Startup-Multiplikatoren:
Wo ist unser Ashton Kutcher?

US-Promis begegnen aufstrebenden Startups mit offenen Armen und treten als Investoren sowie Multiplikatoren auf. Wo sind die deutschen Promis mit Early-Adopter-Gen?

Ashton Kutcher
Ashton Kutcher
Was haben aufstrebende US-Startups wie der Chatservice Tinychat, die Suchmaschine Blekko, der Videodienst nowmov oder die Flugsuchmaschine Hipmunk gemein? Bei allen vier Diensten sitzt US-Schauspieler Ashton Kutcher als Business Angel mit im Boot. Richtig, der Ashton Kutcher, der im April 2009 als erster Twitter-User die Marke von einer Million Followern erreichte (und damit den Account von CNN auf den zweiten Platz verwies).

Kutcher ist nicht der einzige US-Promi, der erkannt hat, welches Potenzial in innovativen Onlinediensten und neuartigen Technologien liegt. Sowohl für seine berufliche Rolle und sein Image, aber auch aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektive:

Sänger und Jungstar Justin Bieber ist bekannt für seine intensive Twitternutzung, steht kurz vor dem Erreichen der Marke von sieben Millionen Followern und soll für drei Prozent des gesamten Twitter-Traffics verantwortlich sein. Sein Branchenkollege Snoop Dogg nutzt seit kurzem den in Early-Adopter-Kreisen angesagten Fotosharingdienst Instagram. 50 Cent taucht im Video eines 15-jährigen YouTube-Stars auf, MC Hammer erscheint bei TechCrunchs Disrupt-Konferenz, Black Eyed Peas-Frontman Will.i.am wird “Director of creative innovation” bei Intel und Talkshow-Königin Oprah Winfrey sendet aus ihrer Show einen Tweet und beschert Twitter an einem einzigen Tag 1,2 Millionen neue User.

Startups, Social-Web-Dienste und Berühmtheiten – das passt in den USA gut zusammen und verhilft frisch gegründeten Jungunternehmen mit einem Schlag, vom Geek- zum Massenphänomen zu avancieren. Und in Deutschland? Welche berühmten branchenfremden Startup- und Social-Media-Multiplikatoren haben wir?

Mir kommen im besten Fall Leute wie Reiner Callmund oder Michael Kessler in den Sinn, die frühzeitig bei Twitter ihr digitales Zelt aufschlugen und obendrein verstanden haben, wie man den Microbloggingdienst zur persönlichen Kommunikation mit den Anhängern verwendet. Oder ich denke an Mola Adebisi, der als Consultant bei Rapidshare tätig war.

Im schlechtesten (und wahrscheinlichen) Fall denke ich jedoch eher an Kerner.

Promis (egal ob aus der A-, B- oder C-Kategorie) aus Deutschland, die in Internet-Startups investieren, sind mir keine bekannt. Euch?

Sicherlich ist der Vergleich USA-Deutschland unfair: Dortige Promis besitzen häufig eine internationale Bekanntheit, während die Reichweite hiesiger Promis selten über den deutschsprachigen Raum hinausgeht. Zudem ist die Startup- und Social-Web-Szene auf der anderen Seite des Atlantiks deutlich größer und glamuröser, als dies in Deutschland der Fall ist.

Ich bin der Letzte, der sich für Promi-Klatsch interessiert (was auch bedeutet, dass ich in meiner Betrachtung eventuell einen wichtigen Multiplikator aus der deutschen Unterhaltungs- oder Musikwelt ausgelassen habe). Doch die Bedeutung von prominenten Multiplikatoren für das digitale Ökosystem und dessen gesellschaftliche Akzeptanz kann meines Erachtens nach gar nicht überschätzt werden.

Wenn in den hiesigen Medien und an den hiesigen Stammtischen zum tausendsten Mal die Schattenseiten und Risiken von sozialen Netzwerken und anderen digitalen Technologien diskutiert werden, dann hat dies auch damit zu tun, dass die ganz großen Multiplikatoren und Vorbilder (für viele Menschen sind Promis immerhin echte Vorbilder) fehlen.

Welche Berühmtheiten aus Deutschland sind euch im digitalen Kontext positiv aufgefallen? Und wie beurteilen unsere Leserinnen und Leser aus der Schweiz und aus Österreich die Situation dort?

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19 Kommentare

  1. Richard Metzler
    schrieb am 26. Januar 2011 um 15:29 Uhr (#)

    Ich kenne da keinen. Boris Becker’s “Bin ich schon drin?” steht da vermutlich für die meisten von denen.

  2. Elsbeth
    schrieb am 26. Januar 2011 um 15:58 Uhr (#)

    Es scheint in Deutschland leider immer noch keine wirklich webaffinen “Promis” zu geben. Scheinbar herrscht hier noch strenge Trennung von Kultur- und Digitalwelt…

  3. Jürgen
    schrieb am 26. Januar 2011 um 16:07 Uhr (#)

    Du hast ja schon einige Promis genannt, die es versucht haben. Und trotzdem gibt es keinen Run auf Twitter. Glaube ganz einfach, Deutschland ist noch nicht so weit. Da könnte selbst ein A-Promi von Weltformat kommen, die Masse würde immer noch skeptisch auf “diesen komischen SMS-Dienst mit 140 Zeichen” gucken, “wo die Leute ja nur erzählen, dass sie gerade einen Kaffee getrunken haben”. Letzteres ist ein Statement einiger Bekannter, die um die 30 sind.

    1. Trenz
      schrieb am 26. Januar 2011 um 16:29 Uhr (#)

      @Jürgen

      In 99% der Fälle haben deine Bekannten ja Recht :)
      Das Verhältnis von investierter Zeit in Twitter (lesen/schreiben) zu Nutzen ist sehr schlecht. Und wozu sollte ich einem “Star” folgen wollen ^^

  4. me
    schrieb am 26. Januar 2011 um 21:08 Uhr (#)

    In Deutschland macht das Netz die Stars:
    Umfrage in meiner 10 Mann WG:
    Wer ist Michael Kessler und wer ist Martin Weigert?
    Ergebnis 9 kennen Dich aber nur 2 Herrn Kessler.
    nerdpower ftw. ;)

  5. Marco
    schrieb am 26. Januar 2011 um 22:55 Uhr (#)

    Irgendwie konnte ich Twitter noch nie etwas abgewinnen. Ich war damals zuerst bei Facebook angemeldet und habe den Unterschied zwischen der Pinnwand und Twitter nicht verstanden o.O.Alsoich wusste nicht wieso ich mich extra nochmal bei Twitter anmelden sollte…

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. Januar 2011 um 00:44 Uhr (#)

    Es geht hier nicht explizit um Twitter oder was man individuell von Twitter hält, sondern um Promis, die generell eine offene Einstellung zu neuen digitalen Technologien habe und dies auch offen kundtun.

    @ me
    Eine sympathische WG!

  7. Andi
    schrieb am 27. Januar 2011 um 00:50 Uhr (#)

    Viagogo lohnt sich anzuschauen – Steffi Graf ist dort investiert (mit ihrem Mann). Sofern man sie noch zu den “deutschen” Promis zählen mag. Ist aber auch das einzige Startup, an welches sie sich rantraute.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 27. Januar 2011 um 03:04 Uhr (#)

      Danke, ein sei gutes Beispiel, auch wenn Viagogo kein Dienst aus dem deutschen Sprachraum ist. Dennoch, immerhin ein Tech-Investment.

      Andererseits: Ist ihr Mann noch immer Aggassi? Der ist ja US-Amerikaner und hat da sicher einen gewissen Einfluss gehabt ;)

  8. Jan Beck
    schrieb am 27. Januar 2011 um 01:45 Uhr (#)

    In einem Interview zwischen Twittererfinder Jack Dorsey und Kevin Rose wird ab etwa der 11. Minute kurz auf das Thema Promi-Ego-Twittering eingegangen. Wenn man Dorsey in dem Interview reden hört, dann bekommt man einen guten Eindruck davon, wie er sich Twitter damals vorgestellt hatte, nämlich als eher technischen Feed, der Informationen an Follower verteilt.

    Als dann jedoch die Celebs darauf ansprangen, bekam der Dienst dann in meinen Augen erst dieses “die Leute erzählen, dass sie einen Kaffee getrunken haben”-Image, denn im Grunde schrieben und schreiben die meisten Promis ja auch nichts anderes. Damit haben sie der Masse vorgelebt wie man twitter nutzt, wenn man cool ist. Das Feld teilt sich in die, die darauf ablehnend reagieren und mit Twitter nichts anzufangen wissen und die, die an solchen Informationen tatsächlich interessiert sind und dieses Verhalten imitieren. Der Unterschied ist ja nun auch leider, dass dieses Interesse bei einem Prominenten noch vorhanden sein mag – das mag man zwar sehen wie man will – aber jedoch bei den Millionen von nicht-Promis eben nicht, was dann zum allgemeinen Belanglosigkeitsspam führte.

    An der Stelle fand ich die” Twitterfunktion” von Facebook auch immer deutlichsten von Twitter abweichend, denn Facebook übernahm die Funition, also Twitter bereits diese Färbung hatte und verinnerlicht nicht mehr den ursprünglichen Geist. Nach wie vor sind für mich facebook-Statusmeldungen deshalb eher klassische “Hey schaut mal”-Nachrichten meines Freundeskreises; Twitter hingegen sehe ich als Informations-Verteiler eher “klassischer” Nachrichten, jedoch mit Fokus auf meine Interessen, meine Arbeit und die Persone die dahinter stehen. Diese Artikel hier habe ich zum Beispiel gefunden, weil ich dort Martin folge.

    Zurück und abschließend zum Thema: Ich teile die Einschätzung über die Wichtigkeit der prominenten Multiplikatoren, jedoch nicht nur in Hinblick auf die Akzeptanz des digitalen Ökosystems, sondern entscheidend auch für dessen Wahrnehmung und Prägung. Somit sind Prominente nicht nur Botschafter, die die digitale Welt in die Gesellschaft tragen, sondern diese auch wieder zurück ins Netz.
    Die Prominenten selbst – auch die im Artikel genannten Beispiele aus den USA – sind jedoch selten von echter Technikbegeisterung und Weltverbesserergeist getrieben, als viel mehr dem Verlangen ihre eigene Bekanntheit zu steigern.

  9. Michael
    schrieb am 27. Januar 2011 um 09:22 Uhr (#)

    Ich kann mich vor allem an Boris Becker erinnern, der an mehreren Startups beteiligt ist/war. Das hat keinem dieser Startups in der öffentlichen Wahrnehmung geholfen.

    Das Problem sind also nicht einzelne Promis, sondern die grundsätzlich technikfeindiche Kultur. Interessanterweise nur in der öffentliche Debatte, nicht so sehr in der Nutzung. Insofern kann man das auf die kulturelle Elite des Landes fokussieren. Diese muss sich endlich der Realität öffnen.
    Die USA haben eine viel stärkere und rotierende Popkultur, deswegen haben neue Technologien eher eine Chance. Twitter und Oper? Nun ja.

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. Januar 2011 um 09:40 Uhr (#)

    Boris könnte aber auch einfach eine ungeeignete Person gewesen sein oder hat zum falschen Zeitpunkt investiert.

  11. Holger
    schrieb am 27. Januar 2011 um 13:19 Uhr (#)

    Karoline Herfurth (“Das Parfüm”, “Im Winter ein Jahr”) hatte von 2006 bis 2009 einen bei uns gehosteten eigenen Blog (unter http://www.karoline-herfurth.de noch immer erreichbar) und findet im Augenblick offenbar Spaß an facebook (ebendort verlinkt).

    Ansonsten fällt in der Tat auf, daß die erfolgreichsten facebook-Künstler-Seiten lediglich einen Wikipedia-Artikel enthalten (Beispiel Til Schweiger mit 24.000 “Gefällt mir”) – oder offenbar von PR-Leuten gefüllt werden (Lena Meyer-Landrut mit 445.000 Followern).

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. Januar 2011 um 15:05 Uhr (#)

    Lena könnte in der Tat ein so gutes Vorbild sein, was den Einsatz neuer digitaler Technologien betrifft…

    Aber am Ende ist es wohl tatsächlich die von Michael angesprochene technikfeindliche Kultur, die bei den meisten ihre Prägung hinterlässt, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

    1. Robert Frunzke
      schrieb am 27. Januar 2011 um 21:07 Uhr (#)

      Äh… das hast Du nicht wirklich gedacht und gesagt, oder? Also was nun, Lena oder nicht Lena – und wenn Lena, wie sieht Dein Plan aus, sie zur Vorbild-Funktion zu erziehen?

      Ich glaube, Du verdienst im Moment zu gut, dass Du Dir Zeit für solchen Schwachsinn nehmen kannst! ;-)

      Nichts für Ungut, Sorry! Ich muss meine Zeit jetzt auch sinnvoller nutzen, verdammt schon wieder 10min verschwendet.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 28. Januar 2011 um 01:14 Uhr (#)

      Irgendjemand muss ja solchen wie dir die Möglichkeit geben, ihre Zeit zu verschwenden ;)

    3. Robert Frunzke
      schrieb am 28. Januar 2011 um 22:05 Uhr (#)

      Gutes Argument! :-)

  13. Eyo
    schrieb am 27. Januar 2011 um 17:12 Uhr (#)

    Michael Stich ist an meinverein.de beteiligt.

  14. Robert Frunzke
    schrieb am 27. Januar 2011 um 20:39 Uhr (#)

    Neue Promis braucht unser Land – holt die Mistgabeln wieder heraus! ;-)

    Ach, ehrlich gesagt, keine Ahnung.. ich habe noch nie verstanden, warum man “Promis” per se überhaupt braucht – Menschen, die einfach nur präsent sind und hübsch aussehen und allein dadurch Geld einsacken? Ab und zu ist auch mal ein Talent dabei – aber warum ist ein guter Fußballspieler mehr “wert” als eine guter Familienvater? Was gibt er denn dem Gemeinwesen mehr als gut auf dem Platz auszusehen? Warum können wir nicht endlich mal verstehen, dass man nicht Alles und Jeden bewerten muss.

    Sicher, die Welt ist einfach so – aber mit etwas weniger “Wertung” und mehr Realität in unseren Köpfen würden sich auch die Promis in Wohlgefallen auflösen.

    Wir krank ist diese Welt, dass es soweit gekommen ist.

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