“Social Books”:
Status-Updates als Grundlage
für kollaborative E-Books

Die Müchner Bücher-Community BookRix startet eine Funkion, mit der sich E-Books auf Basis von Tweets und Facebook-Updates gemeinsam erstellen lassen. Etwas Feinschliff benötigt die Anwendung allerdings noch.

Die “Sozialisierung” der digitalen Welt (im Sinne von “Social Networking”, nicht “Wohltätigkeit”) macht auch vor Literatur nicht halt: Im Herbst berichteten wir über “Social eBooks” der Bücher-Community LovelyBooks – ein Widget, welches sich in E-Books einbetten lässt und einen direkten Dialog zwischen Lesern und Autor ermöglicht. Vor einigen Wochen stellten wir euch dann die iPhone-App BooksAround vor, die eine standortbasierte literarische Entdeckungstour durch Berlin anbietet und Nutzer dazu anregt, in Literatur zitierte Orte auf einer Karte hinzuzufügen, zu kommentieren und mit Fotos zu versehen.

Von dem aus München stammenden Dienst BookRix kommt nun ein weiterer kreativer Ansatz. BookRix, über das wir vor zwei Jahren an dieser Stelle kurz berichteten, bezeichnet sich selbst als größte deutschsprachige Bücher-Community und hat laut eigener Aussage 240.000 registrierte Nutzer weltweit. Im Vordergrund steht bei der Plattform die Möglichkeit für passionierte Hobbyautoren und Leseratten, eigene E-Books zu veröffentlichen und zu entdecken. Rund 58.000 Titel, darunter auch einige Hörbücher, stehen kostenlos zur Verfügung.

Mit der Funktion “SocialBook” will BookRix bestehenden und zukünftigen Usern einen Weg anbieten, via Twitter und Facebook ein kollaboratives E-Buch zu erstellen. Voraussetzung, um ein SocialBook anlegen oder daran mitschreiben zu können, ist ein Benutzerkonto bei BookRix.

Der Initiator des Buches erstellt ein neues E-Book bei BookRix, wählt einen Titel, eine Beschreibung und ein Coverbild. Anschließend lädt er alle oder ausgewählte Facebook-Kontakte bzw. Twitter-Follower dazu ein, sich an der Produktion des Buches zu beteiligen. Jeder Tweet bzw. jedes Status-Update derjenigen User, welche die Einladung angenommen haben, landet anschließend mit einer Verzögerung von maximal 15 Minuten im kollaborativen E-Book (mit Name und anderen Angaben zum jeweiligen Verfasser). Auch andere BookRix-Mitglieder können als Co-Autoren herangezogen werden.

Erstellung eines SocialBooks
Erstellung eines SocialBooks

Wer möchte, kann auch einen Hashtag definieren, der in Tweets bzw. Status-Updates enthalten sein muss, damit die jeweilige Nachricht als Buchinhalt übernommen wird. Jedes bei BookRix erstellte E-Book erhält eine öffentliche Profilseite mit Bewertungen, Kommentaren, einem Link zum proprietären BookRix-E-Book-Reader sowie einer Downloadfunktion (u.a. im ePUB-Format).

Die Anwendungszenarien sind laut Nils Later von BookRix vielfältig. Das neue Feature eigne sich sowohl für kollaboratives Schreiben im klassischen Sinne als auch zur Archivierung von Konversationen im Netz, zur Erstellung von Spaßbüchern oder zum Sammeln von Meinungen/Stimmen zu bestimmten Themen.

Die grundsätzliche Idee eines von einer großen Zahl von Autoren gemeinsam befüllten E-Books, das sich aus Status-Updates und Tweets speist und damit von den Mitschreibern wenig Aufwand erfordert, halte ich durchaus für reizvoll.

Einige Schwachpunkte stehen dem Erfolg von BookRix’ SocialBook-Feature jedoch noch im Weg: Zum einen ist da natürlich die Notwendigkeit, zuvor BookRix-Mitglied zu werden – auch für Co-Autoren. Wenn ich 100 Facebook-Kontakte zur Mitarbeit einlade, davon aber 99 kein Konto bei BookRix besitzen, dann dürfte sich am Ende nur ein sehr kleiner Teil tatsächlich bei BookRix registrieren und somit bei meinem kollaborativen Buchprojekt mitmachen können.

Auch verleitet der Menüpunkt “Alle Deine Twitter-Follower einladen” bzw. “Alle Deine Facebook-Kontakte einladen” dazu, die eigenen Freunde und Kontakte ohne vorherige Selektion mit Einladungen in Form persönlicher Nachrichten zuzumüllen. Eine Option zum selektiven Auswählen einzelner Follower existiert zwar, aber seltsamerweise zeigt mir BookRix nur einen Bruchteil derjenigen Twitter-Nutzer an, die mir folgen. Zumindest die Fähigkeit zur Angabe einzelner Twitter-Benutzernamen wäre wünschenswert.

Letztlich scheint es, als stellt BookRix Usern unnötig viele Hürden in den Weg, um sich an einem SocialBook beteiligen zu können. Hier z.B. ist ein von mir erstelltes – ohne Inhalt, da Mitschreiber fehlen. Um jedoch Co-Autoren zu finden, müssen erst mehrere Registrierungs- und Einladungsschritte durchlaufen werden. Bis dahin haben sich die meisten potenziellen Teilnehmer bereits anderen Dingen zugewandt. Vermutlich würde schon die Option zum Anmelden via Facebook oder Twitter ausreichen, um den Registrierungsprozess zu entschärfen.

Bevor SocialBook tatsächlich kollaboratives Schreiben und den Entstehungsprozess von Büchern im Zeitalter der sozialen Medien revolutionieren könnte, wie es BookRix ankündigt, dürfte noch ein wenig Feinabeit und das Entfernen von Einstiegsbarrieren erforderlich sein. Letztlich muss BookRix eine Rechtfertigung dafür finden, warum Nutzer nicht einfach ein Dokument bei Google Docs anlegen und dort gemeinsam ihre Inhalte einfügen sollen.

Mit SocialBook vergleichbare Dienste sind mir nicht bekannt, aber die Erfahrung zeigt, dass es im Netz kaum noch Ansätze gibt, die zuvor noch nicht in ähnlicher Form bereits ausprobiert wurden. Über Hinweise auf ähnliche Ansätze oder Berichte, wie ihr ein kollaboratives Buch anfertigt, freuen wir uns.

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