Fiverdeal vs Fiverr:
Ein Klon wie aus dem Bilderbuch

Viele junge deutsche Startups scheinen kein Interesse mehr daran zu haben, einfallslos US-Dienste nachzubauen. Für die Macher von Fiverdeal hingegen ging es offenbar darum, dem Original so ähnlich wie möglich zu sein.

In diesem Artikel habe ich versucht, zu einer weniger inflationären Verwendung des im Kontext von deutschen Web-Startups gerne angebrachten Copycat-Begriffs aufzurufen. Während sich junge Internetunternehmen hier und anderswo gerne an bestehenden Services orientieren und das ein oder andere Detail übernehmen, sehen wir in letzter Zeit vermehrt innovative und eigenständige Ansätze hiesiger Onlinefirmen bzw. Vorhaben, welche existierende US-Dienste wenigstens nicht kopieren, sondern versuchen, deren Ideen voranzubringen und zu verbessern.

Ganz ausgestorben ist die waschechte Copycat allerdings doch noch nicht, wie der von Markus am Samstag vorgestellte Service Fiverdeal zeigt. Bei dem Angebot aus Erpel bei Bonn können User Dienstleistungen und Produkte für fünf Euro (oder mehr) anbieten bzw. nachfragen. Markus verweist in seinem Kurzporträt auf das US-Vorbild Fiverr, welches dem gleichen Prinzip folgt, aber im Gegensatz zum deutschen Pendant ausschließlich Angebote im Wert von 5 Dollar zulässt (bei Fiverdeal werden Einträge bis zu einem Umfang von 100 Euro akzeptiert).

Was Fiverdeal zu einer handfesten Copycat macht, ist die Tatsache, dass es nicht nur die Idee von Fiverr übernimmt, sondern sich auch beim Namen und Design eng an den US-Dienst anlehnt. Gerade die äußerliche Ähnlichkeit der Homepages von Fiverdeal und Fiverr ist verblüffend.

Imitat (oben) und Original (unten)
Imitat (oben) und Original (unten)

Dass die Fiverdeal-Macher den Bogen deutlich überspannt haben, verdeutlichen diese zwei Leserkommentare zu unserem Samstagsartikel, die Fiverdeal eine hohe Verwechslungsgefahr attestieren. Es ist offensichtlich, dass die Designvorgabe für Fiverdeal gewesen sein muss, Fiverr optisch möglichst originalgetreu nachzubauen.

Es sind Imitationen wie diese, die Deutschland einst den Ruf einbrachten, ein Land von Web-2.0-Klonen zu sein. Dass es noch immer “Gründer” gibt, die meinen, mit einer einfallslosen, aber dafür fast exakten Kopie auf Nutzerfang gehen zu können, ist traurig. Die funktionelle Adaption ist sicher das geringere Problem (und legitim, wenn man bedenkt, dass Fiverr sehr US-zentrisch ist). Sich aber nicht einmal die Mühe zu machen, ein eigenständiges Layout auf die Beine zu stellen, kann nur als Armutszeugnis bezeichnet werden.

Mit Yoofive gibt es einen weiteren Service aus Deutschland, der auf das Fiverr-Konzept setzt – aber immerhin mit einem eigenständigen Design.

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16 Kommentare

  1. Alexander Hüsing
    schrieb am 10. Januar 2011 um 13:22 Uhr (#)

    Die Liste der Klone lässt sich noch fortsetzen:

    Fiveo, Fünfi, Sevvn.de

    http://deutsche-startups.…ne-buhlen-um-nutzer/

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. Januar 2011 um 13:33 Uhr (#)

    Das nimmt ja Twitter-Klon-Ausmaße an ;)

    Zumindest heben sich alle optisch vom Original ab.

  3. Piet
    schrieb am 10. Januar 2011 um 13:53 Uhr (#)

    Fiverdeal und all die anderen werden nicht die letzten Fiverr Klone sein die hierzulande und auch anderswo entstehen. Mittlerweile kann man so ein Fiverr-Klon-Script ja schon für ein Taschengeld kaufen.

    Mit diesen Jobbörsen verhält es sich nun ähnlich wie vor einigen Jahren mit Flirtportalen und Bilderhostern. Die Portale werden größtenteils in Billig-Scripten nachgebaut und so der breiten Masse zugänglich gemacht damit auch wirklich jeder so einen Dienst starten kann. Die meisten werden ihren 2. Geburtstag jedoch nicht erleben denke ich.

    Mit einem Startup verbinde ich Innovation und Engagement etwas neues voran zu bringen, daher tue ich mich sehr schwer damit diese Fiverr-Klone überhaupt als Startups zu bezeichnen.

  4. Andreas
    schrieb am 10. Januar 2011 um 14:05 Uhr (#)

    Das ist leider etwas, was immer mehr zu nimmt. Neben dem Content, werden halt immer mehr ganze Projekte 1:1 kopiert. In dem Fall ist der Bogen aber deutlich überspannt.

  5. Martin
    schrieb am 10. Januar 2011 um 17:08 Uhr (#)

    Es gibt im WWW ja ohnehin fast nichts mehr, was wirklich einen Alleinstellungscharakter hat. Sobald was gutes da ist, wird es zig mal abgekupfert. Zugegeben, teilweise sind die Kopien dann besser als das Original. Aber so oder so – gegen Plagiate kann man ja vorgehen.

  6. Marcel Weiß
    schrieb am 11. Januar 2011 um 17:19 Uhr (#)

    Der (traurige) Witz an Fiverdeal ist ja, wie Markus im App Fieber schon anmerkte, dass die Copycatgründer ausgerechnet den einzigen USP des Originals fiverr, nämlich alles kostet genau gleich viel, abgeändert haben. Damit zeigen sie, dass sie die systemischen Dynamiken überhaupt nicht verstanden haben, denn 5 bis 100€ sind künstliche Grenzen, die kaum Einschränkung bedeuten und genau so gut komplett fehlen könnten. Lustig.

  7. Mike
    schrieb am 13. Januar 2011 um 18:47 Uhr (#)

    Davon gibt es noch viel mehr Clones…. auch ich habe mich mal hingesetzt und sowas auf die Beine gestellt.. mydienst – leider habe ich keine Puste mehr dafür zu werben und im nachinein finde ich die Idee doof und Steuertechnisch kritisch.

  8. Dani Schenker
    schrieb am 15. Januar 2011 um 20:46 Uhr (#)

    Haha. Hab eben auch herausgefunden wie viel die Entwicklung dieses Projektes gekostet hat, 299$ (oder 99$ falls die Aktion schon lief).
    So ein Script kann man hier kaufen: fiverrscript.com

  9. Andreas Gottschalk
    schrieb am 13. März 2011 um 21:52 Uhr (#)

    Ich hab mir das Teil auch mal angesehen, also ich sehe da keine alzu große Ähnlichkeit. Und das man sowas für $299 bekommt glaube ich kaum.

    Die Idee mit der Karte drin finde ich übrigens super auch wenn mich das Thame vorher nicht wirklich interessiet hat hab ich jetzt auch da was gekauft, direkt in meiner Gegend.

  10. Berk
    schrieb am 30. März 2011 um 16:18 Uhr (#)

    Also ich habe mir sagen lassen, dass Fiverr in Deutschland auch verfügbar sein wird. Bislang habe ich nur die Seite hier gefunden http://fiverr.de

    Mal sehen, wann die Seite live geht…

  11. Hans Müller
    schrieb am 4. April 2011 um 22:14 Uhr (#)

    Das wird ein lustiger Kampf zwischen Fiverr und http://www.gigalo.de

  12. Andreas Gottschalk
    schrieb am 7. April 2011 um 16:26 Uhr (#)

    Überall im Netz taucht jetzt dieser Spam von Gigalo auf. Am 6. April online gegangen aber am 4. schon einen Kommentar abgegeben. Die müllen echt alles zu. (Ist ja auch von Hans Müller LOL)

    Und wenn man ein wenig googelt, findet man deren Suche nach Fake-Usern. Seltsames Gehabe.

  13. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. April 2011 um 16:40 Uhr (#)

    in der Tat.

    Wie ich gehört habe, sollen sie gestern auch versucht haben, die Presseveranstaltung zum Launch von Fiverr zu stören…

  14. Berthold
    schrieb am 29. April 2011 um 16:12 Uhr (#)

    Bemerkenswert ist diese Aktion vor allem insofern, als dass keiner der Twitter oder Digg-Clones in Deutschland überlebt hat. Nachdem es Dank inflationären Preisen die u.A. von Holtzbrink in solche Plattformen investiert wurden fast nach einer zweiten dotcom-Blase aussah, ist der deutsche Markt reichlich abgekühlt. Plattformen wie Fiverdeal haben aber zumindest den Vorteil, dass sie bereits ein Revenuemodell haben und nicht auf (nicht zu erwartendes) Risikokaptial angewiesen sind.

    Was Fiverr selbst angeht stimme ich Mike zu: Das Ganze muss sich erstmal mit dem deutschen Steuersystem in Einklang bringen lassen; ob es dann noch attraktiv ist sei dahingestellt. Diese Fragestellung habe ich Fiverr gegenüber auch geäussert als ich zur Beta eingeladen wurde, aber dort scheint man sich dazu bisher keine Gedanken zu machen.

  15. sambuca
    schrieb am 19. August 2011 um 14:43 Uhr (#)

    das witzige ist, das teilweise noch original sourcecode enthalten ist…

    und man kann auch alles mögliche anbieten…
    für 5€ copycat von http://www.fiverr.com :D

  16. Andreas
    schrieb am 19. Januar 2012 um 22:16 Uhr (#)

    Leider funktionieren bei fiverdeals auf der Übersicht, was ein Benutzer alles verkauft, der Bestell-Button nicht richtig. Da wird man nämlich zur Paypal Sandbox weitergeleitet…

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