie arbeiten zu lassen. Das Ergebnis ist anspruchsvoll und beeindruckend. … [...]

  4. [...] wird, DANN führe eine andere Aktion in Channel B aus (Weitere Details gibt es im Artikel “Das Internet für sich arbeiten lassen“). Diese Idee ist zwar an sich nicht die allerneueste, aber die Umsetzung von ifttt [...]

  5. [...] Das Internet für sich arbeiten lassen [...]

  6. [...] Web 3.0, das die Theoretiker etwa im semantischen Web sehen. (Obwohl ich mit Google Instant oder Ifttt schon gute Ansätze des ganzen sehe.) Aber es ist eine Weiterentwicklung in der [...]

  7. [...] im Internet existierenden und bei spezifischen Anwendungen angebotenen Funktionalitäten erlaubt, berichteten wir Anfang Februar. Euren Reaktionen nach zu urteilen traf der eigenwillig bezeichnete Dienst einen [...]

  8. [...] Vor einiger Zeit habe ich auf der Facebookseite von Der Micropreneur einen Link gepostet zu einem Artikel über den Dienst ifttt – if this then [...]

  9. [...] Web 3.0, das die Theoretiker etwa im semantischen Web sehen. (Obwohl ich mit Google Instant oder Ifttt schon gute Ansätze des ganzen sehe.) Aber es ist eine Weiterentwicklung in der Größenordnung [...]

  10. [...] statt auf eventuelle Schwächen am eigenen Produkt. Während das Ansatz von Wappwolf (auch im Hinblick auf die positiven Reaktionen zu ifttt) Potenzial besitzt, scheint es dem Dienst in seiner aktuellen Ausformung nicht gelungen zu sein, [...]

  11. [...] aus San Francisco, mit dem man das Internet für sich arbeiten lassen kann. Der damalige Bericht sorgte für viel Aufmerksamkeit. Da es seitdem jedoch ziemlich still um den Dienst des Software-Entwicklers Linden Tibbets war und [...]

  12. [...] ifttt: Das Internet für sich arbeiten lassen [...]

  13. [...] Monate ist es jetzt her, dass ifttt offiziell seine Tore geöffnet hat. Bereits zum Beginn der geschlossenen Beta-Phase im Februar überhäufte ich den US-Dienst mit Lob, und daran hatte sich bis zum September nichts [...]

  14. [...] wisst ihr, was am Praktischsten ist? Das Internet für sich arbeiten zu lassen. Respektive ifttt.com. Dieser Dienst gehört zweifellos zu den ganz guten Diensten im Internet. [...]

vgwort