Zum Launch des Mac App Store:
SoundCloud veröffentlicht
Desktop-Applikation

Parallel zum Start des Mac App Store veröffentlicht SoundCloud seine erste Desktop-Applikation. Auch wenn dieser Schritt der Berliner sicher sinnvoll ist – die Computernutzung der Zukunft geschieht im Browser.

Ich besitze keinen Mac, weshalb mir der heutige Start des Mac App Store eigentlich vollkommen egal sein kann. Gefreut habe ich mich aber dennoch, als ich erfuhr, dass eine der etwa Tausend zum Start verfügbaren Anwendungen für Mac OS X (die Zahl scheint je nach Land zu variieren) von SoundCloud kommt.

Das Berliner Startup (das sich gerade Nutzer-Kritik wegen der Einführung eines Content-ID-Systems für Rechteinhaber gefallen lassen muss) bot bisher (abgesehen von Drittanbieter-Apps, die sich die SoundCloud-API zunutze machen) lediglich eine Browservariante sowie mobile Applikationen für iOS und Android an. Passend zum Launch des Mac App Store präsentiert der Dienst nun seine erste offizielle Desktop-Lösung.

Die kostenlose Anwendung ermöglicht den Zugriff auf sämtliches Audiomaterial, das einem von anderen Usern empfohlen wurde, bietet eine universelle Suchefunktion für das komplette SoundCloud-Audioarchiv und beinhaltet die jüngste Aufnahmefunktion, mit der die Berliner ihren Fokus erweitern und sich fortan offiziell für alle Arten von Audiodateien öffnen, nicht mehr nur für musikalische Produktionen.

SoundCloud ist damit eine, wenn nicht sogar die simpelste Lösung, um vom Mac-Desktop Audiodateien aufzunehmen und diese direkt mit einem Klick online zu veröffentlichen. Andererseits kann man natürlich argumentieren, dass der Aufnahmeprozess direkt im Browser auch nicht weniger umständlich wäre.

Dennoch: Für einen sich bevorzugt an kreative Geister richtenden Dienst dürfte eine Desktop-Anwendung für den Mac ein sinnvolles Unterfangen sein. Ob der Mac App Store jedoch eine Revolution darstellt, wie er von manchen dargestellt wird, bezweifle ich.

Für Apple bringt die Erweiterung des lukrativen App-Konzeptes auf eine zusätzliche Plattform selbstverständlich eine neue Einnahmequelle mit sich. Dennoch wirkt es, als käme der App Store ungefähr 10 Jahre zu spät: Betriebssysteme und lokal zu installierende Software verlieren im stationären Bereich zunehmend an Bedeutung, weil immer mehr Funktionalität in die Cloud wandert. Während der Launch des Stores für Mac-Nutzer zum aktuellen Zeitpunkt sicherlich die Suche und Installation neuer Software erheblich vereinfacht, sehe ich nicht, wie der Store im Schatten des Cloud-Trends nachhaltige Akzente setzen soll.

Der Ort, an dem in den nächsten Jahren die Post abgehen wird, ist der Browser. Google hat dies erkannt, wie Chrome Browser, Chrome OS und Chrome Web Store zeigen. Apple, das selbst sein soziales Musiknetzwerk Ping vom Browser fernhält, scheint dies aufgrund des aktuellen App-Geldsegens vergessen zu haben.

Der Mac App Store ist für Mac-Nutzer sicher eine praktische Sache, mehr aber nicht, und bei weitem keine Revolution. Oder was meint ihr?

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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6 Kommentare

  1. Der App Store ist sicherlich keine Revolution da es das Konzept ja schon seit Jahren in der Linux-Welt gibt.

    Die Wanderung in die Cloud ist aber ebenfalls noch weit von dem entfernt, was ihr hier ankündigt: Natürlich ist der Weg langfristig in die Cloud unumgänglich und die momentane Entwicklung erlaubt auch schon viele spannende Anwendungen im Netz. Was es aber trotzdem noch gibt ist der einfache Nutzer, der seine Programme nicht im Browser startet und lieber auf seinem Rechner hat. Für den einfachen (und wahrscheinlich auch normalen) Nutzer ist der App Store also durchaus eine Revolution: Endlich alle Programme an einer Stelle mit allem, was sonst nur schwer möglich war.

    Ob wir jemals komplett in der Cloud arbeiten werden hängt sowohl von vielen technischen als auch politischen und gesellschaftlichen Dingen ab: Wenn es beispielsweise nicht möglich wäre Daten wirklich sicher verschlüsselt in der Cloud zu speichern bevorzuge ich meine eigene Festplatte und somit auch Anwendungen auf meinem Rechner.

    • Seh ich genauso. Und selbst wenn wir irgendwann komplett in der Cloud arbeiten wird dies wohl hoffentlich nicht nur über Browserapplikationen geschehen, sondern über schlanke Programme, die nicht den Einschränkungen einer Webapplikation, die über einen Browser läuft, unterliegen. Und für den Entwickler ist dies eh interessanter, da er nicht jedes Programm auf vier oder fünf unterschiedlichen Browsern lauffähig halten muss.
      Der Hauptvorteil netzbasierender Programme ist die Auslagerung der dynamischen Daten. Das wird auch erst einmal so bleiben.

  2. > Der App Store ist sicherlich keine Revolution da es das Konzept ja schon seit Jahren in der Linux-Welt gibt.

    Du darfst den AppStore nicht mit Apt vergleichen. Kostenpflichtige Apps kannst du nach dem Kauf immer wieder erneut herunterladen. Z.B. auf deinem Zweitrechnen, dem Laptop unterwegs oder nach einem Rechner-Defekt zur Neuinstallation. Einfach in den AppStore einloggen und die gekaufte Software kostenlos laden.

    Dies erspart einem den nervigen Stress mit der Verwaltung von Lizenzschlüsseln und Familien-Lizenzen und entlastet das Backup un einen kleinen Teil…

    • Ich meinte auch nur das Prinzip. :-) Ansonsten ist es von der Funktionalität der von Apt sehr ähnlich. Der große Vorteil ist die von Apt bekannte Funktionalität sowohl für Nutzer als auch besonders für Entwickler, die so natürlich leichter gefunden werden.

  3. Der Ort, an dem in den nächsten Jahren die Post abgehen wird, ist der Browser

    Richtig – aber das ist er doch schon seit Jahren. Ich habe nie diverse Desktop-Anwendungen verstanden, wenn dies alles auch in meinem Browser stattfinden kann.
    Warum Tweetdeck-Desktop, wenn es auch integriert im Browser läuft? Ebenso bei simfy und co.

    Ähnlich geht es mir auch mit soundcloud: Warum ein solche Anwendung laden, wenn im Chrome alles verbunden ist, und dies dort auch schneller und einfacher ist?

    Für mich sind das nette Spielereien – aber ohne erheblichen Nutzen für mich. Daher brauch ich es nicht.

  4. Ich denke ebenfalls der Mac App Store ist keine Revolution, aber eine sehr nutzerfreundliche Lösung. Als ich noch hauptsächlich Windows genutzt habe (und nicht Mac) hab ich mir immer gewünscht, dass die Windows Update Funktion endlich aufgebohrt wird und mehr dem genannten Linux Apt Prinzip gleicht. Nun macht Apple es Microsoft vor, wie das am Besten laufen sollte und wie man damit auch noch Geld verdienen kann. Ich denke vor allem für nicht so technisch versierte Nutzer ist der App Store ein weiterer Grund zu Apple zu wechseln. Mal schauen ob und wann Microsoft da nachziehen wird.
    Ich sehe die Zukunft zwar auch in der Cloud und dem Browser, aber wann vor allem der Otto Normalverbraucher diesen Schritt in großen Maß tun wird, das steht für mich noch in den Sternen.